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(B)Logbuch

Blogmarksammlung

In meiner Brust schlagen zwei Herzen, das eines freiheitsliebenden Tagträumers und das eines ordnungsliebenden Nerds, der als Kind ganze Spielzeiten der damals zweiten Bundesliga auf Kneipenblöcken (den mit dem beschichteten Papier) und in seinem Kopf durchgespielt hat. Komischerweise hat oft Eintracht Braunschweig die Saison gewonnen. Das wird Wolfgang freuen.

Ich habe spaßeshalber mal in meine Bookmarksammlung geguckt und musste lachen, was ich alles noch lesen muss, meiner vergangenen Ansicht nach. Bookmarks sind der verzweifelte Versuch, Ordnung ins Surfen zu bringen. Texte, Webseiten, Themen haken sich kurz ein in unseren ewig währenden Spaziergang durch die digitale Wüste. „Das lese ich später“, ist wohl eine der häufigsten Lügen, die wir uns erzählen. Am Ende verbringen wir viel Zeit damit, Aufmerksamkeitsleichen auch noch zu ordnen und zu kategorisieren. Anders als beim Kopffußball gibt’s da aber keinen Meistertitel zu gewinnen.

Habe neulich – also dieses Jahr schon – einen Newsletter gelesen. Von wem der war, habe ich vergessen. Ich wollte mir den doch merken und später nochmal in Ruhe lesen. Ach, egal.

Auf jeden Fall ist doch etwas backen geblieben. Die Autorin, nennen wir sie Vero, war ähnliches aufgefallen: ihre „Read Later“ Liste wurde immer größer, ihr schlechtes Gewissen auch. Da suchte sie nach einem Ausweg und kam auf eine Idee, die nun schon 25 Jahre alt ist – und ein wenig aus der Mode: Bloggen. Ausgerechnet.

Sie nimmt sich jeden Tag eine Seite, eine Page, einen digitalen Notizzettel und schreibt ihre Eindrücke vom Tag auf; eine 24h-Sammlung der Dinge, die haken bleiben im vorüberziehenden Strom. Allerdings speichert sie sie nicht. Das wäre ja nur eine weitere Art des Bookmarkens. Sie schreibt auf, was sie aus dem Text, dem Video, dem Posting gelernt hat. In einem täglichen Journal.

Am Ende des Monats schaut sie sich das wieder an. Was dann passiert, habe ich vergessen.

*

Habe alle Zettel mit Wünschen und Vorhaben, die jeweils an einem Abend vor den jeweiligen 12 Raunächten verbrannt werden sollen, en bloque an einem Abend verbrannt (am letzten). Nun weiß ich nicht mehr, was da alles drauf stand. Egal, sehen wir, was das Universum damit macht – vielleicht bookmarken.

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One rope – one role

Beim Segeln gilt die Regel „Eine Leine für eine Funktion“. Jedem Tauwerk wird genau eine Rolle zugewiesen. Das hat sich seit Jahrhunderten bewährt. Eine lange Leine als Achterleine und den Rest als Spring zu setzen, ist zwar praktisch aber nicht sehr seemännisch.

Ich überlege gerade, ob das auch für Blogs gelten sollte.

Ich habe mich für die Autofiktion als Erzählform entschieden und das Logbuch als Format. Es soll ums Segeln gehen und um Seemannsgarn. Das lässt aber wenig Platz fürs Einfachmalsobloggen und führt lustigerweise dazu, dass die Lesenden – also Ihr – denken, das wäre alles mir persönlich passiert.

Du hasst also den Herbst?

Ich möchte beides – meinen Blog wieder als digitale Ausprobierstube etablieren und das autofiktionale Seemannsgarnstricken in einem klaren Format.

