Ich habe mir gestern drei Folgen „Star Trek Voyager“ am Stück angesehen. Den Rest des Rotweins vom Wochenende getrunken und eine ganze Tafel Nougatschokolade vertilgt. Dabei mag ich die garnicht so gerne.
Für was Neues bei Netflix fehlte mir der Elan. Noch einen Abend „Segelbilder aus dem Sommer schauen“, ertrag ich nicht. Der Winterblues hat mich im Griff. Was tut man da?
Der Segelbuchautor Stephan Boden zählt Tage (wie Wandritzereien im Knast): noch 106 Tage bis Frühlingsanfang. #500Zeichen
Minus sechs Grad im #November. Selbst die Wolken scheinen am Himmel festgefroren.
Im Osten quält sich ein helloranger Ball aus dem frostigen Bett der Nacht. Gross und rund. Die Nebel über dem Hafen juckt das wenig, zu wenig Wärme schickt die nun volle Sonne nach unten.
„Papa, wenn es einen #Vollmond gibt, gibts dann auch eine Vollsonne?“ – Ich will gerade antworten, da fällt vor dem Fenster ein Eichhörnchen vom Baum. Wie ein Stein.
Die Geschichte mit dem blinden Huhn und dem Korn passt auch auf Spamtexte, die von russischen, philippinischen oder kigerianischen Botfarmen millionenfach und schlecht übersetzt zu uns geschickt werden.
Manchmal ergibt die hanebüchende Übersetzung beim zweiten Hinsehen etwas geradezu poetisches, lassen wir diesen 2. Blick zu. Resigniert selbst das digitale Böse an unserer Menschenwelt, wenn der Bot resümiert:
„Die Erhöhung ist nicht Vertrauen, sondern Bargeld“
„Morgenrot, got Wedder dot“. Hat Oma immer gesagt. Kunststück, denn im Norden hält gutes Wetter nur kurz. Es sei denn der Wind kommt aus Ost.
Dann wird es im Winter knackekalt und im Sommer warm. Bis zu 6 Wochen lang.
Das sind diese langen, warmen Sommer, von denen in Erinnerungen und Lindgren-Geschichten die Rede ist.
Heute startet der Tag mit einem Morgenlila, das sich zu einem himmelüberspannenden Morgenrosé wandelte, um in einem hellen Morgengelb über dem Hamburger Hafen aufzugehen.
Das Morgengrauen kriecht langsam durch Millionen kleiner Tropfen. Ich höre diffuses Tuten aus der Nähe, es kommt unten vom Fluss.
Sie spielen einen 25-jährigen Geist im Radio, längst verschwunden wie der Sommer. Ich starre auf die schwarzen kleinen Finger, die entlaubte Bäume vor mir in den Nebel recken.
Irgendwie merkwürdig, sich die Stars der eigenen Jugend nach deren Tod wieder zu erschließen. Meist wird das posthum sehr viel tiefer und intensiver.
Das I Ging, auch bekannt als das „Buch der Wandlungen“, ist ein altes chinesisches Orakelbuch, das seit Jahrtausenden als Quelle der Weisheit und Inspiration dient. Das I Ging besteht aus 64 Hexagrammen, die jeweils eine einzigartige symbolische Bedeutung haben. In diesem Artikel werden wir uns auf das Hexagramm Nummer 33 konzentrieren, das den Titel „Tun“ oder „Rückzug“ trägt.
Klassische chinesische Bedeutung des Zeichens Nr. 33
Das Hexagramm Nummer 33 repräsentiert in der klassischen chinesischen Bedeutung die Idee des Rückzugs oder des Zurückziehens. Es steht für die Notwendigkeit, sich zurückzuziehen, um sich zu regenerieren, zu reflektieren und sich auf die eigenen inneren Kräfte zu konzentrieren. In der chinesischen Philosophie wird dieser Rückzug nicht als Zeichen der Schwäche, sondern als eine kluge und strategische Handlung betrachtet. Es ist ein Aufruf, innezuhalten, um sich auf die eigenen Ziele und Werte zu besinnen, bevor man wieder aktiv wird.
Moderne Bedeutung des Hexagramms 33
In der modernen Interpretation kann das Hexagramm Nummer 33 als Aufforderung verstanden werden, inmitten des hektischen Lebensstils innezuhalten und sich Zeit für Selbstreflexion und Selbstpflege zu nehmen.
Es kann bedeuten, dass es wichtig ist, sich von äußeren Ablenkungen zu lösen, um sich auf die eigenen Bedürfnisse und Ziele zu konzentrieren. Dieses Hexagramm erinnert uns daran, dass es manchmal notwendig ist, einen Schritt zurückzutreten, um eine klarere Perspektive zu gewinnen und gestärkt wieder voranzuschreiten.
Handlungsmöglichkeiten aus dem Hexagramm 33
Basierend auf der klassischen chinesischen und modernen Bedeutung des Hexagramms Nummer 33 ergeben sich folgende Handlungsmöglichkeiten:
Rückzug und Regeneration: Nutzen Sie Zeiten des Rückzugs, um sich zu regenerieren und neue Energie zu tanken. Dies kann durch Meditation, Entspannungstechniken oder einfach durch bewusste Auszeiten vom Alltag geschehen.
Selbstreflexion: Nutzen Sie den Rückzug, um über Ihre Ziele, Werte und Handlungen nachzudenken. Fragen Sie sich, ob Sie auf dem richtigen Weg sind und ob Anpassungen notwendig sind.
Klare Prioritäten setzen: Während des Rückzugs können Sie Ihre Prioritäten neu ordnen und sich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Dies kann Ihnen helfen, nach dem Rückzug mit neuer Klarheit und Entschlossenheit voranzuschreiten.
Insgesamt kann das Hexagramm Nummer 33 als Erinnerung dienen, dass es Zeiten gibt, in denen es klug ist, sich zurückzuziehen, um gestärkt und fokussiert wieder hervorzutreten. Es ist eine Aufforderung, die eigene innere Balance zu wahren und sich bewusst Zeit für Selbstreflexion und Regeneration zu nehmen.
Durch die Berücksichtigung der klassischen chinesischen und modernen Bedeutung des Hexagramms Nummer 33 können wir erkennen, dass es zeitlose Weisheit und praktische Anwendbarkeit bietet, um in einer hektischen Welt ein Gleichgewicht zu finden und kluge Entscheidungen zu treffen.
„Wenn Du dich verspielst, dann entscheidet erst die nächste Note, ob es gut oder schlecht war“, hat Miles Davis einmal gesagt. Der Übervater des Jazz hat seiner Musik so viel Leben und Weisheit eingehaucht, dass sie selbst als Konserve noch inspiriert und Funken ins Heute schlägt. Es wird erzählt, dass er Fehler seiner Mitspieler ausbügelte, indem er improvisierte, aus Partituren abbog, Regeln brach, um den Verspieler seines Kollegen zur genialen Idee zu machen.
„Wieso kriegen alle Familien dünne und ausgerechnet wir bekommen die dicke Französin?“, fragt B.
„Ich muss dieses Reiki mal ausprobieren“, antworte ich.
„Wieso bin ich eigentlich immer derjenige, die die Maschine einräumen muss?“, denke ich laut. Und rufe dann „Scheiße “ — merke gerade, die Spülmaschine ist sauber.
Ausräumen und dann Einräumen: Höchststrafe.
Das Telefon klingelt. Renate war bei einem Heiler. Es geht ihr jetzt gut.
wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne schreibe und auch gerne podcaste. Ich verbinde das immer wieder und nu wird es Zeit, das auch für die “500 Zeichen am Morgen” auszuprobieren.
Der Magnolienbaum vor meinem Fenster sieht aus, als sei er verbrannt. Braun-schwarze Blätter hängen leblos von den Ästen. Unter ihnen jedoch rührt sich neues Leben.
Im Dezember wird die Magnolie alle Erinnerungen an dieses Jahr abschütteln, dicke, starke Knospen ragen dann trotzig in den Winterwind. Warten auf ihren Auftritt im April und schenken jedem, der sie ansieht, Hoffnung. Es geht vorüber, rufen sie nun monatelang; es geht vorüber.
