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Hamburg spürt die Hitze des Krieges im milden Frühling

Freitag, 6. März 2026. 07:14 Uhr. Der Ring 2, die Ringstraße, die das Innen in Hamburg seit den 50ern vom Außen trennt. Vom Winter gegerbtes Asphaltgrau und darüber liegt der Geruch von Diesel, der heute Morgen 20% teurer ist als noch ein Tag zuvor. An der Jet-Tankstelle beim Stadtpark leuchtet die Anzeige: Diesel 2,14 Euro. Ein Mann in einer verwaschenen Jacke starrt auf die Zapfsäule, als wäre sie ein Orakel, das ihm gerade den Untergang prophezeit hat. Er drückt den Hebel nicht ganz durch, er dosiert ihn, Milliliter für Milliliter, als würde er flüssiges Gold in seinen alten Toyota füllen. Das habe ich in meinen 20ern auch so gemacht als ewig klammer Student. Seitdem galt Volltanken ohne auf den Preis zu achten als verdienter Alltagsluxus. Das ist nu voebei. Danke Donald.

Es ist die Woche 10 im Jahr 2026, und das große Metathema, das über dieser Stadt schwebt wie der frühe Nebel über der Alster, ist Energie. Aber nicht nur die Energie, die wir in Kilowattstunden messen oder in Litern bezahlen. Es ist auch die soziale Energie, die Hitze des Krieges, die auch bei uns ankommt und die des Frühlings, die uns Hamburgerinnen auf die Straßen und Plätze treiben.

In dieser Woche fühlt sich Hamburg an wie ein Seismograph, dessen Nadel mit jedem Raketeneinschlag im fernen Nahen Osten erzittert. Wir blicken auf die Elbe und blinzeln in die schon starke Mittagssonne, aber vor Augen haben wir die Feuer im Persischen Golf. Das ist die Realität in dieser Woche: Die Geopolitik hat auch Hamburgs Öffentlichkeit erreicht.

Das Grollen im Osten: Hamburg als Exil und als Echoraum

Wenn man das „Hamburger Tagesjournal“ in diesen Tagen in der Inbox findet, grüßt Mathias Adler nicht mehr nur mit dem Wetter oder der neuesten Posse aus dem Rathaus. Es ist der „Irankrieg“, der die Zeilen füllt. Es ist kein Krieg mehr, den man wegscrollen kann. Er ist hier. In den Gesichtern der Menschen auf dem Steindamm, in der betäubenden Stille vor der Blauen Moschee, die immer noch wie selbstverständlich am Ufer der Außenalster steht.

Die iranische Community in Hamburg – mit rund 25.000 Menschen eine der größten in Europa – lebt in dieser Woche im Ausnahmezustand. Während die Nachrichten von Drohnenangriffen auf Isfahan und der Blockade der Straße von Hormus berichten, sitzen die Menschen im „Teheran“ am Steindamm vor ihren Telefonen. Es ist eine kinetische Energie, aus Sorgen gespeist und dieser euphorischen Hoffnung, das trotz Gewalt und Tod nun doch sich alles zum Guten wandelt. Irgendwie.

Die MOPO berichtet von spontanen Mahnwachen vor dem Generalkonsulat der Iranischen Republik an der Bebelallee. Es ist eine seltsame Mischung aus Hoffnung auf einen Sturz des Regimes und der nackten Sorge vor dem, was mit den Familien in der Heimat passiert. In Hamburg-Nord, wo viele Exil-Iraner der ersten Generation leben, ist die Stimmung bleiern. Die Stadt ist in dieser Woche ein Resonanzkörper für den Schmerz eines fernen Landes.

Vollmond und keine Streiks

Mitte der Woche war Vollmond. Der Mond hing über dem Hamburger Hafen wie eine überbelichtete Werbetafel. Fehlte nur noch, dass da groß “Eine Chance für alle” drauf zu lesen gewesen wäre.

Seit Wochen mal kein Streik. Obwohl ich persönlich die Sperrung der S-Bahn-Strecke von Altona über Sternschanze und Dammtor als ähnlich große Beeinträchtigung werte.

Hamburg baut. Und sucht Geld.

NDR 90,3 meldete am Donnerstag den neuesten Stand zum A7-Deckel in Altona. Es geht voran, aber im Schneckentempo. Die Stadt baut an ihrer Zukunft, während die Gegenwart ihr die Mittel entzieht. Die Kriegsflation, befeuert durch die Unsicherheit im Nahen Osten und die Lobbyisten im Bund, frisst sich durch die Hamburger Haushalte.

Bürgermeister Tschentscher wirkt in dieser Woche wie ein Kapitän, der versucht, ein Containerschiff durch ein Nadelöhr zu steuern. Während die Opposition im Rathaus über die Kosten der Unterbringung von Geflüchteten wettert – die Zahlen steigen wieder, vor allem durch Menschen, die vor den neuen Konflikten im Mittleren Osten fliehen –, versucht der Senat, Ruhe auszustrahlen. Doch die Ruhe ist brüchig. Das „Hamburger Tagesjournal“ merkte süffisant an, dass die „Hamburger Gelassenheit“ langsam in eine „Hamburger Starre“ übergeht.

Und dann ist da ja noch … der HSV:

So schnell kann das gehen. Da wähnst du dich nach einer starken Hinrunde, vor allem zu Hause im Volkspark, angekommen im Mittelfel der Bundesliga, die du als HSVer sowieso als dein angestammtes Spielfeld betrachtest. Und dann gibts zwei kraftlose Heimniederlagen.

Das kann mal passieren, aber doch nicht so. Es scheint, als hätte den HSV eine kollektive Frühjahrsmüdigkeit befallen. Am Samstag ging es zum vermeintlich blutleersten Team der Liga, den Konzernwölfen aus Wolfsburg.

