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Kritische Masse Hamburg

Moin Hamburg. Wir schreiben Sonntag, den 26. April 2026. Während du dies liest, schiebt sich gerade eine Wand aus über 30.000 Menschen durch die Stadt – es ist Marathon-Sonntag, und Hamburg riecht nach Magnesium-Gel und Schweiß. Frischem Schweiß.

Chapters

0:10 Marathonzeit in Hamburg

2:45 Critical Mass und Fahrradprotest

5:40 HSV und sportliche Herausforderungen

7:49 Olympia-Referendum und politische Auseinandersetzungen

9:21 Infrastrukturprobleme in Hamburg

10:47 Ausblick auf kommende Veranstaltungen

Ich wohne direkt an der Laufstrecke des Hamburg Marathons. Früh im Rennen hatte sich schon an der Ottenser Christianskirche die Elite vom Feld getrennt. Meist waren die besten Läufer schon oder gerade durch, als ich mich im hastig angeplünnten Jogginganzug an die Strecke begab. So viele Menschen, die mit voller Batterie und viel Hoffnung im Bauch an mir vorbei laufen; es liegt etwas von dieser Kraft in der Luft, weht zu den wartenden herüber. Während die Nachbarn mit Heavy Metal und AC/DC den Läufern Mut zudröhnen, scanne ich die Masse – irgendjemand erkennt man immer – und manchmal erkennen sie einen auch. Und strahlen.

Ich weiß nicht, wie dieselben Menschen dann später in Eppendorf aussehen, aber mich fasziniert der Mut und die fröhliche Entschlossenheit. Jedes Jahr wieder.

Kritische Masse Hamburg früh im Monat

Wie der Hansemarathon erfüllt mich jedes Mal die Fahrraddemo “Critical Mass” mit Hoffnung. Wie der Marathon kommt diese kreativste Form des Protestes mit wenig Brimborium aus (braucht keine Sportstätten oder gar die Politik; im Gegenteil).

Die Critical Mass nutzt den Paragraphen 27 der Straßenverkehrsordnung. Wenn mehr als 15 Radfahrer:innen hinter- und nebeneinander Fahren, bilden sie rechtlich einen „Verband“. Die Folge: Der Verband darf wie ein einzelnes Fahrzeug behandelt werden. Wenn das erste Rad bei Grün über die Ampel fährt, darf der gesamte Rest folgen, auch wenn die Ampel mittlerweile auf Rot springt (das sogenannte „Corken“).

Das Ziel ist es, die Dominanz des Autos im Stadtbild für ein paar Stunden zu brechen. Radfahrer, die sonst oft an den Rand gedrängt werden, nehmen sich den Raum, der ihnen zusteht – und das ganz legal. Es geht um eine leider nur temporäre Umverteilung des öffentlichen Raums.

Im Sommer radeln mehr Leute mit, denn das ist keine verbiesterte Demo, sondern ein Happening. Mit Musik und Geträller. Die Erfahrenen sichern die Strecke und nehmen das Geschimpfe der Autofahrer auf sich, die sich vielleicht das erste Mal so ohnmächtig fühlen, wie andere Verkehrsteilnehmer dauernd. Wie das genau funktioniert in Hamburg, könnt ihr hier bei CM auf Mastodon nachlesen.

Und was macht … der HSV?

Alle anderen spielen für Hamburg und wir spielen mit. Nach der nicht unverdienten Niederlage gegen die Senkrechtstarter aus Hoppenheim reiht sich der HSV ins Schneckenrennen um den Klassenerhalt ein.

… dabei kann sich der HSV auf den FC St. Pauli verlassen. Die Kiezkicker unterlagen beim Tabellenletzten verdient mit 0:2. Der Millernton spricht von einem “Offenbarungseid” zur Pleite. Nun fragt sich ganz Hamburg, wer denn als Insolvenzverwalter eingesetzt wird. Der Podcast St. POP wünscht sich mit Friedhelm Funkel den Dauerläufer unter den Ligarettern.

„Wadenkrampf & Wahl-Krampf: Hamburg zwischen Runners High und Stimmungstief“

Diese Woche wird in Hamburg gerannt: ihr rennt den Marathon (obwohl laufen wohl das bessere Verb ist), wir rennen wild durcheinander beim Streit um die sportliche Zukunft (Beim Olympia-Referendum) und zwischendurch rennt unserer Infrastruktur die Zeit davon (Brücken-Chaos).

