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(B)Logbuch

Strandbagger

Neumühlen, 7 Grad bei Sonnenaufgang.

Auf Mallorca saß ich viel am Strand. Ich schaute aufs Meer und den anderen Menschen beim Spielen und Baden zu — Sonnenbaden, denn das Mittelmeer war fürs ausgiebige Planschen noch zu kalt (ca 15 Grad, also so warm wie die Ostsee Ende Juni; oder die Elbe).

Alle 500 Meter lag ein muffender Haufen feuchten Seegrases, zusammengeschoben von einem großen Bagger. An einem Tag hatte ich das fast meditative Vergnügen, ihm und seinem entspannten Führer bei der sysiphosischen Arbeit zuzusehen.

Hin und her, hin und her. Ein kleiner Junge sprang aufgeregt herum und rief auf spanisch so etwas wie: „Ein Bagger, Papa, ein Bagger“.

Ruhig und aufmerksam umfuhr der Bagger Handtücher mit liegenden Menschen und hüpfende Jungen.

Es ist die Zeit vor den flächendeckenden Sonnenschirmen, die gegen eine Gebühr einen willkommenen Schatten spenden. Mit viel Gerumpel und Gehämmer werden allerdings schon die Schirmdalben eingeschlagen. Hier arbeitet die Hälfte der Strandbesucher. Ostern beginnt die Saison.

Heute lese ich in der sehr geschätzten Elbvertiefung der ZEIT Hamburg, dass die Hamburger Stadtreinigung ebenfalls aufrüstet. Zwei neue Strandbagger hat sie dieses Jahr in Betrieb genommen. Die beiden sollen zuverlässiger Flaschen, Unrat und Müll aus dem Elbsand sieben.

Auch in Hamburg beginnt Ostern die Strandsaison — wobei bei den Osterfeuern von Blankenese bis Neumühlen erstmal wieder alles dreckig wird, bevor dann im Mai der berühmte und kurze Hamburger Sommer kommt.

Obwohl: in Zeiten des Klimawandels, wer weiss schon, vielleicht boomen bald auch bei uns Schatten spendende Holzschirme.

Die werden aber sicher erst nach Ostern und nicht zu Ostern aufgebaut. Einheimische würde sie sonst sicher dem Feuer anvertrauen, um die Wintergeister zu vertreiben.

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(B)Logbuch

Südost bringt den Frühling

Hafen von Can Pastilla, lebhafter Wind aus Südost, sonnig bei 16 Grad.

Als ich mich aus der Koje schäle, sind meine Knochen noch ein wenig steifer als die letzten Tage schon. Der Zipfel eines arktischen Tiefs hat seine Peitschenspitze nachts über die Insel geschickt. Es war sternenklar und kalt, fast wie an der Ostsee im Mai.

Eine der Gewissheiten, die auch im Mittelmeer gelten: Osten Wind givt n krüsen Büddel und n lütten Stint. Gewiss, wenn er im Winter und Vorfrühling auftritt.

Anfang April und Ende November feiert die Insel ihren Frühling zweimal. Der eine als Belohnung fürs Durchhalten der heißen, der andere für die dunkle Zeit. Richtig kalt wird es einem Nordlicht hier ja nie. Aber die Dunkelheit, die zehrt genauso wie zuhause.

Ostern, so erzählt es Carmen aus der Bodega am kleinen Marktplatz vor der Kirche, reissen wir uns auf Mallorca alle die Winterklamotten vom Leib und springen ins Meer.

Danach ist Badehose und Flip-Flops angesagt. Sommer. Rituelle Häutung auf Knopfdruck quasi, jedes Jahr wieder.

Der Frühling ist eben überall wann anners da, aber kommen tut er bisher immer. Das ist gewiß, glaubt zumindest Carmen. Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Deswegen bin ich ja hier.

Als ich meine Nase aus der Kajüte strecke, weht mir der kühle Wind um die Nase, und es riecht nach frischem Kaffee. Ewalds Morgengruß aus dem Nachbarcockpit folgt dem Duft.

Ewald und Andreas sind Kölner, und ein Paar. Beide sind hier bewußt vor Anker gegangen. Nicht geflohen, wie ich, sondern planvoll ausgewandert. Sie haben drei Kabinen. Eine für jeden (Ewald schnarcht, sagt Andreas) und eine für Besuch aus dem Rheinland.

Ich bewundere soviel Voraussicht. Ich handle ja eher pulsiv und zahle dann eine Weile die Strafe für die Panik.

