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Podcast

Ein Podcast wird kommen… (aus Sønderborg)

Eigentlich gab es den Podcast schon. Er ist leider unterwegs einslopen.

Nu geiht dat wedder los. Ein Vorhörer…

Peep-Show mit Gespräch, so würde Sven Regener es wohl nennen, wenn man seinen Blog auch noch vertont.

Ob das Leute hören wollen? Ich weiss es nicht. Vielleicht nutzen sie die vorgelesenen und mit Kontext angereicherten Erzählungen zum Abwaschen, Kochen oder Einschlafen.

A pros pos Einschlafen: Vor Jahren hat Toby einen meiner Blogtexte in seinem wundervollen Einschlafen Podcast vorgelesen — sag Du mir, ob ich mich davon geschmeichelt fühlen soll?, hab ich B. damals gefragt. Na klar, hat sie gesagt. Und jetzt mach ich beinahe dasselbe. Nur dass ihr bitte wach bleibt. 😉

Mein Freund Loffi, noch so ein Podcaststar, hat meine Ankündigung mit einem ❤️ versehen; dann kann ja nix mehr schiefgehen.

Heute ist Hafentag. Der Westen schickt segelbrechende Gewitter mit Böen bis neun Bft. über den Alssund. Hafentag ist auch mal schön, sagen sich B. und ich zum Trost, schauen in den Himmel und kehren sicherheisthalber in ein Café in Sonderburg ein, das P’s Café heißt. (Namen für Läden mit einem Buchstaben liegen hier voll im Trend, fällt B. auf).

Vorher haben wir mir einen Termin bei E. gemacht, einem Rockabilly Friseur, der mir schon vor drei Jahren einen Sommersaisonschnitt verpasst hat, der den Specials gefallen hätte. (Sein Laden heißt E’s Barbershop, und ich hab leider vergessen, wofür das E. steht)

Inzwischen ist er umgezogen und nimmt nur noch Patienten mit Termin an. B. findet, er sieht in seinem weißen Kittel eher aus wie der Dentist aus Little Shop of Horrors.

Stimmt. Mir ist wegen morgen ein bisschen bange. Hab um 1330 Uhr einen Termin beim „Doktor mit dem kurzen Namen und der blauen Brille“. Wenn ich mich morgen nicht melde, ruft jemanden Zuhilfe.

PS B. ist Mitglied im Kommando „Monika Sundermann“ und hat mich diesen Text mehrfach redigieren lassen. („Nu“ und „wedder“ war doppelt und musste leider abgezogen werden).

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(B)Logbuch

Logbuch Laut – Restart mit Teaser

Moin und willkommen zu meinem Restart meines Blog begleitenden Podcast. Hier als Testaufnahme.

Die erste Teaser-Episode liest diesen Logbucheintrag an:

Format: Wöchentlicher Episodenrückblick
Inhalt: Der Autor (oder eine Stimme des Vertrauens) liest ausgewählte Blogeinträge ein, ergänzt sie mit spontanen Gedanken, Kontext, Anekdoten oder Kommentaren „zwischen den Zeilen“.
Besonderheit: So entsteht ein persönliches Audio-Logbuch – nah an der Lesestimme, aber mit zusätzlicher Tiefe.


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500 Zeichen

300 x 500 Zeichen

Zwei Jahre #500Zeichen.

Jubiläen machen mich immer ein bisschen idelig. 50 Jahre Schlachter Heiner mit goldenem Eichenlaub über der Eingangstür. So springt das Wort mir ins Gemüt.

Und doch schleicht sich ein kleiner Stolz in die Schreibe, wandert der Blick zurück zu dem Moment, an dem man dachte, kleine Texte in 500 Zeichen zu verdichten, wäre ne knorke Idee.

Inzwischen feiere ich 300 kurze Prosagedichte.


