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Morgenrosé

„Morgenrot, got Wedder dot“. Hat Oma immer gesagt. Kunststück, denn im Norden hält gutes Wetter nur kurz. Es sei denn der Wind kommt aus Ost.

Dann wird es im Winter knackekalt und im Sommer warm. Bis zu 6 Wochen lang.

Das sind diese langen, warmen Sommer, von denen in Erinnerungen und Lindgren-Geschichten die Rede ist.

Heute startet der Tag mit einem Morgenlila, das sich zu einem himmelüberspannenden Morgenrosé wandelte, um in einem hellen Morgengelb über dem Hamburger Hafen aufzugehen.

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Gefährliches Spiel

Dort wo die Flottbek in die Elbe fließt, liegt ein kleiner Hafen. Bei Niedrigwasser haben wir als Kinder dort im Elbschlick gespielt. Das war uns verboten, von unseren Eltern.

Weil die #Elbe gefährlich ist, besonders dann, wenn sie am harmlosesten erscheint: bei Ebbe. Wir haben uns damals verloren in unserem Spiel, allerdings immer nur soweit, bis die eindringlichen Warnungen unserer Großeltern und Urgrosseltern uns unterbrachen.

Dann kletterten wir erschöpft + grau vor Dreck an Land.

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500 Zeichen

500 Zeichen am Morgen

Der Morgen passt in 500 Zeichen, oder besser: passt der erste Gedanke morgens in ein Posting mit 500 Zeichen? Das habe ich mich gefragt und testweise ein neues Morgenseiten-Format kreiert, das in ein Mastodon Posting passt (deswegen auch der Hashtag #500zeichen).

Inzwischen mache ich das seit eineinhalb Jahren. Den ersten Band hälst Du in der Hand. Als Ebook oder Newsletter.

500 Zeichen heisst es passenderweise 😉

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In Altona im Bus

Eine Gruppe Jungs steigt in Altona zu. Alles große Männer, von ihrer Stiefelgröße her gedacht.

Vor einem Jahr war das noch “Gefahrengebiet”, sagt der eine. Die anderen nicken; sie wissen, was das bedeutet.

Gemurmel, „Hihihi“ macht einer —Teenagerkram. Sie steigen aus; einer von ihnen sieht mich kurz an. Ich erkenne Erkennen.

“Grüß Deinen Alten, ja?“, sage ich. Der junge hübsche Kerl nickt.

Kurz ist der coole Mann wieder der Sohn, der früher auf dem Fischi um unsere Knie herum Fußball spielte.

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Charly

Nichts gegen Prunk. Nur einen Buchstaben vom Punk entfernt; ich würde euch beiden erliegen. Könige geben Audienzen und sich neue Namen. Dich so zu sehen, Hamburg, so aufgeregt. Schlimm.

Manchmal kann es ruhig kurz sein. Ich habe keinen König, und das ist gut so. Warum sollte ich mir einen anschauen? Etwas, das grösser ist als ich, finde ich überall.

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Sechs Arten Regen

Heute gibt es diese unbeschreibliche Mischung aus Platterregen, windgetriebenem Regen, Regen von oben, unten und von der Seite. Und zum Ausruhen noch steten Leichtregen, der die Landschaft umhüllt wie adipöser Nebel.

#Norden

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Hamburg Haikus – geschrieben von AI.

Hafenstadt in Not, Kranarm schwingt in chaotischem Tanz, Industrie schreit laut.

Elbfluss träge fließt, Wolkenkratzer wie Zahnstocher, Moderne Architektur.

Stadt am Wasser lebt, Boote und Schiffe in Bewegung, Hamburg in Unordnung.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Köhlbrand

Sind wir im Süden
Wartet sie stoisch
Überspannt den Fluss für unsre Rückkehr

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Auf Reisen

Blankeneser Osterfeuer: Anarchie ist machbar, Hangnachbar!

Jedes Jahr wetteifern in Blankenese bis zu vier Großfeuer miteinander. Sie heißen Viereck, Knüll, Osten und Mühlenberg. Aufgebaut werden sie von den Familien, die am Hang wohnen. Bei welchem Feuer man hilft, hängt davon ab, wo man in Blankenese wohnt. Meine Familie beispielsweise gehört zum Viereck-Feuer. Einen zentralen Veranstalter gibt es nicht. Anders als bei Demonstrationen oder Dorffesten anderer Art gibt es keinen Anmelder. So was hat man nie gebraucht, und irgendwie wurde das auch von den Hamburger Behörden nie vermisst. Bis zum Jahr 2016.

Osterfeuer "Viereck" in Blankenese. Foto: Philip H.
Osterfeuer Viereck in Blankenese. Foto: Philip H.

Schon am frühen Sonnabendmorgen, das Holz wurde gerade kunstvoll Lage um Lage um einen Mittelmast gestapelt, bekamen die Osterfeueraufbauer Besuch von der Polizei. Wer denn der Verantwortliche sei, wurde gefragt. Mit der Antwort, dass es wie üblich keinen gebe, gab sich der Beamte zunächst zufrieden. Später am Tag, der gewaltige Turm des Viereck-Feuers hatte schon eine beträchtliche Höhe erreicht, kam er allerdings wieder.

