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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Jetztz

Ich bin, – I am – wie ich bin,
Ob ich spontan hüstel oder in die Weite schaue,

Oder beides zugleich.
Ich bin jetzt, und ich bin hier.
Ich kreische eure Sterne an,
Leise or loud.

Und immer bin ich,
Überwältigt und klein,
In diesem Moment,
Potenziell famos.

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Bruno

Sarah ist loyal,
Sie trägt tapfer ihre weiße Schirmmütze,
Unter der ihre brünetten, langen Haare widerspenstig hervor luken,
Sie verteidigt Mangel und Verlassen sein. ‚Bruno‘ steht auf ihrem Rücken. Der Name eines alten Mannes.

Sie lächelt, und ihre Beine schmerzen;
Setzen?, nicht dran zu denken,
Denken, nicht dran zu denken.
Manchmal erzeugt der Moment eine persönliche Situation,
Ansonsten ist sie das Persönchen für den Sonntagabend.
Auch eine Erfahrung.

Der Mond ist fast voll,
Erzählt ihr ein Gast,
Nicht mehr ganz nüchtern.
Das hätte sie fast verpasst.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Camp

Camp, so hat mir einmal jemand erklärt, ist das, was Du siehst, wenn Du haarscharf an dem Objekt vorbei schaust, das Du betrachten willst. Der Fokus ist anders, weiter, und man kann manchmal mit der Peripherie Dinge sehen, die unbemerkbar sind, schaut man direkt darauf.

Sie ist sehr persönlich, diese ‚campyness‘, deswegen lässt sich famos darüber streiten, aber ein vereinender Faktor ist das Herausnehmen aus Gelerntem, vor allem Machtbeziehungen. Deswegen kann Mainstream fast nie Camp sein, Vicky Leandros in einem Stadion sehr wohl, am Ballermann nie, im Olympiastadion?, schwierig – ihr versteht?

Schräg‚, ist eine häufige, aber schlechte Übersetzung, ‚Queer‚ dagegen steckt oft im Camp, auch weil eine marginalisierte Sicht auf die Welt immer von einem anderen Standpunkt aus geblickt wird. Und um den geht es: den Winkel, den Blick, der aus Höhöhö erstaunte Sprachlosigkeit macht, und warm ums Herz. 😉

Erhöhen ist dabei genauso erlaubt, wie herzliches, aber unpassendes Pathos; St. Pauli lieben geht also, ein aus nationalistischer Vaterlandsliebe geborene Erhöhung dagegen nicht als campy durch. Wikipedia weiß dazu:

„Ein inzwischen als überholt, lächerlich oder misslungen geltender Stil ist dabei nicht automatisch Camp. Nach Susan Sontag muss eine gewisse Theatralik, Leidenschaftlichkeit und Verspieltheit sichtbar werden; Camp-Ironie ist auch überwiegend auf sentimentale und liebevolle Weise ironisch, will die erwählten Gegenstände, Personen und Kunstwerke nie nur vorführen oder der Lächerlichkeit preisgeben. Ferner entsteht gute campy Kunst eher naiv und unfreiwillig; halbherzig gewollte Adaption der Camp-Optik nannte Sontag verächtlich „Camping“.“

Dabei hängt es stark von der persönlichen Prägung ab, was als Camp wahrgenommen wird, selbst im deutschen Schlager wollen manche (eher unfreiwillige) Camp-Aspekte entdecken, etwa in der Musik Howard Carpendales. Madonnas Verwendung von Camp-Ästhetik, oft direkt den Trends schwuler queerer Subkultur abgeschaut, bezeichnet dann bereits ein zentrales Problem des Camp: Ist das noch freundliches Zitat oder bereits exploitative Aneignung durch die etablierte Kulturindustrie?

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Back Out of Hell

Ich konnte noch nie gut mit Bier und Hitze umgehen. Wenn der Körper wärmer wird, sich ausdehnt und die Finger dicker werden. Nee, 22 Grad reicht. Celsius natürlich.

Den ganzen Tag Sonne von vorn.
Und nun zurück.