„Kommst du mit?“, fragt Ewald, „wir wollen heute nach Algaida, Sopa essen“. Beide haben sich ein Auto für einen Tag gemietet. Für nur zehn Euro mit allem pipapo.

In Palma und Umgebung kommt man gut mit Bus und Fahrrad aus (es gibt sogar ne U-Bahn), Parkplätze kosten hier soviel wie eine 2-Zimmerwohnung in Bonn, sagt Andreas.

Will man ins Inland, kann man Busfahren auf Mallorca vergessen. Da ist Ewald mal zufällig seiner Meinung.

„Nein, danke“, sage ich, dabei ist die Sopa Mallorquina, eine trockene Kohlsuppe, mein lokales Lieblingsgericht. Vor allem die aus Algaida. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich bleibe heute im Yachthafen, so der Plan. Ich will mich auf die Mole setzen und jungen Menschen aus aller Welt zuschauen, wie sie die Copa Sofía aussegeln (hat schon was, eine Regatta nach einer waschechten Prinzessin benennen zu können). Seit Tagen schon wuseln einhundert kleine Jollen mit ihren Seglern im Hafen herum. Verwandeln diesen Ort des muffigen Luxus in etwas lebendiges. Das liebe ich am Segeln so, das kann kein anderer Sport: so unheilvoll elitär und lebendig jung zugleich zu sein.

Laser-Teams aus Kiel, aus Bengalen, den USA, Indien und Australien sehe ich. Die ganze Welt ist da, und freut sich über den frischen Wind aus Südost.

Ich setze mich gemütlich auf die Mole und schaue den ganzen Tag aufs Meer: Seglerinnen und Kitern beim Wettsegeln zu. Ein Leben in Dreiecken.

Der Winter ist vorbei, sage ich still zu mir selbst und lächle, das Leben auf dem Wasser beginnt wieder.

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102

Es ist Advent. Wir feiern den Anfang vom Ende.

Holen grünes Gestrüpp in die Stuben und zünden es oben an. Kerzenschein drinnen und künstliches Flimmern draußen an den Hauswänden, Made in China.

Es sind noch über hundert Tage bis Frühlingsanfang. 102, um genau zu sein.


Ich hasse den Winter in Hamburg. Und von Jahr zu Jahr wird es schlimmer. Was sind eure Strategien gegen den Blues? Florida kann ja nu nicht die Lösung sein. Oder?

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500 Zeichen Auf Reisen

Frühling auf Mallorca

Es ist Frühling an der Platja de Palma. Mit 2 Windstärken huscht eine laue Brise über den mit braunen Filzknödeln übersäten Strand.

Einheimische erkennt man daran, dass sie Wollmütze und Daunenmantel tragen. Touristen, dass ihnen 15 Grad und Sonne warm genug sind für Shorts und Flip-Flops.

Ich sitze bei einem Caffè Cortado in einer der wenigen offenen Bars am langen Fahrradweg nach Palma als eine Dame in weißen Shorts neben mir die Kellnerin ruft: „Una Weißweinsangria por favor“.

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Patrone des Frühlings

Geduldig wartet die Patrone des Frühlings auf ihren Einsatz. Seit Monaten schon auf den Ästen munitioniert, ragt sie in den Winterhimmel über den die grauen Boten des Vorfühlings rasen.

„Ist es nicht schon soweit?“, scheinen sie zu fragen. Wenn man genau hinschaut, zittern und wackeln manche von ihnen vor Vorfreude.

„Der Februar muss weg“, sagt M. am Telefon. „Kann nicht mehr!“ — Anders als die Magnolien hat er sein Pulver für diesen Winter schon verschossen.

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Für jeden beginnt der Frühling irgendwann

In meiner Familie haben wir ein festes Datum für den Frühlingsbeginn. Bei uns fängt der Frühling am 18. März an, dem Geburtstag meiner Schwiegermutter.

Bei der kurzen Recherche zu ihrer Geburtstagskarte fiel mir auf, dass es DEN Frühlingsanfang gar nicht gibt. Es kommt ganz darauf an, an wen oder was man glaubt (oder die vor einem glaubten), ob man Meteorologe oder Botaniker ist – das alles macht einen großen Unterschied, wann für einen der Frühling beginnt.

