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Im Alter Lebenstraum

Jedes Mal wenn W. aus dem Urlaub Fotos schickt, frage ich mich, ob das immer noch so ist, dass pittoreske italienische Dörfer auf neue Bewohner hoffen, weil die alten verschwinden.

Quasi McPomm in lebenswert.

Ich träume mich dann auf den Marktplatz, an dem ich jeden Tag sitze. Ich trinke Espresso und schaue dem Dorf beim Treiben zu; trage einen schwarzen Hut gegen die Sonne und wechsle gegen 1400 Uhr zu Weißwein.

Mit W. u M. gehe ich zum lokalen 4. Liga Club und im Herbst kommen die Kinder zu Besuch.

La dolce vita di sempre

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Hochkamp

Hier gibt es keine Zäune zu sehen. Die stecken nämlich in mächtigen Hecken. Drei Meter hoch aus Rhododendron oder so.

Man kann von der Straße, auf der keiner parken muss, die oberen Stockwerke sehen. Weiß, herrschaftlich, einige mit einem Türmchen.

Die Nachbarn sieht man höchstens mal vor Gericht, dafür öfter den ägyptischen Botschafter und Bekannte vom HSV.

Das Leben ist harmonisch, so wie die Windhunde, die farblich gut zum Sofa und dem Porsche passen.

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Spezi im Späti

Moin.
Moin.

Stefan ist jetzt Sportdirektor.
Jo.
Ob sich was ändert?
Jo.
Was meinst du was?
Alles.

Kostet, oder?
Jo.
Und wer bezahlt das?
Wir.
Aber wir sind doch St. Paulianer?
Jo.
Und Kühne?
Der zahlt nie.

Bleibt Baumgart?
Nö.
Wieso?
Kaufst Du Spezi im Späti?
Nö.
Siehste.

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Wie 2014 nur anners

2014 war das Sommerhalbjahr warm und lang. Von einer selbstverständlichen Unschuld gelabt, die uns heute verloren ist.

Der Hafenmeister hatte Ende Mai schon braune Beine.
Kurze Hosen waren seine Uniform in dieser warmen Wonne;
dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Den idle Blick auf die Ostsee gerichtet, blinzelnd in den hellblauen Nordhimmel lächeln – und annersrum.

Dieses Jahr ist es am und im Fjord genauso warm, nur die Wonne stellt sich nicht ein: der Wind pfeift aus Ost über die japsende See. Zu früh zu wenig Sauerstoff.

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Farvel Lartschi

CW: Tod

Ich trauere um einen alten Freund, der in der HHer Werberszene beruflich eine Heimat hatte, meinen Freund Lartschi, bürgerlich Lars Trzebiatowsky.

Ich lese die Nachrufe seiner Kollegen und denke leise – zum Glück kannte ich auch andere Momente; die albernen, die leicht angetüdelten, die erst auf den 2. Blick tiefgründigen Gespräche, die in kumpelhaftem Gerangel endeten, auch die frustrierten – auch eben dieser Branche geschuldet und dem „Geiler-Macker-Sein-Müssen“ um das es dort oft geht.

Lartschi war mein Jahrgang und mir schwant der Horror, den seine Kinder und Liebsten gerade erleben. Ich werde versuchen, sein Andenken hoch zu halten, so ambivalent ernst und lustig, so vertrauensvoll offen und verschlossen wie er gleichzeitig war.

ps ich habe gewartet, bis die Meldung offiziell wurde; die Beerdigung und Trauerfeier hat bereits stattgefunden

pps Auch die 500Zeichen sind persönlich und Trauer und Tod gehören dazu, deswegen habe ich mich dazu entschieden, diesen Post auch hier zu posten …