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Dialoge

Ernst sagt

Mein Nachbar Ernst geht im Hinterhof an mir vorbei, er war gerade auf dem Ottenser Wochenmarkt was einholen. Der Biobauer von dem er sein Gemüse bezieht, wohnt öfter bei ihm. In seinem Wohnatelier, dort wo er malt, schreibt, musiziert und denkt.

Ernst hat oft Besuch. Von Filmemachern, von Fotografen und von besorgten Biobauern. Und er denkt gerne. Am liebsten um die Ecke.

Hallo Erik, sagt er, Deine Frisur sieht aus wie Depeche Mode. An seinem Gesichtsausdruck ist nicht genau abzulesen, wie er das meint.

Ernst ist Maler, denke ich, er muss es ja wissen.

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Auf Reisen

Am Ende des Bahnsteigs

Am Ende eines nebligen Wochendes in Hamburg, zeigt sich bei der Abfahrt nach Augsburg doch noch die Sonne. „Hej“, rufe ich der Gruppe junger Leute zu, „gebt den Punkt wieder her, bevor ihr einsteigt.“ Sie lachen. „Nee, den nehma mit“. Ich mag den Akzent. Und so ganz unverdient war der ja nu auch nicht. Geliebte Menschen (oder nette Gäste) am Ende des Bahnsteigs zu verabschieden, gehört zu den traurigschönsten Momenten.

Zurückbleiben bitte!

Es piept, die Türen schließen, wir winken noch kurz und schauen dem langen Zug noch eine Weile hinterher. Bleiben zurück — am Ende des Bahnsteigs.
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In Altona im Bus

Eine Gruppe Jungs steigt in Altona zu. Alles große Männer, von ihrer Stiefelgröße her gedacht.

Vor einem Jahr war das noch “Gefahrengebiet”, sagt der eine. Die anderen nicken; sie wissen, was das bedeutet.

Gemurmel, „Hihihi“ macht einer —Teenagerkram. Sie steigen aus; einer von ihnen sieht mich kurz an. Ich erkenne Erkennen.

“Grüß Deinen Alten, ja?“, sage ich. Der junge hübsche Kerl nickt.

Kurz ist der coole Mann wieder der Sohn, der früher auf dem Fischi um unsere Knie herum Fußball spielte.

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Silvester auf dem Altonaer Balkon

Ich lebe in einem Stadtteil von Hamburg, durch den immer mal wieder Menschenketten ziehen. Die einen werden von den lokalen Behörden umgeleitet, wie die Karawane von Drogendealern, die vor beinahe 20 Jahren an meinem Wohnzimmerfenster in Richtung Hafen und von dort zurück zum Altonaer Bahnhof wanderte, weil ihnen der direkte Weg versperrt war.

Andere, vor allem die regelmäßig wieder stattfindenden Prozessionen, verbietet die Polizei nicht (auch wenn da mindestens so viele Drogen im Spiel sind, aber darum soll es hier gar nicht gehen). Zu Ostern beispielsweise, schleppen junge und mittelalte Männer und Frauen kistenweise Bier an den Elbstrand. Die geübten Osterfeuerenthusiasten, meist die aus Pinneberg, einem Stamm aus dem Nordwesten, der immer mal wieder zum Saufen in Altona einfällt, setzen auf Schnaps; die mit Stil nehmen guten jamaikanischen Rum an das Ufer der Elbe mit — schicken ihn als Dora 12 nach Hause zurück. Im Sand lassen sie zersprungenes Glas und schleichen sich im Dunst des rauchenden Feuers in die S31.

Silvester soll nun das Böllern (und jede Form von Feuerwerk?) verboten werden. Es ist Corona-Time. Ausnahme formiert sich zum neuen Is‘-so Und das erste Mal in meinem Leben in Altona überlege ich ernsthaft, ein zweites Mal an Silvester zum Altonaer Balkon zu gehen. Denn, so kann man erwarten, fällt die Umland-Karawane dieses Jahr aus, steigt das Überlebensrisiko.

Wird es eine klare Nacht, wenn der Dunst verbrannten Schwarzpulvers aus Polen fehlt? Arbeiten da Menschen gegenüber im Hafen oder sind das Roboter, denen Pinneberg nichts sagt?

Ob sie auch dort gerade in den Himmel schauen?

Dieser Text ist nach der Methode der Ecriture Automatique geschrieben, und ein weiterer Versuch, mir das Bloggen wieder beizubringen. Abonniere meine Texte gerne und kommentiere, was Dir ge- oder missfällt.

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Dialoge

„Sie da, junger Mann …“

Ich bin heute etwas früher dran und weil mein Arbeitsweg bündig kurz ist, mache ich einen Schlenker zum Altonaer Balkon, um den Kränen Hallo zu sagen und kurz in die Sonne zu blinzeln.

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Dialoge

Nachbarn

Eine Gruppe Jungs steigen in Altona zu. Alles Männer, von ihrer Stiefelgrösse her.

Vor einem halben Jahr war das noch „Gefahrengebiet“

Hihihi, Gemurmel, Teenagerkram. Sie steigen aus; Wir steigen aus. Sehn uns an, lächeln; „Grüß Deinen Alten“, ja?, der junge hübsche Kerl nickt.

Ich liebe das! 😉

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Schnee

Für Anja

Schnee

Der Westen Wind treibt klamme feuchte Flocken über die Elbe hoch. Unter dem Schein der Straßenlaternen fallen sie über die Erde her.

Wunderschön und unberührt liegt er da, bevor ich meinen Schuh in ihn hineindrücke und der Matsch darunter in Abdrücken nach oben suppt.

Ob er diesen Winter überleben wird, der Bambus hinten auf dem Hof? Der scharfe kalte Wind hat seine Blätter freigeweht. Unangemessen grün zittern sie nun. Jeden Moment zerbricht etwas in ihnen, wechselt den Aggregatzustand. Von lebendig zu kristallin. Und die Sonne wärmt nicht mehr.