HSV sorgt für vorzeitiges Verbrenneraus

Im dritten Spiel gegen eine Werkself in gut einer Woche hätte man auch gleich zum Elfmeterschießen übergehen können. Viel mehr Energie hatten beide nicht zu bieten. Immerhin: das Elfmeterschießen konnte der Hamburger SV für sich entscheiden. (Was lustigerweise auch die Fans des anderen HHer Klubs freuen dürfte)

Und der FC St. Pauli?

Am Millerntor bereitet man sich derweil auf das Spiel gegen Frankfurt vor. (Sonntag, 15:30 Uhr). Es ist die einzige Form von Eskapismus, die noch funktioniert: 90 Minuten lang so tun, als wäre die wichtigste Frage der Woche, ob Tomoya Andō wieder in der Startelf steht.

Der Puls der Fernwärme und das Versprechen von Morgen

Während die Welt am Persischen Golf brennt, graben wir in Hamburg den Boden auf. Hamburg Energie hat in dieser Woche den Startschuss für den massiven Fernwärmeausbau im Norden gegeben. 4,7 Kilometer neue Leitungen, eine Operation am offenen Herzen der Infrastruktur. Es ist die Ironie unserer Zeit: Wir planen die Klimaneutralität für 2045, bauen Wasserstoffnetze wie das „HH-WIN“, von dem Tschentscher und Fegebank träumen, während die Gegenwart uns mit der nackten Geopolitik ins Gesicht schlägt.

Die Schlussredaktion fragt, ob wir in HH unsere Fernwärme mit Gas oder Öl anfeuern? Das wäre dann ja auch irgendwie doof. Recherchen ergeben: Abwärme und Kohle heizen unseren Wasserdampf, der große Teile der Stadt wärmt (dieses Jahr noch, dann soll Wedel abgeschaltet werden). Das beruhigt auf eine merkwürdige Art.

In den Kneipen von Barmbek-Nord spricht niemand über den „Green Hydrogen Hub“ in Moorburg. Man spricht darüber, ob die Heizung im nächsten Winter noch bezahlbar ist, wenn die Straße von Hormus dicht bleibt und der Vermieter wegen der Merzschen Propaganda eine neue Gasheizung installiert.

Was war sonst noch?

* Kultur: In der Elbphilharmonie gab es ein Benefizkonzert für die Opfer im Iran. Die Hochkultur versucht, zu helfen, dem Chaos eine Struktur zu geben. Wenn Geigen gegen das Echo der Explosionen in Teheran anspielen, bleibt ein hilfloser Beigeschmack.

* Polizei: Erhöhte ihre Präsenz rund um die jüdischen Einrichtungen im Grindelviertel. Die Angst vor zusätzlichem Antisemitismus wächst mit jedem Tag, an dem der Konflikt im Osten eskaliert.

* Zeugen wider Willen: Rund 30.000 Deutsche sitzen derzeit in der Region fest, ein signifikanter Teil davon sind Hamburger Urlauber und Geschäftsleute (NDR Info, 02.03.2026). Was als luxuriöser Stopover oder Routine-Trip begann, ist für viele zum Albtraum geworden. Das „Hamburger Tagesjournal“ berichtet am Dienstag trocken, aber treffend von den „Zeugen mit Flugverbot“ (Tagesjournal, 03.03.2026).

Besonders dramatisch ist die Lage für jene, die auf den Kreuzfahrtschiffen von TUI Cruises festsitzen. Man muss sich das vorstellen: 2.500 Menschen an Bord, der Kapitän versichert, der Hafen sei „relativ safe“, während draußen die Lufträume von Dubai bis Oman dichtgemacht wurden (NDR Info, 02.03.2026).

Ottensen ist nicht Mailand

Gestern Abend schlendere ich durch Ottensen. Vor jedem Restaurant sitzen Menschen und genießen den lauen Spätwinterabend. Kaum klettert das Thermometer über 13 Grad, strömen die Hamburger aus ihren Altbauwohnungen und bevölkern die Straßen und Plätze. Nicht nur zum Protest, sondern auch um die Energie des Frühlings aufzunehmen, nach diesem langen frostigen Winter.

Junge Pinneberger trinken Cocktails vor der Rehbar in der Ottenser Hauptstraße, eine Freundin feiert ihren Geburtstag im Fischi. Es wird bis weit nach Sonnenuntergang draußen gebufft, gegrillt, gelacht und gestritten.

Der Iran ist derweil nicht weit weg. Er lebt mitten unter uns, in den Villen in Hochkamp, trinkt Tee mitten auf dem Steindamm, pendelt in der U3; er wartet in der Schlange beim Bäcker in Eppendorf und begegnet uns in den Schlagzeilen dieser Woche. Und sehr wahrscheinlich bleibt das auch nächste Woche so.

Moin und einen schönen Sonntag, euerErik

Anmerkungen der Schlussredaktion: “Sag mal, Erik, willst du gar nichts zum Saharastaub machen?”. Och nee, das ist mir zu boulevardesk, außerdem ist der ja nix Neues. Milchige Wärme, die in der Tagesschau das Prädikat “zu warm für die Jahreszeit” bekommt; wobei ich das irgendwie irreführend finde: wer weiß denn schon, was neuerdings “normal” ist?

Aber den internationalen feministischen Kampftag hätte ich beinahe verbaselt; typisch Mann. Nächste Woche findet für Interessierte bspw ein Female Maker Hub statt. Machen statt reden, finde ich gut. Reparieren statt Shoppen ist mal ne gute Idee.

PPS dieser Letter / Podcast erscheint wöchentlich am Sonntag und schaut auf die Woche in der schönsten Stadt. Er bleibt kostenlos und spamfrei. Wenn er Dir gefällt, teile ihn in deinen Sozialen Medien und spendiere dem Autor eine Galao oder ein Ratsherrn 0.0 via Ko-Fi…

Ich bedanke mich bei allen Spender:innen und Abonnenten. Werde doch auch eine:r:

Quellenverzeichnis: KW 10 (2026)

* Hamburger Tagesjournal (03.03.2026): Leitartikel von Mathias Adler zum „Wurmmond“ und der geopolitischen Lage.