Immerhin, der Leihwagen hatte eine Klimaanlage, das machte das Ganze erträglich. Vier Halbe Astra hatten wir pro Mann eingepackt, und drei Punkte liegen gelassen. Wie zum Hohn hatten sie Vicky Leandros gespielt, und uns mit dem moralischen Sieg nach Hause geschickt.

Harburger Berge, Elend lange später Hannover, Kassel, letztes Astra, Pinkeln, Bier kaufen, durchs Hessische, bloß weiter.

Die warmen Hände der St. Paulianer spüre ich immer noch auf meiner Schulter. Wir haben und umarmt und viele von ihnen winken uns zum Abschied, als unser Wagen an der Domschänke vorbei zieht. Nach Süden.

Hinter Augsburg gab es Obazda im Angebot und irgend so ein Frankenbräu oben drauf. Brezen und Bier eingepackt, noch schnell pinkeln und weiter. Fast den Schorsch vergessen, der war Halbfestes scheißen. Astra-Schiss statt drei Punkten. Müde. Wir sitzen schweigend nebeneinander, Schorsch fährt und der andere liegt hinten, hat seinen Kopf gegen die Fensterscheibe gelehnt. Die Feuchte aus seinem erschöpften Atem kondensiert unter seinem Kinn zu einem kleinen Rinnsal. Alles ist gesagt, alles getrunken. – und dann plötzlich ein vollkommen blauer Bus, der von schräg vorne durch die Planke stößt.

Es quietscht und kreischt, um mich herum ist es unheimlich laut, Schorsch schreit, er fährt und sieht fast schon wieder nüchtern aus; irgendjemand hat bei dem Haufen Glas und Blech, das auf mich zurast, vorne rechts einen FC Bayern Aufkleber raufgestickt, dessen blau-weißes Muster immer schneller näher kommt. Alles schwarz, RAUTE … !–//-/___ Dunkelheit, Stille. Und ich hab noch zwei Autbahnraststättenverzehrbons in der Tasche …

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Segeln auf dem Meer des Lebens, solange Winde gehn und wir stehn

Es war an einem Sommertag im Juli im Norden, genauer im Süden Dänemarks, im Hafen von Høruphav, als ich bei Regen, 17 Grad Celsius Luft- sowie Wassertemperatur, einem älteren Herren beim Anlegen half. Er segelte bei 8-9 Bft. eine kleine, aber stabile schwedische Albin in den Yachthafen im Flensburg Fjord in dem wir schon seit Tagen eingeweht waren.

Auf meine erstaunte Frage, wo er denn nun herkomme, antwortete er belustigt: ‚von Kagnæs gegenüber, ich hab da geankert.‘ – und auf meine 2. Frage, wie alt er sei; ’82. Ich liebe das Meer. Mein Boot und das Meer, und irgendwann ist Schluss. – Tut mir nur leid für die, die mich finden‘ … und dann lachten wir.

Heute, sieben Jahre später, und ich denke an den ollen Segel-Kamerad, helfe ich einem alten Mann in Strande anlegen. Engländer, schlo-weiße Haare und ein Boot, dass tatsächlich noch kleiner ist, als unseres. Er kommt aus England, über die Nordsee und den Kanal – und ich bete zu allem, was mir heilig ist, dass mir auch ein Segler-Abend beschieden sein wird … Auf See ein Fahrensmann … bis zuletzt.

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Lavendel statt Bordstein

In Dänemark gibt es selten Bürgersteige und Bordsteine, alles ist bunt, blüht und weigert sich gegen graue Formen – und ich glaube den Menschen geht es besser.

Lavendel-Huset in Trœnse, Sydfyn, Svendborg Kommune

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Altair

Altair, Teamplayer und Superstar.
Ich sehe Dich im Südosten funkeln,
Und denke daran, dass ich einen Weltmeister kannte, mit gleichem Namen.
Dessen Ruhm strahlte kürzer,
Aber dafür konnte er singen.

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Beizeiten

Eigentlich war es nun soweit. Es war Zeit.