Damit ihr unterscheiden könnt, was was ist, ziehe ich den Lebensmittelpunkt meines Liveaboards nach Mallorca um (zumindest im Winter) und zu Steady zurück. Dort erwarten euch alle Abenteuer, die man im Winter rund um Palma erleben kann – und attraktive Pakete …

Liveaboard Hardcover mit Widmung

  • 3 € / month
  • 36 € billed annually

Als Extremsegler:in bist Du ganz von vorne mit dabei. Deswegen gibts fuer Dich das fertige Taschenbuch natürlich gratis …

Alles andere verblogge ich hier. Es gibt also zwei Newsletter. Den jeweils ersten bekommt ihr demnächst zugeschickt – ich würde mich natürlich freuen, wenn ihr beiden treu bleibt.

Sail ho! – ein Teil von mir ist dann mal weg 😉

(Natürlich dürft ihr euch an meinen Ebooks weiter kostenlos sattlesen und einen Heiermann fürs Manöverbier nehme ich auch dankend per Ko-Fi entgegen)

PS Ich veröffentliche im Steady Newsletter die einzelnen Kapitel des Buches ncoh einmal in ihrer redigierten Form – wenn dich das ebook interessiert, schreibe mir kurz, dann schicke ich dir das DOC zum alles auf einmal lesen …

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(B)Logbuch

Urlaub in Pinneberg?

Hamburg, Mitte August. 14 Grad und immer mal kurze Regenschauer.

Carsten Meyer, mit Ypsilon, ist ein Mann, vielleicht der Einzige, der seinen Wohlstandsbauch mit einer selbstverständlichen und würdevollen Coolness tragen kann. Nicht nur in diesem Sinne ist er mein Vorbild.

Ich bin auf dem Weg zu ihm. Dachte ich zumindest bis eben noch. Der ICE nach München ist in Pinneberg gestrandet. Jemand aus der Gegend hat eine Flasche auf den Zug geworfen und eine Scheibe getroffen.

Dann doch lieber Urlaub in Spanien?, steht auf den Gesichtern meiner Mitreisenden.

Der ICE ist wohl zu lang, der steht über die Weichen rüber, orakelt der Zugführer des RB61, in dem ich jetzt festsitze. Ich muss warten, bis sie den ICE mit Loch an der Seite weggefahren haben. Ob Erobique auf mich wartet ist derweil unklar.

W. und A. warten Dammtor auf mich, denn Carsten Meyer zeigt seine Kunst in Planten un Bloomen, in dieser herrlich patinierten Konzertmuschel, wie man sie in den 70ern gerne in Ostseebädern oder Bad Sachsa verbaut hat. Im inoffiziellen Stadtpark St. Paulis hat sie überlebt. Mehr noch, coole Acts, wie L’Imperatrice oder eben jetzt Erobique, haben sie mit neuem Leben erfüllt und überfordern regelmäßig den nahe gelegenen Kiosk.

Ok, wir stehen immer noch. Da habe ich Zeit, euch von iX zu erzählen. Ein Blogger aus Berlin, der sowas wie ein kleiner Star der Szene war, als Bloggen der neue heiße Schiet war. Er bloggt wieder und postet das ins Fediverse. So wie ich auch. Seine Definition des Bloggens hat viel mit Improvisation zu tun, genau das, was auch Carsten Meyer mit seiner Kunst macht.

„din­ge aus­pro­bie­ren, din­ge ob­ses­siv zu ver­fol­gen bis sie mich lang­wei­len, ge­le­gent­lich den ge­schmack an­de­rer zu treffen und ge­le­gent­lich das ge­gen­teil. al­les in der öf­fent­lich­keit, aber ei­gent­lich nicht für die öf­fent­lich­keit.“ — wirres.net

Ich bin inzwischen in Planten und Bloomen angekommen, ein wenig zu früh. Auf dem Weg durch die kuratierte Pflanzenwelt höre ich Carstens Warm-up. Sehr groovy, schon von Weitem.