Heute haben wir das Segelboot meines Buders gekrant. In Damp, das lange ‚Damp 2000‘ hieß, und für Zukunft stand; ist von der Ostseesturmflut besonders hart getroffen worden. Dutzende Schiffe gesunken oder an Land geworfen; der Hafen zerschlagen vom wütenden Ostwind.
Die englische Lady meines Bruders hat nur ein paar Schrammen abbekommen. Sie hat Glück gehabt und starke Klampen, sie wird 2024 wieder segeln. Ob ‚Damp 2024‘ eine Zukunft hat, als Hafen, bleibt unklar.
Dort wo die Flottbek in die Elbe fließt, liegt ein kleiner Hafen. Bei Niedrigwasser haben wir als Kinder dort im Elbschlick gespielt. Das war uns verboten, von unseren Eltern.
Weil die #Elbe gefährlich ist, besonders dann, wenn sie am harmlosesten erscheint: bei Ebbe. Wir haben uns damals verloren in unserem Spiel, allerdings immer nur soweit, bis die eindringlichen Warnungen unserer Großeltern und Urgrosseltern uns unterbrachen.
Dann kletterten wir erschöpft + grau vor Dreck an Land.
Nach 12 Stunden Autofahrt nach Italien steigt Bernd (80) aus meinem Auto. Einer der letzten Kaphorniers reckt sich ausführlich. War ne lange Fahrt.
Als wir zum Schiff meines Vaters gehen, das er begutachten soll, bleibt er auf dem Schlengel stehen, dreht sich zum Wasser und lässt selbiges ins Hafenbecken sprudeln. Ich staune nicht schlecht.
„Seemanns Privileg“ sagt er trocken, als er seinen Schlörn wieder eingepackt und geht ganz selbstverständlich weiter zu unserm Schiff.
Die Geschichte der Blogs in Deutschland beginnt in den späten 1990er Jahren, als das Internet zunehmend privat genutzt wurde. Die ersten Blogs waren eine Mischung aus IT-Schau, politischem Meinungsinstrument, Satirekeule, Überwachungsorgan, Film- und TV-Kritik und persönlichem Tagebuch[2]. Mit der Einführung von Social Networks und Plattformen wie MySpace, YouTube, Twitter und StudiVZ rückten Blogs immer mehr in die Öffentlichkeit[2].
Bis 2000 gab es nur eine Handvoll Blogs online, aber mit der Erfindung des World Wide Web und der Verbreitung von Webbrowsern wie Mosaic wurden Blogs zu einem Massenphänomen[10]. 1999 setzte sich der Name „Blog“ durch, geprägt vom Webdesigner Peter Merholz[10].
Die Blogging-Landschaft veränderte sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erheblich, als viele neue Blogs gegründet wurden, in denen Menschen ihre Gefühle und Meinungen zu den Anschlägen ausdrückten[10].
Mit der Zeit haben sich Blogs von reinen Kommentar- und Link-Sharing-Seiten zu Plattformen entwickelt, auf denen längere, tiefgründige Texte veröffentlicht werden[10]. Die Einführung von Blogging-Plattformen wie Blogger.com (1999), Antville.org (2001) und WordPress.com (2005) hat es noch einfacher gemacht, einen Blog zu starten und zu verwalten[10].
Bekannte Blogger in Deutschland
In Deutschland gibt es viele erfolgreiche Blogger in verschiedenen Bereichen. Julia Richter mit ihrem Blog „German Abendbrot“ ist laut einer Auswertung der Kommunikationsberatung Faktenkontor die erfolgreichste Bloggerin in Deutschland[11]. Andere bekannte Bloggerinnen sind Claudia Tödtmann mit „Tödtmanns Management-Blog“, Stefanie Fiebrig mit „Textilvergehen“ und Dunja Voos mit ihrem gleichnamigen Blog[11].
Bedeutung von Blogs heute und im Fediverse
Heute hat sich die Bedeutung von Blogs stark verändert. Während Blogs einst als eigenständige Plattformen dienten, sind sie heute oft Teil eines größeren Ökosystems aus Social Media und anderen Online-Plattformen[7]. Viele Blogger nutzen ihre Blogs in Kombination mit Social Media Plattformen wie Twitter, Instagram oder TikTok, um ihre Inhalte zu verbreiten und ihre persönliche Marke zu stärken[7].
Im Kontext des Fediverse, einem Netzwerk von interoperablen Social Media Plattformen, können Blogs eine wichtige Rolle spielen. Einige Nutzer des Fediverse nutzen Plattformen wie Plume, WriteFreely, Hubzilla oder Friendica für das sogenannte „Macroblogging“, also das Verfassen längerer Blogposts[8].
Trotz der Veränderungen und der Konkurrenz durch Social Media Plattformen bleibt das Bloggen ein wichtiges Medium für viele Menschen. Es bietet eine Plattform für freie Meinungsäußerung und kreativen Ausdruck, und viele Blogs der ersten Generation sind bis heute online[2].
Die Gesamtzahl der Blogs auf Tumblr ist von rund 63 Millionen im Jahr 2012 auf knapp 560 Millionen im Jahr 2022 gestiegen[1], was zeigt, dass das Interesse am Bloggen nach wie vor groß ist. Blogs bleiben ein wichtiger Teil des digitalen Ökosystems und bieten weiterhin eine Plattform für individuellen Ausdruck und kreativen Austausch.
Im Hafen von Strande gibt es ein Büchertauschregal, wie in vielen nordischen Häfen.
In letzter Zeit hat sich der Austausch dort intensiviert. Man findet neben Shell Atlanten von 1992 und einem zerfledderten Was-ist-Was “Indianer” öfter auch aktuelle Literatur.
B. liest sehr viel in diesen Tagen und so steuert sie viel zum Austausch bei.
Gestern habe ich wieder 2 ihrer ausgelesenen Favoriten hineingestellt. 1 ist heute schon weg.
Ich weiss nicht, was genau mir meine Kraft raubt? Ob es der Virus ist, der meine T-Zellen gerade in Atem hält und mir meinen nimmt, ob es die Probleme sind, die wir privat herumtragen, ob es die Fcks sind, #FCKPTN, #FCKAFD, und so weiter.
Was ich merke: ich komme an mein Limit. Es fließt mehr hinaus, als wieder hinein. (Leider nur energetisch, die Waage tells otherwise ;).
Ich checke aus. Ziehe mich nach innen zurück. (Meditierend ab)
Und weil wir im Tal der Mobilfunklosen in Hamburg wohnen (Danke #Vodafone), war auch nix mit Late-Sunday-Instagram-Scrolling. Da wo du nur kurz nachschauen willst, was die Jungs so machen (außer Fahradfahren und Gyros essen), und dann in einem Strom niedlicher Hundewelpen backen bleibst.
Also haben wir uns unterhalten.
Krass. Stundenlang bis wir wirklich müde waren. Über das, was wir erlebt haben am Wochenende. Und das war ne Menge, gab ja kein Internet.
Neulich sitze ich am #Strand, noch ein wenig mitgenommen von dem lauen Abend im Cockpit. Ich suche Ruhe und lass mir die Spätsommersonne auf die Haut scheinen.
Das scheint mir an Aktivität genug für den Moment, als sich gefühlt 30cm neben mir eine Frau hinsetzen und über den Strand ruft. Sie hätte den Ehring gestern im Metropolkino gesehen. Der wäre ja so nett.
W. sagt immer, er mag seine Stimme nicht hören. Und da kommt mir der Gedanke: die weiss sicher gar nicht, wie sie klingt.
Früher war ich gerne mit den Außenseitern meiner Schule zusammen, ich war ja als #Stotterer auch einer.
Neben den rauchenden Gruftis, den armen Jungs aus Osdorf (echt Klischee, wie in Breakfast Club ;), gab es auch einen Rockabilly mit ebenholz-schwarzem Haar, das Tag und Nacht mit Pomade in Form gebracht wurde. Diese Pomade roch ganz besonders. Nach dem Abi haben wir uns irgendwie aus den Augen verloren.
Im #Sommer war ich bei einem Friseur in Sønderborg — da roch es genauso.
Ich habe vor Kurzem einen Clip auf Instagram gesehen, der so schnell vorbei rauschte, dass ich mir nicht merken konnte, wer diesen bemerkenswerten Satz sagte: “Es gibt ca. 250 Mrd. Sterne in der Milchstraße — und doch nur eine kleine Anzahl Wesen, die ihnen eine Bedeutung geben, wenn sie nachts das helle Band am Himmel betrachten, in das Sagitta A. Ihre Sonnen zwingt.
