Kategorien
(B)Logbuch

Die Toten in Mamas Plattenkiste

Ich bin in dem Alter, in dem die Helden meiner Jugend reihenweise den großen, ihren letzten Törn antreten. David Bowie, Prince, Sinead o’Connor, und so viele mehr.

Und die Künstler, die in der Plattenkiste meiner Mutter wohnten.

Wie jedes Kind meiner Generation habe ich vor der elterlichen Marantz-Anlage und dem Dual Plattenspieler mit Holzapplikation gesessen und stundenlang die Platten angehört, die daneben im Regal standen.

Nun ist der letzte in dieser illustren Reihe gestorben: Chris Rea.

Neben ihm — gespeichert in einer Art analoger Playlist in meiner Erinnerung — stehen bspw die Alben von J.J. Cale, dessen Lieder ich spät erst würdigen konnte. Vor allem das bunte Cover und der ruhige Folk seines 1971er Albums „Naturally“ erreichten mich erst vor kurzem. „Cocaine“ faszinierte mich da schon früher.

Lou Reed war mit seinen vielen Alben, mit Velvet Underground und solo, der Größte in diesem Plattenschrank. Anfang der 90er vollendete meine Mutter meine musikalische Ausbildung mit einem gemeinsamen Besuch in seiner Musicaloper in Hamburg. Sein spätes Album „New York“ kann ich heute noch auswendig mitsingen.

In Chris Rea war meine Mutter ein wenig verliebt, so wie in Freddie Mercury. So richtig glühend wurden ihre Augen aber, wenn ich das vierfach Album des „Concert for Bangladesh“ auflegte. Die Platte hatte schon Schnitzer und Kratzer, weil wir sie so oft hörten, vor allem der Part mit George Harrisons Auftritt. „Here Comes the Sun“ ist für mich seitdem nur echt in der Liveversion und den Knarzern zwischendrin.

In dieser Zeit des Jahres lässt man das abgelaufene Jahr gehen, lässt die Vergangenheit los, um Platz für das Neue zu machen. Mit Chris Reas Tod wird der Bogen größer.

Dabei weiß ich gar nicht, ob ich Mamas Plattenkiste schon loslassen möchte.

Ich nehme mir also vor, den Plattenschrank von links nach rechts durchzuhören zwischen den Jahren. Beginnen werde ich mit George Harrison.

„Ich probiere mal eine der akustischen Gitarren. Ist das Mikrofon schon an..?“

PS Wie geht es eigentlich Joan Armatrading?

Kategorien
(B)Logbuch

Œuvre

Kennt ihr das?, ein Künstler, eine Künstlerin stirbt und ihr lest davon im Internet. Dann posten Bekannte, welche Beziehung sie zu den Songs haben und ihr werdet neugierig. Bei einem guten Glas Rotwein taucht ihr in das Werk ein (oder wieder ein) und wundert euch ein wenig, warum erst der Tod euch diesem Menschen (wieder) näher brachte.

Das ging mir bei Sinead O’Connor so. Und bei anderen Künstlern, von denen ich noch nie oder meist sehr lange nichts mehr gehört hatte.

Gestern Abend, es war schon seit Stunden dunkel, saß ich auf dem Sofa und verlor mich im Instagram Stream, als plötzlich ein alter Mann „Losing my Religion“ von R.E.M sang.

Ich brauchte eine kurze Weile und zweimal blinzeln, um zu schnallen, dass das Michael Stipe selbst war. Das Gesicht inzwischen zuende zerknittert und die Stimme eher gehaucht. Die Wut ist ihm wohl über die Jahre verloren gegangen.

Ich beschloss heute Morgen, nicht so lange zu warten, bis … ihr wisst schon… und erinnerte mich daran, dass ich bei VH-1 meine erste Plattenkritik ausgerechnet über ein Album von R.E.M schrieb.