* NDR 1 / 90,3 (05.03.2026): Bericht über die Bauverzögerungen an der A7 und die wirtschaftlichen Auswirkungen der Hafen-Unsicherheit.

* Hamburger Morgenpost (MOPO, 04.03.2026): „Angst um die Heimat“ – Reportage über die iranische Community in Hamburg und Mahnwachen in der Bebelallee.

* Hamburger Abendblatt (06.03.2026): Analyse der steigenden Energiepreise im Hamburger Stadtgebiet und der Reaktion des Senats auf die Flüchtlingszahlen.

* Polizeipressestelle Hamburg (07.03.2026): Meldung zur Sicherheitslage und dem Schutz religiöser Einrichtungen im Kontext der Nahost-Eskalation.

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17 Grad in HH — Frühlingsgefühle an der leeren Haltestelle

Moin Moin Hamburg. KW 9 · retroglossiert.

Siebzehn Grad bekamen wir in dieser Woche. Der Frühling ist da, die Natur explodiert und die Menschen strömen auf die Straßen, die Plätze, an den Fluss. Wie schnell der Schnee und das Eis auf der Elbe doch schmelzen, wenn der Atlantik warmen Wind über die Elbe schickt.

In Ottensen profitieren die Cafés, die in einer Sonnenschneise liegen. Dort sitzen die Hamburgerinnen zur Not übereinander — Hauptsache in die Sonne blinzeln. Die anderen müssen wohl oder übel noch ein wenig warten, bis die Sonne über die Häuserschluchten herüber luken kann. Das kann locker bis in den März dauern. Der Frühling ist früh dran.

Siebzehn Prozent bekommen Frauen in HH durchschnittlich weniger Gehalt als Männer. Am Freitag “feierte” Deutschland seinen “Equal Pay Day” – den Tag, bis zu dem Frauen umsonst gearbeitet haben 2026. Die Hamburgerinnen müssten eigentlich noch bis zum 3. März warten, denn bundesweit liegen wir bei “nur” 16%.

Chapters

* 2:03 Frühlingsgefühle in Hamburg

* 4:39 Peters große Show

* 7:12 Streiks in Hamburg

* 11:04 HafenCity und der Wandel

* 12:04 HSV und seine Neuigkeiten

* 13:42 FC St. Pauli und der Druck

* 14:19 Hirsche im Hirschpark

* 15:37 Gute Nachrichten zum Schluss

Peters große Show

Donnerstagabend, kurz nach acht. Der Hamburger Hafen liegt vor einem irgendwie dunklen Himmel. Die Elbe schiebt sich schwarz und träge in Richtung Nordsee. Und dann — Licht. Also viel mehr Licht, als ohnehin schon im Hafen den Himmel verseucht.

Neunhundert Drohnen steigen auf, formieren sich über dem Wasser, malen pittoreske Piktogramme in den Nachthimmel: Schwimmer, Läufer, Sprinter, das Olympische Feuer. Dazu ein Motto, in leuchtenden Buchstaben, das sich so nur ein Sozialdemokrat ausdenken kann: „Olympia in Hamburg. Eine Chance für alle.”

Es war, so berichten geladene Zeug:innen, durchaus beeindruckend.

Die Show war nicht angekündigt. Sie war nicht öffentlich. Kaum eine Chance, sie zu sehen – schon gar nicht für alle.

Die Show war Teil der Senatspräsentation in der Elbphilharmonie — exklusiv, für geladene Gäste, für Politikerinnen und Olympia-Legenden, für die, die schon wissen, worum es geht. Die anderen, die zufällig unten am Wasser standen, haben einfach Glück gehabt.

Ich war zu Hause, wie die meisten Hamburger:innen. Was bedeutet, „Eine Chance für alle” krepiert als Slogan ziemlich früh.

Willkommen in Hamburg, Woche neun. Der Senat träumt groß und die Hochbahn streikt gleichzeitig. Das ist ein Widerspruch, den Peter Tschentscher auflösen muss, will er die Stadtgesellschaft für eine Olympiabewerbung gewinnen.

Die Bewegung “Nolympia” hat derweil Anfang der Woche ein Quorum übersprungen, und nun muss sich die Bürgerschaft mit den Gegner:innen von Olympia beschäftigen. Die Drohnenshow war dagegen einfach, Peter.

Ein Bürgermeister, der die Olympiabewerbung Hamburgs zum Muss hochjazzt, eine Promoshow nur für Gewogene offenbar von Steuerkohle bezahlt, darf sich vor der Auseinandersetzung mit seinen Bürgern ruhig ein wenig fürchten. Ich frage mich, oder ist er einfach nur arrogant?

Drei Uhr morgens, nichts fährt mehr

(Dieser Satz fiel nicht in der Spielbank Hamburg)

Dieser Blog/Letter erscheint so erst zum 2. Mal und gleich müsssen wir uns um ein Deja vu kümmern: Streik.

Ver.di hat mal wieder zu einem Warnstreik aufgerufen — Hochbahn und VHH, bis Sonntag früh. Diesmal sind nicht nur die Busse betroffen. Die U-Bahnen fahren auch nicht. Die Linien U1, U2, U3, U4: stehen. Die Busflotte: steht. Die Stadt: steht. Wer muss (also alle außer Bürgermeistern und Reedern), nimmt das Fahrrad oder die eigenen Beine.