Vielen Dank fürs lesen und hören; teile diesen Letter gerne in deinem Netzwerk; run on … Dein Erik

Abwegig: Das war die letzte Woche

* Der große Marathon-Check: Heute, am 26. April, steht die Stadt still. NDR und Mopo berichten von Rekord-Anmeldezahlen (über 38.000 Läufer inklusive Staffel). Der “Hot”-Faktor: Die Straßensperrungen treiben Autofahrer in den Wahnsinn, während die Partystimmung an der Strecke (besonders in Eppendorf) ihren Peak erreicht.

(Quellen: NDR Hamburg, MOPO)

* Olympia-Post im Briefkasten: Seit Mitte der Woche landen die Briefwahlunterlagen für das Referendum am 31. Mai in den Briefkästen. Das Hamburger Tagesjournal beobachtet ein „Hamburger Ding“: Die Fronten zwischen Senat (Pro) und Initiativen wie „NOlympia“ (Contra) verhärten sich zusehends.

(Quellen: Abendblatt, Hamburger Tagesjournal)

* Abwegig: Lufthansa Technik wartet jetzt Kriegswaffen: In Fuhlsbüttel weht ein neuer Wind. Erstmals werden bei Lufthansa Technik waffentragende Flugzeuge (Boeing P-8A Poseidon) gewartet. Hamburg wird zur „wehrtechnischen Stadt“ – eine Entwicklung, die in der Friedensstadt für ordentlich Diskussionsstoff auf Mastodon sorgt.

(Quelle: Hamburger Tagesjournal)

* Das 130.000-Euro-Eigentor: Der Landesverband der Grünen muss eine massive Summe an die Rentenversicherung nachzahlen. Grund: Eine rückwirkende Neubewertung der Vorstandsvergütung. Ein gefundenes Fressen für die politische Konkurrenz.

(Quelle: Hamburger Tagesjournal)

* Infrastruktur-Drama: Am Donnerstag legten Probleme an der Köhlbrandbrücke und der Norderelbbrücke den Hamburger Süden komplett lahm. Stillstand als Dauerzustand – ein Thema, das die MOPO gewohnt emotional begleitet.

(Quellen: Hamburger Tagesjournal, MOPO)

Ausblick: Termine für die kommende Woche (27. April – 3. Mai)

Die nächste Woche steht ganz im Zeichen des Feiertags und des kulturellen Aufbruchs.

Offizieller Wahl-Endspurt

27. April – 30. April

Die Stadt wird mit Plakaten für und gegen das Olympia-Referendum geflutet. Erwartet hitzige Debatten in den Lokalzeitungen.

Tag der Arbeit & Wasserlichtkonzerte

Freitag, 1. Mai

Traditionelle Demos (DGB und Schanze). Gleichzeitig Saisonstart der Wasserlichtkonzerte in Planten un Blomen – dieses Jahr unter dem Motto „Lichtgestalten“.

Internationales Musikfest Hamburg

Freitag, 1. Mai (Start)

Auftakt des Musikfests in der Elbphilharmonie. Das Thema 2026 ist „Ende“ – passend zur dramatischen Grundstimmung der Stadt.

HSV vs. Eintracht Frankfurt

Samstag, 2. Mai

Heimspiel im Volksparkstadion (15:30 Uhr). Die Stadt wird in Blau-Weiß-Schwarz getaucht sein.

Japan-Festival Vorboten

Sonntag, 3. Mai

Erste Kirschblüten-Events an der Alster, bevor Ende Mai das große Feuerwerk folgt.

Quellen:

* Hamburger Tagesjournal: Unverzichtbar für die “abwegigen” politischen Details (Grüne, Lufthansa-Waffen).

* Abendblatt: Tiefe Analysen zum Olympia-Referendum und den wirtschaftlichen Folgen.

* NDR: Erste Adresse für die Marathon-Berichterstattung und den kulturellen Mai-Auftakt.

* MOPO: Dein Seismograph für die Wut über Straßensperrungen und den Brücken-Wahnsinn.

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Hamburger Zerfallserscheinungen

Moin Moin Hamburg,

hier kommt Dein persönlicher Rückblick auf die Kalenderwoche 16 in der schönsten Stadt.

Wettertechnisch ganz passabel. Ich war viel zu warm angezogen am Wochenende. Hoodie statt Winterdaunen, es geht voran.