Das Album „Up“ von 1998 war nicht ihr erfolgreichstes — ich erinnere mich jedenfalls nicht an ein Stück, dass es davon in den Mainstream oder mein Langzeitgedächtnis schaffte.

An meine Plattenkritik erinnere ich mich leider auch nicht. Sie ist im digitalen Nirvana verschollen.

Eigentlich ne schöne Idee, sich das Album nochmal anzuhören, solange wir alle noch leben. Und wer weiss, vielleicht fällt meine Kritik heute gnädiger aus — altersmilder.

Kategorien
(B)Logbuch

Urlaub in Pinneberg?

Hamburg, Mitte August. 14 Grad und immer mal kurze Regenschauer.

Carsten Meyer, mit Ypsilon, ist ein Mann, vielleicht der Einzige, der seinen Wohlstandsbauch mit einer selbstverständlichen und würdevollen Coolness tragen kann. Nicht nur in diesem Sinne ist er mein Vorbild.

Ich bin auf dem Weg zu ihm. Dachte ich zumindest bis eben noch. Der ICE nach München ist in Pinneberg gestrandet. Jemand aus der Gegend hat eine Flasche auf den Zug geworfen und eine Scheibe getroffen.

Dann doch lieber Urlaub in Spanien?, steht auf den Gesichtern meiner Mitreisenden.

Der ICE ist wohl zu lang, der steht über die Weichen rüber, orakelt der Zugführer des RB61, in dem ich jetzt festsitze. Ich muss warten, bis sie den ICE mit Loch an der Seite weggefahren haben. Ob Erobique auf mich wartet ist derweil unklar.

W. und A. warten Dammtor auf mich, denn Carsten Meyer zeigt seine Kunst in Planten un Bloomen, in dieser herrlich patinierten Konzertmuschel, wie man sie in den 70ern gerne in Ostseebädern oder Bad Sachsa verbaut hat. Im inoffiziellen Stadtpark St. Paulis hat sie überlebt. Mehr noch, coole Acts, wie L’Imperatrice oder eben jetzt Erobique, haben sie mit neuem Leben erfüllt und überfordern regelmäßig den nahe gelegenen Kiosk.

Ok, wir stehen immer noch. Da habe ich Zeit, euch von iX zu erzählen. Ein Blogger aus Berlin, der sowas wie ein kleiner Star der Szene war, als Bloggen der neue heiße Schiet war. Er bloggt wieder und postet das ins Fediverse. So wie ich auch. Seine Definition des Bloggens hat viel mit Improvisation zu tun, genau das, was auch Carsten Meyer mit seiner Kunst macht.

„din­ge aus­pro­bie­ren, din­ge ob­ses­siv zu ver­fol­gen bis sie mich lang­wei­len, ge­le­gent­lich den ge­schmack an­de­rer zu treffen und ge­le­gent­lich das ge­gen­teil. al­les in der öf­fent­lich­keit, aber ei­gent­lich nicht für die öf­fent­lich­keit.“ — wirres.net

Ich bin inzwischen in Planten und Bloomen angekommen, ein wenig zu früh. Auf dem Weg durch die kuratierte Pflanzenwelt höre ich Carstens Warm-up. Sehr groovy, schon von Weitem.

Pünktlich zum Beginn des Konzertes regnet es es ein wenig. Es ist Mitte August und trotzdem ist der Nieselregen schon herbstlich kühl. Ein Regenbogen 🌈 formt sich aus Licht und Tropfen, wirkt gleichzeitig arrangiert und spontan, wie alles heute Abend.

Erobique hat ein paar Hundert Leute zu sich ins musikalische Wohnzimmer eingeladen. Zusammen mit anderen Sideacts (die beinahe noch cooler sind, geht das?)

„Musik für die Nachbarschaft“

Erobique legt einen Teppich aus verschiedenen Rhytmen und Grooves auf das Buffet, spickt die Platte mit tanzbaren Discosamples, käseigeligen Anekdoten und schlagersken Mitsinggürkchen.