PS vielen Dank an C., meinen aktuell einzigen Supporter. Auch Spaß an meinen Texten?, dann lass mir n Kaffe da 😀

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(B)Logbuch

Labskaus und Millionäre

Strande, Ostsee. 20 Grad, Wind aus West, zunehmend.

Die ersten echten beiden Sommertage sind vorbei. An die 33 Grad in Hamburg kommt man an der Ostsee nicht ran (über 30 Grad gibt’s hier kaum), aber die gemessenen 27 Grad waren schon sehr sommerlich. Im strengen Ostwind gefühlt allerdings max 18 (FDP Hochburg eben ;). Der Ostwind muss nämlich ne ganze Strecke über die noch recht kühle Ostsee fegen und fungiert so als natürliche Klimaanlage gegen spanische Hitzewellen.

Hier in Strande kann man vieles lernen, über Gegensätze beispielsweise.

Messdaten zeigen, dass die westliche Ostsee für die Jahreszeit zu warm ist (Klimawandel); mein Körper meldet mir beim abkühlenden Bad das Gegenteil; ui, noch ganz schön kold.

Beim Kaufmann im Dorf herrscht Aufregung, als ich morgens Brötchen hole.

Ein Redakteur der F.A.Z. hat das Dorf besucht. Herr Schröder, die gute Krämerseele des Dorfes diskutiert gerade mit Anwohnern. Über seinen Part und die Zitate, dass in Strande die zweitmeisten Millionäre in Schleswig Holstein wohnen. Die einen finden das gut, sind irgendwie stolz darauf und die anderen finden es doof, dass das jetzt die ganze (konservative) Welt weiß. Das sind wahrscheinlich die Millionäre, mutmaßen wir. Denen ist es sicher peinlich nur die Nummer zwei zu sein.

Als Blankeneser kann man dazu nur milde nicken; anders als in Strande sind die Millionäre dort auch noch die Nummer eins im echten Norden – oder wem glaubt ihr, gehören die gut gepflegten aber meist unbewohnten Friesenhäuser in Kampen auf Sylt?

Vergleich ist des Glückes Tod, es gibt immer eine, die reicher und schöner ist.

Mein Opa war Seemann (entlang der Levante, von der ich als Kind immer nicht wusste, wo die liegt). Und als Seemann wusste er, wie man Labskaus macht. Lustigerweise hat er immer Labskau‘ gesagt, aber das nur nebenbei.

Mein Opa war Blankeneser, sicher kein Millionär und hat das leckerste Labskaus auf der Welt gekocht (so wie meine Oma den besten Grünkohl)

Letztes Wochenende war ich das erste Mal auf der Rickmer Rickmers, dem grünen Segelschiff, das stolz an den Landungsbrücken liegt. (Ob die Reederfamilie Rickmers Häuser auf Sylt hat? Wahrscheinlich).

An der Bar komme ich mit der Barfrau ins Schnacken. Sie ist waschechte Flottillenkapitänin und es dauert nicht lange dann fachsimpeln wir über Labskaus.

Ob ich frisches Rindfleisch oder Corned Beef nehme, will sie wissen, als sie mir ein kleines Bier zapft. Mein Opa hat immer Corned Beef genommen, sage ich, immerhin gibt’s an Bord ja selten einen Schlachter.

Sie nickt; darüber streite sie immer mit dem Koch. Der hätte immer so fancy Ideen. Dabei ist Labskaus nur echt mit dem Pressfleisch aus der Dose (bei dem auch keiner so genau weiß, was drin ist).

Ich nehme mir vor, mit M. und W. wieder zu kommen und das Labskaus in der Messe des Seglers stilecht zu probieren.

Gute Idee, sagt M. als er mich anruft. Ich bringe gerade frische Schmerzsalbe auf meine Achillessehne auf, habe backsige Hände.

Auf welchem Platz landet denn das Labskaus ausm Hafen? Na ja, höchstens auf Platz zwei, das von meinem Opa ist ja nu nicht zu schlagen. Und ob sie das von Julia aus Strande schlagen, steht ja in den Sternen.