Und doch war ALLES, was er erreicht hatte, alles war nun in Gefahr. Immernoch.
Soviel hatte er entbehrt. Nicht getan, sich untersagt, in der vermeintlichen Gewissheit, es nun gebrauchen und geniessen zu können.

Nun war es soweit. Sollte es soweit sein.
Und alles an das er denken konnte, war,
Es wieder zu verlieren.

Die diffuse Angst, die ihm unmerklich die Fähigkeit zu allem herzhaften genommen hatte, war größer denn je.

Er hatte sich betrogen – und dieser Gedanke war so ungeheuerlich, dass er ihn sofort verfluchte. Er war umzingelt, und sie hatten alle genügend Zeit. Verloren fühlte er sich, und allein reich an Dingen.

Und selbst jetzt langte es nur zu einem verzerrten Grienen.
Er steckte dem alten Gesicht im Badezimmerspiegel die Zunge heraus. ‚BÄH‘

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Manifest

Das was Du Wirklichkeit nennst,
hinkt meiner Fantasie nur ein wenig hinterher.

Alles liebe ist in ihr schon da.
Gedacht, erfühlt, erlebt.

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Gewichtig

Du bist mir wichtig,
Vielleicht das Wichtigste überhaupt.
Aber bitte werde nicht so gewichtig,
Dass nichts mehr wichtig wird.

(Aus den Katakomben von Astra)

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Dialoge

Gedanken beim Geschirr-Einräumen

Ist heute schon Dienstag?, Wieso kriegen alle Familien dünne und ausgerechnet wir bekommen die dicke Französin?, Aua – mein Rücken, Ich muss dieses Reiki mal ausprobieren, Wieso bin ich eigentlich immer derjenige, die die Maschine einräumen muss?, Scheiße – die Maschine ist sauber.

Das Telefon klingelt.
Renate war bei einem Heiler. Es geht ihr gut.

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Die Wahrheit ist: Kartoffelsalat ist sehr lecker.

Kartoffelsalat ist sehr lecker

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Pfeiler des Lichts (Paulo Coelho)

Kurdische Kriegerin
Kurdische Kriegerin – Photo credit: Kurdishstruggle via Visual hunt / CC BY

Die Kriegerin des Lichts betrachtete ausgiebig die beiden hohen Pfeiler neben dem Tor, das sie durchschreiten sollte.

Auf der linken Seite die Angst,
Auf der rechten das Begehren.

Dann schritt sie hindurch, in der Erwartung Dich zu treffen.

Für Katharina, Holly, Julie und Andrea
Frei nach einer Vorlage von Paulo Coelho

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Hurra, ein Faden

Ich bin heute sehr früh in das weiße Zimmer gegangen und habe mir Dialoge angesehen. Wenn das so weiter regnet, kann ich sicher nicht schlafen. So eine Gemütlichkeit halte ich nicht aus.

Zum Glück, gerade als mich mein Terminkalender von morgen einholt, entdecke ich an dem Pflaster an meinem rechten Mittelfinger einen Faden, der nutzlos und frech absteht. Ich will ihn schon herausziehen – er hat da nichts zu suchen, stört nur – da entscheide ich mich dagegen. Ich streiche ihn gerade, behutsam. Und die Nutzlosigkeit dieser Handlung macht mir Spass.

Oh. Nun ist er abgefallen.

Ich begrabe ihn unter meinem Kissen und schaue meinem Pflaster an meinem rechten Mittelfinger tief in seine beiden weißen Augen.

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Hamburger Herbst

Der Sommer ist spät gekommen in diesem Jahr. Zusammen mit lauter singenden Kindern in hellblau. Nun, es ist Ende Mai, liegt immer noch eine grunzende Arche vor dem Fischmarkt von Altona. Es gießt.

„Starkregen, 14 Grad.“, warnt das Radio.

Das Grün explodiert, und dampft Feuchtigkeit auf meine Haut. Es ist erstaunlich, kaum sind die wieder geboren, die Baumkronen unten an der Elbe, kann man sich an die kahle Traurigkeit der vielen dunklen Monate zuvor kaum noch erinnern.
„Ich will noch ein Kind. :)“, schreibt mir eine Fremde per Twitter.