Das ganze kann man sich auch bei ihm Zuhause in der Weidenallee vorstellen. Nahbarer Nachbar, Profiproduzent und lustig gleichzeitig.

Carsten war mal wieder großcool.

22. August 2025, 20:07 2 Boosts 3 Favoriten

Ich treffe E., der auch diesen Blog liest (jeah!), C., den ich 20 Jahre nicht gesehen habe und Philipp, der schon Prota einer 500 Zeichen Geschichte war. 》Random Erinnerung.

All das verstärkt das Gefühl, in einer zugegeben etwas zu großen, aber ziemlich coolen, gemeinsam reifenden Nachbarschaft zu sein. —

Ähnlich der Blogosphäre, die sich lustigerweise im föderierten digitalen Raum wieder trifft.

So groovy und schön wird das morgen um 1830 sicher nicht, orakelt W. nach der letzten Zugabe. Ich weiss nicht, der Zugführer hatte ja am Ende auch Unrecht, denke ich. Vielleicht trägt die Nachbarschaft und ihr Groove ja auch den FC St. Pauli?

Regieanweisung: Blogger dancend ab...
PS — immer wieder sagen mir Menschen im RL, wie nett, gut, groovy oder lustig sie meine Texte finden. Das ist toll. Wenn es Dir auch so geht, dann schicke diesen Blogartikel/ Letter doch gerne mal als Empfehlung weiter, via Mail, Mastodon oder Mundpropaganda. Oder schmeiße einen Heiermann in meine Kaffe-Kasse.
Kategorien
Dialoge

Ballermanni

Irgendwo bei Hemdingen auf der Bundesstraße.
(Vorsicht, sagt B. da vorne sind neue Blitzer, die wie Baumstämme aussehen)
18 Grad gibts im Schatten und den gibts reichlich, denn es regnet.

B. und ich umfahren den inzwischen obligatorischen Vorelbtunnelstau nach den Abfahrten Schnelsen schon früh und ömmeln gemütlich über die Landstraße.

Tobias hat ein Ritual, um gut einzuschlafen, sagt B. in die Stille hinein.

So? Welches denn?

Er stellt sich vor, was er mit einem Millionengewinn im Lotto anfangen würde.

Und dabei kann er einschlafen?

Mit einem Lächeln sogar 😃.

Cool. Ich gewinne ja auch immer mal wieder. Aber nur fünf Euro.

Dann musst du ja nur noch 1 Million mal gewinnen. Oder du wirst anders reich.

Wie denn? Ich kann doch nix.

N Sommerhit am Ballermann wäre was, dann könnten wir dahin ziehen und du gehst abends in die Schinkenstraße zu deinen Fans.

Dann könnten wir auch nach Mallorca ziehen, in eine eigene Finca.

Ob ich darauf Bock hätte, ich weiss nicht sorecht. (ich ziere mich ein bisschen)

Vorsicht, ein Blitzer!

Na dann nicht, sagt B. dann bleibt wohl nur der Lottogewinn…

(Ok, denke ich vorhin, als ich am Rechner sitze, dann wollen wir mal sehen … Ballermann Hit – wie macht man sowas heute? Klar, mit einer KI ;))

Gerade den Ballermann Sommerhit 2025 created; ich werd reich, ihr Bit***s 😉

7. August 2025, 11:30 0 Boosts 0 Favoriten

Mallorca Ballermann Hit 2025 – Die Lyrics:

Deutscher Sommer
Ziemlich mau
Duisburg, Essen, alles grau.
Kein Glück in Herne.
Er kriegt Sehnsucht nach der Ferne.

(Refrain)
Ma, ma, ma,
Mallorca Manni
Ma, ma, ma,
Mallorca Manni

Ich geh nicht mehr zurück,
Denn hier finde ich mein Glück.

