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Wo geht’s hier zu den Pyramiden

Ich war einmal in Ägypten. Am roten Meer. Von da aus ist es ein ganzes Stück Strecke zu den Pyramiden.

Weil wir trotzdem Lust hatten, fragten wir den Fahrer eines Kleinbus, den mit der schönsten Musik und dem hübschesten Gebimmel im Innenraum, wie lange man denn brauche.

Er schaute uns an, überlegte kurz und sagte dann: „Je nach Wetter und Laune der Soldaten an den Checkpoints, so zwischen vier und zehn Stunden. Pro Weg“. Auf unseren irritierten Blick antwortete er mit einem Lächeln, hob beide Arme in Schulterhöhe und sagte: „Ich kann alles so gut vorbereiten wie möglich, der Rest liegt in Gottes Hand, Inshallah.“

Die Pyramiden habe ich nicht gesehen, dafür etwas fürs Leben gelernt.

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Rehe

Wedeler Au

Ich gehe öfter an der Wedeler Au entlang. Ein kleines Biotop am Rande der kleinen Stadt, die im Westen sich an Hamburg ran duckt.

Ich habe da schon Auerhähne gesehen, Reiher und viele Gänse, auf dem Weg nach Süden – ach der Süden…

Im früh hereinfallenden Dunkel huschen Schemen und Schatten über die Weide. Selten kommen sie näher. Gestern – gegen Mitternacht – stehen zwei Rehe mir im Weg; und schauen fragend „Was macht der denn hier?“, bevor ihr Fluchtinstinkt greift.

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Alfamann

A. ist ein Freund und Sammler. Er liebt alte Alfa Romeos. Seine Frau heißt Giulia, kein Witz.

A. erzählte mir, dass sein Tankwart in Holm ihm erzählt hätte — er ist wirklich sein bester Freund — dass der HSV einen Trainer mit Flugangst engagieren wird, um seine CO2-Ziele zu erreichen.

„Soweit ist es unter Habeck schon gekommen“, sagt er, sagt sein Tankwart.

Beide sind stolz darauf, noch nie S- Bahn gefahren zu sein, seit sie einen Führerschein haben; und einen mit Flugangst kennen sie auch keinen.

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I-Ging

I-Ging 32: „Die Dauer“

Das I Ging Orakel Nummer 32: „Die Dauer“, das besser „Ausdauer“ hieße, modern erklärt

Hexagramm 32, auch „Die Dauer“ genannt, steht für Beständigkeit und Ausdauer. Es beschreibt eine Situation, in der Stabilität durch konsequentes Handeln und das Bewahren von Werten erreicht wird. In einer sich ständig wandelnden Welt erinnert dieses Hexagramm daran, dass wahre Stärke aus Beharrlichkeit und einer klaren inneren Ausrichtung entsteht.

Nachfolgend erkläre ich die Kernbotschaft von Hexagramm 32, wie man es interpretiert und welche moderne Bedeutung es haben kann.


Die Symbolik des Hexagramms

Hexagramm 32 besteht aus den Trigrammen Donner (oben) und Wind (unten). Beide Trigramme stehen für Bewegung und Energie, die hier jedoch auf eine dauerhafte Weise interagieren.

Das Bild

Das Bild von Donner und Wind, die in stetigem Wechselspiel stehen, symbolisiert eine harmonische Balance von Dynamik und Beständigkeit. Es zeigt, dass Dauer kein statischer Zustand ist, sondern durch fortlaufende Anpassung und beharrliche Energie entsteht.

Die Kernaussage

„Die Dauer“ steht für das, was sich im Wandel als beständig erweist – sei es in Beziehungen, Projekten oder inneren Überzeugungen. Es ermutigt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und diese Werte auch in schwierigen Zeiten zu bewahren.


Interpretation von Hexagramm 32

Hexagramm 32 wird oft mit Ausdauer und Konsequenz in Verbindung gebracht, aber auch mit der Fähigkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren, ohne den eigenen Kern zu verlieren.

1. Bedeutung im Alltag

Persönliche Projekte: Erfolg wird durch langfristiges Engagement erreicht. Das Hexagramm fordert dazu auf, bei Herausforderungen nicht vorschnell aufzugeben, sondern den Kurs zu halten.