Immerhin: Am Elbtunnel wird nicht mehr gestreikt, äh gesperrt. Die Lkw rollen wieder. Die Autos rollen wieder. Nur die Menschen in der Stadt, die Busse und U-Bahnen brauchen, die schauen in die Röhre. Das hat eine eigene Logik: In Hamburg läuft der Verkehr für Waren besser als der für Menschen. Diese Woche pulsiert nur der Hafen und Peters Ego.

In der Alster schwimmen Schwermetalle?

Das hat zumindest der BUND herausgefunden — oder genauer: befürchtet. Die Projektgruppe „Nein zu Olympia” warnt, dass bei Schwimmwettbewerben in der Außenalster Schlamm aufgewirbelt werden könnte, der Quecksilber und krebserzeugende Substanzen enthält. Die Stadt, verkündet das Tagesjournal trocken, „ist sich dieser Belastungen bislang nicht bewusst.”

Man muss das kurz sacken lassen. Hamburg bewirbt sich für Olympische Spiele. Man möchte Schwimmer in der Alster plantschen lassen. Und ist sich dabei der Schwermetalle im Boden nicht bewusst.

Das Finanzierungskonzept soll in der zweiten Märzhälfte vorgestellt werden. Ob ein Konzept für den Alsterschlamm dazugehört: unbekannt. Die Gegner der Bewerbung — die Initiative NOlympia hat über 17.000 Unterschriften gesammelt — dürften sich freuen.

A pros pos Finanzierung: Der Pariser Vizebürgermeister hat bei einem Frühstück gesagt, die Kosten seien kein Problem. Das reicht offenbar als Finanzierungsgrundlage, wenn man Olympiabefürworter in der Bürgerschaft ist. Ab Ende April kann per Briefwahl über die Bewerbung abgestimmt werden. Hamburg entscheidet dann, ob es ein neues Kapitel seiner Stadtgeschichte schreiben will — während die U-Bahnen streiken und die Alster vor sich hin schimmert.

(Naja, sagt mir gerade meine Schlussredaktion, das kann ja auch eine Chance für alle sein — (sic!) — so wie wenn man Besuch bekommt und all das aufräumt, was bisher liegen geblieben ist)

Danke, dass Du Ring2, das Hamburg Logbuch liest. Bei Gefallen, teile es doch bitte …

Hafen- statt Medienstadt

In der HafenCity beginnen die Bagger zu arbeiten, wo einmal Gruner + Jahr stehen sollte.

Baufeld 73 war jahrelang die Metapher für den Niedergang der deutschen Verlagslandschaft — ein reserviertes Grundstück für ein Verlagshaus, das es nicht mehr gibt. Jetzt baut dort eine andere Familie, statt den Jahrs die Familie Aponte, die hinter der Reederei MSC steht, eine neue Deutschlandzentrale. Sieben Stockwerke, über hundert Meter lang, fünfzehntausend Quadratmeter Glasfläche, direkt südlich der Deichtorhallen. Mindestens tausend Quadratmeter davon sollen öffentlich sein — Showroom, Restaurant. MSC ist Miteigentümer der HHLA und damit tief verankert in dieser Stadt. Wo ein Medienkonzern aufgehört hat zu existieren, beginnt ein Logistikimperium zu wachsen. Das ist kein Zufall. Das ist Hamburger Wirtschaftspolitik in Echtzeit.

Und dann ist da noch …. der HSV

Der HSV hat diese Woche sein Fankredit-Darlehen zurückgezahlt, das er in schlechten Zeiten benötigt hatte. Der Verein ist schuldenfrei. Verteidiger Luka Vusković hat seine Führerscheinprüfung bestanden. Für HSV-Fans hat der Führerschein von Vusković vermutlich dieselbe emotionale Bedeutung wie die Schuldenfreiheit des Vereins. Der FC Hollywood für Arme war gestern. Heute segelt der Dino steady.

Beim FC St. Pauli sprießen diese Woche die Krokusse nach dem Sieg gegen Werder besonders schön. Doch: anders als letzte Saison haben die Kiezkicker in dieser Saison auswärts (also außerhalb von Hamburg) noch kein einziges Spiel gewonnen. Trainer Alexander Blessin sagte am Freitag: „Wir wollen mehr.” Das klingt nach Trotz. Es klingt auch ein bisschen nach Pfeifen im Keller. Statt Platz 17 (die Zahl des Letters diese Woche) stehen die Boys in Brown auf einem Nichtabstiegsplatz (bis Sonntag mindestens), weil seine Stürmer plötzlich treffen und Vasilj wieder in alter Topform ist. Trotz nur gut 17% Siegchance.

Aus dem Hirschpark in Nienstedten wurden diese Woche drei Damwildhirsche nach Rissen umgesiedelt. Grund: Im Hirschpark war keine artgerechte Haltung mehr gewährleistet. Die Freunde des Hirschparks zweifeln das an. Was unstrittig ist: Den Hirschen wurden für den Transport die Geweihe entfernt.

Ich bin quasi im Hirschpark aufgewachsen und kann berichten: die Hirsche hatten es nie leicht in dem Park. Nervende Kinder, besoffene Nachtschwärmer, die sie mit Pommes füttern und lebensmüde Frauen, die sich neben dem Gehege erhängen. Im Klövensteen geht es ihnen sicher besser. Da ist es bekanntlich sehr ruhig.

—》Ob der Park umbenannt werden muss, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Die gute Nachricht der Woche zum Schluss …

Steuerfreiheit für die Süderstraße

Gleichzeitig hat Hamburg beschlossen, die Hundesteuer für adoptierte Tierheimhunde drei Jahre lang auszusetzen. Das ist eine echte, unkomplizierte, gute Nachricht. Keine versteckten Kosten, kein Senatsbeschluss mit Hintertür, kein Finanzierungskonzept, das erst in der zweiten Märzhälfte kommt. Einfach: wer einen Hund aus dem Tierheim holt, zahlt drei Jahre keine Steuer.

*Wuff.