(Strophe 2)
Kein Bock mehr. Schluss mit der Suche: ich buche,
Schnelle Last Minute Suche.
Ab Nach Mallorca, Mann.

Sein Glück fand er dann
Am Ballermann.

(Refrain)
Ma, ma, ma,
Mallorca Manni
Ma, ma, ma,
Mallorca Manni

Ich geh nicht mehr zurück,
Denn hier finde ich mein Glück.

Kategorien
(B)Logbuch

Hej Axl Rose, was soll der Scheiß?

Mannheim, August, 1991. Heiß, kaum Wind.
Wir warten auf Guns n Roses

Es ist gleich beim Einsteigen heiß im Bus, in dem wir sehr lange Zeit sitzen werden, um gerade so rechtzeitig nach Mannheim zu kommen. Der Veranstalter, Metal Tours, hat pro Bus zehn Paletten Freibier versprochen. Das war ausschlaggebend für Moritz, uns vier Plätze zu buchen. „Wegen der Elektrolyte“, sagte er.

Schon kurz vor Bremen meldet der Busfahrer, dass er jetzt mal 90 Minuten durchfahren müsste, sonst kämen wir nie in Mannheim an – und schon gar nicht rechtzeitig zum Guns n Roses Konzert. Dem einzigen in Deutschland und ausgerechnet in Mannheim. Wer kommt auf so eine Idee?

Routinierte Metal Busreisende hatten sich mit 20 Liter Kanistern ausgestattet, um das dringendste Bedürfnis einigermaßen würdevoll entlassen zu können – Details erspare ich euch. Nur soviel: Moritz lachte mich erst aus, als ich nicht anders konnte, als die netten Jungs von der letzten Reihe um ihren bereits halb vollen Kanister zu bitten. Nicht lange danach mussten auch meine Reisekumpels dringend; und mit dringend meine ich schmerzhaft dringend. Und da war nicht mehr viel Platz darin.

Ich muss da gerade an eine Kurzgeschichte von Henry Miller denken, wie er mit demselben Bedürfnis, nur unwesentlich zwei Generationen vorher, durch Paris wanderte, auf der Suche nach einem Pissoir.

Danke, sagt Markus, dem ich die Geschichte auch gerade erzähle, nun habe ich wenigstens Paris mit im Kopfkino.

Gern geschehen.

Wir schaffen es also irgendwie in die Nähe von Mannheim – eine letzte Pause, zum Pinkeln und Schnobkram kaufen (auf Festivals ist der Schiet ja immer so teuer).

Der Bus fährt los. Aber Moment, wo ist denn Moritz? Der fehlt.

Hej, Herr Busfahrer, Herr Busfahrer, da fehlt noch einer.
Kann hier nicht halten, kann hier nicht wenden.

Er hat offenkundig die Schnauze voll von uns. Vielleicht ist er neu in der Metal Busfahrerszene, noch nicht so abgehärtet? Irgendwie kann ich das sogar verstehen. Nur dass ihm Moritz Schicksal so egal ist, das bringt uns auf die Palme.

Wir machen uns natürlich große Sorgen um Moritz. Aber da es weder Handies gibt, und wir nix tun können, warten wir ab und trinken weiter unsere Elektrolyte.

Moritz ist plietsch, ein Organisationstalent, der schafft das schon. Zur Not muss er seinen Alten anrufen, sagt Heino. Wir nicken, denn so richtig viel mehr fällt uns auch nicht ein. Physische Gewalt gegen den Busfahrer, was Heino vorschlug und als Jurastudent auch begründen konnte, hatten wir ausgeschlossen. Denn dann würden wir alle das Konzert des Jahres verpassen; ach was, des Jahrzehnts. (Zumindest dachten wir das da noch)

Als wir am Maimarktgelände in Mannheim ankommen, winkt uns Moritz schon zu. Er steht neben zwei Polizisten. Der eine lächelt und winkt auch, der andere – der jüngere – guckt mürrisch.

