Schlagwort: Winter

  • Erinnerungen an den Hamburger Schneemann

    So knackekalt war es lange nicht mehr. In Berlin, so berichten mir Freunde, machen sie sich lustig darüber, dass Hamburg keinen Schnee kann.

    Dafür konnte Hamburg Schneemänner. Dutzende säumten die Brücken an der Alster und um die Alster herum. Selbst Massaker Schneemann-hassender Männer (es sind immer Männer) konnten Hamburgs Liebe zu den putzigen Mitbewohnern nicht erschüttern. Sie rollten flugs neue.

    Schnee genug gab’s ja.

    Seit Montag regnet es und die Schneemänner Hamburg sterben einen leisen Tod.

    Irgendwie schade.

    Fediverse-Reaktionen
  • Kann man den Winter vorlesen?

    Kann man den Winter vorlesen?

    Ein Vorlesepodcast zu Weihnachten:

    Winter, Weihnachten, Dezember. Wenn ich die Suche in meinem Blog anschmeiße, dann schickt mir der Algorithmus ohne Weltherrschaftsideen eine Liste von Artikeln, die aus den letzten 12 Jahren stammen. Hier vorgelesen und als Ebooks kostenlos+ herunterladbar.

    Chapters

    • 0:28  Willkommen im Logbuch laut
    • 6:08  Frühlingsanfang und Wetterwechsel
    • 7:30  Erinnerungen an das Segeln
    • 11:42  Autofiktionale Überlegungen
    • 19:22  Spielszenen aus der Familie
    • 20:04  Rückkehr nach Westerland
    • 21:35  Neujahr und neue Gedanken
    • 26:30  Dank und Ausblick auf die Zukunft

    Vorgelesene Blogs:

    Zwischen den Zeilen, zwischen den Jahren: Ein Nachmittag mit dem Logbuch laut

    Draußen drückt der Dezember seine graue Stirn gegen mein Fenster, und drinnen dampft der Earl Grey, während ich mich in die neueste Episode vom Logbuch laut fallen lasse. Es ist dieser seltsame Moment im Jahr – dieses Dazwischen –, in dem die Zeit dehnbar wird wie warmer Kaugummi.

    Ein Rausch aus Automatik und Erinnerung

    Der Host nimmt uns diesmal mit zurück in eine Ära der Écriture Automatique. Während ich zuhöre, frage ich mich: Wer war diese Person, die damals im surrealistischen Rausch die Feder führte? Die Texte flimmern wie alte Super-8-Aufnahmen vor meinem inneren Auge. Es geht um den Winter, klar, aber eigentlich geht es um die Sehnsucht nach dem Licht, das irgendwo hinter dem Januar lauert.

    Wenn die Grenze zwischen „Ich“ und „Erfunden“ verschwimmt

    Was mich an dieser Folge besonders gekriegt hat, ist das Spiel mit der Autofiktion. Man sitzt da, den Kopfhörer fest auf den Ohren, und versucht krampfhaft zu entwirren: War das wirklich so? Wer ist diese Figur? Und wie viel von der Wut, der Trauer und der Nostalgie ist echtes Fleisch, wie viel nur literarisches Kostüm?

    Der Host macht daraus kein Geheimnis, sondern eine Analyse am offenen Herzen. Es ist faszinierend (und ein bisschen schmerzhaft), dabei zuzusehen, wie alte Texte seziert werden. Man spürt förmlich, wie sich die Perspektiven über die Jahre verschoben haben – wie aus dem jungen, wilden Schreiben ein reflektiertes Bewahren geworden ist.

    Mein Fazit: Ein literarischer Adventskranz ohne Kitsch

    Diese Episode ist kein gemütliches „Hach, wie schön ist Weihnachten“-Geplänkel. Es ist eine Einladung in den Maschinenraum eines Schreibenden.

    • Stimmung: Melancholisch, tiefgründig, angenehm sperrig.
    • Highlight: Die Erkenntnis, dass das Schreiben der einzige Weg ist, die Geister der Vergangenheit gleichzeitig festzuhalten und loszuwerden.

    Ich klappe den Laptop zu, der Tee ist kalt, aber mein Kopf ist voll mit neuen Schreibstrategien für das nächste Jahr. Ein herzliches Danke an das Logbuch laut für diesen ehrlichen, ungeschönten Ausblick auf das, was kommt.


    Tipp: Schnappt euch eine Decke, ignoriert die To-do-Liste für das Fest und hört rein, wenn ihr wissen wollt, wie aus echtem Leben echte Literatur wird.