Ich überlege kurz, ob ich antworten kann, und werfe stattdessen kleine Steine ins Wasser.
Wellen brechen sich fügig an dem kleinen Elbstrand, der bei Flut untergeht.

„Ich rufe nie wieder zurück.“

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Mussee

Als er einer Weile den Möwen zugeschaut hatte, wie sie im strammen Südwind über das Wasser segelten, die Flügel auf beiden Seiten zu Bögen gekrümmt, fing sein Geist an sich zu beruhigen.

Er dachte nun nicht mehr an sie. Eigentlich war das Denken gar nichts Handelndes mehr, es geschah einfach. Schleswig-Holstein zum Beispiel, war so ein Gedanke der vorüber schwamm, sollte andere Farben in seiner Flagge führen. Grün, für das scharfe Gras und das feuchte Moos unten, Gelb für den Raps, der sich gerade im Mai über sanfte Hügel legte, und Hellblau für den freigepusteten und frischen Himmel, der in diesem flachen Land an guten Stellen 2/3 des Blickfeldes einnahm.

Ein blaues Fischerboot zerrte geduldig bei jeder Welle an seiner Boje und als die Möwe noch einmal herab sauste, um einem unvorsichtigen Happen das Leben zu nehmen. Er fühlte sich mit satt. Befreit von dem Zwang, Abendessen besorgen zu müssen. Er war voll mit Farben und Bildern, die seine Sinne fluteten.

Morgen würde es abflauen, und er wollte dann lossegeln. Die eigenen Flügel wölben und mit dem streichenden Wind allein sein. Für ein paar lange und einsame Momente.

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Zeeeäeeeeng

Die Nachbarn hatten es sich angewöhnt, nur in den Pausen zu sprechen, so wie sich bei Menschen, die an Bahnstrecken leben, auch eine merkwürdige Gesprächskultur entwickelt, bei der das Gespräch kurz unterbrochen wird, wenn der 1200-Uhr-Zug nach Kopenhagen vorbei fährt oder einer der langen, nie enden wollenden Güterzüge, und dann nach Abklingen des Zuglärms genau dort weiter gesprochen wird, wo man vor Eintreffen des Zuges aufgehört hatte. Für Außen stehende ist das zunächst verwirrend, aber man gewöhnt sich schnell daran.

Diese Familie hatte sich einen sehr kurzen Intervall zugelegt, was der Holzfabrik hinter dem Zaun geschuldet war. Zeeeäeeng-Zeeeäeeng, bei kleinen Stämmen zweimal, bei großen ein lang gestrecktes Zeeeäeeeeng. Dazwischen kleine Pausen, in denen das geredet wurde, was Familien beim Essen so reden.

Wenn Gäste zu Besuch waren, saß man zusammen in dem weißen Zelt vor dem Haus. Die Zeit verging, und alle lachten. Mike war erst vor ein paar Wochen nach Bayern versetzt worden, und hatte eine kleine Wohnung in Spardorf bezogen. Bed & Breakfast. Das war ihm schon in Arizona zu Ohren gekommen, das Frühstück in Bayern war das beste der Welt. Und reichhaltig. So nahm er sein Fitnessprogramm wieder auf, obwohl ihm Laufen nie viel Spass gemacht hatte. ‚Runners High‘ war ihm noch nie begegnet, er fand das einfach nur öde und anstrengend. Nun aber, wo er eine so leckere Belohnung bekam, bayrisches Frühstück mit frischen Brezeln und Obatzda, wusste er wenigstens, wofür er sich quälte.

Schnell hatte er bei seinen morgendlichen Jogging-Touren Anschluss gefunden. Wachsame Augen aus alten Häusern hatten ihn stetig begleitet, bildeten eine Art Staffel, die ihn sozusagen übergab, an das nächste Paar Augen, wenn er gerade um eine Ecke bog. Ihm gefiel das.