Ein riesenhafter Stein rumpelt uns vom Herzen. Und Moritz Geschichte wäre hier einen eigenen Artikel wert.

Deswegen in gebotener Kürze: Als er in seinem Dunschädel realisierte, dass der Bus ohne ihn abgefahren ist, machte er sich zu Fuß von der Autobahntankstelle auf den Weg in Richtung Mannheim. So grob. Der Weg führte ihn über ein großes Feld, das er zu überqueren gedachte, nicht ahnend, dass es sich um eine Wiese neben der Landebahn des Mannheimer Flughafens handelte.

Die Flughafenpolizei, die ihn aufgriff, um Schlimmeres zu verhindern, hatte ein Metalherz und nahm den freundlichen aber leicht verwirrten und dehydrierten jungen Mann mit Blaulicht mit zur Festwiese. Dadurch war Moritz sogar vor uns da.

So, ab nach vorne, durchwühlen. Wir sind dann mal soweit.

Ich erinner mich noch, dass es ewig dauerte, bis nach zwei Vorbands (von denen Skid Row mir echt den Tag rettete) endlich Guns n Roses auf die Bühne kam.

Axl Rose hatte offenkundig ordentlich was eingeworfen, eingeführt oder eingehobelt, – was weiß ich – denn er hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Seine Kopfstimme klang auch nicht gerade frisch. Natürlich, das verstanden wir gut, nach gefühlt 12 Stunden Busanreise, fühlten wir uns ähnlich. Hej, reiß Dich mal zusammen, Alter, rief Moritz aus der ersten Reihe.

Drop Mic nach den ersten vier Songs, das war auch ne Antwort. Axl Rose, diese Wurst in weißer Lederhose und Kopfstimme schuldete uns ein Konzert; da waren wir uns alle einig. Überhaupt waren meine Helden Anfang der 90er Jahre alle ziemliche Wracks, die Bock auf alles Mögliche hatten, nur nicht darauf, Konzerte zu geben. Das war bei den Red Hot Chilli Peppers im Docks nicht anders. Nur mit dem Unterschied, dass ich mit der S-Bahn nach Hause fahren konnte. (Auch da entpuppte sich die Vorband als Abendretter; die Henry Rollins Band und ihren Frontmann verehre ich seitdem)

Müde, wütend und zerschlagen schlurften wir in den Metal Tours Bus zurück und wollten nur noch eins: die ganze Heimfahrt schlafen.

Das sah der Busfahrer allerdings anders und spielte über die scheppernden Bordlautsprecher „Ich will Dein Blut, wir sind die Kneipenterroristen“ von den Böhsen Onkelz in Dauerschleife. Erst aktive Kommunikation der gesamten Passagierschaft mit der Info, dass wir lieber auf einer Polizeiwache übernachten würden, als das weiter zu ertragen, linderte den Schmerz.

Axl Rose konnte ich das alles lange nicht verzeihen*.

Wieso ich gerade jetzt daran denken muss? Am Donnerstag spielen Guns n Roses, inzwischen clean und im Rentenalter, auf dem Wacken Open Air als Headliner. Schlafen in einem Hamburger Luxushotel und kutschieren für ein kurzes Set in die Matschwelt des sommerlichen Schleswig Holstein.

*. Auch wenn sich die Berichterstattung über das Konzert besser liest, als ich es erinnere.

Kategorien
500 Zeichen

VH-1derland

Happy Birthday VH-1

Moin Moin aus Hamburg-Barmbek.
Meine 500 Zeichen am Morgen werden kurz (klar, ist ja auch der Witz daran 😉 und nostalgisch:

Herzlichen Glückwunsch zum 30. Geburtstag — VH-1 Deutschland.

Am 10. März 1995 war nicht nur Sendestart des Musikfernsehens für Erwachsene, auch das erste Musikmagazin des jungen WWW ging an den Start: das VH-1derland.