    Fediverse-Reaktionen
  • Grünkohlreligion

    Wedel,
    schwacher Wind aus Nordost.
    – 2 Grad Celsius.

    Ein modernes Hochdruckgebiet hat sich an Hamburg festgekrallt. Früher hätte es uns knacke-kalte Nächte und Tage beschert. Vielleicht mit Eisschollen auf der Elbe und Glühwein auf der zugefrorenen Alster.

    In diesen Zeiten schafft es die Nadel nur knapp unter Null. Und dennoch kommt den meisten von uns dieser Winter besonders kalt vor.

    Was gegen innere und äußere Kälte hilft? Gemeinsam kochen – und geht das nicht: gemeinsam essen gehen.

    In meiner Familie treffen wir uns mindestens einmal im Winter zum gemeinsamen Grünkohlessen.

    Früher gab es dazu viel Bier und wegen der Verdauung auch viel schwedischen Akvavit. (Mein Favorit ist ein Biobrand aus der Region Sundsvall, O.P. Andersons Original) – heute verzichten wir oft auf den Alkohol; warm wird uns dabei aber immer. Und wenn es gut läuft auch ums Herz.

    Dabei wird man im Norden in eine Schule hineingeboren – ähnlich wie beim Osterfeuer unterm Blankeneser Süllberg, kann man sich nicht aussuchen in welche.

    Grünkohlrezepte waren Teil eines oralen Vermächtnisses, und ihre Regeln und Zutaten Religion. Noch wichtiger als die Zutaten waren dabei die “Wegtaten”, die Dinge, die auf keinen Fall in den Grünkohl dürfen. Wer in unserer Familie Pinkel in den Grünkohl tat, wurde bestenfalls enterbt.

    image/jpeg

    Foto: (ring2): „Grünkohl nach Blankeneser Art.…“ – norden.social

    Nicht immer hat man die Zeit, sich einen ganzen Tag um den Kohl zu kümmern. Dann sind folgende Alternativen erlaubt.

    • Analog zum Rosenkohlpesto schmeckt auch ein Grünkohlpesto ganz famos. Und ist nebenbei gelebte europäische Idee.
    • Grünkohl gibts auch in Restaurants. Und laut meiner Omi ist das auch in Notsituationen erlaubt, ihn dort zu essen.

    Das Wiederentdecken des Landgasthofs

    Ich war mal zu einem Businesswochenende in einem Kongresshotel in Lühesand. An die Inhalte dieses weltverändernden Workshops kann ich mich kaum erinnern; an den Grünkohl in Stubbes Gasthof sehr wohl.

    In der Gaststube saßen die Apfelbauern zusammen mit dem letzten Elbfischer und tranken Bier mit Schnaps. Wenn es erlaubt gewesen wäre, hätten sie Pfeife geraucht. Der Grünkohl bekommt eine -1 auf der Omi-Skala, was sehr viel ist. Heißt: Kein anderer war noch besser, als der von meiner Omi 😉

    Der zweite Platz hinter dem ersten Platz hinter meiner Omis Grünkohl (stellvertretend für meine Mutter, meinen Bruder und mich, wir können Grünkohl inzwischen genauso gut) geht an einen Griechen.

    In der Taverna Olympisches Feuer – ja, die in der Schanze – kocht man Grünkohl nach klassischem Rezept; er wird dort mit Kassler, Mettwurst und viel Senf serviert. Der Wirt mochte das bei seiner Ankunft in Hamburg frisch entdeckte Wintergemüse so sehr, dass er es in seiner Taverne nachkochte. Der Grünkohl schmeckt wirklich sehr lecker – oft muss man aktiv danach fragen, ob er auf der Tageskarte steht. (-2 auf der Omi Skala)

    Gestern war ich mit meinem guten Freund Markus in Wedel unterwegs. In der Wassermühle bekamen wir die letzte Portion Grünkohl des Tages. Ich habe das spontane Schnickschnackschnuck gewonnen (Schere schlägt Papier!).

    Die Portion war umwerfend groß – fast zuviel für einen, zu klein für zwei.

    Am Ende brauchte ich zwei Schnäpse – schwedischen hatten sie leider nicht.

    Mit Markus und Willi habe ich mich danach verabredet, diesen Winter noch ein paar mehr Landgasthöfe abzuklappern. Wenn Du welche kennst, bitte gerne antworten; ich bin für jedes Feedback dankbar.