Uns Menschen. Nichts vergleichbares, das Sinn verleihen kann. Verschwinden wir, sind Sterne bloß Haufen im Nichts.”
B. und ich sitzen an dem kleinen Strand, der die Hafenmole vom Kurstrand trennt. Die Menschen im kleinen Dorf an der #Ostsee nennen ihn ‚Bermuda Dreieck‘.
Heute sind wir allein. Die Sonne scheint; mit dem Westwind treiben zwei Enten den Strandsaum hoch und gründeln grünes Seegras von den Steinen. Synchron heben sie ihren Stert in die Luft. “Fast wie ein Ballett” ruft B. Neben ihnen schwimmt eine Möwe und ahmt sie nach. Ihr erster Versuch sieht noch sehr unbeholfen aus.
So ungefähr einmal im Jahr überlege ich, mir eine Kaffeemühle anzuschaffen. Eine, die Bohnen in Espressopulver verwandelt und die Luft um sich herum gleich mit.
Und beinahe jedes Jahr verwerfe ich die Idee wieder. Zu umständlich.
Gestern traf ich G. zum Kaffee. Sie ist gerade aus Kolumbien zurück. Dort sei der Kaffee schrecklich, weil alle guten Bohnen nach Europa reisen. Für Kolumbianer blieben nur die schrumpeligen. Und gemahlener Kaffee sei die Pest.
Woran merkt man eigentlich, dass man sich eine Tropenkrankheit eingefangen hat?
„Man sollte schonmal in den Tropen gewesen sein. Am besten kürzlich“, sagt M. auf meine komische Frage.
Ich glaub ich hab das Gegenteil von Fieber. Mir ist kalt, trotz 21 Grad am Morgen. HHer Hochsommer eigentlich.
Auch wache ich so früh auf, das ich seit Wochen den Wecker verpasse, weil ich schon wach bin. Ist mir zu hell zum Schlafen. Oder zu warm. Schade, hab grad n neuen Ton: „Sunrise“ heißt er.
Morgens um 8:00 trudeln die Fischer langsam ein; ich merke das an den schlurfenden Schraubengeräuschen, die mich – zuverlässiger als ein Wecker – aus der Koje treiben.
Am Fischersteg stehen schon die ersten Kunden. Heute werden sie wieder nur Klischen und Schollen bekommen, wie schon seit Monaten.
„Heute kein Dorsch?“, fragt einer. „Heute nicht, die ganze Saison noch nicht“, antwortet der Fischer. „Und wenn, dann nimmt er ihn mit nach Hause“, ergänzt ein anderer.
Heute erst um 10:00 Frühstück. Das Pfeifkonzert der Vögel erinnert mich an eines, das selten ist in diesem stillen Hafen.
Es ist Kieler Woche. Von Gegenüber aus Schilksee wehen Bässe herüber. Doch etwas gesellt sich zum Wummern dazu. Wolfgang hat Gäste an Bord. Einer übt Opern, denn er singt katzenhaft-operesk die Nationalhymne. Vietnam schießt derweil den Anschlusstreffer, als Sascha zum Finale ansetzt.
Wusste gar nicht, dass der Ex-Star Klingonische Arien kann 😉
#500Zeichen#Morgenseiten
Vier Uhr ist mein neues sieben. Bummswach drehe ich mich um. Aus dem Schlafland vertrieben lausche ich nach draußen. Eine Taube im Stimmbruch gurrt ausdauernd. Mehrere kleinere Vögel antworten, ihren hohen Stimmen nach klein – ich weiss nicht viel über sie, kann ihre Sprachen nicht erkennen.
Es ist der Tag vor Mittsommer. Die ewige Nummer zwei unter den längsten Tagen. Als ich aufstehe, sehe ich über dem Hafen die Sonne aufgehen.
Der Morgen passt in 500 Zeichen, oder besser: passt der erste Gedanke morgens in ein Posting mit 500 Zeichen? Das habe ich mich gefragt und testweise ein neues Morgenseiten-Format kreiert, das in ein Mastodon Posting passt (deswegen auch der Hashtag #500zeichen).
Inzwischen mache ich das seit eineinhalb Jahren. Den ersten Band hälst Du in der Hand. Als Ebook oder Newsletter.
Es ist heiß im Norden. Noch nicht am Morgen. Dennoch, ich spüre die Hitze schon lauern in den alten Balken des Daches unter dem ich wohne.
Heute morgen blinzel ich in einen blauen Himmel und muss an Philippe Djian denken. Besser: an seinen Helden aus Betty Blue, der sich vor der Zivilisation und dem Kapitalismus und seinen fordernden Regeln zurück zog an die im Sommer sengende Küste Frankreichs.
Immer dieselben Nachrichten wehten in Zeitungsseiten herüber; mal aus Osten, mal aus Westen. Zeitungen gibt es noch, nur lesen will sie keiner unter 40.
Die 37,2 Grad am Morgen haben wir noch nicht. Trotzdem wünsche ich mich auf eine Terrasse mit zerfledderter Hollywoodschaukel. Sitze dann in meinen Gedanken im Unterhemd an der See und gebe keinen Cent für eure Gedanken.
Ich habe heute morgen noch im Bett in einem Urteil gelesen. Ich bin kein Jurist, auch deswegen kommt das eigentlich so gut wie nie vor.
Was mir auffiel: juristische Sprache kann sehr poetisch sein. Vor allem wenn das Grundgesetz beteiligt ist. Dessen Artikel können nämlich „Schutzbereiche öffnen“, in denen Menschen nicht eingeknastet werden dürfen, nur weil sie den Verkehr stören.
So schreibt das AG München: „Eine Sitzblockade von Klimaaktivistinnen stellt eine Versammlung dar, die den Schutzbereich des Art. 8 GG eröffnet.“ – und ich denke: so geschützt, kann uns doch gar nix passieren.
Und dann denke ich an die vielen jungen Menschen, die auch in Hamburg sich vertrauensvoll in den Schutzraum des GG begeben und auf ganzer Hamburger Linie versohlt, bespritzt und vertrieben werden.
Denn Schutzräume macht das GG eben nur nachher auf, also offiziell. Im Jetzt herrscht oft die Willkür, die diesen Schutzraum mit Gewalt flutet.
Ich seufze in meinen Kaffee, und wünsche mir, dass sich ein Weg finden ließe, geschützte Räume auch in die Gegenwart zu holen.
Letzte Woche hat mein Freund Marcus in unserem Podcast von Clubs und anderen subkulturellen Räumen gesprochen, die dringend Hilfe brauchen. Da sollte man auch Schutz eröffnen – sind ja auch Versammlungen irgendwie.
Was denn so ein „Schutzraum“ ist, fragt mich M. eben am Telefon und ich muss kurz nachdenken – M. erwartet Druckreifes.
„Ein Raum, der frei von Eingriffen ist, vor allem staatlichen“, antworte ich doch noch ziemlich spontan. Ich muss an die Rote Flora denken, die heute so auch nie mehr entstehen könnte.
„Eingriff“, sagt M., „klingt irgendwie nach Unterhose“.
Ich bin die Tage wirklich emotional geworden. Ein alter Freund hat aufgehört, ist quasi in Rente gegangen – diesmal für immer.
Denn da war er schon einmal. Im Ruhestand.
Ich habe 1994 mit einem alten Schulfreund bei meiner Mutter zuhause auf dem Sofa gesessen und die letzte Doppelfolge von „Star Trek the Next Generation“ angesehen.
Das Finale eine Serie, die mich meine ganze Adoleszenz begleitete und tief beeindruckt und geprägt hat. Viel mehr als „Raumschiff Enterprise“ mit Kirk, Spock und dem wundervollen George Takei als Lt. Zulu (wobei ich erst Jahre später bemerken sollte, dass er der wundervoller Vorkämpfer für die Ideen und Utopien war, die mich erst in den Raum der Föderation zogen).
Zu einer Zeit, in der die Geschichte für uns in der BRD und überhaupt endete – das versprach uns zumindest ein Historiker, der sich inzwischen selbst widerlegte – war Star Trek TNG mehr als nur eine TV Serie: sie war Fluchtpunkt, utopisches Framework, Sitcom und Fantasie-Rollenspiel in einem.