Ich durfte ab 1996 dort mitmachen, neben so tollen Vögeln wie Peter Glaser und Menschen, in die ich als Teenie verknallt war.

Das Internet war damals noch eine unkartierte Welt. Nicht selten standen TV Kollegen in unseren Büros und fragten: was macht ihr hier?

Fühlst Du dich jetzt alt? Hihi. Ich auch.
Ich hatte lange Zeit die Idee, die Idee eines Musikmagazins wie das VH-1derland es 1 war, wiederzubeleben. Hatte lange die Domain 1derland.de reserviert für diesen Zweck. Heute würde man wohl einen Gruppennewsletter starten, hier auf Steady … moment mal …

Kategorien
Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Jah Mann

Womit willst du beginnen, Skipper?
Mit dem Anfang.

Mit dem Anfang?
Dem Anfang.
Der Bewegung.

Jah Mann.

Kategorien
500 Zeichen

Krippe Kellerbar

Es begab sich zu einer Zeit, da jeder geschätzt wurde und zu dem Ort zurück reiste, dem er entsprang.

Für die Familie meiner Frau ist das eine Kellerbar im Norden Hamburgs.

Jedes 2. Jahr treffen dort die Nachfahrinnen friesischer Einwanderer zusammen, um an einer großen Tafel zu Speisen, das Jahr Revue passieren zu lassen und bei guter Hausmusik die Wiedergeburt des Lichts zu feiern.

Dabei hat sich ein Ritual herausgebildet. Oben spielt man Ukulele und Blockflöte und unten hört man die immer gleichen Kellerbarhits. Die Familienmitglieder, inzwischen drei Generationen davon, trinken Bier und freuen sich über die immer gleichen Platten, als wären sie nigelnagelneu bei Michelle gekauft.

Denn diese eine Regel gibt es: nur Platten, die in der Kellerbar bereits stehen, dürfen auch dort gespielt werden.

So hat sich das DJ-Set zahlloser Parties von 1966 bis ca 1988 seit der letzten Fête nie mehr verändert.

Inzwischen wurde das analoge Stereo-Kombigerät vom Zahn der Zeit gefressen, die Regel gilt allerdings immer noch.

Die Kellerbar hat nun eine Spotify Playlist.

Kategorien
500 Zeichen

St. Pauli wie es sein soll

Jedes Jahr im September ist St. Pauli – vor allem die viel geschundene, von Jungesell:innen gepeinigte Reeperbahn – so, wie es sein soll.

Es ist Zeit für das Reeperbahn Festival. Musik, Kunst und Performance – und vor allem die musizierenden, performenden Menschen prägen den Spätsommer auf dem Kiez. Ein überwältigendes Angebot, das ich euch unbedingt empfehlen will. Holt euch ein Tagesticket (Donnerstag!) und lasst euch treiben; aufladen mit Energie der letzten Sommerstunden vor nem langen Winter.

Kategorien
500 Zeichen

Henry in Berlin

Henry Müller könnte ein amerikanischer Mittzwanziger sein, der aus Paris kommend auf seiner Europatour 1998 das Nachwende-Berlin entdeckt und sein schillernd-schäbiges Nachtleben:

„Der KitKat Club war mehr als nur ein Ort des Vergnügens – er war ein Spiegelbild der menschlichen Natur, ein Ort, an dem die Dunkelheit und das Licht, die Lust und der Schmerz aufeinandertreffen und eine einzigartige Erfahrung schaffen, die mich für immer verändert hat.“

Henry Müller

Ist er nicht; Henry ist ein LLM-generierter Autor, den ich mir ausgedacht habe. Er bloggt unter Berlin-Berlin.de.

Kategorien
500 Zeichen

Ich hab Hauntologie

Achim Reichel wird Tik-Tok Star in Korea. Tracy Chapman steigt mit ihrem 36 Jahre alten Album auf der Nummer 1 in die Itunes Charts ein.