Beziehungen: Es erinnert daran, dass dauerhafte Verbindungen Zeit und Pflege benötigen. Beständigkeit bedeutet hier nicht Stillstand, sondern eine fortwährende Entwicklung.

Beruf und Karriere: In der Arbeitswelt bedeutet „Die Dauer“, eine langfristige Vision zu verfolgen, anstatt sich von kurzfristigen Trends ablenken zu lassen.

2. Die veränderlichen Linien

Veränderliche Linien im Hexagramm können zusätzliche Nuancen bringen:

  • Linien 1 bis 3: Frühzeitige Instabilität oder überstürztes Handeln kann die Basis gefährden. Geduld ist entscheidend.
  • Linien 4 bis 6: Sie fordern dazu auf, innere Klarheit zu bewahren, wenn äußere Veränderungen eintreten. Es gilt, flexibel zu bleiben, ohne die eigenen Grundsätze aufzugeben.

3. Der Ratschlag/ das Urteil

Das Urteil von Hexagramm 32 lautet: „Die Dauer bringt Erfolg. Kein Makel. Günstig ist Beharren.“ Es betont, dass wahre Beständigkeit auf innerer Stärke basiert und nicht durch bloßes Festhalten an alten Mustern erreicht wird.

Moderne Deutung von I-Ging Hexagramm 32

In der heutigen Welt, die von raschem Wandel und Unsicherheit geprägt ist, erinnert uns „Die Dauer“ daran, dass Kontinuität kein Widerspruch zur Veränderung ist. Vielmehr kann sie uns helfen, eine solide Grundlage für nachhaltiges Wachstum zu schaffen.

1. Selbstmanagement und Resilienz

In einer Gesellschaft, die schnelle Erfolge und ständige Neuerungen fordert, lehrt dieses Hexagramm, wie wichtig es ist, den eigenen Werten treu zu bleiben. Es ermutigt dazu, sich nicht von äußeren Umständen hetzen zu lassen, sondern langfristig zu denken.

2. Beziehungen im digitalen Zeitalter

Im Kontext moderner Beziehungen – sei es privat oder beruflich – steht „Die Dauer“ für die Kunst, Verbindungen aufrechtzuerhalten, auch wenn äußere Bedingungen sich ändern. Es fordert, Vertrauen und Verlässlichkeit als Grundlage zu sehen, anstatt kurzfristige Erwartungen in den Vordergrund zu stellen.

3. Nachhaltigkeit und langfristiges Denken

Auch auf gesellschaftlicher Ebene ist dieses Hexagramm relevant: Es fordert ein Umdenken hin zu mehr Nachhaltigkeit. Ob in der Umweltpolitik oder in der Wirtschaft – „Die Dauer“ erinnert daran, dass kurzfristige Gewinne langfristige Stabilität oft gefährden.

Fazit zum Hexagramm 32: Das Gleichgewicht von Wandel und Beständigkeit

Hexagramm 32, „Die Dauer“, ist ein zeitloses Symbol für die Balance zwischen Bewegung und Stabilität. Es lehrt, dass wahre Beständigkeit nicht im Verharren, sondern im stetigen, bewussten Fortschreiten liegt. Wer seine Werte kennt und sich an ihnen orientiert, kann auch in unruhigen Zeiten Klarheit und Stabilität finden.

In einer Welt voller Ablenkungen und Unsicherheiten bietet dieses Hexagramm eine klare Botschaft: Erfolg entsteht durch Beharrlichkeit, Geduld und die Fähigkeit, sich selbst treu zu bleiben.

I-Ging Hexagramm 32 – Die Beständigkeit – literarisch interpretiert:

(恆, Héng)

Grundlegende Symbolik

Héng steht für Ausdauer, Kontinuität und das Festhalten an Prinzipien. Es ist das Zeichen für Stabilität inmitten von Wandel.

Innere Dynamik

Dieses Hexagramm zeigt, dass wahre Stärke nicht in kurzfristigen Erfolgen liegt, sondern in der Fähigkeit, auf lange Sicht standhaft zu bleiben.