Darmok und Jalad auf Tanakra
Dreh- und Angelpunkt war Jean-Luc Picard, gespielt von dem immer ein wenig unterforderten Patrick Stewart. Meine Lieblingsfigur war Worf, der sich sein ganzes Leben aus der klingonischen Zwickmühle aus Stolz und Vorurteil heraus kämpfen muss.
Als die Serie damals endete, endete auch eine persönlich sehr intensive Phase für mich. 1989 war mein Vater gestorben, mit 49 Jahren jünger als ich es heute bin.
Als uns die Todesnachricht erreichte, lag ich in meinem Bett und der Abspann einer abendlichen Wiederholung der Serie lief gerade über den Bildschirm.
Als 1994 Jean-Luc durch die Raumzeit geisterte und jeden im Bademantel herumirrend fragte, welche Sternzeit wir haben, war ich gerade aus einer langen Trauerphase heraus getreten. Ich schwamm mich gerade frei davon, das Leben eines Toten aufzuräumen und später als andere den Kurs zu setzen: „Mark nine, engage“, hätte Jean-Luc gesagt und seinen rechten Zeigefinger in die Richting zeigen lassen, in die es nun mit Warp 9 gehen soll.
Gestern endete unausweichlich diese Serie ein zweites Mal, denn mit der dritten Staffel von „Picard“ (ob das irgendwann mit STP abgekürzt werden wird?) wird Jean-luc ein zweites Mal – ein letztes Mal – in den Ruhestand geschickt; die Enterprise endgültig eingemottet.
Warum mich das so emotional macht? Vielleicht, weil es irgendwie rührend ist, wie der inzwischen 82 Jahre alte Jean Luc durch den Weltraum geistert. Immer hat man das ungute Gefühl, dass ihm gleich jemand über die Straße helfen müsste. Und doch entwickelt dieses greise Revival eine Schönheit, ein wohliges Gefühl des „Ja-es-muss-noch-einmal-sein“, dem ich mich nicht entziehen kann. Und nicht will.
Ich verliere einen popkulturellen Bezugspunkt; einen der sich glücklicherweise selbst beschränkt, bevor er zur hauntologischen Witzfigur wird.
Danke, Jean Luc. Nun kann ich dich gehen lassen.
Ich bin 2003 zum Bloggen gekommen. Damals faszinierte mich, dass es nun auf einmal Menschen gab, die ihre täglichen Reisen durch ihr Leben und (die Kombination ist wichtig) ihr Surfen durch das World Wide Web in einem Journal dokumentierten.
Für uns Leser_innen (gegendert hat mensch damals natürlich noch nicht) zur Inspiration, zur Debatte-einladend (tatsächlich gab es damals viele politische Blogs, in denen es heiß her ging) oder einfach zum Begleiten.
Manchmal erlebte man dasselbe, manchmal tauchte man in Lebenswelten ein, die einem so fremd waren, wie einem Pinguin die Steppe Kenias.
Ich habe nie wieder so viel gelesen, kommentiert, gelernt und nachgedacht wie damals. Es dauerte nicht lang, da begann auch ich, zu bloggen.
Das war am 13. Oktober 2003. Vor bummelig 20 Jahren. Puh.
Ich wollte mich (etwas großspurig formuliert) „am weltweiten Wissensaufbau beteiligen“ – seht es mir nach, ich war noch jung, so wie das Netz es selbst auch war. „Ab heute wird nacheinander publiziert, sich vernetzt und gepingt. Was das Zeug hält.“, versprach ich mir selbst und habe dieses Versprechen lange gehalten.
Digitale Sinnkrise
Twitter, Facebook und Co. machten der so genannten Blogosphäre, dem losen Verbund von Schreibenden den Gar aus – zumindest habe ich das so empfunden.
Holdrio, auf ins Revival. Back to Blog, (Not back to Reality) ;
ps dieser Blog wird automatisch in mein „remote_self“ ins Fediverse gepostet (@ring2@norden.social); du kannst ihn aber auch ganz klassisch via RSS oder E-Mail abonnieren.
Ein kleines Experiment. Eine kleine Oster-montägliche Aufgabe an mich und an ChatGPT: „Schreibe einen Text im Stile der Ecriture Automatique. Stelle dir vor, du beginnst an einem Ostermorgen an der See und betrachtest Möwen. Assoziiere frei weiter…“
Eriks Morgenseite dazu:
Zwei Möwen stürzen sich auf ein weggeworfenes halbes Fischbrötchen, als die Sonne über der Ostsee aufgeht.
Ich stehe hier schon seit einer Stunde und schaue dem Tag beim Anbrechen zu. Das dauert immer quälend lange, bevor aus dem ersten Glühen am Horizont der erste Strahl wird, der über die Linie blitzt, die den Tag von der Nacht trennt.
Die beiden Möwen haben Gesellschaft bekommen. Nun jagen sechs andere der einen hinterher, die das Fischbrötchen im Schnabel trägt. Zum Herunterschlingen hat sie keine Ruhe, dicht hinter ihr machen ihre Verfolgerinnen jedes waghalsige Manöver mit. Tom Cruise hätte seine wahre Freude.
Maverick verliert kurz die Spannung und lässt nach einer abrupten Rolle kurz über dem Wasser seine Beute fallen. Die Möwe, die als erste den größten Teil des inzwischen zerbröselten Brötchens erwischt hat, findet kaum Zeit wieder zu starten und zu fliehen bevor der inzwischen auf 12 angewachsene Schwarm nun sie verfolgt. Ein erbarmungsloser Tanz aus Neid, Missgunst und Fluggeschick, der keiner den Sieg gönnt.
Rotgold schimmert die neue Sonne des neuen Tages gegen einen losen Teppich aus kleinen Wolken, die gegen den leichten Wind gen Ufer ziehen.
B. müsste inzwischen wach sein. Zeit für das Osterfrühstück; nachher wird es sicher noch regnen. Denn Morgenrot ist des guten Wetters Tod, wie Oma immer sagte, nur auf Plattdeutsch natürlich. Das kann ich aber nicht mehr.
Ist irgendwie zerbröselt.
ChatGPTs Morgenseite, frei assoziiert:
Ein warmer Ostermorgen an der See. Ich sitze am Strand und beobachte einen Schwarm Möwen, die durch die Luft fliegen und auf der Suche nach Futter sind. Ihre weißen Federn glänzen in der Sonne und ihre Schreie füllen die Luft.
Ich frage mich, was sie wohl denken und ob sie überhaupt denken. Möwen scheinen so frei und unbeschwert zu sein. Sie fliegen, wohin sie wollen, ohne sich Gedanken über ihre Zukunft zu machen oder sich an ihre Vergangenheit zu erinnern. Ich frage mich, was es wäre, wenn wir wie Möwen wären. Wenn wir einfach durch das Leben fliegen könnten, ohne uns Gedanken über unsere Probleme und Sorgen zu machen. Wenn wir uns einfach treiben lassen könnten und die Freiheit genießen würden, die uns das Leben bietet.
Aber vielleicht sind wir wie Möwen. Vielleicht sind wir auch auf der Suche nach etwas, das uns antreibt und motiviert. Vielleicht sind wir auch auf der Suche nach unserem Platz in der Welt und unserem Sinn im Leben. Vielleicht ist es unsere Sehnsucht nach Freiheit und Unbeschwertheit, die uns dazu bringt, jeden Tag aufzustehen und unser Bestes zu geben.
Die Möwen fliegen weiter und ich beobachte sie. Ich denke an all die Orte, an die sie schon geflogen sind und an all die Abenteuer, die sie erlebt haben. Ich frage mich, ob sie jemals müde werden und ob sie jemals aufhören zu fliegen. Aber dann sehe ich eine Möwe, die auf dem Wasser landet. Sie schwimmt ein paar Meter und taucht dann unter Wasser. Ich bin überrascht, denn ich wusste nicht, dass Möwen schwimmen können.
Ich denke darüber nach, wie erstaunlich es ist, dass wir Dinge über die Welt lernen können, die wir zuvor nicht wussten. Ich denke darüber nach, wie wir ständig lernen und uns weiterentwickeln können, wenn wir offen und neugierig bleiben. Die Möwe taucht wieder auf und fliegt zurück in den Schwarm. Ich frage mich, ob sie ihren Freunden erzählen wird, was sie erlebt hat und ob sie stolz darauf ist, dass sie schwimmen kann. Ich denke darüber nach, wie wichtig es ist, stolz auf uns selbst zu sein und unsere Leistungen zu feiern, auch wenn sie klein sind.