— aufgeschrieben/ eingesprochen von Erik Hauth in Hamburg Altona am 28. Februar 2026

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Ring2 – das Hamburg Logbuch

Moin Moin Hamburg,

vielen Dank für das Feedback zu meiner Kolumnen-Nullnummer “Hamburg, du doofes Schlagloch”.

Ich verarbeite in diesem Podcast meine eigene Medienkritik, Lob (Danke C.) und Tadel (Danke B.).

Hamburg ist nicht Berlin als Rubrik ist gebongt; einen Sidekick brauche ich noch – und mehr Anekdoten braucht es auch…

Chapters

  • 0:20 Einführung in den Podcast
  • 2:01 Feedback und Interaktion
  • 3:19 Geschichten aus dem Bloggen
  • 4:54 Anekdoten und persönliche Erlebnisse
  • 6:33 Hamburg ist nicht Berlin
  • 6:55 Einblick in den Newsletter
  • 12:36 Glosse über Verkehrsprobleme
  • 17:41 HSV und Hamburger Fußball
  • 19:57 Abschluss und Umfrage

Moin Moin Altona, Moin Moin Hamburg. Hier ist Erik von, ja von was eigentlich, von Ring 2, dem Hamburg-Logbuch, dem Hamburg-Newsletter, dem Hamburg-Blog, dem Hamburg-Podcast. Und tatsächlich suche ich ja schon seit Ewigkeiten nach… Tja, nach dem Thema. Und ich dachte, es sei Segeln. Ich dachte, es seien Logbücher. Das hat mir auch wirklich sehr viel Spaß gemacht.

Vielleicht mache ich das auch weiter. Ich dachte, es wären die kurzen Formate mit 500 Zeichen. Und ich habe immer alles dazugeschaltet, wie man hier in Norddeutschland sagt. Meine Tochter sagt inzwischen abgeschalten, zugeschalten, weil sie in Bayern lebt. Das ist nicht schön, aber auch die Menschen,

die nicht in Hamburg leben und vielleicht aus Hamburg kommen oder lange in Hamburg gearbeitet haben oder Hamburg sowieso nur so lieb haben, haben auch irgendwie ein Anrecht darauf, dass sie ihre Portion Hamburg bekommen. Und ich weiß nicht, ob ihr meine Newsletter lest, aber ich habe euch letzte Woche die Nullnummer eines Hamburg-Newsletters einer Hamburg-wöchentlichen Glosse, einer Kolumne geschickt,

die ich eigentlich ganz okay fand. Ich würde sie aber gerne nochmal verbessern, mit euch zusammen auch. Aber was ich, glaube ich, auf jeden Fall machen werde, ist, mehr aus Hamburg berichten, mehr aus Altena. Da, wo ich lebe, da, wo ich herkomme. Die Stadt, die mich geprägt hat, die im Grunde genommen zwei Städte sind.

Also vielleicht geht es ja auch irgendwann mal um die Geschichte von Altena, mehr als die Geschichte von Hamburg. Aber das sind jetzt schon Gleichkeiten. Sagt mir bitte Feedback. Würdest du, weil du Christus hier, weil du den Podcast hörst, Christus vielleicht auch, weil du meinen Newsletter abonniert hast, hast du die Hamburg-Ausgabe die Nullnummer gelesen?

Und wenn ja, welches Feedback hast du für mich? Ich habe sozusagen mannigfaltiges Feedback bekommen von euch da draußen, unter anderem auch von jemandem, den ich sehr schätze, Vielen Dank C-Punkt dafür, dass dir das gut gefallen hat. Wahrscheinlich hat es dir sogar besser gefallen als mir. Aber wenn du sagst, etwas gefällt dir oder du findest etwas inhaltlich gut,

dann heißt das was für mich, weil du mein allererster Chefredakteur warst und ich von dir ziemlich viel habe lernen dürfen. Also werde ich damit weitermachen. Ich habe ganz, also auch auf Instagram oder auf Facebook, Und normalerweise nicht so viele Replies oder Herzen oder ja, Hamburg oder auch von Leuten, mit denen ich mal zusammengearbeitet habe,

die gar nicht aus Hamburg kommen, aber mich natürlich sofort nach Hamburg verorten. Das hat mir gut gefallen. Und ich werde euch quasi live teilhaben lassen an meiner Medienkritik, die ich hier zusammen mit vielen lieben Menschen machen durfte, heute Morgen beim Frühstück. Mit B zusammen. Und zum einen fällt mir da die Geschichte ein von Sven Regener,

dem ich ja die Ehre hatte, das Bloggen beizubringen. Und der nicht nur bei Berlin Online gebloggt hat, sondern auch bei Zeit Online, bei der Süddeutschen, meine ich, und noch bei so einem Juken-Magazin. Und in einem Interview hat er irgendwann mal gesagt, als ich angefangen habe, war das alles ein bisschen langweilig.

Und ich habe schnell festgestellt, ich brauche einen Sidekick, einen Counterpart. Es bringt einfach nichts, wenn ich so vor mich hin blogge, sondern ich brauche jemanden, mit dem ich die Themen einfach ein bisschen spiegeln kann, der anders ist als ich und der die Dinge auf der Welt anders sieht. Und ich glaube, das brauche ich auch.

Und ich habe auch direkt Feedback bekommen von meinem Sidekick. Ich muss mir überlegen, wie ich den finde. Die hat nämlich gesagt… Erik, du hast SUVs und Fahrradfahrer gleichgestellt, so nach dem Motto, Schlaglöcher sind für alle gleich. Das sehe ich komplett anders. Schlaglöcher sind überhaupt nicht für alle gleich.