Auf einem seiner Läufe war er dieser Familie begegnet. Das erste Mal lief der junge hübsche Haushund eine Weile neben ihm her, dann war der Zaun zuende und eine Frau lehnte sich über die Eingangspforte um ihn näher zu betrachten.

Am dritten Tag, es konnte ein Mittwoch gewesen sein, lud sie ihn ein. Auf einen Bohnenkaffee. Und als sie gerade bei der zweiten Tasse und eine Geschichte über gemeinsam aber getrennt erlebte Urlaube auf Hawaii sprachen, fing es nebenan zu schreien an; Zeeeäeeeeng, Zeeeäeeeeng.

Die Frau lächelte, und Maik lief ein Schauer über den Rücken.

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Weiß

Weiß. Überall weiß.

Kein Schatten fällt, mit sechzig Watt strahlt weißes Licht aus einer weißen Lampe auf weiße Tapete. Den Strom beziehen sie aus roten Wasserfällen. Lokale Elektronen.

Und die rote Lampe des Rauchmelders prüft alle 360 Sekunden. Sich selbst, und dass es soweit klar bleibt. In diesem weißen Raum, made in China.

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Dialoge

Südwind

Nein, sagte Südwind, ich kann mit niemandem befreundet sein,
der mich ‚Brise‘ nennt.
Nun, dachte sich der Westwind, dann will ich das nun nicht mehr tun,
Denn ich will Dein Freund sein.

Nach dem darauf folgenden Gewitter legte sich über sechs Wochen ein warmer Wind über das Land.

Danke Momo.

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Leichtes Gepäck

Wenn ich reise, nehme ich mich mit – leichtes Gepäck also.

Wenn ich ankomme und mich umsehe, wird alles mehr, aufgefüllt mit Düften, die von Land herüber wehen, von Gesichtern, die lachen, forschen, verlangen. Fremdartige Boote, weisse Möwen, grelle und wunderschöne Seelichter – und Gesichter: Von berühmten Städten, verwunschenen Stränden und vergessenen Plätzen.

Aber schwerer wird es nicht.

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Gefallen

Als ich fiel, konnte ich für eine kleine Weile entscheiden, worauf ich fallen wollte. Die Hände hatte ich tief in der Tasche meines langen Mantels vergraben, als ich stolperte. Nun blieb mir noch die Wahl auf den Knien zu landen, auf der Nase oder … ich riss mein Kinn nach oben und rummste mit dem unteren Teil meines Kiefers über die vom Regen nassen Kanten der Waschbetonplatten.

»Will I ever fall in Love again«, sang ich, als ich Blut triefend in die Küche meiner Gastgeberin kam. „Hej“, dachte ich, „was für ein Glück, dass Dein Vater Zahnarzt ist“. Ich war benebelt vom Sturz, die körpereigenen Schmerzmittel wirkten aber noch und so fühlte ich mich erstaunlich gut. Ein wenig dun, aber wenn ich ehrlich war umfing mich eine merkwürdige Hochstimmung.

»Dich schmeiß ich weg«, sagtest Du gerade zu einem Dutzend ausgeblühter Tulpen und ich wurde schlagartig traurig. Ich fiel von einem Gipfel in ein dunkles Tal. Auch die Musik aus dem Küchenradio konnte mich nicht wieder beruhigen, wie es deine DJ-Sets von Ibizaradio sonst immer taten.

Ich hatte Durst, unendlich großen Durst. Als ich mein Kinn befühlte, konnte ich die Hautlappen fühlen, die unter der Schwellung auseinander klafften. Ich trank den „Guten Morgen Tee“, den Du mir gemacht hast und fing an, Dich aufrichtig zu hassen.

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Dialoge

Ein kurzes Ende.

Kommst Du?

Nein, nie wieder

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Tulpen

Tulpen wachsen auch nach dem Abschnitt weiter. Gemeinsam stehen sie in einer Vase.
Deiner.

Und vielleicht wetteifern sie, wer die höchste wird, die schönste, schillerndste.

