Moin Hamburg,
(in eigener Sache: heute erscheint dein Hamburg Logbuch bereits am Sonnabend. Ein kleiner Test – lesen und hören kannst Du es natürlich auch erst am gewohnten Sonntag)
Der April meinte es gut mit Hamburg diese Woche. Regenschauer passierten die Stadt in der Nacht, die ungemütlich kalt werden konnte, während am Tag die Sonne schien. So kann das weitergehen …
Als Nachtrag zu letzten Letter: ich schreibe die Dinge, die ich verpasst habe, wie bspw. die Reise zum Osterfeuer in Blankenese in meinen Blog – schau da also auch gerne vorbei …
wir befinden uns auf der Zielgeraden der Osterferien – meidet also wenn es geht den Elbtunnel. Wenn ihr unterwegs wart, habe ich eine beruhigende Nachricht: bestimmte Themen bleiben der Stadt erhalten – allerdings verschiebt sich der Fokus bedenklich.
Ich muss gestehen, ich kann das Thema “Olympiabewerbung” langsam nicht mehr hören. Alle Argumente sind ausgetauscht, das Thema nervt. Am Ende müssen wir Hamburgerinnen entscheiden, ob wir dem Senat glauben (und zutrauen), dass er sich diesmal nicht heillos verkalkuliert?
Inzwischen driftet die ausgelutschte Diskussion ins Surreale ab – ein Merkmal unserer Zeit. Der Senat verspricht, dass die Sicherheitskosten im Rahmen bleiben, ausgerechnet, weil man auf Trumpsche Roboterpolizeihunde setzt, die durch die Straßen Altonas und Barmbeks streifen, um für Ordnung zu sorgen. Dass dieses Szenario für die Stadt, die Olafs (es gab keine Polizeigewalt) G20 überlebt hat, eher als Drohung als Beruhigung aufgefasst wird, kommt Andy Grote nicht eine Sekunde in den Sinn.
Nu entdeckt die AfD Fraktion auch noch das Thema Nachhaltigkeit für sich. Das ist alles so albern, dass wir bitte jetzt abstimmen, ja? Bevor die FDP noch einen Mindestlohn für Robocops fordert.
Im juristischen Streit um digitale Gewalt gegen Collien Fernandes verschiebt sich der Fokus diese Woche auf das Verhältnis von Verteidigung und Medien. Im Fokus steht der Spiegel, der das Thema ins Rollen brachte. Die Anwälte Ulmens wollen per Einstweiliger Verfügung der in ihren Augen vorverurteilenden Verdachtsberichterstattung engere Grenzen setzen. Die Hamburger Gerichte sind in der Vergangenheit nicht als Hüter der Pressefreiheit aufgefallen – eher als Hüter der Individualrechte. Zugegeben, eine spannende Randnotiz, aber der Fokus sollte eher auf dem Thema Gewalt gegen Frauen liegen, meiner bescheidenen Meinung nach.
Ring2 * das Hamburg Logbuch ist eine Leserinnen-supportete Publikation. Bei Gefallen, wird doch gerne einen Heiermann in meine Kaffekasse.
Und was macht der. … HSV?
Der HSV hat sich einen komfortablen Abstand (sechs Punkte) zum Relegationsplatz erarbeitet und kann das Auswärtsspiel in Stuttgart entspannt angehen. Bei einer kleinen Sensation ist man so gute wie gerettet, bei der erwarteten Niederlage nicht aus dem Rennen. Das entspannt.
und der FC St. Pauli?
Am Millerntor empfängt man die Freunde aus München (was ich immer noch ein bisschen lustig finde, dass ausgerechnet Hoeneß’ Ultras sich so gut mit den Kiezultras verstehen) – und hofft, dass den Millionarios der Fokus verrutscht und sie schon in der nächsten Woche weilen, mental. Trainer Blessin hat auch dieses Spiel als “Endspiel” ausgerufen, was sich ein wenig albern anfühlt. Ist eher ein Bonus – und wegen der vier Punkte auf Wolfsburg sogar folgenlos, sollte man wie erwartet verlieren. Andererseits: gegen Bayern gibts alle Jubeljahre mal ein Kultspiel auf dem Kiez – warum nicht heute?