Schlaglöcher sind für Leute, die mit ihren SUV-Panzern durch die Gegend fahren. Die merken das gar nicht in ihren gefederten Echtleder-SUVs. Und auf dem Fahrrad fährst du da rein und dann brichst du dir die Gabel und vielleicht auch den Hals. Das ist ja wohl was völlig anderes. Und du erinnerst dich doch bitte an unser Auto,

wenn wir da irgendwie die Schlaglöcher in der Parkstraße längs gefahren sind und das langsam aber sicher das ganze Gestänge und die Aufhängung vorne kaputt gemacht hat. Das passiert ja doch mit dem modernen BMW SUV nicht. Und da muss ich sagen, das stimmt. Und vielleicht hätte es euch auch mehr Spaß gemacht,

wenn dieser Sidekick entweder gleich in der Episode aufgetaucht wäre oder er kriegt sozusagen so eine Art Kritikecke, wo er das machen kann. Und dann habe ich das Feedback bekommen, das war ganz lustig, bei dem Busstreik und dem U-Bahn-Streik hatte ich noch eine Anekdote im Kopf von einer Freundin,

die einen neuen Job hat und zu diesem Job hinfahren wollte und schön mit der S-Bahn nach Landungsbrücken gefahren ist und in Landungsbrücken stand und huch, es fährt heute nicht. Und diese Geschichte hätte ich vielleicht erzählen sollen. Noch ein paar persönliche Anekdoten oder Anekdoten von Leuten, die ich kenne. Und falls die Leute mich jetzt kennen, keine Angst.

Ich werde es auf jeden Fall so verfremden, dass ihr euch vielleicht wieder erkennt, aber kein anderer. Und dann habe ich gedacht, ja, cool, ich habe gleich einen Fehler gemacht. Denn die U-Bahnen fuhren gar nicht. Oder zumindest nicht immer. Die fuhren auf jeden Fall, wurden die auch bestreikt. Die S-Bahnen fuhren. Also eine Korrekturecke brauche ich auch noch.

Und dann habe ich heute eine sehr schöne Geschichte aus Berlin gelesen und dachte, schade, dass du einen HSV, dass du einen Hamburger Städter machst. Und da dachte ich, hey, es gab doch Svensson mal mit seinem unglaublich tollen Blog von Hamburg nach Berlin. Und wie er denn so erzählt hat,

wie er in Berlin ankommt und warum Hamburg nicht Berlin ist, den habe ich immer sehr, sehr gerne gelesen. Ganz abgesehen davon, dass Svensson, so hieß er als Blogger, auch ein sehr netter Typ ist. Und jetzt habe ich was aus Berlin gelesen und dann dachte ich, eine Rubrik könnte man noch machen, die heißt Hamburg ist nicht Berlin.

Schreibt mir nochmal zurück, wie ihr das alles findet und ich verlinke euch auch die Artikel, die ich euch gleich noch vorlese, nämlich den aktuellen und vielleicht lese ich euch auch noch was aus der Nullnummer vor, aus der Hamburg-Nullnummer. Also, in meinem Blog habe ich vom Sommer einen Artikel mit dem Hashtag Hamburg und

Der würde in dem Newsletter im Kulturteil auftauchen. Er ist vom 23. August 2025 und er heißt Urlaub in Pinneberg. Angelehnt an Erobieks Titel Urlaub in Italien. Hamburg Mitte August. 14 Grad und immer mal kurze Regenschauer. Klammer auf. Das ist ja fast so warm wie nächsten Mittwoch hier in Hamburg. Da sind zwölf angesagt.

Also gibt es auch Mitte August. 14 Grad und immer mal kurze Regenschauer. Carsten Meier mit Y ist ein Mann, vielleicht der Einzige, der seinen Wohlstandsbauch mit einer selbstverständlichen und würdevollen Coolness tragen kann. Nicht nur in diesem Sinne ist er mein Vorbild. Ich bin auf dem Weg zu ihm. Dachte ich zumindest bis eben noch.

Der ICE nach München ist in Pinneberg gestrandet. Jemand aus der Gegend hat eine Flasche auf den Zug geworfen und eine Scheibe getroffen. Dann noch lieber Urlaub in Spanien, steht auf den Gesichtern meiner Mitreisenden. W und A warten Dammtor auf mich, denn Carsten Meier zeigt seine Kunst in Planten und Blomen. Diese herrlich patinierten Konzertenmuschel,

wie man sie in den 70ern gerne in Ostseebädern oder Bad Sachsa verbaut hat. Im inoffiziellen Stadtpark St. Paulis hat sie überlebt. Mehr noch coole Acts wie Lemperatrice oder eben jetzt Erobieg haben sie mit neuem Leben erfüllt und überfordern regelmäßig den nahegelegenen Kiosk. Okay, wir stehen immer noch. Da habe ich Zeit, euch von X zu erzählen.

Ein Blogger aus Berlin. Ja, guck mal, schon wieder Berlin. Der sowas wie ein kleiner Star der Szene war, als Bloggen der neue heiße Scheiß war. Er bloggt wieder und postet in das Fediverse, so wie ich auch. Und seine Definition des Bloggens hat mit viel Improvisation zu tun. Genau das, was Carsten Mayer mit seiner Kunst macht. Zitat, wirres.net,

Dinge ausprobieren, Dinge obsessiv zu verfolgen, bis sie mich langweilen, gelegentlich den Geschmack anderer zu treffen und gelegentlich das Gegenteil. Alles in der Öffentlichkeit, aber eigentlich nicht für die Öffentlichkeit. Und das ist ein schönes Zitat. Hammer. Ich wiederhole das nochmal. Alles in der Öffentlichkeit, aber eigentlich nicht für die Öffentlichkeit. Und da fühlte ich mich gleich angesprochen,

weil ich mache meine Sachen, die ich hier so mache, mache ich natürlich auch in der Öffentlichkeit. Ihr hört das ja gerade öffentlich. Und ich mache das natürlich auch ein bisschen für euch. Aber in erster Linie mache ich es für mich. Bloggen tue ich, um nicht zu vergessen, wie es mir gerade ging an dem Tag oder um…

die Reisen, die ich in meinem Kopf mache, aufzuschreiben. Die Ideen, die Leute, die ich erfinde und die ich kennenlerne mit mir selbst, euch vorzustellen. Dasselbe soll es eigentlich in dieser Hamburg-Kolumne auch geben. Natürlich Soll es um Aktuelles gehen aus Hamburg? Das ist klar, sonst macht ein wöchentlicher Newsletter aus Hamburg eigentlich wenig Sinn.