    Guten Appetit, du hast jetzt sicher welchen, oder?

     

  • Grünkohl in der Wassermühle Wedel

    Grünkohl in der Wassermühle Wedel

    L: Wassermühle Wedel.

    Ich hab von meinem Bruder schon gehört: der Grünkohl ist sehr gut. Und die Grützwurst auch. Beides gab es immer bei Omi.

    Omi gibt’s nicht mehr, also … schaue ich heute Abend mal nach, ob es stimmt.

    Ich bekomme die letzte Portion des Tages. Und die ist riesig.

    Alberta nimmt die Grützwurst. Er kommt aus Köln, deswegen weiß er nicht, dass Rosinen darin verboten sind — sagt Omi.

    Alles ist dennoch sehr lecker und das belgische Bier schmeckt nach Birne

  • Rosenkohl mit Rosmarinbutter – ein politisches Winter-Rezept

    Rosenkohl mit Rosmarinbutter – ein politisches Winter-Rezept

    Im Winter essen wir im Norden Kohl. Das war schon immer so. In meiner Familie lieben wir Grünkohl und seinen kleinen Cousin: den Rosenkohl. Kohl, etwas deutscheres gibt es ja kaum. Und doch wird dieses Wintergemüse mit diesem Rezept zum Statement: Für ein vereintes Europa und die Vorzüge von Remixen und Vielfalt.

    Zutaten:

    • Zwei große Hand-voll Rosenkohl, geputzt. (Ich mache die äußeren Blätter ab und ritze den Strunk ein, damit alles gleich schnell gart)
    • Butter mit zerstoßenem Rosmarin (alternativ Salbei, probiere ich nächstes Mal) mixen, grob mit der Gabel reicht. Am besten bei Zimmertemperatur einen Nachmittag zusammengemixt stehen lassen.
    • Zwei große 🥕 und vier 🥔  — gevierteilt.
    • 1 🌶 und 2 Zehenspitzen Knoblauch
    • Italienischen Hartkäse gerieben und griechischen Feta gewürfelt

    Zubereitung:

    Ich nehme eine tiefe Pfanne, man kann aber auch einen französischen Bräter oder Auflaufform verwenden – wird vielleicht noch krosser im Ofen. Butter mit nem Spritzer Olivenöl heiß ♨ werden lassen, dann alles auf einmal in die Pfanne und anbraten. Wenn das Gemüse beginnt, Röstaromen auszusenden, wenden und mit ner Tasse Wasser oder Brühe ablöschen. Deckel drauf und ca. 15 Minuten köcheln und dünsten lassen. Am Schluss den Käse 🧀 drübersteuen und anschmelzen lassen. Fertig. Mit einem guten Glas Primitivo servieren und darauf anstoßen, dass es nu immer heller 🔆 wird.  
  • Rosenkohl-Liebe

    Ich habe gestern wieder Rosenkohl gegessen — und ich liebe alles daran.

    Die beginnt schon beim Putzen: ich liebe diese filigrane Abgeschlossenheit des lütten Kohls. Ein Miniaturwunderland des Genusses.

    Manche waschen ihn gründlich und kochen ihn dann. Ich pule lieber die äußeren Blätter ab, halbiere die großen und werfe sie mit ein paar gevierteilten Kartoffeln vom selben Acker in eine Pfanne.

    Regionales Wintergemüse ist wirklich der einzige Grund, in dieser dusteren und klammen Jahreszeit im Lande zu bleiben.

    Sorry Südspanien. Danke Rosenkohl.

  • Elstern

    Die Elstern stolzieren Auf dem verschneiten Dach herum, Als wäre es ein Boardwalk.
  • Im Wasser bleiben

    Im Wasser bleiben

    Jedes Jahr im Herbst überlege ich aufs Neue: soll ich dieses Jahr einfach drin bleiben? Im Wasser der Ostsee, vielleicht sogar in meinem Heimathafen in Strande?

    An Tagen wie gestern, als ich nach meiner Schwedin sah, die von Land, aufgepallt und trocken, sehnsüchtig zu ihren Schwestern im Wasser schielte, zwickt es ein wenig. Auch der Winter hat schöne Tage.

    Aber auch garstige, meldet sich die Vernunft. Und aus dem Cockpit winkt Hauke, er lächelt so als wollte er sagen: wo bleibst du?

  • Weihnachtsapfel

    Weihnachtsapfel

    Auf der Wiese an der still fließenden Au steht ein Apfelbaum. Alle Äpfel sind von ihrem Ast gejumpt, als die Zeit und sie selbst reif waren.