Historische Bedeutung

Héng wurde oft als Zeichen für Treue und Beharrlichkeit interpretiert. Große Werke entstehen durch konsequentes Handeln.

Philosophische Betrachtung

Unsere Welt strebt nach schnellen Ergebnissen. Doch Héng erinnert uns daran, dass wahre Meisterschaft durch Beständigkeit entsteht.

Praktische Anwendungen

Wer Héng zieht, sollte sich fragen: Wo braucht es mehr Ausdauer? Jetzt ist die Zeit, langfristige Verpflichtungen bewusst einzugehen.

Die Wandlungslinien im Detail

  • Der erste Schritt – Beharrlichkeit beginnt klein.
  • Treue zum Weg – Beständigkeit wird belohnt.
  • Gefahr der Stagnation – Flexibilität bewahren.
  • Der richtige Rhythmus – Balance zwischen Festhalten und Anpassen.
  • Große Stabilität – Langfristige Erfolge entstehen.
  • Erstarrung vermeiden – Beständigkeit ist kein Stillstand.

Moderne, zeitgenössische Interpretation

Ob im Beruf, in Beziehungen oder persönlichen Zielen – nur wer dranbleibt, erreicht seine größten Träume.

Aspekte der persönlichen Entwicklung

Héng lehrt uns, dass Durchhaltevermögen die Basis für Wachstum ist. Wer mit Beständigkeit handelt, wird nachhaltig erfolgreich sein.


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Über Bord pissen

Es ist die Beichte des Seemanns,

das Erlebte über Bord zu pissen.

Besonders wird es dann,

wenn man das gemeinsam machen kann.

Wenn min Deern ihren Rücken ganz nach achtern dreiht,

dann geiht dat ok tosammen.

Aber niemals vergessen: don’t cross the Strahler!

Herr Steuermann, ach Steuermann,
Mein Herz ist gar so schwer.
»So bind ein gut Stück Eisen dran
Und wirf es über Bord ins Meer.«

Ringelnatz, Matrosengesang.
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Auf ein Jahr des Träumens

Die Natur strebt nach stabilen Zuständen — so auch wir als Teil von ihr.

Wenn dann mal kein Land in Sicht ist, ärgern uns absurde Ideen, denen wir versuchen aus dem Weg zu gehen. Was aber, wenn wir Klabauters Stiimme zulassen; uns einlassen?

Im Nebel ist jede Richtung gleich richtig. Verstand und Augen nutzlos. Lass ihn herankommen, den Traum. Schemenhaft kannst Du die Neonreklame schon sehen: „Äntschis Hundeparadies“.

(Für Andrea, am Beginn des Jahres der Träume)

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Gegenwind für Seneca

„Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige“, sagte einst Seneca und ich meine, er irrt.

Wer schonmal an einer harten Kreuz lag, weil er dringend irgendwohin segeln musste, meist zurück, der weiss — im Gegenteil: könnte ich mir die Richtung aussuchen, wär fast jeder Wind der Richtige.

Nicht umsonst gibt es den Weisheit-Gegenentwurf meiner Omi: „Nimm di nix voer, dann sleiht di nix fehl“.
So wird n Schuh draus, äh n Kurs 😉

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Was ich mal werden wollte

Meine Oma ist mit mir immer Hafenfähre fahren gegangen, als ich ein Kind war. Sie hat sich entspannt und ich habe den Schiffen beim ein- und auslaufen zugesehen.

In Finkenwerder gab es dann beim Kiosk einen Snack und Esspapier. Von Teufelsbrück zurück im Bus fragte sie mich mal, was ich denn mal werden wolle? Was Omas eben so fragen.

Ich sagte kinderehrlich: „Busfahrer. Und Schriftsteller.“

Keine Ahnung, ob ich wusste was das ist. Wohl als ich später den Film mit Celentano sah.

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Nebelball

Es ist kurz nach 16:00 Uhr. Da November ist, geht nu die Sonne unter. Das merkt man daran, dass der Nebel langsam runterdimmt.

Auf einem Fußballplatz, den es so in ganz Europa gibt, trainieren Kinder im Zwielicht (Flutlicht gibt’s nicht).

