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Schwarz weiß

Inzwischen hatte er sich beinahe daran gewöhnt, daß die Cherrytomaten vor ihm auf dem Tisch wie Sauerkirschen aussahen. Die abgeschnittene Hortensie wuchs nicht mehr, anders als Tulpen in ihrem feuchten Grab. So öffentlich tot, dass er sich nun, da „der Zustand“, wie er ihn nannte, seit mehreren Tagen anhielt, nicht erinnern konnte. An ihre Farbe.

Frühstück in s/w

Er war nirgendwo gegengestossen, nichts tat ihm weh. Auch nicht der grosse Zeh. Ein Gichtanfall war das wohl kaum, eher ein Sichtanfall. Er lachte bitter.

Sein Urin, das war immerhin komisch, schwankte zwischen hellgrau und dem, was ihn an vergilbte Dachpappe erinnerte.

Noch hatte er niemandem erzählt, dass er die Welt nur noch schwarz -weiß sah, in der Hoffnung, dass es im nächsten Moment, am nächsten Morgen einfach verschwand.

Er hatte Western von gestern immer geliebt, aber Teil von Festus Hagens Alltag zu werden, brachte ihn langsam um den Verstand.

Er beschloss hinaus zu gehen, sich auf die Straße zu wagen, auch wenn er gelbe von grünen Lichtern nicht mehr würde unterscheiden können.

Budni erkannte er. Am Logo. Und kaufte nur Dinge, bei denen der Produktname sofort verriet, was drin war. Spaghetti, Bolognese-Sauce (Bio), Lassi – Kräuter, nicht Mango. Den mochte er zwar lieber, aber er hatte Angst, dass das Goldgelb in s/w ihn sofort zum Kotzen brachte.

An der Kasse dann der Schock. Die übergewichtige Verkäuferin, die sich an ihm vorbei drängte und allen in der Schlange zurief, „Kasse drei macht auf“, war in Farbe. Sie lächelte ihn an, als er vor ihrer Kasse den Halt verlor und in den Stapel braune Kuchen fiel, der hinter ihm stand. KEMMSCHE stand drauf und die hatte schon seine Oma immer in den Kaffee gestippt.

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Knöf.

Photo credit: fraggy on VisualHunt.com

Mit der Kraft ist das so eine Sache, sagte mein Großvater immer. Sie gehorcht nur wild, steckt fest in eines Mannes Arm. Deswegen nennt man viele von ihnen vielleicht auch Armee?, wer weiß.  

Was ich weiß: sie vergeht. Ist im übernächsten Dorf so wenig zu spüren, wie im Übermorgen.

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Keep on blogging in a free world #facebookdown

Einsam surren die Server der größten privatwirtschaftlichen Nation in ihren Bunkern. Keiner erinnert sich an ihre Namen.

Wir, die wir auch von Auflösung bedroht sind, wenn man unsere Namen vergisst, stehen draussen vorm Silo und wundern uns: wo sind unsere Freunde, wo sind all die Momente unseres Lebens hin?

Sie sind noch da; wir können sie nur nicht sehen. Ein digitales Babel. DNS Server, die nicht auflösen. Hilflose Gesellen, ohne festen Wohnsitz.