Julias Vater, der im Klubhaus des Kieler Yacht Clubs die Küchenfee gab, war auch der Hüter des Labskaus (und auvh kein Millionär, oder ein verschrobener, der es liebt, Kattoffeln zu schälen und zuzubereiten; die zweitbesten Kartoffeln, die ich je gegessen habe) . Gute Kartoffeln, Rote Beete, viel Gewürzgurken (daran scheitern schon die meisten) und ein Rollmops aus Dänemark — und Corned Beef natürlich!

Das Klubhaus hat neue Pächter, Labskaus gibt’s immer noch auf der Karte. Am Freitag probieren wir es aus, ohne Vorurteile, aber mit dem Wissen, wie hoch die Latte liegt. Die neuen Köche schaffen es, meterweit unter der Latte durchzuspringen; das Labskaus schmeckt wie ein Seniorengericht, fade und viel zu flüssig. Ob da überhaupt Fleisch drin ist, ist nicht festzustellen.

Schade. Strande ist um eine kulinarische Sensation ärmer. Beim Labskaus weit entfernt vom zweiten Platz – ist eben nicht so einfach, wie Millionäre auf einem Hügel sich ansiedeln zu lassen.

Labskaus Rezept nach Seemannsart

Die Regel: nur haltbare Lebensmittel, sonst isses kein Seemannessen!

  • 2 Zwiebeln
  • 1 Glas Rote Beete, in Scheiben
  • 6 mittelgroße Gewürzgurken
  • 1 Dose Corned Beef (340g)
  • Schweineschmalz
  • 2 Rollmops
  • 2 Eier
  • Kartoffeln

Der Witz ist der Schmalz und der Rote Beete Saft. Einen Teil der Roten Beete stückeln und mit dem zerteilten Corned Beef, den Zwiebeln anschwitzen. Nebenbei Kartoffeln garen und stampfen. Einige tun noch eine ganze Zwiebel ins Kartoffelwasser und löschen damit das Beef ab.

Alles vermengen, Spiegeleier drüber und mit Matjes und viel Gewürzgurke servieren.

Labskaus muss stückig bleiben und darf auf gar keinen Fall breiig werden – so wie bei den Nichtseglern im KYC Restaurant.

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(B)Logbuch

Pfefferkraut: Herbes fürn Pott

Pot-herb nennt der Mittzwanziger Tiktok Influencer die Kräuter, die ein Gericht verfeinern und die unsere Omas schon verwendeten.

Denn damals galt dasselbe (nur anders), was auch auf Segeltouren gilt: Frisches ist selten.

An Bord gibt’s meist One Pot Gerichte, in der Pfanne oder wirklich im Pott gekocht. Es kommen vorher gebunkerte Lebensmittel ins Essen (so ein bisschen wie im Weltraum oder bei Magellan, weil Einkaufen in Dänemark so teuer ist); es gibt meist Pasta, alle Variationen, kleine Penne, Maccaroni, Spaghetti, Linguine und Farfalle. Tomatenmark, Zwiebeln, Knoblauch, Chilis, getrocknet, manchmal frisch.

Ab und zu Salami. Oben drauf Parmesan oder sein günstigerer Cousin aus Bulgarien.

Auf so einem Zweiwochentörn streckt einen kaum der Skorbut nieder und trotzdem sind Kräuter die einzige Möglichkeit, der Mahlzeit frische Lebensenergie beizumischen.

Auf Drejø wächst beispielsweise das Pfefferkraut überall, im Hafen, auf dem Küstenweg… überall.

Es schmeckt wirklich scharf und würzt abends unsere Pasta.

Außerdem ist es gesund: „Die Pflanze ist antiskorbutisch, entschlackend und magenstärkend. Ein Aufguss der Pflanze wird bei der Behandlung von Leber- und Nierenkrankheiten verwendet, er erhöht die Herzamplitude, verringert die Frequenz und reguliert den Rhythmus. Sie wird auch als Lösungsmittel bei der Behandlung von Hautkrankheiten verwendet“.