Aufguss, Renaissance?, was ist das? Popkultur wiederholt sich selbst, ohne wirklich Neues in den Pool zu kippen. Der wird langsam moosig.

Dieses Gefühl gibts auch in wissenschaftlich: „Hauntologie“ heißt die Fachrichtung, die sich mit der geisterhaften Wiederkehr von Popphänomenen beschäftigt.

Ich hab Hauntologie, keine Leidenschaft ist wie die

Frei nach Extrabreit

Mehr zum Thema: Hauntologie

Kategorien
500 Zeichen

Stevies Festplatte

Tracy Chapman wirkte auf der Grammy-Gala zwischen den ganzen jungen Künstlerinnen wie eine Weise aus einer anderen Welt – Überbleibsel aus einer Zeit, in der große Konzerte die Popwelt bevölkerten.

Wir hörten als ganze Familie das „Mandela“ Konzert aus Wembley im NDR (über die Stereoanlage) und schauten TV nebenbei. Chapman war uns völlig unbekannt als sie für Stevie Wonder zur Primetime einsprang: nur mit Barhocker, akustischer Gitarre und dieser Stimme. Der Rest ist Geschichte.

Kategorien
500 Zeichen

Herum

Anna gehörte zu der Art Menschen, die immer um etwas herumgehen müssen, bevor sie umdrehen. Beim Spazierengehen war das ein Baum oder ein Wartehäuschen.

Es gefiel ihr, wenn zumindest symbolisch der eine Weg ein Ende fand – sie ein Ziel ereichte, bevor der Rückweg begann.

Einfach nur umzudrehen war ihr zuwider.

Sonntag hatte sie ihren alten Plattenspieler ausm Keller geholt und angeschlossen. Ein paar Platten aufgelegt, die ihr vertraut vorkamen. „Hier endet nichts“, dachte sie.

Kategorien
500 Zeichen

Geister im Radio

Das Morgengrauen kriecht langsam durch Millionen kleiner Tropfen. Ich höre diffuses Tuten aus der Nähe, es kommt unten vom Fluss.

Sie spielen einen 25-jährigen Geist im Radio, längst verschwunden wie der Sommer. Ich starre auf die schwarzen kleinen Finger, die entlaubte Bäume vor mir in den Nebel recken.

Irgendwie merkwürdig, sich die Stars der eigenen Jugend nach deren Tod wieder zu erschließen. Meist wird das posthum sehr viel tiefer und intensiver.

Heute: der junge Terry Hall​

#500Zeichen

Kategorien
500 Zeichen

Verspielt

„Wenn Du dich verspielst, dann entscheidet erst die nächste Note, ob es gut oder schlecht war“, hat Miles Davis einmal gesagt. Der Übervater des Jazz hat seiner Musik so viel Leben und Weisheit eingehaucht, dass sie selbst als Konserve noch inspiriert und Funken ins Heute schlägt. Es wird erzählt, dass er Fehler seiner Mitspieler ausbügelte, indem er improvisierte, aus Partituren abbog, Regeln brach, um den Verspieler seines Kollegen zur genialen Idee zu machen.

Leute, verspielt euch!

Kategorien
500 Zeichen

Posthum

Der Wind aus West hat die Regentschaft über die flachen Hügel um Hamburg herum übernommen.

Das Morgengrauen kriecht langsam und diffus durch Millionen kleiner Tropfen. Kaum schwingend. Tuten aus der Nähe, unten vom Fluss.

Höre einen 25-jährigen Geist im Radio. Starre auf die schwarzen kleinen Finger, die entlaubte Bäume vor mir in den Nebel recken.

Irgendwie merkwürdig, sich Stars der eigenen Jugend nach deren Tod (wieder) zu erschließen. Meist wird das posthum sehr viel tiefer und intensiver.

Heute:

TerryHall​