Ich denke darüber nach, wie oft wir uns selbst kritisieren und wie selten wir uns selbst loben. Vielleicht sollten wir öfter stolz auf uns sein und uns an all die Dinge erinnern, die wir erreicht haben. Die Möwen fliegen weiter und ich beobachte sie. Ich denke darüber nach, wie schön es ist, einfach hier zu sitzen und nichts zu tun. Ich denke darüber nach, wie oft wir uns in unserer hektischen Welt von der Ruhe und Stille entfernen und wie wichtig es ist, uns Zeit zu nehmen, um einfach nur zu sein.
Moin und willkommen zur 2. Staffel meines Logbuch-Newsletters über die fiktiven Abenteuers von Pit an Bord seiner Segelyacht.
Zwei Neuerungen wird es geben:
1. Ich schreibe in der schriftstellenden dritten Person, kombiniert mit Logbucheinträgen in der 1. Person; vor allem, um Zusammenhänge und Ereignisse nicht immer nur aus einer Perspektive erzählen zu können.
2. Echte Häfen. Ich will mehr über die Häfen erzählen, in denen Pit liegt, strandet oder vorbei segelt. Strande ist also nu auch Strande 😉
Ich verblogge das Logbuch hier auf blog.ring2.de, dadurch auch im Fediverse abonnierbar: @erik@www.blog.ring2.de.
Nichts gegen Prunk. Nur einen Buchstaben vom Punk entfernt; ich würde euch beiden erliegen. Könige geben Audienzen und sich neue Namen. Dich so zu sehen, Hamburg, so aufgeregt. Schlimm.
Manchmal kann es ruhig kurz sein. Ich habe keinen König, und das ist gut so. Warum sollte ich mir einen anschauen? Etwas, das grösser ist als ich, finde ich überall.
Ich hoffe du bist gut hochgekommen heute. „Erstmal n Kaffe“, twittert ein Bekannter von mir immer als erstes. Ohne das zweite E, so wie man ihn in Hamburg spricht. Ein wenig weiter nördlich, so lernte ich gestern von einem alten Bloggerkumpel, trinkt man Espresso mit Kardamom. Man mag es offenbar exotisch in Schleswig-Holstein.
Das, was Du zum Start in den Tag trinkst, hat ja auch was zu sagen, sagt meine Oma.
Sie schwört auf Filterkaffee, aufgegossen mit „springend kochend Wasser“. Wie modern sie schon vor 40 Jahren war, kann jeder sehen, der sich im Hain, dem Blatt oder in Frankfurter Edelröstereien umschaut.
„Springend kochend Wasser“, wenn ich das schreibe, dann höre ich sie wieder. Stolpernd über den spitzen Stein. Wenn ich sie in diesem Text sprechen lassen möchte, dann setze ich ihre Rede in Anführungszeichen — die hat sie immer „Gänsefüßchen“ genannt.
Ich lese gerade ein neues Buch, da haben sie die Gänsefüßchen vergessen. Mit Absicht womöglich… das liest sich dann in etwa so:
Sie lassen dich also raus, Wollie. Sieht so aus.
Was willst du jetzt tun?
Tanzen.
Ist gewöhnungsbedürftig.
Was, Wollie?
Die Freiheit, Sir, die Freiheit.
//: komm gut in deinen Tag, jetzt erstmal n 2. Espresso. 😉
Wann in meiner Familie der Frühlingsbeginn gefeiert wird, habe ich letzte Woche ja schon geschildert. Nicht zwingend danach folgt dann der nautische Frühling: der ist, wenn das Segelboot am Kran hängt und mit seinem Kiel das Nass der Ostsee berührt.
Es ist jedes Jahr ein besonderer Moment; die Erlösung von einem 5-monatigen Winterblues. Auch wenn das Wasser (4 Grad) und die Luft (8 Grad) noch sehr winterlich anmuten, lächelt mein ganzes Wesen in den strammen Südwestwind, die Segelsaison hat begonnen, die Lady schwimmt. Sogar der Diesel springt ohne zu Mucken an – ein gutes Omen.
Und gleich feuern auch die kreativen Synapsen; erinnert sich mein Sein an das virtuelle Leben meines Protagonisten Pit, dessen Logbuch ja auch seit einem halben Jahr verstaubt.
„Vorsicht“, ruft da einer am Kranplatz und reißt mich aus meinen Gedanken. „Der neue Belag am Steg ist sauglatt“. Ich hebe die Hand zum Dank und versuche ganz besonders bedacht auf meine Ohlson 8:8 zu steigen. „Wir wetten schon, wer der erste ist, der in den Teich glitscht“, ruft mein Kümmerer noch und lacht, „dann warten wir noch ein bisschen länger – gute Fahrt und schöne Saison“. Überlege, Pit dort abglitschen zu lassen, konzentriere mich aber besser auf meinen ersten Anleger der Saison.
Ich weiss nicht, ob es allen Seglern so ergeht, aber ich fange gefühlt jedes Jahr beinahe bei Null an. „Seebeine kriegen“, hat meine Mutter das immer genannt, das unsichere Herumstolpern an Deck, wenn man nach einem Winter auf dem Sofa erstmals wieder aufs Wasser geht.
Der Südwestwind schickt kräftige Böen durch den Strander Hafen. Ich bin das erste Segelschiff an der Ostmole. Erwartungsvoll recken sich die Dalben mir entgegen – wo ging es nochmal zu meinem Liegeplatz?
Ich habe vor, mich in die beiden Achterleinen einzudampfen; schon 100x gemacht und trotzdem bin ich aufgeregt. Mein Kopf weiss, wie es geht. Mein Körper hat aber vergessen, was er wann und vor allem so nacheinander zu tun hat, um nicht quer in der leeren Boxengasse zu enden. Eine Böe drückt nochmal von hinten, das Wasser ist gefallen und wird weiter aus der Kieler Förde gedrückt. Die Dalben werden höher und höher, als ich die Backbord-Achterleine über den ersten wuchte. Ich stolpere zur anderen Seite und verpasse fast den zweiten Dalben. Ich fange an zu schwitzen, mein Schienbein tut mir weh. Ich hab mich mehrfach irgendwo gestossen.
Irgendwie geht alles gut, ich hänge nur ein wenig quer in den beiden Achterleinen, als ich über den Bugkorb mit der Luvvorleine an Land springe. Für ein mitleidiges Hafenkino war zu wenig Publikum da. Das erste Manöver ist geglückt, alles ist heil geblieben – und ich an Bord.
Die Eigentümer der Hafenkneipe am Fuß der Mole haben über Winter gewechselt. Der Laden heisst jetzt nach einem schwedischen Märchen. Glücklicherweise ist die Barfrau noch dieselbe, das macht den Übergang erträglich. Ich bestelle das erste Pierbier der Saison (die Biermarke hat auch gewechselt) und lächle den Wolkenfetzen zu, die in Richtung dänischer Südsee jagen. Bis bald, denke ich als ich Rasmus den ersten Schluck ins Hafenbecken gieße. Bis bald.
In zwei oder drei Milliarden Jahren wird unsere Milchstraße mit dem Andromeda-Nebel fusionieren. Sie werden ein paar Jahrhundertmillionen umeinander hertanzen und dann verschmelzen.
„Zwei oder drei Milliarden?“, du willst es ganz genau wissen. „Sag ich doch, zwei oder drei Milliarden“, antworte ich. Und kein Schwein wird sich daran erinnern, dass die Dinger Milchstraße und Andromeda hießen.
Wir liegen auf dem Rücken, der Sand in Laboe ist noch warm von der umwerfend sonnigen Woche, die hinter uns liegt. Du schaust in die Sterne, ich schaue in dich. Deine Nase hat mir immer schon gefallen, die von der Seite wie ein fast perfektes Dreieck aussieht. Ich muss unwillkürlich an einen Schwertfisch denken, wenn ich Dich sehe, aber das kann ich Dir natürlich nicht erzählen, das würde man ja kaum als romantisches Kompliment verstehen. Schade, denn im Grunde ist es eines.
