Moin Hamburg. Wir schreiben Sonntag, den 26. April 2026. Während du dies liest, schiebt sich gerade eine Wand aus über 30.000 Menschen durch die Stadt – es ist Marathon-Sonntag, und Hamburg riecht nach Magnesium-Gel und Schweiß. Frischem Schweiß.
Chapters
0:10 Marathonzeit in Hamburg
2:45 Critical Mass und Fahrradprotest
5:40 HSV und sportliche Herausforderungen
7:49 Olympia-Referendum und politische Auseinandersetzungen
9:21 Infrastrukturprobleme in Hamburg
10:47 Ausblick auf kommende Veranstaltungen
Ich wohne direkt an der Laufstrecke des Hamburg Marathons. Früh im Rennen hatte sich schon an der Ottenser Christianskirche die Elite vom Feld getrennt. Meist waren die besten Läufer schon oder gerade durch, als ich mich im hastig angeplünnten Jogginganzug an die Strecke begab. So viele Menschen, die mit voller Batterie und viel Hoffnung im Bauch an mir vorbei laufen; es liegt etwas von dieser Kraft in der Luft, weht zu den wartenden herüber. Während die Nachbarn mit Heavy Metal und AC/DC den Läufern Mut zudröhnen, scanne ich die Masse – irgendjemand erkennt man immer – und manchmal erkennen sie einen auch. Und strahlen.
Ich weiß nicht, wie dieselben Menschen dann später in Eppendorf aussehen, aber mich fasziniert der Mut und die fröhliche Entschlossenheit. Jedes Jahr wieder.
Kritische Masse Hamburg früh im Monat
Wie der Hansemarathon erfüllt mich jedes Mal die Fahrraddemo “Critical Mass” mit Hoffnung. Wie der Marathon kommt diese kreativste Form des Protestes mit wenig Brimborium aus (braucht keine Sportstätten oder gar die Politik; im Gegenteil).
Die Critical Mass nutzt den Paragraphen 27 der Straßenverkehrsordnung. Wenn mehr als 15 Radfahrer:innen hinter- und nebeneinander Fahren, bilden sie rechtlich einen „Verband“. Die Folge: Der Verband darf wie ein einzelnes Fahrzeug behandelt werden. Wenn das erste Rad bei Grün über die Ampel fährt, darf der gesamte Rest folgen, auch wenn die Ampel mittlerweile auf Rot springt (das sogenannte „Corken“).
Das Ziel ist es, die Dominanz des Autos im Stadtbild für ein paar Stunden zu brechen. Radfahrer, die sonst oft an den Rand gedrängt werden, nehmen sich den Raum, der ihnen zusteht – und das ganz legal. Es geht um eine leider nur temporäre Umverteilung des öffentlichen Raums.
Im Sommer radeln mehr Leute mit, denn das ist keine verbiesterte Demo, sondern ein Happening. Mit Musik und Geträller. Die Erfahrenen sichern die Strecke und nehmen das Geschimpfe der Autofahrer auf sich, die sich vielleicht das erste Mal so ohnmächtig fühlen, wie andere Verkehrsteilnehmer dauernd. Wie das genau funktioniert in Hamburg, könnt ihr hier bei CM auf Mastodon nachlesen.
Und was macht … der HSV?
Alle anderen spielen für Hamburg und wir spielen mit. Nach der nicht unverdienten Niederlage gegen die Senkrechtstarter aus Hoppenheim reiht sich der HSV ins Schneckenrennen um den Klassenerhalt ein.
… dabei kann sich der HSV auf den FC St. Pauli verlassen. Die Kiezkicker unterlagen beim Tabellenletzten verdient mit 0:2. Der Millernton spricht von einem “Offenbarungseid” zur Pleite. Nun fragt sich ganz Hamburg, wer denn als Insolvenzverwalter eingesetzt wird. Der Podcast St. POP wünscht sich mit Friedhelm Funkel den Dauerläufer unter den Ligarettern.
„Wadenkrampf & Wahl-Krampf: Hamburg zwischen Runners High und Stimmungstief“
Diese Woche wird in Hamburg gerannt: ihr rennt den Marathon (obwohl laufen wohl das bessere Verb ist), wir rennen wild durcheinander beim Streit um die sportliche Zukunft (Beim Olympia-Referendum) und zwischendurch rennt unserer Infrastruktur die Zeit davon (Brücken-Chaos).