Hamburg ist nicht … London
Während sich Hamburger Anwälte bemühen, Verfahren wegen digitaler Gewalt nach Deutschland zu holen, vermeintlich, weil die Verteidigung hier leichter fällt, macht London gegen eben diese mobil. Wenn es nach den Plänen der Regierung geht, können sich auch die Anbieter von Plattformen bald als – in Deutschland hat man den schönen Begriff – Mitstörer auf der Anklagebank wiederfinden. Ob es Herrn Zuckerberg juckt, dann nicht mehr nach England zu dürfen, war zum Redkationsschluss nicht bekannt.
Eine fokussierte neue Woche wünscht euch euer Host,Erik
PS ich fühle mich diese Woche ein wenig gehauntet, dieselben Themen in anderem Gewand. Der Wal ist immer noch gestrandet, fast tot. Dafür ist der Wolf wieder frei und das auch wieder dort, wo seine Reise begann – im Hamburger Umland.
Die Bahn braucht keine Streiks mehr, um nicht zu fahren (Donnerstag nachts ging in Richtung Pinneberg, Elmshorn nix mehr)
Die Top-Hamburg-Meldungen (KW 15) im Überblick
* Der Fall Fernandes vs. Ulmen: Juristisches Tauziehen. Nach den schweren Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (Thema: Deepfakes) hat dieser nun beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den Spiegel beantragt. Der Vorwurf: Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Berichterstattung.
„Es geht um die Frage, wo die Grenze zwischen investigativer Recherche und Vorverurteilung in der digitalen Ära verläuft.“ (Quellen: Zeit Hamburg, Hamburger Tagesjournal, Abendblatt)
* Olympia-Zoff im Rathaus. Die Pläne für eine Hamburger Bewerbung für 2036/2040 spalten die Politik. Die AfD kritisiert den Senat für mangelnde Nachhaltigkeit (was sich lustig liest, ist diese Fraktion bisher nicht als Umweltpartei aufgefalllen), während die CDU mehr Tempo fordert. Der Streit um die „Klimaneutralität“ der Spiele wird zum Zünglein an der Waage. (Quellen: NDR, Hamburger Tagesjournal)
* Revolution im HVV? Entkriminalisierung des Schwarzfahrens. Hamburg diskutiert aktuell den Vorschlag von Bundesjustizministerin Hubig, „Fahren ohne Fahrschein“ nicht mehr als Straftat, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit zu behandeln. Die Meinungen in der Hansestadt gehen weit auseinander – beim NDR gab es eine Umfrage, und ich verstehe nicht, wieso 50% der Leute ihr armen Mitbürger weiter einknasten wollen. (Quelle: Hinz&Kunzt, MOPO)
* Staatsoper zieht ins Zelt. Kultur-News für die Zukunft: Wegen Sanierungsarbeiten am Orchestergraben wird die Staatsoper in der Saison 2026/27 zeitweise in ein Zirkuszelt („Die Kuppel“) umziehen. (Quelle: NDR, Musik Heute)
Termine: Heute & Nächste Woche
Heute (Sonntag, 12. April 2026)
* Buchdruckmesse (Museum der Arbeit, Barmbek): Start der 21. Auflage. Wer Haptik liebt, ist hier richtig.
Nächste Woche (12. – 19. April 2026)
* 14. – 19. April: Dokumentarfilmwochen Hamburg. Spannende Einblicke in globale Krisen und lokale Helden in diversen Kinos.
* 17. April (Freitag): Pothead im Bahnhof Pauli. Riffrock für alle, die das Wochenende laut einläuten wollen.
* 18. April (Samstag): Lange Nacht der Museen. Über 50 Museen öffnen bis spät in die Nacht ihre Türen. Shuttle-Busse und Barkassen inklusive!
* 18. April (Samstag): Pop Girly Night im Übel & Gefährlich. Chappell Roan und Sabrina Carpenter Vibes im Bunker.
* 18. April (Samstag): Howard Carpendale (Abschiedstour) in der Barclays Arena. Der „Howie“-Wahnsinn für die Schlager-Fraktion.
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