Wikipedia weiss:
Das Pfefferkraut (Lepidium latifolium), meist Breitblättrige Kresse, Strand-Karse oder Senfkresse genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Kressen (Lepidium) innerhalb der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae).

Ich sehe mich schon als Rentner mit weißem Vierwochenbart und Schippermütze kurze Videos aufnehmen — als erster segelnder Kräuterguru 😉

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(B)Logbuch

Ein Ort, wo man nix kaufen muss

Die Ostsee. Dänische Sydsee. Drejø, eine Insel mittendrin. (Sie heißt Drejø, weil man immer Inseln sieht, egal wohin man sich dreiht). Segelnd erfahren ein wundervoller Ort.

Einmal auf See, bleibt das Land zurück, und mit ihm alle Gesellschaft. Alles müssen auch.

Einhandsegler haben dann viel zu tun und wenig zu sprechen, während sie nach dem Einstellen der Segel in den Himmel blinzeln, auf der Suche nach Schweinswalen am Horizont.

Hier ist alles da. Und nix zu kaufen. Man wüsste auch nicht, was.

Frei nach Nils Minkmars Treppe: ein Ort an dem man nix kaufen muss.

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(B)Logbuch

Stream

„Das Logbuch gestern war ja eher so Stream of Consciousness„, sagt C. als wir uns halbe Strecke in Lissabon zum Lunch treffen. Der Riba Tejo fließt behäbig unter der großen Brücke hindurch. Der Fluss wirkt ziemlich unbeeindruckt.

Ich gebe zu, als abgebrochener Kulturwissenschaftler musste ich das erst googeln. Virginia Woolf, wow.

Ich muss spontan an einen früheren Kollegen denken. Der hatte sein Studium abgeschlossen, fällt mir gerade auf.

Er hieß auch C. und war Autor. Immer wenn ich in sein Büro kam, lagen genau drei Sachen auf seinem ansonsten leeren Schreibtisch: ein Blatt Papier, ein teurer Stift (so einer, mit dem man beim Notar seinen eigenen Untergang gegenzeichnet, nachdem eine elegant gekleidete Dame sehr gut riechenden Espresso mit italienischen Keksen serviert hat) und eine Packung Cigarillos. (Meist rauchte er gerade einen davon, das war damals normal).

Eigentlich sollten wir arbeiten. Website- oder Internetfilmkonzepte schreiben. Für Schokoladenfabrikanten, Reisebüros, TV-Sender oder die örtliche Filmförderung. Ziemlich häufig sprachen wir aber über Gott und seine Welt.

C. hatte zum Beispiel eine sehr pragmatische Einstellung zum Glauben. In einer unserer spontanen Sitzungen elaborierte er darüber, dass man praktischer Weise Katholik sein müsste.

„Die haben den besten Deal“, sagte er dann und nahm einen Zug von seinem dominikanischen Cigarillo. „Du darfst alles tun, was Du willst; wenn Du an mich glaubst, wird Dir alles verziehen.“

Eigenwillig. So hatte ich das noch nie betrachtet.

An einem Dienstag (das weiß ich, weil es da beim Italiener nebenan immer Frutti di Mare gab) erzählte er mir von der „Ecriture Automatique“, einer Literaturform des 19. Jahrhunderts, die in Frankreich entstand.

Die Grundidee ist dem Bewusstseinsstrom recht ähnlich. Assoziiere. Verknüpfe, lass es laufen. Du wirst sehen, der Text wird schwimmen, laufen, rudern, um die Ecke biegen und dich an Orte führen, die du dir am Anfang nie hättest vorstellen können.

C. erzählt gerade von einem gemeinsamen Bekannten. Der hätte nu alle Schäfchen im Trockenen und wüsste trotzdem nix mit sich anzufangen. Auch eigenwillig. Das würde mir nicht passieren.