Pünktlich zum Beginn des Konzertes regnet es es ein wenig. Es ist Mitte August und trotzdem ist der Nieselregen schon herbstlich kühl. Ein Regenbogen 🌈 formt sich aus Licht und Tropfen, wirkt gleichzeitig arrangiert und spontan, wie alles heute Abend.

Erobique hat ein paar Hundert Leute zu sich ins musikalische Wohnzimmer eingeladen. Zusammen mit anderen Sideacts (die beinahe noch cooler sind, geht das?)

„Musik für die Nachbarschaft“

Erobique legt einen Teppich aus verschiedenen Rhytmen und Grooves auf das Buffet, spickt die Platte mit tanzbaren Discosamples, käseigeligen Anekdoten und schlagersken Mitsinggürkchen.

Das ganze kann man sich auch bei ihm Zuhause in der Weidenallee vorstellen. Nahbarer Nachbar, Profiproduzent und lustig gleichzeitig.

Carsten war mal wieder großcool.

22. August 2025, 20:07 2 Boosts 3 Favoriten

Ich treffe E., der auch diesen Blog liest (jeah!), C., den ich 20 Jahre nicht gesehen habe und Philipp, der schon Prota einer 500 Zeichen Geschichte war. 》Random Erinnerung.

All das verstärkt das Gefühl, in einer zugegeben etwas zu großen, aber ziemlich coolen, gemeinsam reifenden Nachbarschaft zu sein. —

Ähnlich der Blogosphäre, die sich lustigerweise im föderierten digitalen Raum wieder trifft.

So groovy und schön wird das morgen um 1830 sicher nicht, orakelt W. nach der letzten Zugabe. Ich weiss nicht, der Zugführer hatte ja am Ende auch Unrecht, denke ich. Vielleicht trägt die Nachbarschaft und ihr Groove ja auch den FC St. Pauli?

Regieanweisung: Blogger dancend ab...
PS — immer wieder sagen mir Menschen im RL, wie nett, gut, groovy oder lustig sie meine Texte finden. Das ist toll. Wenn es Dir auch so geht, dann schicke diesen Blogartikel/ Letter doch gerne mal als Empfehlung weiter, via Mail, Mastodon oder Mundpropaganda. Oder schmeiße einen Heiermann in meine Kaffe-Kasse.
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(B)Logbuch

Sven Regener und das Kult Hot-Dog

Es ist Sommer, zumindest bei den Meteorologen. Im Sommer wechselt meine Leidenschaft. Vom FC St. Pauli Fußball zum Segeln. Ich verbringe dann jede freie Minute (und immer öfter auch berufliche Zeit) an Bord oder auf der Ostsee, die sie da oben liebevoll „unsere nasse Wiese“ nennen.

Dem Deutschlandticket sei Dank, schaue ich nicht mehr nach Tarifen – steige einfach an der Endstation des Kieler Busnetzes ein, verabschiede mich höflich von dem frechen Möwennachwuchs, und tingel mit der Deutschen Bahn übers Land. Wenn alles klappt, schmeißt mich der Zug dann nach gut zwei Stunden in Hamburg aus dem Abteil.

Genug Zeit, um Podcasts zu hören. Oder Hörbücher. Gerade fiel mir das Logbuch von Sven Regener in den Stream, dem ich vor genau zwanzig Jahren in Berlin das Bloggen beibrachte und der mich zum Dank zum Running Gag seiner ersten Staffel machte. Neben Thomas M. Stein (was macht der eigentlich?).

Wer ist tot?, ruft B. aus der Küche.

Mirek.

Wer ist Mirek?

Der Hot-Dog Mann vom Kiez.

Ach. Der dunkle oder der Rennfahrer.

Beide. Nu sind beide tot.