Aber es soll schon näher am Bloggen sein, näher an der Kolumne, näher an der Glosse als an der Nachricht. Für Nachrichten gibt es hervorragende Newsletter. Ich kann da zum Beispiel den… von der Zeit Hamburg empfehlen, den ich die Ehre hatte, hatte ich das schon erzählt, den ich die Ehre hatte, mit zu starten. Da war ich für St.

Pauli und für Black Lese zuständig in diesem Newsletter. Aber wir haben auch viel darüber diskutiert, wie aus unserer Sicht ein Newsletter sozusagen vom Format her auszusehen hat. Und zumindest in den Startjahren War die Elbvertiefung für mich, nicht nur für mich Vorbild, sondern auch beispielsweise für eine Tagesspiegel-Newsletter, die danach kam. Aus Berlin schon wieder. Guck mal, Hamburg, Berlin.

Das ist irgendwie auch so ein Thema, das man immer mal wieder so submäßig einbauen kann und muss. Aber auf jeden Fall haben wir viel diskutiert damals und ich habe immer gesagt, ich hasse Newsletter, die nur so antiesen. Selbst wenn das Antiesen quasi in so einen Fließtext, in so einen Flow verpackt ist, ja, das ist okay.

Aber ich möchte eigentlich ein Newsletter lesen und da muss das Lesen abgeschlossen sein. Wenn ich dennoch Lust habe, mir ein oder ein anderes Thema zu vertiefen, dann kann ich ja den Links folgen. Aber ich darf Informationen, die für mich als Leserin wichtig sind, nicht außerhalb des Newsletters verstecken. Die Leute zwingen, irgendwo rüber zu machen,

irgendwo rauf zu klicken, womöglich noch hinter einer Page-Schranke. Nee, nee, nee, das geht nicht. Und so wird auch dieser Newsletter, Ring 2, das Hamburg-Logbuch als Arbeitstitel, wird auch komplett sein, für euch komplett zu lesen und nicht hinter einer Bezahlschranke. Es sei denn, die Dinger sind drei, vier Monate alt, denn rücken sie, glaube ich,

automatisch bei meinen Einstellungen hinter die Bezahlschranke. Muss ich mir gerade mal überlegen, ob das Sinn macht. Vielleicht ändere ich das auch wieder. Also Hamburg, Pinneberg, Hamburg, Berlin. Und dann würde ich sagen, lese ich euch auch mal ein bisschen noch von meinem Newsletter vor, den ich aber auch schon mit einer Audiospur versehen habe, habe ich gerade gesehen.

Aber egal, machen wir es nochmal. Der Titel heißt Hamburg, du doofes Schlagloch. Ein Test für eine wöchentliche Hamburg-Glosse. Wochenletter Nummer 0, frostige Nullnummer, Kalenderwoche 8. Too lazy didn’t read. Das ist so eine Internetabkürzung und heißt, eigentlich habe ich keinen Bock, das zu lesen. Sag mir mal, worum es geht.

Und das macht das Hamburger Tagesjournal übrigens auch sehr schön. Oben drüber sehr oft mit Alliteration, so Spiegel Online-like. Gefällt mir ab und an auch mal ganz gut. Nicht, dass das zur Pflicht wird, wie bei Spiegel Online zu vermuten. Aber ab und an mag ich Alliterationen. Also Too Lazy Didn’t Read, minus 6 Grad, bald dreimal so viel.

Schnee wie nasse Pappe, keine Busse. Willkommen in Hamburg, Angela. Und ich glaube, ich lese euch nicht die ganzen vor, sondern nur ausschnittsweise. Es ist Mittwochmorgen, 7 Uhr morgens. Hamburger Osten, sehr gay Nuss, steht auf dem Betriebshof in Bilbrook und friert. Er könnte jetzt seinen Bus warmlaufen lassen, die Türen öffnen, die ersten Fahrgäste einsteigen lassen,

die Mütter mit Kinderwagen, Bauarbeiter mit Thermoskannen, nervige Schüler mit Kopfhörern und TikTok vorm Gesicht. Er tut es nicht. Er streikt. Hinter ihm stehen 89% seiner Kollegen bei der VHH. Auch sie streiken. Vor ihm Hamburger Straßen, auf der sich keine Busse bewegen. Die Menschen warten trotzdem an den Haltestellen. Weil sie es nicht wissen,

weil das Handy keinen Akku hat, weil Gewohnheit manchmal stärker ist als Vernunft. Willkommen in Hamburg, Woche 8. Zieh die Jacke oben zu, es wird rau. Verdi hat drei Tage lang gestreikt. In Wellen. Montag Harburg, Dienstag die gesamte Stadt. Mittwoch VHH und der Hamburger Osten. Donnerstag die Betriebshöfe Wandsbek und Hammerbrook. Jeden Morgen eine neue Front,

jeden Morgen neue Haltestellen, die niemand von Sergejs Kolleginnen bedient. Das nächste Mal trifft man sich am Verhandlungstisch am 20. und 24. Februar, bei der Hochbahn am 26. beim HVHH. Bis dahin eigene Beine, Fahrrad, viel frische Luft. Dann kommt noch eine lustige Geschichte über die Bahn. Die lese ich nicht vor, sondern sie ist aber sehr lustig, weil …

Fünf Nordländer Ministerpräsidenten und unser Bürgermeister Peter Tschentscher ist ja als erster Bürgermeister auch Ministerpräsident des Landes Hamburg. Also alle fünf Ministerpräsidenten aus Berlin, Brandenburg, da war es wieder Berlin, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg, Vorpommern und Schleswig-Holstein und Hamburg, alle fünf, haben diese Woche einen solchen Brief geschrieben. Einen Brandbrief, einen höflichen, aber sehr dringenden Brandbrief.