Im Augenwinkel sehe ich die Existenz eines Kometen zu Ende gehen, er zerbricht in drei Teile, die hell über den Himmel jagen. „Ooooaaahh“, rufst Du begeistert. Und ich hoffe, dass Du Dir dasselbe wünschst, wie ich.
Du lächelst mich an, und ich versuche das auch. Wenn ich nur nicht so doll pinkeln müsste. Schiet, ich weiss doch, dass Bier bei mir diese Wirkung hat. Kalter Prosecco wäre auch viel stilvoller gewesen. Da kommt mir eine Idee, als ich mir die verlassenen Strandkörbe so ansehe. Wir sind allein am Strand. »Komm, gehen wir schwimmen«.
Über uns die Sterne, das Wasser ist warm, und Du hast eine Gänsehaut, die ich soo sexy finde. Ich spüre sie unter Wasser, als wir uns umarmen, Wasser tretend. Mir ist nicht kalt, sondern wirklich heiß. Als wir uns küssen, stößt mich unten etwas an. Und bevor ich genau realisiere, was, ruckt dein Kopf nach unten. Dann wieder nach oben. Du schaust mich verwundert an, und lächelst sogar, als ein weiterer Ruck dich mir entzieht. Du bist weg.
Ich bin allein. Das Wasser um mich herum fühlt sich komisch warm und zäh an. Mir wird kalt. Ich spüre meine Beine nicht mehr, obwohl ich immer noch meine Wasser zu treten. Ich schaue nicht nach unten, nein, ich will nicht. Ich schaue in den schwarzen Himmel. Spanische Musik weht in Fetzen vom Strand herüber, in der Tapasbar am Strand von Laboe ist mal wieder Halligalli angesagt. Die Nachtfähre nach Göteborg läuft mit voller Kraft aus der Förde als ich untergehe. »Fischfutter, Fischkutter, Milchstrasse« – … als ich wieder zu mir komme, sehe ich eigentlich nur ein dunkles Grün. Es ist still, und ich atme nicht. Langsam kommt alles wieder in Gang, als ob da eine Checkliste abgearbeitet wird. … Ob meine schwarze Lederjacke noch am Strand über dem Strandkorb hängt? Zusammen mit meiner Hose?
Heute gibt es diese unbeschreibliche Mischung aus Platterregen, windgetriebenem Regen, Regen von oben, unten und von der Seite. Und zum Ausruhen noch steten Leichtregen, der die Landschaft umhüllt wie adipöser Nebel.
Wenn ich diese Frage Studenten in meinen Kursen über amerikanische Literatur und Kultur stelle, ernte ich verblüfftes Schweigen oder nervöses Lachen. Die Sanderson-Schwestern (Du erinnerst Dich an Bette Midler, Sarah Jessica Parker und Kathy Najimy?) haben in „Hokus Pokus“ keine Flaschen Sam Adams Astra getrunken. Allerdings weist die Geschichte des Bieres auf ein nicht ganz so magisches Erbe transatlantischer Verleumdungen und Geschlechterrollen hin.
Bis zum Jahr 1500 war das Brauen in erster Linie Frauenarbeit – das heißt, bis eine Verleumdungskampagne die Brauerinnen beschuldigte, Hexen zu sein. Ein Großteil der Ikonographie, die wir heute mit Hexen assoziieren – vom spitzen Hut bis zum Besen -, ist möglicherweise auf ihre Verbindung zu weiblichen Brauern zurückzuführen.
Bier brauen: Im Mittelalter eine Routineaufgabe im Haushalt
Der Mensch trinkt seit fast 7 000 Jahren Bier, und die ersten Brauer waren Frauen. Von den Wikingern bis zu den Ägyptern brauten Frauen Bier. Sowohl für religiöse Zeremonien als auch um ein praktisches, kalorienreiches Getränk für den Alltag herzustellen.
Die Nonne Hildegard von Bingen, die im heutigen Deutschland lebte, schrieb im 12. Jahrhundert über Hopfen und fügte diese Zutat ihrem Bierrezept hinzu.
Von der Steinzeit bis ins 17. Jahrhundert war Ale – und später Bier – ein Grundnahrungsmittel für die meisten Familien in England und anderen Teilen Europas. Das Getränk war eine kostengünstige Möglichkeit, Getreide zu konsumieren und zu konservieren. Für die Arbeiterklasse stellte Bier eine wichtige Nährstoffquelle dar, da es reich an Kohlenhydraten und Proteinen war. Da das Getränk so häufig auf dem Speiseplan des Durchschnittsbürgers stand, gehörte das Gären für viele Frauen zu ihren normalen Aufgaben im Haushalt.
Einige unternehmungslustige Frauen übertrugen diese Fertigkeit auf die Wochenmärkte und begannen, dort Bier zu verkaufen. Witwen oder unverheiratete Frauen nutzten ihre Braufähigkeiten, um sich etwas dazuzuverdienen, während verheiratete Frauen sich mit ihren Ehemännern zusammentaten, um ihr familiäres Biergeschäft zu betreiben.
Verbannung der Frauen aus der Branche
Wenn wir also gemeinsam eine Zeitreise ins Mittelalter oder in die Renaissance unternähmen und einen Markt in England besuchten, würden wir wahrscheinlich einen seltsam vertrauten Anblick vorfinden: Frauen mit hohen, spitzen Hüten. In vielen Fällen standen sie vor großen Kesseln.
Diese Frauen waren keine Hexen; sie waren Brauerinnen.
Laken Brooks
Sie trugen die hohen, spitzen Hüte, damit ihre Kunden sie auf dem überfüllten Markt gut sehen konnten. Sie transportierten ihr leckeres Gebräu in Kesseln. Und diejenigen, die ihr Bier in Geschäften verkauften, hatten Katzen, nicht als dämonische Vertraute, sondern um Mäuse vom Korn fernzuhalten. Es liegt nahe anzunehmen, dass die Ikonographie, die wir mit Hexen assoziieren, vom spitzen Hut bis zum Kessel, auf die Arbeit von Frauen als Braumeisterinnen zurückgeht.
Als die Frauen gerade dabei waren, auf den Biermärkten in England, Irland und dem übrigen Europa Fuß zu fassen, begann die Reformation. Die religiöse Bewegung, die im frühen 16. Jahrhundert entstand, predigte strengere Geschlechternormen und verurteilte die Hexerei.
Der Rest ist Geschichte; eine in der die Braubranche männlich dominiert war.
Gerade als die Frauen auf den Biermärkten in England, Irland und dem übrigen Europa Fuß fassten, begann die Reformation. Die religiöse Bewegung, die im frühen 16. Jahrhundert entstand, predigte strengere Geschlechternormen und verurteilte die Hexerei.
Die männlichen Bierbrauer sahen darin eine Chance. Um ihre Konkurrenz im Bierhandel einzuschränken, beschuldigten einige die weiblichen Brauer, Hexen zu sein und in ihren Kesseln Zaubertrank statt Schnaps zu brauen.
Leider waren die Gerüchte sehr wirksam.
Mit der Zeit wurde es für Frauen immer gefährlicher, das Brauen zu praktizieren und Bier zu verkaufen, da sie fälschlicherweise für Hexen gehalten werden konnten. Damals war es nicht nur ein gesellschaftlicher Fauxpas, der Hexerei bezichtigt zu werden, sondern es konnte Verfolgung oder ein Todesurteil nach sich ziehen. Frauen, die der Hexerei beschuldigt wurden, wurden oft in ihren Gemeinden geächtet, eingesperrt oder getötet.
Einige Männer glaubten nicht wirklich, dass die Bierbrauerinnen Hexen waren. Viele waren jedoch der Meinung, dass Frauen ihre Zeit nicht mit dem Bierbrauen verbringen sollten. Der Prozess erforderte Zeit und Hingabe: Stunden, um das Bier zuzubereiten, die Böden zu fegen und schwere Bündel von Roggen und Getreide zu heben. Wenn Frauen kein Bier brauen könnten, hätten sie zu Hause wesentlich mehr Zeit für die Erziehung ihrer Kinder. Um 1500 war es in einigen Städten wie Chester in England für die meisten Frauen illegal, Bier zu verkaufen, weil man befürchtete, dass aus jungen Bierbrauerinnen alte Jungfern werden könnten.