    Inzwischen ist Winter, neben den Äpfeln hat der Baum auch alle Blätter abgeworfen. Nur ein Apfel hängt noch, wirkt fast trotzig. Als wollte er sagen, was soll ich da unten verfaulen, wenn ich hier oben die Aussicht genießen kann?

    Ein anderer Apfel hängt in einer Astgabel fest, weder faul noch heil. Einen Herrn Schrödinger kennt der Apfel nicht.

    ***

    Nun finden wir uns plötzlich zwischen den Jahren wieder. Zur Besinnlichkeit verdonnert. Das Alte ist nicht ganz gegangen. Das Neue noch nicht da.

    Die Zeit des Jahres, um spätestens am Freitag vergessen zu haben, welcher Wochentag ist.

    Frohe Wiehnacht, Schieter. Wir sehen uns hoffentlich drüben. 

    Fediverse-Reaktionen
  • Seglers Traum

    Valence, 1°, schwacher Wind aus Nord. Was machen Segler im Winter? Sie träumen, vom Segeln. Manche segeln wirklich das ganze Jahr durch. Wenige haben sich auf den Weg gemacht, nach Süden bspw. über die garstige Biskaya. Oder durchs Festland durch. Heben und senken sich entlang deutsch regierter Flüsse, begradigt und automatisiert, tingeln monoton über kleine Nebenarme bis zur Rhone. Dort soll dann die Zeit wirklich stehen bleiben, erzählt Ivan und schwärmt: „Du reist mit fünf Knoten mitten durch Frankreich. Legst an einer der vielen uralten Schleusen an, deren Brüder oberhalb Du händisch bedienen musstest und hoffst darauf, dass der kleine Gasthof und sein Wirt Lust haben, dir den Käse und den Wein der Region näher zu bringen.“ In Gedanken bin ich die Strecke schon oft gefahren. Manchmal, an einem besonders klammen Winterabend, studiere ich die Fluss- und Kanalkarten des ADAC und gehe in mir mit mir allein auf Fahrt. Adieu norddeutscher Winter.
  • Nach der Flut

    Luft 1°
    Wind 1-2 Bft aus SW

    Heute Nacht bekam die Luft Schrammen, so nah kratzte sie am Gefrierpunkt entlang. Die Heizung faucht angestrengt, während sie versucht alles Klamme aus der Kajüte zu pressen.

    „Für solche Tage hat der Gott der Friesen den Rumgrog erfunden“, sagt Gerd immer.

    Nach der Sturmflut ist vor dem Nichts. Nebel liegt über dem kleinen Hafen an der Ostsee. Alles ist abgeplant, ich bin allein.

    Schaue den letzten Gänsen beim Abflug zu und wünsche mir Flügel.

  • 102

    Es ist Advent. Wir feiern den Anfang vom Ende.

    Holen grünes Gestrüpp in die Stuben und zünden es oben an. Kerzenschein drinnen und künstliches Flimmern draußen an den Hauswänden, Made in China.

    Es sind noch über hundert Tage bis Frühlingsanfang. 102, um genau zu sein.


    Ich hasse den Winter in Hamburg. Und von Jahr zu Jahr wird es schlimmer. Was sind eure Strategien gegen den Blues? Florida kann ja nu nicht die Lösung sein. Oder?

  • Winterhaken

    „Na?, bist du aufgeregt?“, fragt mich der Hafenmeister, als meiner Schwedin die Gurte angelegt werden.

    Was für eine Frage, natürlich bin ich aufgeregt. Gleich wird meine Liebste ihrem Element entrissen und von einem gigantischen Stahlarm an Land geworfen.

    Es geht schnell. Und es geht wieder gut. Trotzdem bleibt der dunkle Schmerz des Verlustes. Er pocht lange. Voraussichtlich bis Ende März.

    „So ein starker Mann und so aufgewühlt“, ruft er hinterher.

    Nu ist Winter.

  • Patrone des Frühlings

    Patrone des Frühlings

    Geduldig wartet die Patrone des Frühlings auf ihren Einsatz. Seit Monaten schon auf den Ästen munitioniert, ragt sie in den Winterhimmel über den die grauen Boten des Vorfühlings rasen.

    „Ist es nicht schon soweit?“, scheinen sie zu fragen. Wenn man genau hinschaut, zittern und wackeln manche von ihnen vor Vorfreude.