Ich bin mit dem Danmark Hot-Dog und dem wortkargen Mann hinter der Brutzelrolle aufgewachsen. Früher Pflichtprogramm bei der Ziese vorm Top10, verschlägt es mich nu seltener direkt auf die Reeperbahn. (Da ist es selbst für gestandene St. Paulianer nur noch schwer auszuhalten vor Jungesellinnenabschieden und Vodkabomberpiloten)

Vor ein paar Monaten war ich mal wieder da und wir kamen ins Gespräch, auch darüber wie anders die Ecke da geworden ist. Er wirkte da gar nicht mehr so still und stoisch wie früher, sondern genervt, alle, aus der Zeit gefallen.

Was nu aus dem Hot-Dog Imbiss wird? Physisch wahrscheinlich ein weiterer Kiosk und kulturell ein weiteres Musical. So bleiben uns die heißen Ecken auf St. Pauli in Erinnerung, sagt der Kölner, als er mich anruft. Wie jeden Tag. Nur nie zu einer festen Uhrzeit.

Heute erwischt er mich beim Zähneputzen. Sein Timing ist so präzise, immer so unpassend, dass ich meine Wohnung schon nach verborgenen Kameras durchsucht habe.

Schhallo?, nuschel ich.

Ej, Du bist ja berühmt, sagt der Kölner.

Naja.

Nee im Ernst. Sven Regener, das ist echte Literatur. Nicht so ein Kram, wie der hier.

Pass mal auf, sagt er, wenn du so weitermachst machen die noch n Musical aus dir. Der Kölner lacht und hustet gleich darauf. Er hat starke Allergien, und der meteorologische Sommeranfang ist seine Deadline, im wahrsten Sinne. Schlimm. 😉

(Das Logbuch vom Vahraonen mit seiner Kunstfigur Hamburg-Heiner gibts bei Spotify)

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Übers Bloggen

Morgen Nacht nach Ibiza

Sa Caleta, Ibiza, leichter Wind – ablandig, 19 Grad am Morgen.

Wenn du dies liest, entweder weil du einen Link via Fediverse oder Bluesky (ab und an sogar noch Facebook) angeklickt hast oder diesem Blog sogar dort folgst (cool!) oder ihn per Newsletter bekommst, dann gehörst Du zu einem (bisher noch) exklusiven Club — meinen Leserinnen.

Dafür nur ein Wort: vielen Dank! (ok, sorry, das wars jetzt auch mit Fußballerzitaten)

Wer sich auch oft bei Youtube herum treibt oder sich ab und an (öfter als gewollt, gib es ruhig zu) dem Instagram Feed ergibt, der kommt an den Lebenstipps erfolgreicher Gurus und Coaches nicht vorbei.

Manifestiere, was dich glücklich macht, ist einer der Klassiker.

Ich manifestiere ja schon lange, manchmal zusammen mit anderen, befreundeten Bloggern, wie die (nahe, denn langsam wirds Zeit, wenn das mit dem frühen Ruhestand noch was werden soll) Zukunft aussieht. C. und ich sahen uns letztens bei Bluesky beide schon in einer balearischen Bucht. Das Segelschiff, auf dem ich als Autor mit B. sorgenfrei das Leben eines Liveaboards genieße, liegt verträumt und sicher vor seinem Strandhaus vor Anker. Ibiza als Sehnsuchtsort reifender Medienmenschen – Klischee, ja, aber eine starke Manifestation – oder?

Freunde kommen übers Wochenende, denn es liegt etwas Besonderes an: W. legt eine ganze laue Frühsommernacht lang seine berühmten und einfühlsamen House-Decks auf. Wir grillen und haben eine viel schönere Zeit als uns dem neuen Koalitionsvertrag gemäß zusteht.

Bisher klappt das alles nur so lala mit dem passiven Einkommen — also mit euch 😉.

Ist aber nicht schlimm.

Ich schreibe sowieso. Und weil das so ist, ziehe ich auch keine Bezahlschranken hoch oder klöppel Bonusmaterial, das dann nur Abonnentinnen sehen. Denn: Texte wollen gelesen, Podcasts gehört werden!