Mein Blick schweift über den Tejo und erfasst ein weißes Segel, das sich den Strom hinauf quält. Schäfchen, denke ich, die wären wohl nicht seefest, oder?

Wie lang‘ wird denn das noch dauern? Ich muss auf die Uhr schauen… schickt sich wahrscheinlich nicht in einem so ernsten Konzert. Aber wer sieht’s denn? Wenn’s einer sieht, so passt er gerade so wenig auf, wie ich, und vor dem brauch‘ ich mich nicht zu genieren…

Aus »Lieutenant Gustl«
 von Arthur Schnitzler (
1862‑1931)
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(B)Logbuch

Weiße Nächte

Die weißen Nächte im Norden faszinieren mich jedes Jahr.

22:00 Uhr und immer noch hell. Gegen 23:00 Uhr wandert ein orangener Schein nach Norden, nur um in vier kurzen Stunden den neuen Tag einzuläuten. Richtig dunkel wird es nun nicht mehr.

Dabei ist Midsommer noch knapp drei Wochen hin!

Ich liebe diesen Himmel, den nur der Norden kann.

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(B)Logbuch

Rage against Regenbogen

Das Zwischenhoch flieht aus der Gegend. Wird weggeschubst vom nächsten heran rauschenden Tief, das sich über dem Nordatlantik um sich selbst dreht. Gewitter sprießen über dem Land. Die Regenbogensaison bricht an.

Wusstest Du, dass der Regenbogen eigentlich ein Kreis ist? – der Kölner ist am Telefon. Mir fällt beinahe das Telefon aus der Hand. Hab noch nasse Hände. Supertiming mal wieder.

Ne. Wieso Kreis?

Wir können nur eine Hälfte sehen, deswegen nennen wir den Kreis Bogen. Vom Weltraum aus gesehen ist er ein Kreis.

Eigenwillig. Aber irgendwie auch typisch Mensch. Nur die Hälfte kapieren.

M. lacht, irgendwie kehlig (das mit den Allergien nervt ihn sicher sehr). Und sagt, ja; die eine Hälfte, die gar nix kapiert. Die kämpfen jetzt nicht mehr gegen Windmühlen, jetzt gehen sie auf den Regenbogen los.

Was sind denn das bitte für Zeiten, in denen man mit einem Regenbogen provozieren kann? Immerhin, nu trennt sich die Spreu vom Weizen. Apple, IBM, Google, Harley Davidson, alle haben ihre bunten Logos eingemottet.

Und Aldi Süd, ergänzt M.

Eigenwillig.
Ich habe gestern auf Facebook vierhundert Hasskommentare weggelöscht. Unter einem Foto eines Regenbogens, der auf der Reeperbahn hing.

Von Menschen oder von Maschinen. Homophobe Russenbots bekämpfen; bist Du sicher, dass Du nicht der mit den Windmühlen bist?

Du musst Dir die Admins auf Facebook als glückliche Menschen vorstellen. Etwas besseres fällt mir gerade nicht ein. Und glücklich kam ich mir da gestern auch nicht vor.

Was kann man denn bitte gegen Regenbogen haben?, M. schüttelt den Kopf. Das kann ich zwar nicht sehen, aber wie sein Bart an der Sprechmuschel reibt, malt mein Verstand diese Bewegung in meine Wahrnehmung.

Was machen denn die Städte, die einen Regenbogen im Wappen haben? So wie Regen in Bayern?

Regen, Regenbogen, das denkst du dir doch aus.

Nee, das gibts wirklich. Und die haben einen Regenbogen im Wappen. Der berühmteste Sohn der Stadt heißt Schmaus und ist Koch.

Die haben das da aber mit Assoziationen. M. lacht.

Ja, der Schmaus ist Koch bei der deutschen Nationalmannschaft. Und die haben ja bekanntlich auch so ihre Probleme mit dem Regenbogen.

Aber schon länger.

Ja. Dabei sind sie mal ganz weit vorne.