Vielen Dank fürs lesen und hören; teile diesen Letter gerne in deinem Netzwerk; run on … Dein Erik
Abwegig: Das war die letzte Woche
* Der große Marathon-Check: Heute, am 26. April, steht die Stadt still. NDR und Mopo berichten von Rekord-Anmeldezahlen (über 38.000 Läufer inklusive Staffel). Der “Hot”-Faktor: Die Straßensperrungen treiben Autofahrer in den Wahnsinn, während die Partystimmung an der Strecke (besonders in Eppendorf) ihren Peak erreicht.
(Quellen: NDR Hamburg, MOPO)
* Olympia-Post im Briefkasten: Seit Mitte der Woche landen die Briefwahlunterlagen für das Referendum am 31. Mai in den Briefkästen. Das Hamburger Tagesjournal beobachtet ein „Hamburger Ding“: Die Fronten zwischen Senat (Pro) und Initiativen wie „NOlympia“ (Contra) verhärten sich zusehends.
(Quellen: Abendblatt, Hamburger Tagesjournal)
* Abwegig: Lufthansa Technik wartet jetzt Kriegswaffen: In Fuhlsbüttel weht ein neuer Wind. Erstmals werden bei Lufthansa Technik waffentragende Flugzeuge (Boeing P-8A Poseidon) gewartet. Hamburg wird zur „wehrtechnischen Stadt“ – eine Entwicklung, die in der Friedensstadt für ordentlich Diskussionsstoff auf Mastodon sorgt.
(Quelle: Hamburger Tagesjournal)
* Das 130.000-Euro-Eigentor: Der Landesverband der Grünen muss eine massive Summe an die Rentenversicherung nachzahlen. Grund: Eine rückwirkende Neubewertung der Vorstandsvergütung. Ein gefundenes Fressen für die politische Konkurrenz.
(Quelle: Hamburger Tagesjournal)
* Infrastruktur-Drama: Am Donnerstag legten Probleme an der Köhlbrandbrücke und der Norderelbbrücke den Hamburger Süden komplett lahm. Stillstand als Dauerzustand – ein Thema, das die MOPO gewohnt emotional begleitet.
(Quellen: Hamburger Tagesjournal, MOPO)
Ausblick: Termine für die kommende Woche (27. April – 3. Mai)
Die nächste Woche steht ganz im Zeichen des Feiertags und des kulturellen Aufbruchs.
Offizieller Wahl-Endspurt
27. April – 30. April
Die Stadt wird mit Plakaten für und gegen das Olympia-Referendum geflutet. Erwartet hitzige Debatten in den Lokalzeitungen.
Tag der Arbeit & Wasserlichtkonzerte
Freitag, 1. Mai
Traditionelle Demos (DGB und Schanze). Gleichzeitig Saisonstart der Wasserlichtkonzerte in Planten un Blomen – dieses Jahr unter dem Motto „Lichtgestalten“.
Internationales Musikfest Hamburg
Freitag, 1. Mai (Start)
Auftakt des Musikfests in der Elbphilharmonie. Das Thema 2026 ist „Ende“ – passend zur dramatischen Grundstimmung der Stadt.
HSV vs. Eintracht Frankfurt
Samstag, 2. Mai
Heimspiel im Volksparkstadion (15:30 Uhr). Die Stadt wird in Blau-Weiß-Schwarz getaucht sein.
Japan-Festival Vorboten
Sonntag, 3. Mai
Erste Kirschblüten-Events an der Alster, bevor Ende Mai das große Feuerwerk folgt.
Quellen:
* Hamburger Tagesjournal: Unverzichtbar für die “abwegigen” politischen Details (Grüne, Lufthansa-Waffen).
* Abendblatt: Tiefe Analysen zum Olympia-Referendum und den wirtschaftlichen Folgen.
* NDR: Erste Adresse für die Marathon-Berichterstattung und den kulturellen Mai-Auftakt.
* MOPO: Dein Seismograph für die Wut über Straßensperrungen und den Brücken-Wahnsinn.
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