Free plus: Gib doch, was du willst

Meine Inhalte gibts kostenlos. Auch meine Ebooks, die regelmäßig aus meinen Blogideen heraus purzeln. Hier findest Du zwei davon – wenn Du willst for free – oder eben für das, was Du entbehren kannst oder willst. Du kannst auch an Viva Con Agua oder Seenotretter spenden, wenn sich das für Dich stimmiger anfühlt – alles ok.

Noch mehr freue ich mich aber über …

  1. Empfehlungen, den Goldstandard für Blogger. Teile meine Texte an Freunde und Kollegen. Das wäre toll
  2. Feedback. Schreibe mir, was dir an meinen Inhalten gefällt, und was nicht. Ich ernähre mich davon – im übertragenen Sinne.

Wir sehen uns dann demnächst auf Ibiza. Sail ho!

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Übers Bloggen

Blog like nobody is reading

Frei nach dem sehr befreienden Motto, „Dance like nobody is watching“, pflege ich hier das Schreiben nach meiner Façon.

Für mich.

Rick Rubin, der Entdecker der Beastie Boys, sagte einmal sinngemäß:

„Wenn Du Kunst machst, die dir gefällt, kann sie niemand kritisieren, runtermachen oder so; denn sie ist nicht für ihn, sondern nur für dich“.

In diesem Sinne. Sei willkommen, zu lesen, zu hören, zu liken oder zu kommentieren. Aber bedenke: meine Kunst ist nicht für Dich.

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500 Zeichen

Kleinere Regenpausen

Heute ist Montag, der Wind kommt lebhaft aus Nordost. In Böen erreicht er 25 Knoten, was gegenan schon das erste Reff bedeuten würde.

An Segeln ist aber nicht zu denken im Dezember, höchstens zu träumen.

Anders als meine Onlineexistenz erfindet sich Segeln ja nicht jedes Jahr neu. Seit 2010 auf eigenem Kiel, bei Kiel (hihi), segele ich inzwischen länger im World Wide Web auf eigenem Server.

2004 begann ich damit, meinen Weballtag in ein Weblog zu schreiben. Ich war über diese neue Form des Publizierens gestolpert, als ich einen Artikel zu einem neuen Buch las, das der Autor quasi als Appendix zu seinem eigentlichen Roman heraus brachte: das Weblog zum Buch.

Seitdem blogge ich. Und seitdem suche ich den passenden Stil, das für mich passende Format.

Die letzten einandhalb Jahre habe ich mich auf @500 Zeichen beschränkt. Und frage mich, ob ich das nu auflösen soll?

Wieder mehr Logbuch, mehr Aktualität? Wobei ich die Literarisierung meiner Texte fortführen möchte.

Ab Mittag werden die Regenpausen länger, so klingen gute Nachrichten im Spätherbst.

Markus ruft an, ich muss auflegen.

Der mit K aus Köln?, @ring2?

Ja, der. Es geht sicher wieder um Habeck. Bis morgen dann.

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500 Zeichen

Blog Freely

Entwicklung von Blogs in Deutschland

Die Geschichte der Blogs in Deutschland beginnt in den späten 1990er Jahren, als das Internet zunehmend privat genutzt wurde. Die ersten Blogs waren eine Mischung aus IT-Schau, politischem Meinungsinstrument, Satirekeule, Überwachungsorgan, Film- und TV-Kritik und persönlichem Tagebuch[2]. Mit der Einführung von Social Networks und Plattformen wie MySpace, YouTube, Twitter und StudiVZ rückten Blogs immer mehr in die Öffentlichkeit[2].

Bis 2000 gab es nur eine Handvoll Blogs online, aber mit der Erfindung des World Wide Web und der Verbreitung von Webbrowsern wie Mosaic wurden Blogs zu einem Massenphänomen[10]. 1999 setzte sich der Name „Blog“ durch, geprägt vom Webdesigner Peter Merholz[10].