Am einfachsten machen es sich die Meteorologen. Weil sie klare Grenzen für ihre oft so volatilen Klimadaten brauchen, unterteilen sie das Jahr in vier gleiche Stücke. Eine Kunst, die mir beim Zerteilen des Geburtstagskuchens nie gelingen will. Am 1.12. beginnt bei ihnen der Winter, der einem dreimonatigen Herbst folgt. Am 1. März folgerichtig der Frühling. Jeder, der ein Fenster hat zum Rausschauen, weiß, dass das Quatsch ist. Noch nie hat der Frühling am 1.3. begonnen. Aber vorfreuen kann man sich ja schon mal an diesem Tag.

Schaut man gerne durch die Fenster in die Botanik, sind die Zeichen nicht nur valider sondern auch schöner. Von Faro im Südwesten unserer Europäischen Union breitet sich der phänologische Frühling nach Norden aus.

Frühlingseinzug (Anfang der Apfelblüte) in Mitteleuropa auf einer historischen Karte aus dem Jahr 1930 (Diercke Sachsen, gemeinfrei)

Mit 40 Kilometern am Tag rast er mit seinen Boten in unsere Richtung. Egal, welche man zuerst erblickt: Bachstelzen, Störche (ich hab schon drei gesehen dieses Jahr), Magnolien oder die Apfelblüte, früher oder später rauscht er über uns hinweg.

Ob wir uns in Zukunft noch auf die kulturell tief verwurzelten Vorboten verlassen können, weiss ich nicht.

Wie stark die planetologischen Großmagnetlage unser aller Leben beeinflußt lernt man bei der Beschäftigung mit dem Frühlingsbeginn aber schnell. So fangen in allen bekannten Kulturen die religiösen und aus ihnen abgeleiteten kulturellen Feste um den Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche an. Die ist lustigerweise auch nicht immer am selben Tag, sondern irgendwann zwischen dem 19. und 21. März. Dann allerdings überall; ob in Lüneburg, im Iran, in Russlands Steppe oder in den USA.

So bleibt meine Schwiegermutter die einzige Konstante in dieser Welt, die sich partout nicht festlegen will. Sie feiert an diesem Wochenende ihren 86. Frühlingsauftakt. Und wir wünschen uns alle, dass es noch viele werden – immer am 18.3.

Blog ubnd Podcast aus HH-Altona.

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Frühling in Sagres

Leise startet der Frühling,
kommt aus Sagres angeflogen.

Mit 40 Kilometern am Tag.

Allein gegen die Zeit.
Entflieht Zeitzonen in Australien.
Vorwärts nach Europa, nach Portugal.
Von dort aus nach Altona.

Gefühle, Gedanken, Gedichte, Poesie,
Blätterteig und Außengastronomie.

Langen, warmen Sonnenschein mag jedes Kind.
Erinnert er uns doch daran, dass wir noch lebendig sind.

Ich genieße den Vorfrühling in Hamburg mit heute elf Grad. Ohne Pollenflug – ist auch mal ganz schön.

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Aufstehverbot

Es ist ein nasskalter Tag, die Wolken hängen tief über den glänzenden Dächern der Stadt, als ich mich gegen Mittag aus dem Bett schäle. Das Herunterwerfen meiner Decke war schon eine Überwindung, das Heraussteigen aus der Mulde, in der ich die letzten 12 Stunden verbracht habe, ist eine Quälerei. Statt Tanzverbot sollte es am Karfreitag ein Aufstehverbot geben – ich würde mich daran halten.

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Stark

Die Kälte des Winters steckt noch in allem, trotzdem die Sonne heute morgen schon viel Kraft hat.

Die Muffigkeit verfliegt langsam und nun warte ich darauf, dass auch die Traurigkeit vergeht, die ich in den dunklen Tagen aufgesogen habe, wie Wolle den Kerzenwachs. ##

Eine kleine Meise klaut sich Stroh aus meiner Fussmatte. Ihr hellblaues Gefieder strahlt brandneu, sie weiss es nicht besser. Als sie mich erblickt flieht sie auf indirektem Weg zu Ihrem Nest.

Grün ist wieder eine Bewegung von unten, alles pocht vom Boden aus, heraus und auf sein Recht. Die frischen Triebe kümmern sich nicht um die Schönheit des letzten Sommers. Frische Liebe ist brutal und sie ist. Stark.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Sonne scheint durch … #Haiku

Sonne scheint durch
Drei frische grüne Blätter
Im Auge Punkte

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Der Frühling kommt

Der Frühling
kommt.

Allein gegen die Zeit.
Zeitzonen USA, Europa, Australien.

Gefühle, Gedanken, Gedichte,
Blätterteigschnecken.

Sonnenklar liebes Kind.

Dieses Gedicht ist geschrieben nach der Methode der „ecriture autocomplete“