Und am Ende neigen sich ihre Köpfe nach unten, öffnen sich ihre Blüten und sie erblicken das erste Mal, das sie abgeschnitten waren, die ganze Zeit, die sie lebendig nannten.

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Prosa User

Ich mag Prosa und ich mag Privatheit. Um beides zusammen zu bekommen und um Herrn Facebook es nicht allzu leicht zu machen, meine ganzen Daten zu lesen, auszuwerten und sie mir wieder zurückzuschicken in Form von Werbung, werde ich meine Postings hier ein wenig prosaischer machen.

Das klingt dann ein wenig übertrieben, unglaubwürdig, albern-doof, skurril verliebt, hoffentlich an Stellen einfach und zu komplex zugleich; und es ist ganz bestimmt nicht echt.

Es wird mir hier sonst zu langweilig zwischen Postern, Fotos, Statements, Zitaten, und Mittagessen.

Danke.

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Siri automatique

„Speech to text Prosa“ oder IPhone Dadaismus könnte man das nennen, was ich hier mal ausprobieren will: Freies Assoziieren in Sprache und in Text verwandelt von Apples Spracherkennung. Siri, Hör gut zu, nu geht es los …

#Siri Start#

Krümel in der Kaffeetasse – lila ein so starkes lila das gegen den Schnee anzukämpfen versucht – Schnee – nur für Anja – und ich hätte sie vermisst die noch jetzt schon komisch – außerdem wusste ich gar nicht dass man die Gegend zwischen Eider Träne und Sorge Norddeutschlands große Grünland Region nennt.

#Siri Ende#

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Der Frühling kommt

Der Frühling
kommt.

Allein gegen die Zeit.
Zeitzonen USA, Europa, Australien.

Gefühle, Gedanken, Gedichte,
Blätterteigschnecken.

Sonnenklar liebes Kind.

Dieses Gedicht ist geschrieben nach der Methode der „ecriture autocomplete“

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Ausstrahlung

 

Schau mal, die ganzen Lichter über der diesigen Elbe. Und sie spiegeln sich in dem Fluss. Ohne Wind zeigen sie alle auf mich.

So wie Du. Und ich auf Dich.
Aber ja, fragt Heiner Bremer, wie hell?

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Mad Max in Bordesholm

Ich fahre diese Strecke regelmäßig und wenn man eine Regel aufstellen kann, dann die, dass es rund um Neumünster immer Ärger gibt. Entweder fängt hier der Stau in Richtung Norden an, weil irgendwelche Ruhrpottler in Scharen ihre Kinder und Trekking-Räder nach Dänemark kutschieren oder irgendein Investitionspaket verfrühstückt wird: „Wir bauen für Sie bis Sommer 2014“.

Ich bin eine besonnene Autofahrerin, das Autobahndreieck Bordesholm ist für mich der Alptraum und wenn ich könnte und eine Waffe hätte, dann wären am Straßenrand schon etliche weiße Kreuze, die ich initiiert hätte: LKW-Fahrer, Audi TT Hobbymachos und eben die Radtransporter aus Nordrhein-Westfalen, das wären meine Opfer gewesen. Ich zwinge mich dann immer zur Ruhe, schaue auf die alten und schönen Bäume am Straßenrand, und versuche mich über das Grün zu freuen, das es ja in Schleswig-Holstein sehr viel gibt. Meistens hilft das, und wenn Neumünster und Bordesholm passiert sind, dann beruhige ich mich meist.

Heute auch. Und regelmäßig, wenn ich die drei Windräder sehe, die so schön synchron sich drehen, freue ich mich fast. Irgendwie ist mir entgangen, dass ich sie heute nicht gesehen habe. Dabei war gar kein Nebel oder einer der häufigen Starkregen-Schauer, die dann über die Kieler Bucht ziehen. Es ist warm und hell. Fast blauer Himmel und wenn ich darüber nachdenke, wird es auch immer wärmer in meinem Wagen.

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Und niemand blüht für Dich!