Männer haben das Sagen
Die Vorherrschaft der Männer in der Bierindustrie hat sich bis heute gehalten: Die 10 größten Bierunternehmen der Welt werden von männlichen CEOs geleitet und haben überwiegend männliche Vorstandsmitglieder.
Die großen Bierunternehmen neigen dazu, Bier als ein Getränk für Männer darzustellen. Einige Wissenschaftler sind sogar so weit gegangen, Bierwerbung als „Handbuch der Männlichkeit“ zu bezeichnen.
Diese geschlechtsspezifische Voreingenommenheit scheint sich auch bei kleineren Handwerksbrauereien fortzusetzen. Eine Studie der Stanford University ergab, dass zwar 17 % der Craft-Bier-Brauereien einen weiblichen Geschäftsführer haben, aber nur 4 % dieser Unternehmen einen weiblichen Braumeister beschäftigen – den fachkundigen Vorgesetzten, der den Brauprozess überwacht.
Das muss aber nicht so sein. Über weite Strecken der Geschichte war es das nicht.
Anmerkung des Herausgebers: Dieser Artikel wurde aktualisiert, um darauf hinzuweisen, dass nicht endgültig geklärt ist, ob Alewives einige der heute mit Hexen assoziierten populären Symbole inspiriert haben. Außerdem wurde er aktualisiert, um zu korrigieren, dass der Vorwurf der Hexerei erst während der Reformation weit verbreitet war.
Dieser Text erschien im Original in The Conversation, Autorin ist Laken Brooks, University of Florida. Übersetzung und Ergänzungen: Erik Hauth. Lizenz: Creative Commons, by-nd.
Ihr kennt das auch, oder? — Du suchst eine Diskussion, einen Tipp oder ein Bild, das Dir eben noch in die Facebook oder Twitter-Timeline gespült wurde; vergebens. Es ist nirgendwo zu finden.
Das Social Web hat Amnesie und nur Mark Zuckerberg hat das Admintool, um das zu finden, was Du letzten Sommer gepostet hast. Dabei war das einmal anders.
„Das social web wächst und strebt auseinander. War die Blogosphäre im Jahre 2005 zwar ein vernetztes Universum, so war doch der Ort des Inhaltes, seine digitale Heimat meist klar auszumachen. Heute kommentieren meine Leser meine Beiträge dort, wo sie sie erreichen. Bei Facebook, Flickr oder Twitter.“ — schrieb ich ein wenig melancholisch in meinen Blog — Im Sommer vor acht Jahren– 2009!
Ich nahm mir vor, meinen Blog als das zu nutzen, was er einmal war: eine öffentliche Sammlung von Ideen, Links, Infos und Erlebnissen. Selbst gehostet und zentraler Speicher meines digitalen Lebens.
Dummerweise habe ich es nicht durchgehalten ;(
Die Gründe sind vielfältig, wobei der wichtigste wohl ist, dass Facebook und Twitter es einem nicht einfach machen, Diskussionen und Leser ins WWW zu entlassen. Das Internet ist kaputt, was diesen — seinen wesentlichen — Aspekt angeht.
Bloggen: “Peepshow mit Gespräch”
– Sven Regener, Musiker, Autor und Blogpraktikant bei @ring2
2013 startete Johnny vom Spreeblick Blog einen weiteren Anlauf. Unter der kämperischen Headline „2013: Das Web zurück erobern“ rief Deutschlands Ur-Blogger zur Selbstermächtigung durch Wieder-Selberhosten auf.
„Facebook, Twitter, Google, Tumblr, Apple, Instagram, Pinterest und wie sie alle heißen … sie machen das Web kaputt.“ — das war auch seine schmerzvolle Erkenntnis, die auf große Resonanz stieß (Rivva).
Digitale Midlife-Crisis?
Es mag sein, dass dies das letzte Nervenflimmern einer vergessenen Gruppe von digitalen Einwanderern ist und sich die Uhr längst schon nicht mehr zurück drehen lässt. Trotzdem sticht es mich immer noch und ich verspüre den Wunsch, meinen Blog wieder zum Ausgangs- und Referenzpunkt meines digitalen Publizierens zu machen. Gestern bekam ich einen weiteren Stupser — vom Blogpapst persönlich: Dave Winer.
„I want my old Blog back“ — Dave Winer
Dave Winer, inzwischen 60 Jahre altes Internet und Blogger-Urgestein aus den USA, hatte offensichtlich einen ähnlichen Impuls verspürt. Anfang Mai diesen Jahres hatte er die Faxen dicke — wollte sich nicht mehr vorschreiben lassen, wie er wo zu bloggen hatte.
„Before 2010, on my blog, I could have long and short items. I could use HTML. Link to as many places I wanted, where ever I wanted. There was no character limit, so the short items could grow if they needed to. The same format could accommodate post-length bits with titles that were archived on their own pages. Every item appeared in the feed, regardless of length, regardless of whether it had a title. I could shuffle the order in a given day, easily, because the text was on rails, edited in an outliner.It was great. I didn’t know how good I had it at the time.
When Twitter became popular it threw a monkey wrench in my blogging act. Where to put the short items? So I stopped posting small items on my blog. And everything needed a title to make Google Reader happy.“
Dave Winer hat inzwischen seinen Blog zurückerobert — auch vom Format her, was ich besonders wichtig finde.
Ich denke noch ein wenig darüber nach, lasse den ziehenden Impuls noch ein wenig länger wirken. Wir haben nun schon so lange gelitten, da kommt es auf eine Woche auch nicht drauf an. Eines glaube ich aber sicher: die Sehnsucht nach einem Blog als digitale Heimat ist nicht nur bei uns Pionieren da — das geht auch der Generation Instagram und Youtube so — jedes Mal, wenn man in Cupertino Menlo Park, Palo Alto oder Pjönjang den Algorithmus ändert.
Titelfoto: In God We Trust — kevin dooley on VisualHunt / CC BY
„What we talk about when we talk about post-truth„
Während ich dies schreibe und Sie es lesen, und zwar für mehrere Millionen Jahre in die Zukunft, wird es einen Dummy namens „Starman“ geben, der in einem roten Tesla durch den Weltraum fährt und eine Endlosschleife von David Bowies Space Oddity spielt. Die Sensation des Raketenstarts von SpaceX hat mehrere Sinnebenen, eine davon, die auf Twitter enthusiastisch gehypt wird, ist die Hoffnung, dass die Livestream-Bilder von Starman, die gegen die Erdkugel gerichtet sind, endlich der Flat Earth-Theorie ein Ende setzen werden.
Die Flat Earthers, wie die Anhänger des Konzepts, die Erde wäre eine Scheibe, in den USA genannt werden, ihrerseits, ebenso wie Impfgegner, Pizzagate-Gläubige und andere Kreuzritter in der Welt der Post-Wahrheit, bleiben jedoch unerschüttert.
Das Foto einer Erdkugel ist noch lange kein Grund, seine Überzeugungen zu kippen
So warnen Flat Earther und Menschen, die eine runde Erdkugel präferieren, gleichermaßen vor dem unkritischen Vertrauen in alle Informationen, die über gefälschte Nachrichten-Websites im Internet verbreitet werden, und fordern die Menschen auf, die Quellen von Online-Inhalten kritischer zu beurteilen — in diesem Fall ein privates Unternehmen, das nach Profit und nicht nach Wahrheit strebt. Sie behaupten, dass es einfach ein schlechtes Argument sei, mit „einer gut gemachten Autoanzeige“ eine so wichtige Angelegenheit belegen zu wollen, wie die Frage nach der Form der Erde. Entschlossen, unseren Planeten als einen schwebenden zweidimensionalen Kreis wahrzunehmen, appellieren sie genau an dieselbe Objektivität, dasselbe kritische Urteilsvermögen und dieselbe Suche nach Wahrheit.
Auch Impfgegner warnen davor, Quellen unkritisch zu glauben
Impfgegner, die sich aus Angst vor Autismus weigern, ihre Kinder zu impfen, neigen dazu, sich viel mehr darum zu sorgen, welche Risiken eine Impfung mit sich bringen könnte, als beispielsweise ein kinderloser Wissenschaftler. Wenige (wenn überhaupt) Liberale fuhren fünf Stunden nach Washington, DC, um die „objektiven“ Fakten von Pizzagate zu überprüfen — im Gegensatz zu Edgar Maddison Welch, der 2016 Schüsse auf das Restaurant abgefeuert hat, das angeblich im Zentrum eines Pädophilenrings stand, der von Hillary Clintons Wahlkampfmanagerin geleitet wurde.