Die Blogging-Landschaft veränderte sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erheblich, als viele neue Blogs gegründet wurden, in denen Menschen ihre Gefühle und Meinungen zu den Anschlägen ausdrückten[10].

Mit der Zeit haben sich Blogs von reinen Kommentar- und Link-Sharing-Seiten zu Plattformen entwickelt, auf denen längere, tiefgründige Texte veröffentlicht werden[10]. Die Einführung von Blogging-Plattformen wie Blogger.com (1999), Antville.org (2001) und WordPress.com (2005) hat es noch einfacher gemacht, einen Blog zu starten und zu verwalten[10].

Bekannte Blogger in Deutschland

In Deutschland gibt es viele erfolgreiche Blogger in verschiedenen Bereichen. Julia Richter mit ihrem Blog „German Abendbrot“ ist laut einer Auswertung der Kommunikationsberatung Faktenkontor die erfolgreichste Bloggerin in Deutschland[11]. Andere bekannte Bloggerinnen sind Claudia Tödtmann mit „Tödtmanns Management-Blog“, Stefanie Fiebrig mit „Textilvergehen“ und Dunja Voos mit ihrem gleichnamigen Blog[11].

Bedeutung von Blogs heute und im Fediverse

Heute hat sich die Bedeutung von Blogs stark verändert. Während Blogs einst als eigenständige Plattformen dienten, sind sie heute oft Teil eines größeren Ökosystems aus Social Media und anderen Online-Plattformen[7]. Viele Blogger nutzen ihre Blogs in Kombination mit Social Media Plattformen wie Twitter, Instagram oder TikTok, um ihre Inhalte zu verbreiten und ihre persönliche Marke zu stärken[7].

Im Kontext des Fediverse, einem Netzwerk von interoperablen Social Media Plattformen, können Blogs eine wichtige Rolle spielen. Einige Nutzer des Fediverse nutzen Plattformen wie Plume, WriteFreely, Hubzilla oder Friendica für das sogenannte „Macroblogging“, also das Verfassen längerer Blogposts[8].

Trotz der Veränderungen und der Konkurrenz durch Social Media Plattformen bleibt das Bloggen ein wichtiges Medium für viele Menschen. Es bietet eine Plattform für freie Meinungsäußerung und kreativen Ausdruck, und viele Blogs der ersten Generation sind bis heute online[2].

Die Gesamtzahl der Blogs auf Tumblr ist von rund 63 Millionen im Jahr 2012 auf knapp 560 Millionen im Jahr 2022 gestiegen[1], was zeigt, dass das Interesse am Bloggen nach wie vor groß ist. Blogs bleiben ein wichtiger Teil des digitalen Ökosystems und bieten weiterhin eine Plattform für individuellen Ausdruck und kreativen Austausch.

Citations:
[1] https://de.statista.com/themen/248/blog/
[2] https://fraukoenig.de/geschichte-ueber-blogs-und-social-media/
[3] https://likeometer.co/deutschland/influencer/blogger/
[4] https://www.seo-analyse.com/seo-lexikon/b/bloggen/
[5] https://www.macrotrends.net/countries/DEU/germany/suicide-rate
[6] https://blog.feedspot.com/germany_blogs/
[7] https://moritz-meyer.net/blog/was-bloggen-bedeutet/
[8] https://www.reddit.com/r/fediverse/comments/1413dgd/which_platform_for_occasional_blog_posts/
[9] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/273850/umfrage/anzahl-der-blogs-auf-tumblr-weltweit/
[10] https://carta.info/die-geschichte-des-weblogs/
[11] https://www.wuv.de/Archiv/Das-sind-Deutschlands-erfolgreichste-Bloggerinnen
[12] https://www.hostinger.de/tutorials/was-ist-ein-blog/
[13] https://data.oecd.org/rd/gross-domestic-spending-on-r-d.htm
[14] https://www.inbeat.co/top-influencers/instagram/bloggers/germany/
[15] https://www.kareon.de/was-ist-ein-blog/
[16] https://jukkaniiranen.com/2023/07/this-blog-is-now-part-of-the-fediverse/
[17] https://de.wikipedia.org/wiki/Blog
[18] https://bluepartner.de/sinn-und-zweck-von-corporate-blogs-teil-i/
[19] https://fivmagazine.de/mode-fashion-blogger-influencer-deutschland-food-reisen/
[20] https://de.ryte.com/wiki/Blog
[21] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2861/umfrage/entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-deutschlands/
[22] https://www.escentual.com/blog/2022/10/08/10-luxury-lifestyle-bloggers-inspire/
[23] https://praxistipps.chip.de/was-ist-ein-blog-einfach-erklaert_41497
[24] https://techcrunch.com/2023/10/11/wordpress-com-blogs-can-now-be-followed-on-mastodon-and-other-federated-platforms/
[25] https://de.wikipedia.org/wiki/Blogger