Es war 11:15 Uhr an einem Sonnabend-Morgen-Vormittag, an denen man das Frühstück so lange wie möglich hinaus dehnt, weil die Woche in einem steckt, und der Nachhall der Belohnung von gestern. Muskeln, noch betäubt von der Flasche mallorquinschen Rotweins, dämmern noch, in Erwartung der Pflichten, die ein Sonnabend morgens so mit sich bringt, die noch vor einem liegen – und das ist der Unterschied zu einem Sonntagmorgen.

Ein Schwangerenpaar wandert langsam am Küchenfenster vorbei, hinauf zum Geburtsvorbereitungskurs. Beide Hälften, die Mutter und der werdende Vater, sehen geradeaus und bewegen sich synchron und langsam. Ihre estnischen Bommel auf ihren estnischen Wintermützen wackeln sogar ähnlich vor und zurück im Nachklang ihrer Bewegung.

Mein Blick fällt auf die Blumen auf dem Tisch. Ich habe die beiden schon vergessen. Lebt wohl. Abgeschnitten stehen sie in ihrer Vase. Wunderschön. Sie wären auch wunderschön, wenn sie nicht abgeschnitten vor Deinen Augen stehen würden. Das Lila und das Grün, das in den verschachtelten Blüten in einander übergeht. Ungeplant, von keinem Architekten entworfen, sondern einfach so. Mit einem Zweck, aber ohne Sinn.

Den gebe ich Dir heute morgen. Ob Du es willst oder nicht. Denn Du stehst vor mir, und Du bist schön. Du gefällst mir. Und keinen Gedanken verschwende ich daran, ob dir das gefällt.

 

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Rote Momente

Das Rot,
es sieht von jeder Seite anders aus.

Mal machtvoll, mal zaghaft bahnt es sich durch den dicken Stoff. Aber ich kann es sehen, und fühlen.
Es ist warm.

Mein Gesicht glänzt, wie die Wand, beschienen von rotem Schein.
Wirst Du es sein, die sich erinnert?

Doch auf ein Mal,
es ist nur ein Moment der Ablenkung und der Zauber ist gegangen.

Tom Buhrow liest es vor: Übernahme der Regierung durch das emotionale Establishment. Laut klopfen dann die mahnenden Finger auf der Seele.

Das Rot ist verschwunden, hat sich eingewunden, versteckt das Gesicht. Du lächelst nicht mehr. Wieviel Zeit ist vergangen seit wir noch glühten? Keine Minuten, kaum wahrzunehmen.

Ich trete einen Schritt zurück, verschaffe mir einen Überblick. Und entferne mich widerspenstig in den Morgen.

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Denken ist nicht besser

Es ist ja nicht so, dass Denken an sich etwas besser machte.

Ich liege jedenfalls abends nicht im Bett und denke, „toll viel gedacht heute“.

Vielmehr entsteht Glück oft aus dem Fühlen, bisweilen sogar nichtdenken. Nichts gegen das nachdenken, aber glücklich macht es nicht.

Und doch, denke ich an Dich, dann fühlt sich das gut an.

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Pochen

Das Leben pocht energisch an meinen Schläfen.
Mein Herz springt fast aus seinem Korb.

Ich schmiege mich in Gedanken an Deinen warmen Schoß.

Im Leben darf man nur selten einfach zurücksetzen. Und eine andere Abfahrt nehmen.

Solange Du bei mir bist, nehme ich den Fuß vom Gas und stelle mir vor, wie es ist, 100 Jahre alt zu sein und dem neuen Tag doch entgegen zu lachen.

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Zahnzwitschentraum

Sylvie.
Bettina.

Das Dekolletee dem Fotografen zugewandt,
Filmkuss.

Du bist Liebling.
Blond. Wir begehren Dich, haben Dich so tief eingesogen, dass für Dein echtes Sein kaum Platz bleibt. Spaltensex mit Kassenbrille.

Zwischen uns passte kein Zahnzwitschentraum.
Und alles was bleibt,OMG, ist eine Pose.

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Widerspruch?