Objektive Fakten und fundierte Überprüfungsverfahren sind nicht das, was Post-Wahrheitsgruppen beklagen, sondern vor allem, was ihre Ablehnung antreibt. Was Post-Wahrheitsgruppen beklagen, sind etablierte Fakten und vereinbarte Wahrheiten. Es geht um Vertrauen, nicht um Verifikation.
Es geht um Vertrauen (Trust) und nicht um Verifikation
In „The Web of Belief“ (1970) argumentierten W. V. Quine und J. S. Ullian, dass das, was wissenschaftliche Aussagen wahr macht, nicht ihre treue Übereinstimmung mit externen Fakten ist, sondern ihre innere Kohärenz und die überzeugende Erzählung, die sie gemeinsam bilden. Unsere Überzeugungen stehen dem Tribunal der Erfahrung nicht einzeln gegenüber, wobei jede einzelne auf Tatsachen fußt, die sie direkt bestätigen oder widerlegen, sondern eher als vielschichtiger Körper oder Netzwerk, das nur an seinen Rändern mit beobachtbaren Tatsachen interagiert.
Wann immer eine Tatsache einer unserer Überzeugungen widerspricht, versuchen wir, die Konsistenz unserer Glaubenssätze wiederherzustellen, indem wir einige der Überzeugungen in unserem Wahrheitsnetz überarbeiten. Aber bei der Wahl des zu überarbeitenden Fakts lassen wir uns nicht nur von Fakten leiten. Ausgehend von den Beweisen betrachten wir den umstrittenen Glauben und seine unterstützende(n) Rechtfertigung(en) und bewerten, wie die Konsistenz angesichts des gesamten Bildes unserer Überzeugungen am sparsamsten wiederhergestellt werden kann. Wir werden am Ende alles revidieren, bis zu dem Zweifel, dass wir die anomalen Beweise überhaupt erst beobachtet haben, bis hin zu den Prinzipien der Logik und Mathematik an sich, die im Zentrum unseres Glaubensnetzes stehen.
Laut der Crowdfunding-Kampagne ‚Show BoB The Curve‘ widerspricht ein Foto einer Stadt, die in großer Entfernung sichtbar bleibt, statt unter dem Horizont zu verschwinden, dem Glauben, dass die Erde rund ist. Um diese kognitive Spannung zu lösen, können wir entweder die Beobachtung als irrelevant ablehnen, da wir fest an die etablierte Astronomie und Geologie glauben, oder aber den wissenschaftlichen Konsens, basierend auf Satellitenbildern und den Aussagen von Astronauten, grundsätzlich in Frage stellen.
Die erste Option ist weniger störend für unser Glaubensnetz, verlangt aber, dass wir die direkte empirische Beobachtung außer Acht lassen. Die zweite Option — von Flat Earthern bevorzugt — rechtfertigt die direkte Beobachtung, verlangt aber, dass wir jede Theorie, jedes Experiment und jede Beobachtung, die auf eine runde Erde zeigt, nachhaltig ablehnen. Der Unterschied für die Wahrheitsfindung liegt in den epistemischen Autoritäten, denen man vertraut, nicht in der Relevanz der Fakten.
Autorität formt Wahrheit
Diese Zentralität des Vertrauens gilt auch für Wissenschaftler selbst, deren Beobachtungen auf das Vertrauen in die Theorien und Experimente von Kollegen und früheren Forschern fußen, auf das Vertrauen in die eigene Mess- und Interpretationsausrüstung, auf das Vertrauen in die Lehrbücher und Vorlesungsunterlagen, aus denen man die Grundlagen einer bestimmten Disziplin gelernt hat, usw.
Sogar ’so genannte‘ direkte Beobachtungen, schreibt der britische Wissenschaftssoziologe Harry Collins in „Gravity’s Shadow“ (2004), sind nur ‚winzige Korken, die auf einem riesigen Meer von Vertrauen wackeln‘. Für Flat Earthers bedeutet Misstrauen gegenüber dem wissenschaftlichen Konsens, Beweise zu replizieren, die der Menschheit seit den 1600er Jahren zur Verfügung stehen, in der Hoffnung, dass sie durch den Einsatz von Luftballons, die von Menschenmassen finanziert werden, die entgegengesetzte Antwort finden werden.
Dieser umfassende Revisionismus unterstreicht die sozialen und politischen Dimensionen der Post-Wahrheit sowie die Asymmetrien, die durch die Behauptung entstehen, dass Kritiker sich derselben Haltung schuldig machen, wie diejenigen, die sie beschuldigen.
Nach dem Vorbild von Quine und Ullian stellen solche Widersprüche akzeptierte Überzeugungen in unserem Glaubensnetz in Frage und verlangen von uns, dass wir wählen, welcher Autorität wir vertrauen, um die Konsistenz wiederherzustellen.
Im Falle von Donald Trumps Zuschauer(massen) bei seiner Amtseinführung bedeutet der Glaube an offizielle Aussagen über die Besucherzahlen, dass man den fotografischen Beweisen, die in den „liberalen Medien“ gezeigt wurden, misstrauisch gegenübersteht. Der Unglaube ist nicht isoliert von der peripheren Beobachtung eines einzelnen Fotos, sondern läuft durch das ganze Netz des Glaubens und fordert alle Informationen aus dieser verschmutzten Quelle heraus. Was auch immer das politische Spiel ist, das Ergebnis ist eine Eskalation des epistemischen Engagements über soziale Grenzen hinweg, wodurch der Eindruck entsteht, dass die andere Seite nicht nur im Griff einer falschen Autorität ist, sondern eine eigene Realität bewohnt.
Es ist nichts Neues, sich bei der Wahrheitsfindung auf Autorität zu verlassen. Aber insofern als die Post-Wahrheit eher eine neue als eine alte, aber jetzt sichtbarere Realität ist, liegt ihre Neuheit darin, den etablierten Garanten der Wahrheit zu misstrauen, zum Teil einfach deshalb, weil sie etabliert sind.
Während das Erscheinungsbild von Subjektivität geprägt ist, wird es paradoxerweise von der Suche nach Objektivität getrieben. Aus diesem Grund kann Fact-Checking nicht gegen die Post-Wahrheit ankämpfen, da es auf dem fundamentalen Irrtum beruht, dass diejenigen, die von falschen erkenntnistheoretischen Autoritäten beherrscht werden, in etwa den gleichen Glauben haben wie wir.
Wir müssen erkennen, dass sich die Welt ändert, wenn sich die Machtbezüge ändern, und die Unterschiede sind keine isolierten Tatsachen, die leicht ausgemerzt werden können. Bilder von Starman aufzurufen, um die Theorie der flachen Erde zu widerlegen, tut so, als ob das Wissen unproblematisch von der Beobachtung zur Theorie übertritt.
Stattdessen, wie Collins es in „Gravity’s Shadow“ ausdrückt, läuft die kausale Sequenz in die andere Richtung: „nicht von den Sternen zur menschlichen Wahrnehmung, sondern von der menschlichen Zustimmung zu den Sternen“.
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Autorin des Originaltitels: „What we talk about when we talk about post-truth„, Diana Popescu. Sie ist Doktorandin an der London School of Economics and Political Science und beschäftigt sich mit Identitätspolitik, Behindertenrechten, Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung. Sie unterrichtet moralische und politische Philosophie an der LSE und an der Blavatnik School of Government in Oxford.
Übersetzt und auf deutsch veröffentlicht von: Erik Hauth
Original via Aeon.co unter einer Creative Commons Attribution-No Derivatives Lizenz
Erstaunlich, welche Dynamik der Exodus bei #twitter annimmt.
Digitale Republikflucht ahnden die Algoschergen des kleinen Despoten mit Selbstblockanlagen. Und auch wenn das alles nicht lustig ist, was #Elon da macht [oder mein Vergleich], so ist es doch erstaunlich.
Wie flüchtig alles ist, was man als digitales Wohnzimmer eingerichtet hatte.
Wie wichtig autonome digitale Strukturen sind.
Ich bin Teil des #Fediverse. Mein Blog auch: als eigene Instanz. @Erik via blog.ring2.de