Es sei verfügt worden, dass die Feuer maximal fünf Meter hoch sein dürften, teilte der Polizist mit. Die Feuerbauer hätten ihren Mittelmast auf die geforderte Länge abzuschneiden. Die Anwohner am Viereck-Feuer beratschlagten kurz und weigerten sich dann, ihren Mittelmast abzuschneiden. Schließlich hing an ihm auch die Puppe, die symbolisch für den Winter steht, der bei diesem Brauch vertrieben werden soll. Das hatte es noch nie gegeben! Mehr noch als die Konsequenzen eines zivilen Ungehorsams fürchteten sich die Blankeneser davor, den eigenen Aufbau zu zerstümmeln. Es wäre eine Blamage im Wettbewerb um das höchste Feuer geworden. Denn auch darum geht es bei dieser Tradition. Ein zu mickriges Feuer kann noch auf Wochen für Gesprächsstoff unter den Nachbarn sorgen.

Bis auf das Knüll-Feuer, früher das Rockerfeuer in Blankenese, weigerten sich alle Osterfeuer, ihren Mittelmast zu kappen. Lieber würden sie auf das Anzünden verzichten, teilten sie mit. Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt schon zahlreiche der über 10.000 Gäste angereist. Die Feuerwehr und die Hamburg Port Authority entschlossen sich so nämlich zumindest dazu, das Viereck-Feuer zu genehmigen, natürlich unter strenger Aufsicht. Wegen des starken Südostwindes und des enormen Funkenfluges wurden das Osten- und das Mühlenberg-Feuer zunächst nicht angezündet. Das Feuer am Knüll wurde trotz entschärfter Höhe fünf Mal in dieser Nacht abgelöscht, weil es der Feuerwehr zu gefährlich erschien. Vielleicht lagen sie damit richtig, viele der Maßnahmen im Vorfeld  aber waren sicherlich unnötig.

Die Blankeneser haben ihre Feuer dennoch gefeiert. Vielleicht in dieser Form zum letzten Mal.

Wenn sich in Zukunft keine Entspannung einstellt zwischen Behörde und Anwohnern, nimmt diese Tradition womöglich bald ein Ende. Ein weiteres Kapitel einer technokratisierten Welt, in der Behörden ihre Haftungsrisiken begrenzen wollen und dafür das, was wir bislang als öffentliches Leben wahrgenommen haben, opfern. Ein schleichender Wahnsinn. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass wir Verbote und Regulierungen kaum noch hinterfragen. Gemeinwesen übernehmen keine Verantwortung mehr. Die wird in Form von Drohungen und Verboten auf das Individuum abgeschoben.

AIDA Kreuzfahrtschiff vor dem Blankeneser Osterfeuer. Foto: Philip H.
Aida-Kreuzfahrtschiff vor dem Blankeneser Osterfeuer. Foto: Philip H.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da wurde man nicht genötigt, den gesamten Flug angeschnallt zu bleiben, weil etwas passieren könnte. Das war jedem selbst überlassen. Auch das anfangs erwähnte Vergnügen auf der zugefrorenen Alster, mit Buden und Glühwein, wird in dieser von Angst geprägten Welt unmöglich. Dem öffentlichen Leben in Hamburg schadet das enorm. Mit den Osterfeuern droht es eine weitere unverfälschte Tradition zu verlieren.

Insofern freue ich mich über die unbeugsamen Blankeneser, über meine Nachbarn. Wie man hört, fragten die Erbauer des Feuers Osten noch am Sonntagvormittag bei der Feuerwehr nach einer Genehmigung.

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Auf Reisen

Café Caravela – Verreisen in der eigenen Stadt (Hamburg)

Kurze weite Reise: Portugiesische Cafés in Hamburg

Es gibt Reisen, die finden innerhalb der eigenen Stadt statt – und man hat trotzdem das Gefühl weit zu reisen. Diese kleinen Reisen, nehmen einen mit in eine andere Welt. Es riecht und duftet neuartig, die Worte und das Lachen klingen fremd. Hier fühle ich mich schnell zuhause.

Heute Morgen verschlug mich ein Termin nach St. Georg, einen der Stadtteile, die sich die Bohème in Hamburg seit den 70er Jahren erschlossen hat. Ich war hier lange nicht mehr und schlug meiner Gesprächspartnerin ein Café vor – dummerweise fand ich keines, das schon um 8:00 Uhr morgens auf hat. Bis auf die portugiesische Pasteleria „Caravela“.

Tolles portugiesisches Café in St. Georg

Manchmal führt eine kurze Reise ganz weit weg. In diesem Fall nach Portugal auf einen Galao (portugiesischer Milchkaffe, traditionell im Glas serviert).

Das Caravela scheint der Frühstückstreff vieler Handwerker zu sein. Portugiesisch mixt sich mit dem hanseatischen „Moin“. Ein toller Ort. — at Caravela Lange Reihe.