Wenn man jede Woche auf unsere Stadt blickt, dann drängelt sich immer wieder der Verkehr in den Vordergrund. In Hamburg entscheidet die Frage nach Parkplätzen, Straßen und Brückensanierungen Wahlen. Ist also wichtig.

Eine freie Fahrt von Blankenese zum Burchardplatz scheint Stadtstaatsräson, seit vielen Jahrzehnten. Das Auto regiert die Hafenstadt. Dass es anders geht, vielleicht gehen muss, zeigen auch diese Woche wieder die Opfer dieser Politik.

Während die Medien auf den siechenden Wal vor Poehl blicken, wird in Hamburg am hellichten Tag ein 11-jähriger Junge überfahren.

“Es handelt sich offenbar um einen typischen Abbiegeunfall. Möglicherweise hat der Lkw-Fahrer den Jungen im toten Winkel übersehen, als er in die Winsener Straße einbiegen wollte.” – NDR

Ich verstehe das nicht. Seit Jahren sind Nachrüstungen von LKWs mit Abbiegeassistenten möglich – nur nicht vorgeschrieben. Der Hamburger Senat nimmt diese Menschenopfer in kauf, um dem freien und vor allem kostengünstigen Warenverkehr zu huldigen. Wird langsam Zeit, dass wir Peterle persönlich zur Rechenschaft ziehen.

Der hätte eigentlich im Verkehrssektor viel anzustoßen. Nach wochenlangen Streiks und Nachtbaustellen ist es wieder soweit: ähnlich wie der DOM, kommt auch die 50-Stunden-Sperrung des Elbtunnels immer wieder; fast wie Ebbe und Flut. Es soll angeblich schon T-Shirts für das immer wiederkehrende Event geben.

Währenddessen “streiken” vierzig Ampeln im Stadtgebiet. Man kann Hamburg beim Zerfallen zusehen – oder waren hier russische Hacker im Spiel? Wenn Putin wüsste, wie wichtig uns Hamburgern der reibungslose Fluß der Blechkolonnen ist, könnte er sich genau das als Ziel aussuchen. Und wir würden es nichtmal bemerken, so natürlich fühlen sich Ausfälle der Infrastruktur inzwischen an.

NOlympia

Das ist dann auch das zentrale Versprechen der Olympiabefürworter im Senat: Infrastruktur. Alles wird schöner, weiter, schneller. Nur kaufen das dem Senat die wenigsten noch ab (“Eine Mehrheit der befragten Hamburgerinnen und Hamburger steht einer Olympia-Bewerbung der Hansestadt skeptisch gegenüber. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag des NDR). Im Gegensatz zur Vereinsführung, die politisch eingezwängt in stadtpolitische Notwendigkeiten vage herumlaviert, legen sich die meisten FC St. Pauli Fanclubs fest. Sie stimmen gegen Olympia in Hamburg.

Wir Fanclubs des FC St. Pauli wollen unsere Freiräume erhalten, unsere Läden sollen noch lange bestehen bleiben. Wir wollen uns weiterhin im und rund ums Stadion ausleben, durchdrehen und unser Team anfeuern können. Bezahlbare Wohnungen und der Erhalt von sozialen Einrichtungen im Viertel wie in der gesamten Stadt sind uns wichtig. Keinen Fußbreit dem korrupten und rein profitgierigen IOC! Und wir lassen uns nicht blenden

Und was macht … der HSV?

St. Pauli kann man als HSVer mit ein wenig Mühe ignorieren, zu klein, zu schrill; aber das Nordderby gegen die seit Jahrhunderten verhassten Bremer – das kann einen nicht kalt lassen.

Ein Derby mit Vorzeichen. Bei einem Sieg wäre der HSV den meisten Abstiegssorgen entledigt gewesen, nu – frei nach Loddar Matthäus (Wäre, wäre Fahrradkette) – steckt der HSV nach dem 1:3 aus Hamburger Sicht wieder mittendrin. Dabei hatte Glatzel wieder einmal getroffen.

Und der FC St. Pauli?

St. Pauli kann es nicht; ein 1:0 über die Zeit bringen. Mal hat der Gegner was dagegen, meist aber befällt die Boys in Brown eine merkwürdige Schieterbüxigkeit, die Füße und Köpfe lähmt. Allerdings darf man auf dem Kiez den Trainer nicht infrage stellen, der bekommt vorsorglich einen Persilschein ausgestellt. Nach dem 1:1 vom Freitag bangt ganz Hamburg um den Verbleib in Liga eins.