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(B)Logbuch

Gone Sailing

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Der längste Moment

Wir setzen oft den Moment mit dem Augenblick gleich. Dabei kann der Moment viel länger sein, dich einladen, in ihm zu verweilen. Für eine kleine Weile ist Gegenwart.

Ein vorbei rumpelnder Güterzug ist ein toll langer Moment. Er kündigt sich von Links kommend an, rauscht eine kleine Ewigkeit vorbei. Mit lauter Grafittis auf den Kohlewaggons.

Wie eine Böe, die sich über das Wasser herankräuselnd ankündigt, bevor sie über dich herfällt und dem Zug gleich zischend weiterzieht.

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(B)Logbuch

Sven Regener und das Kult Hot-Dog

Es ist Sommer, zumindest bei den Meteorologen. Im Sommer wechselt meine Leidenschaft. Vom FC St. Pauli Fußball zum Segeln. Ich verbringe dann jede freie Minute (und immer öfter auch berufliche Zeit) an Bord oder auf der Ostsee, die sie da oben liebevoll „unsere nasse Wiese“ nennen.

Dem Deutschlandticket sei Dank, schaue ich nicht mehr nach Tarifen – steige einfach an der Endstation des Kieler Busnetzes ein, verabschiede mich höflich von dem frechen Möwennachwuchs, und tingel mit der Deutschen Bahn übers Land. Wenn alles klappt, schmeißt mich der Zug dann nach gut zwei Stunden in Hamburg aus dem Abteil.

Genug Zeit, um Podcasts zu hören. Oder Hörbücher. Gerade fiel mir das Logbuch von Sven Regener in den Stream, dem ich vor genau zwanzig Jahren in Berlin das Bloggen beibrachte und der mich zum Dank zum Running Gag seiner ersten Staffel machte. Neben Thomas M. Stein (was macht der eigentlich?).

Wer ist tot?, ruft B. aus der Küche.

Mirek.

Wer ist Mirek?

Der Hot-Dog Mann vom Kiez.

Ach. Der dunkle oder der Rennfahrer.

Beide. Nu sind beide tot.

Ich bin mit dem Danmark Hot-Dog und dem wortkargen Mann hinter der Brutzelrolle aufgewachsen. Früher Pflichtprogramm bei der Ziese vorm Top10, verschlägt es mich nu seltener direkt auf die Reeperbahn. (Da ist es selbst für gestandene St. Paulianer nur noch schwer auszuhalten vor Jungesellinnenabschieden und Vodkabomberpiloten)

Vor ein paar Monaten war ich mal wieder da und wir kamen ins Gespräch, auch darüber wie anders die Ecke da geworden ist. Er wirkte da gar nicht mehr so still und stoisch wie früher, sondern genervt, alle, aus der Zeit gefallen.

Was nu aus dem Hot-Dog Imbiss wird? Physisch wahrscheinlich ein weiterer Kiosk und kulturell ein weiteres Musical. So bleiben uns die heißen Ecken auf St. Pauli in Erinnerung, sagt der Kölner, als er mich anruft. Wie jeden Tag. Nur nie zu einer festen Uhrzeit.

Heute erwischt er mich beim Zähneputzen. Sein Timing ist so präzise, immer so unpassend, dass ich meine Wohnung schon nach verborgenen Kameras durchsucht habe.

Schhallo?, nuschel ich.

Ej, Du bist ja berühmt, sagt der Kölner.

Naja.

Nee im Ernst. Sven Regener, das ist echte Literatur. Nicht so ein Kram, wie der hier.

Pass mal auf, sagt er, wenn du so weitermachst machen die noch n Musical aus dir. Der Kölner lacht und hustet gleich darauf. Er hat starke Allergien, und der meteorologische Sommeranfang ist seine Deadline, im wahrsten Sinne. Schlimm. 😉

(Das Logbuch vom Vahraonen mit seiner Kunstfigur Hamburg-Heiner gibts bei Spotify)