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Digital und doch lebendig

Ich bin 2003 zum Bloggen gekommen. Damals faszinierte mich, dass es nun auf einmal Menschen gab, die ihre täglichen Reisen durch ihr Leben und (die Kombination ist wichtig) ihr Surfen durch das World Wide Web in einem Journal dokumentierten.

Für uns Leser_innen (gegendert hat mensch damals natürlich noch nicht) zur Inspiration, zur Debatte-einladend (tatsächlich gab es damals viele politische Blogs, in denen es heiß her ging) oder einfach zum Begleiten.

Manchmal erlebte man dasselbe, manchmal tauchte man in Lebenswelten ein, die einem so fremd waren, wie einem Pinguin die Steppe Kenias.

Ich habe nie wieder so viel gelesen, kommentiert, gelernt und nachgedacht wie damals. Es dauerte nicht lang, da begann auch ich, zu bloggen.

Das war am 13. Oktober 2003. Vor bummelig 20 Jahren. Puh.

Ich wollte mich (etwas großspurig formuliert) „am weltweiten Wissensaufbau beteiligen“ – seht es mir nach, ich war noch jung, so wie das Netz es selbst auch war. „Ab heute wird nacheinander publiziert, sich vernetzt und gepingt. Was das Zeug hält.“, versprach ich mir selbst und habe dieses Versprechen lange gehalten.

Digitale Sinnkrise

Twitter, Facebook und Co. machten der so genannten Blogosphäre, dem losen Verbund von Schreibenden den Gar aus – zumindest habe ich das so empfunden.

Zaghafte und wenig erfolgreiche Versuche „sich das Web zurück zu erobern“ scheiterten. Bis, ja bis ein autoritärer Milliardär den Menschen ihr Spielzeug wegnahm (Twitter) und die große Flucht ins föderierte Web begann.

Was ich gerade empfinde: Lust am Wiederentdecken – von einzelnen Stimmen – und oh Wunder, ich bemerke, dass es Blogger_innen gibt, die nie aufgehört haben zu bloggen; die wieder anfangen zu bloggen.

Holdrio, auf ins Revival. Back to Blog, (Not back to Reality) ;

ps dieser Blog wird automatisch in mein „remote_self“ ins Fediverse gepostet (@ring2@norden.social); du kannst ihn aber auch ganz klassisch via RSS oder E-Mail abonnieren.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Vierter Versuch: Literatize yourself

“Glaubst Du wirklich, das Wirken der Welten ließe sich durch 13 teilen?”

Wir erfinden mich gemeinsam, neu.
Entfernen die Züge der Jugend.
Ändern wir auch die Welt?
Ja. Und mich nebenbei mit.

Ich putze meine Zähne,
Der Spiegel schaut mir ins Gesicht.
Lächle mich an, und suche,
Aber Ewigkeit sehe ich nicht.