Und in diesem Brief haben sie gefragt, Sag mal, Frau Bahnchefin, wie steht es denn eigentlich mit der Strecke Hamburg-Berlin? Die sollte doch im April fertig sein mit eurer Generalsanierung. Jetzt hat aber auch die Bahn Probleme mit dem Frost. Und die Ministerpräsidenten waren einigermaßen not amused und haben gesagt, wir brauchen da mal eine Ansage bis zum 2.3.,

Und hat die Bahnchefin etwas gemacht, was ich total Bahnchef-mäßig finde. Würde ich auch machen, wenn die Bahnchefin wäre. Und sie hat gesagt, den Zeitplan präsentiert wir am 13. März. Elf Tage nach der Frist. Und man muss diese Egalheit fünf Ministerpräsidenten gegenüber einfach auch mal würdigen. So nach dem Motto, ja, ja, Zweiter, Dritter.

Ich habe mir das auf Wiedervorlage gelegt, elf Tage später, also fast zwei Wochen später. Das ist total lustig. Tja, und dann kommt auch noch sozusagen in den Frühjahrsferien wird die Verbindungsbahn gesperrt. Also nicht die Straße an der Verbindungsbahn, sondern die Verbindungsbahn zwischen Altona und Dammtor. Also Dammtor und dem Rest der Welt im Norden und auch der Sternschanze.

Ich muss mir auch überlegen, wie ich zur Arbeit komme. Aber das wird auch hart. Also all sowas habe ich in dieser Glosse verarbeitet. Ich habe mir überlegt, weil das war eher ein Zufall, dass es grundsätzlich oder viel um den Hamburger Verkehr geht oder die Hamburger Verkehrsinfrastruktur. Das war jetzt Zufall.

Ich muss das ein bisschen beobachten beim nächsten Mal, ob das eigentlich eine ganz gute Idee ist, so ein Metathema zu nehmen, das man immer mal wieder irgendwo einfließen lässt. Sagt mir doch mal Bescheid. Dann gab es noch eine Kampag-Geschichte unter anderem über den Hamburger Zukunftsentscheid. Könnt ihr ja gerne alles selber nochmal lesen.

Ach ja, und dann gibt es ja noch den HSV. Also ich bin ja bekannterweise St. Pauli-Fan, aber ich finde der HSV… ist in dieser Stadt einfach so präsent, omnipräsent und wichtig. Und man kann kein Hamburg Newsletter machen, wenn man nicht regelmäßig auf den HSV guckt. Und ich verspreche hier mit hoch und heilig, dass ich mit einer feinen,

ironischen Klinge vielleicht manchmal agieren werde. Aber ich werde kein HSV-Bashing betreiben. Ganz einfach auch aus dem Grund, weil das könnte… Und Merkwürdigkeiten können die tatsächlich alle selbst. Jetzt hat zum Beispiel die Woche Erik Huwer, der neue starke Mann beim HSV, Vorstandschef, auf der Mitgliederversammlung ans Mikro getreten und hat meiner Wahrnehmung nach ungefähr sinngemäß gesagt, ja,

Der HSV freut sich schon auf ein neues Stadion. Vielen Dank Stadt Hamburg. Aber ich weiß auch schon, wie es aussieht. Es wird auf gar keinen Fall ein Leichtathletikstadion. Ich habe auch keinen Bock auf so ein Leichtathletikrundestadion. Also wo wir vielleicht Innenfußball haben und Außen Leichtathletik. Da fragt man sich natürlich, okay,

wenn das zu den Olympischen Spielen gebaut wird, wo soll denn da die Leichtathletik stattfinden? Lieber Herr Hoover, lieber Herr Namensvetter Erik, Da glänzt so ein bisschen die HSV-Arroganz durch, wenn er dann sagt, also wenn es ein neues Stadion gibt, dann wird es eins sein, dass nach den Vorgaben das HSV gebaut wird.

Auf der anderen Seite in der Stadt noch keinerlei Planung, noch nicht mal eine Diskussion über das Stadion. Da weiß der HSV schon mehr, ich weiß es nicht. Angela Merkel kommt am 6. März zum Mattei mal. Das ist sowieso auch so eine Veranstaltung, die muss in so ein Newsletter rein. 6. März, mal gucken. Dann natürlich das Wetter.

Und das wird ja jetzt warm. Also von gefühlt minus 11 vorgestern zu nächsten Mittwoch 12 Grad. Das sind laut Adam Riese 23 Grad Unterschied. Und das ist Hochsommer. Also der Unterschied zwischen tiefstem Winter und nächsten Mittwoch ist ein Hochsommer. Das ist ja wohl cool. So, jetzt haben wir es bald.

Ihr habt mir jetzt 20 Minuten zugehört und ich hoffe, ihr meldet euch bei mir. Ach ja, eine Frage habe ich noch. Wann hättet ihr den Newsletter denn gern? Am Sonntag zum Frühstück? Zum späten? So um elf beim zweiten Kaffee? Oder am Mittwoch. Also ich hätte Mittwoch- und Nachmittagszeit. Oder Freitag und Samstag für Sonntag. Schreibt mir mal zurück.

Mittwoch oder Sonntag, Erik. Dankeschön. Das ganze Stadion, Quatsch, das ist der andere Podcast. Die ganze Stadt. Tschüss Hamburg.