Durch die Liebe aus dem Gleichgewicht geraten,
das hält das Leben im Gleichgewicht.

http://twitter.com/ring2/status/284086262657339392

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Wir denken mich

„Glaubst Du wirklich, das Wirken der Welten ließe sich durch 13 teilen?“, Paul Coehl

Wir erfinden mich gemeinsam,
Entfernen die Barbarei;
Ändern jeden Tag die Welt,
Und Dich nebenbei.

Ich putze meine Zähne,
Schau‘ mir ins Gesicht.
Lächle mich an, und suche,
Aber Ewigkeit sehe ich nicht.

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Schnee

Für Anja

Schnee

Der Westen Wind treibt klamme feuchte Flocken über die Elbe hoch. Unter dem Schein der Straßenlaternen fallen sie über die Erde her.

Wunderschön und unberührt liegt er da, bevor ich meinen Schuh in ihn hineindrücke und der Matsch darunter in Abdrücken nach oben suppt.

Ob er diesen Winter überleben wird, der Bambus hinten auf dem Hof? Der scharfe kalte Wind hat seine Blätter freigeweht. Unangemessen grün zittern sie nun. Jeden Moment zerbricht etwas in ihnen, wechselt den Aggregatzustand. Von lebendig zu kristallin. Und die Sonne wärmt nicht mehr.

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Wassertreten

Merkwürdig”, dachte er. “Das ist mir nie aufgefallen, wie unsinnig das ist, einhand durch die flüssige Wüste zu segeln, mit Rettungsringen und Life Sling am Heckkorb.”
Noch war er ganz ruhig. Aber fühlen konnte er ihr Herannahen. Noch konnte er sich vorstellen, dass er hinter ihr her kam. Der letzte Spurt, für den er wie eine ausgehungerte Gepardenmutter alle Reserven würde mobilisieren müssen.

Der orange-rote Rettungsring am Heck wogte leicht hin und her, als Wilfried seine aufkommende Panik herunterschluckte und ihm hinterher ruderte. Vier Züge, dann atmen.

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Lassen Sie sich was zum Schreiben bringen …

„Lassen Sie sich etwas zum Schreiben bringen, nachdem Sie es sich irgendwo bequem gemacht haben, wo Sie Ihren Geist soweit wie möglich auf sich selbst konzentrieren können. Versetzen Sie sich in den passivsten oder den rezeptivsten Zustand, dessen Sie fähig sind. Sehen Sie ganz ab von Ihrer Genialität, von Ihren Talenten und denen aller anderen. Machen Sie sich klar, daß die Schriftstellerei einer der kläglichsten Wege ist, die zu allem und jedem führen. Schreiben Sie schnell, ohne vorgefaßtes Thema, schnell genug, um nichts zu behalten, oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen. Der erste Satz wird ganz von allein kommen, denn es stimmt wirklich, daß in jedem Augenblick in unserem Bewußtsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden. (…) Fahren Sie so lange fort, wie Sie Lust haben. Verlassen Sie sich auf die Unerschöpflichkeit des Raunens. Wenn ein Verstummen sich einzustellen droht, weil Sie auch nur den kleinsten Fehler gemacht haben: einen Fehler, könnte man sagen, der darin besteht, daß Sie es an Unaufmerksamkeit haben fehlen lassen – brechen Sie ohne Zögern bei einer zu einleuchtenden Zeile ab. Setzen Sie hinter das Wort, das Ihnen suspekt erscheint, irgendeinen Buchstaben, den Buchstaben l zum Beispiel, immer den Buchstaben l, und stellen Sie die Willkür dadurch wieder her, daß Sie diesen Buchstaben zum Anfangsbuchstaben des folgenden Wortes bestimmen.“

Im Ersten Surrealistischen Manifest (1924) gab Breton Anweisungen zur Nachahmung der Écriture automatique, findet sich in wikipedia zu dieser freien Art des Schreibens.

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Los. Lass los!

Loslassen erscheint mir schwer,
Doch ist es einfacher als Festhalten?

Und nur dann kommt das Neue,
Wenn meine Hände frei sind.