„Durch die Beine, cool!“, ruft der Trainer ins Geschrei. „Noch eine Minute“, sein Co. hinterher.

Es geht ein Ruck durch die Jungen. Jetzt nochmal alles geben, nur nicht verlieren — so kurz vor Schluss.

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Autobahnminister

Würde meine Mutter noch leben, würde ich sie vermutlich abends anrufen, wie fast täglich damals.

Ich würde ihr dann vermutlich erzählen, dass ich bis auf Weiteres schwieriger zu erreichen wäre, weil Donald Trump angerufen hat: ich soll neuer Verkehrsminister in den USA werden.

Er habe mit Elon zusammen gesessen im Oval Office und einen Namen aus dem deutschen Telefonbuch rausgesucht. „Egal wer, Hauptsache deutsch und kein Berliner“.

Meine Mutter würde sich kaum wundern.

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Genosse Fußball

„Wie gehts Dir, Genosse, begrüßt mich W. heute morgen im Büro. Wir haben beide am Wochenende ein kleines Stück unseres Stadions gekauft, damit der magische FC vielleicht sogar die (Fußball-)Welt verändert.

Es ist ein wenig so, als wäre man in Cupertino in der Garage dabei gewesen, als der erste Apple Macintosh das Licht der Welt erblickte.

Es ist dasselbe Gefühl, wie beim Stapellauf eines Schiffes – die Reise beginnt nun endlich. Ein Törn beginnt, der den modernen Fußball verändern soll.

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Überall Halodris

Heute bin ich von M.s Anruf aufgewacht. Er will sicher über Trump reden, denn er hat es wie immer vorher gewusst.

Eigentlich, sagt M., müssten wir den US-Präsidenten wählen, denn in den USA hat er gar nicht so viel Macht. Ins Außen wirkt er viel mehr.

Können wir aber nicht. Also, sagt er noch, kümmern wir uns doch um uns selbst.

OK: CDU fordert mehr Parkraum am HSV-Stadion. Ein Halodri-Politiker aus Sylt stirbt beim Sex in Hamburg.

Hmm, muss nun doch an Trump denken.

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Der Tag an dem John Candy starb

Viele von uns wissen noch genau, wo sie waren, am 11. September 2001 bspw. Meine Eltern wussten genau, wo sie waren als Kennedy ermordet wurde.

Eben lese ich, dass John Candy Geburtstag gehabt hätte vorgestern — und schwupps, drängelt sich die Erinnerung nach oben: ich saß in der neuen, ersten Wohnung meines Bruders in Eimsbüttel.

Auf dem Holzfussboden – Möbel hatte er noch keine und hörte es im Radio.

Das ist nun schon 30 Jahre her.
Wo warst Du, als John Candy starb?

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Glückstadt

Ik glööv in Glückstadt kann ik mi verleeven.

Allens dor schikt mi Heimatföhle. De däänsch Herkunft, de Elv un de frische Westwind, de en Steve üm de rode Nees weht.

In‘ Binnenhaaf kunn man sogaar överwintern, denk ik. Un goot Labskaus gifft dat ok.

Auf hochdeutsch:

Ich glaube in Glückstadt könnt ich mich verlieben.

Alles dort sendet mir Heimatgefühle. Die dänische Herkunft, die Elbe und der frische Westwind, der einem steif um die rote Nase weht.

Im Binnenhafen könnte man sogar überwintern, denke ich.

Und gutes Labskaus gibt’s auch.

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Wohin fliegen Bienen im November?

Der Efeu blüht,  es ist Ende Oktober — ein Tag vor Halloween. Ein wanderndes Volk Bienen schwirrt und sitzt seit vorgestern in der Hecke.

Ein Gebrumm wie Sommerfrische. Die Sonne versteckt sich währenddessen hinter Nebelschwaden, an denen unermüdlich ein Tiefausläufer reißt.

Über den Bienen biegt ein Schwarm Gänse nach Südwesten ab. Immer schräg gegen den Wind.

Ziehen Bienen jetzt neuerdings auch nach Süden? Heute Morgen waren sie verschwunden — und ich allein mit dem November.