    „Der Februar muss weg“, sagt M. am Telefon. „Kann nicht mehr!“ — Anders als die Magnolien hat er sein Pulver für diesen Winter schon verschossen.

  • Nach Hause laufen

    Nach Hause laufen

    Ich bin heute von der Arbeit nach Hause gelaufen.

    Das war schön und anstrengend zugleich. Glitschig, eisig, Schneeregen, der mir ins Gesicht bläst.

    Mein Bruder brachte mich auf die Idee einen Kopfhörer mitzunehmen. War mir vorher nicht eingefallen.

    Und wie das so ist mit Dingen, die man ausprobiert, man fragt sich „warum hab ich das nicht schon früher gemacht?“

    Habe Kinder getroffen, die Schneekugeln schoben, größer als sie selbst. Und einsame Schneemänner.

  • Noch 106 Tage

    Ich habe mir gestern drei Folgen „Star Trek Voyager“ am Stück angesehen. Den Rest des Rotweins vom Wochenende getrunken und eine ganze Tafel Nougatschokolade vertilgt. Dabei mag ich die garnicht so gerne.

    Für was Neues bei Netflix fehlte mir der Elan. Noch einen Abend „Segelbilder aus dem Sommer schauen“, ertrag ich nicht. Der Winterblues hat mich im Griff. Was tut man da?

    Der Segelbuchautor Stephan Boden zählt Tage (wie Wandritzereien im Knast): noch 106 Tage bis Frühlingsanfang. #500Zeichen

  • Das Versprechen der Magnolien

    Der Magnolienbaum vor meinem Fenster sieht aus, als sei er verbrannt. Braun-schwarze Blätter hängen leblos von den Ästen. Unter ihnen jedoch rührt sich neues Leben.

    Im Dezember wird die Magnolie alle Erinnerungen an dieses Jahr abschütteln, dicke, starke Knospen ragen dann trotzig in den Winterwind. Warten auf ihren Auftritt im April und schenken jedem, der sie ansieht, Hoffnung. Es geht vorüber, rufen sie nun monatelang; es geht vorüber.

    Oben fliehen Gänse laut rufend nach Süden.

  • Posthum

    Der Wind aus West hat die Regentschaft über die flachen Hügel um Hamburg herum übernommen.

    Das Morgengrauen kriecht langsam und diffus durch Millionen kleiner Tropfen. Kaum schwingend. Tuten aus der Nähe, unten vom Fluss.

    Höre einen 25-jährigen Geist im Radio. Starre auf die schwarzen kleinen Finger, die entlaubte Bäume vor mir in den Nebel recken.

    Irgendwie merkwürdig, sich Stars der eigenen Jugend nach deren Tod (wieder) zu erschließen. Meist wird das posthum sehr viel tiefer und intensiver.

    Heute:

    TerryHall​

  • Winterbaum

    Dein Ast ragt ins Weiß,
    Ein Stamm wie ein Mast im Wind.
    Still, ohne Segel.

     

  • Mooring-Winter in Palma

    Mooring-Winter in Palma

    Die Sonne geht früh unter, es ist Ende November und auch Palma de Mallorca kann sich den Gesetzen des Universums nicht entziehen – obwohl, wenn es einen Ort gäbe, der das vermöge, es wäre wohl Mallorca.

    Ich bin gerade angekommen und werde bis zum Frühjahr bleiben. Das habe ich mir zumindest vorgenommen.

    (mehr …)
  • Kälte

    Versehrte, die das Feuer fürchten,
    umfängt eine Kälte, die nicht beschützt,
    sondern die Liebe vertreibt.

  • Irgendwann ist der Winter vorbei

    Irgendwann ist der Winter vorbei,
    Dann bist Du bei mir,
    Und wir werden frei.

  • Schnee

    Für Anja

    Schnee

    Der Westen Wind treibt klamme feuchte Flocken über die Elbe hoch. Unter dem Schein der Straßenlaternen fallen sie über die Erde her.

    Wunderschön und unberührt liegt er da, bevor ich meinen Schuh in ihn hineindrücke und der Matsch darunter in Abdrücken nach oben suppt.

    Ob er diesen Winter überleben wird, der Bambus hinten auf dem Hof? Der scharfe kalte Wind hat seine Blätter freigeweht. Unangemessen grün zittern sie nun. Jeden Moment zerbricht etwas in ihnen, wechselt den Aggregatzustand. Von lebendig zu kristallin. Und die Sonne wärmt nicht mehr.