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Flüchtige Ewigkeit

Heute gab es kein Morgenrot; der Himmel sandte keinen Hinweis gen Erde, dass er sich um was schert. Mit feuchten, grauen Fingern griffen mies gelaunte Wolken nach allem Lebendigen, saugten alle Energie aus mir heraus.

Ich betrat die Bodega gerade in dem Moment, als Du die Spülmaschine einräumtest, stoisch ruhig und mir abgewandt, umgeben von dieser Selbstverständlichkeit, die natürliche Schönheit ausstrahlt, mitten im Raum stehend, nicht aufdringlich aber unübersehbar.

In den Sekunden, die Du benötigst, Dich umzudrehen und mich mit Deinem offenen Blick fragend anzulachen, habe ich einen ganzen Film in mir durchgeschaut, in dem Dein blonder Zopf eine Hauptrolle spielt. Ich lächele schief und bestelle mir einen Café Solo.

Als Du mich nach meiner Meinung zu diesem Sauwetter fragst, legst Du den Kopf schräg  auf Deine Schulter und spielst unbewusst mit der Schleife Deiner Baristaschürze. Sekunden, die in meiner Erinnerung später zu Stunden gerinnen.

Ich trinke viel zu schnell und stelle meine leere Tasse auf den Tresen, lege ein paar Münzen dazu und nehme noch einen tiefen Blick und dieses vertraute Lachen mit auf den Weg.

Die Sonne hat Löcher in die Wolkendecke gerissen, als ich verliebt in den Moment auf die Strasse trete; einem anderen Leben entgegen.

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Rotorblätter in der Nacht

Bekenntnis eines G20-Feiglings

Der Hubschrauber, der letze Nacht über mein Haus flog, hat mich erschreckt, hat mir die Tage vor und an G20 wieder ins Gedächtnis rotiert. Eine Minute nur stand er über unserem Dach, so wie die drei Polizeihubschrauber Anfang Juli die ganze Nacht. Dann – nach einer kleinen Ewigkeit – flog er weiter; vermutlich, um einen Schwerverletzten ins nahe Altonaer Krankenhaus zu fliegen.

Eine gute Sache also, dieser Hubschrauber. Eigentlich; aber seit dem Scholzschen „Fest der Demokratie“, als sich die Kanzlerin in Tateinheit mit dem Hamburger Bürgermeister einen Haufen von Chaoten und Despoten in die Stadt ein- und sich von der Polizei unbehelligt eine organisierte und spontane Wut entlud, führen alltägliche urbane Geräusche zu einer anderen biochemischen Reaktion, als vorher.

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Dialoge

Elbtower: Wie Ideen geboren werden

tldr; Wie Nierensteine

Wie das wohl abläuft? Wie wird so ein Megaprojekt, wie der Hamburger Elbtower geboren?

Ich stelle mir das so vor:
 
Herr Hoch und Herr Tief treffen ihren Kumpel Olaf auf dem Matthau-Mahl zu Ehren des großen Hamburger Schauspielers. Beim gemeinsamen Schnack auf der Herrentoilette stehen Heinrich Hoch und Olaf – nur von einem verschämten Sichtschutz getrennt – nebeneinander. Herr Hoch schaut hinunter auf seinen … Schuh … und raunt zu Olaf hinüber: „Nu, da die Elfi steht, braucht mein Kollege Tief was zu tun, sonst kommt der auf komische Ideen.“. Dabei grinst er die Kacheln an und diese werfen ein kehliges Lachen zurück.
 
Nun schaut auch Olaf auf seinen … Schuh … und sagt nach einer Weile:
„Ich hab da eine Idee.“
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Heute Morgen am Hamburger Flughafen

Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: „Folgen Sie einfach der Masse da“

Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: "Folgen Sie einfach der Masse da

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Von der Scham überwältigt

Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: ‚Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und …‘ – warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen.

Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: 'Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und ...' - warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen

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Olafs Sinneswandel

Die nasse Hand aus Westen streicht über die Stadt, es regnet dicke Tropfen von der Seite. Blätter stoben aufgeregt in Richtung Centrum. Wer weiss, was sie von dort mitbringen, wo der blanke Hans wohnt.

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Hamburger Herbst

Der Sommer ist spät gekommen in diesem Jahr. Zusammen mit lauter singenden Kindern in hellblau. Nun, es ist Ende Mai, liegt immer noch eine grunzende Arche vor dem Fischmarkt von Altona. Es gießt.

„Starkregen, 14 Grad.“, warnt das Radio.

Das Grün explodiert, und dampft Feuchtigkeit auf meine Haut. Es ist erstaunlich, kaum sind die wieder geboren, die Baumkronen unten an der Elbe, kann man sich an die kahle Traurigkeit der vielen dunklen Monate zuvor kaum noch erinnern.
„Ich will noch ein Kind. :)“, schreibt mir eine Fremde per Twitter.

Ich überlege kurz, ob ich antworten kann, und werfe stattdessen kleine Steine ins Wasser.
Wellen brechen sich fügig an dem kleinen Elbstrand, der bei Flut untergeht.

„Ich rufe nie wieder zurück.“