Altona 93 wehrt sich noch …

Wie Abstiegskampf erfolgreich betrieben werden kann, zeigt Altona 93 ein paar Kilometer weiter westlich. Gegen den Tabellennachbarn im Keller, den SV Lohne, zeigten die Spieler des ehemaligen FCSP Urgesteins André “Truller” Trulsen eine starke kämpferische Leistung und kamen nach zwei Rückständen zurück, um ganz zum Schluss das 3:2 zu feiern. So geht Abstiegskampf; da können sich die beiden Erstligisten eine Scheibe abschneiden.

So spielt ganz Hamburg um den Abstieg mit, nur alle irgendwie anders.

Hamburg ist nicht … Traunstein

Stell Dir vor, du kaufst einen alten Tresor für 15 Euro und findest in einem Geheimversteck Gold im Wert von 32.000 Euro. Sei ehrlich, würdest du den Schatz zurückgeben? Was in Hamburg undenkbar scheint, hat sich im beschaulichen Trostberg ereignet: der Finder meldete sich und den Fund bei der Polizei – und ist den Goldbarren erstmal los.

Die Schlussredaktion fragt über den Küchentisch: “Wo liegt denn Wilstorf? Und ist das wirklich ein richtiger Stadtteil?

Ja, antworte ich. Wilstorf iegt im Süden Hamburgs, den wir nördlich Wohnenden gerne als Norditalien verspotten.

Der Name Wilstorf geht zurück auf einen Dorfgründer namens Wiltehard, dabei bezeichnet die Nachsilbe -torf einen „Volkshaufen“, der sich angesiedelt hat. Weiß Wikipedia.

Was diese Woche passiert ist, der Nachrichtenrückblick

* Der Fall Fernandes vs. Ulmen: Juristisches Nachspiel in Hamburg Der Fall um Deepfakes und schwere Vorwürfe zieht Kreise. Christian Ulmen geht nun juristisch gegen die Berichterstattung des Spiegel vor. Das Landgericht Hamburg ist Schauplatz eines Streits um Persönlichkeitsrechte und mediale Vorverurteilung.

„Die Frage ist nicht mehr nur, was wahr ist, sondern wer die Macht über die Erzählung behält.“ (Zeit Hamburg)

* Olympia-Referendum: Die heiße Phase beginnt Am 31. Mai entscheiden wir über die Spiele 2036/2040. In dieser Woche starteten die Kampagnen beider Seiten. Die Briefwahlunterlagen werden ab dem 20. April verschickt – die Stadt ist offiziell im Abstimmungsfieber (oder -frust).

„Hamburg braucht Ziele, die Menschen verbinden – Sport und Olympia können das.“ (Abendblatt / Tagesjournal)

* Verkehrssicherheit im Fokus nach Tragödien Eine schwarze Woche für den Hamburger Straßenverkehr: Nach mehreren tödlichen Unfällen (u. a. ein 11-jähriger Radfahrer in Wilstorf und ein Radfahrer in Billbrook) fordert die MOPO lautstark Konsequenzen für den Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer. (Quellen: NDR, MOPO)

* Klinik-Schock in den Elbvororten Völlig überraschend wurde das Aus der traditionsreichen Klinik Dr. Guth in Flottbek verkündet. Patienten und Mitarbeiter stehen vor dem Nichts. (Quelle: Hamburger Abendblatt)

* Ankerkraut kehrt zurück Wirtschafts-News mit Geschmack: Die Gründer von Ankerkraut holen sich ihre Anteile zurück. Ein Signal für das Hamburger Startup-Ökosystem. (Quelle: Hamburger Tagesjournal)

Hamburg Termine: Was heute und nächste Woche ansteht

Heute, Sonntag, 19. April 2026

* Lauf gegen Rechts: In der Metropolregion (Hafen Boizenburg) setzen Läufer ein Zeichen für die Demokratie. Später folgen dann die Hamburger mit dem Lauf linksrum um die Alster – die Meldelisten sind noch offen.

* Frühlingsgefühle: Das Jazz- und Pop-Konzert der Choricals in der Friedenskirche Eilbek (18:00 Uhr).

Nächste Woche (20. – 26. April 2026)

* Montag, 20. April: Offizieller Start der Briefwahl für das Olympia-Referendum. Behaltet eure Briefkästen im Auge!

* Freitag, 24. April: Critical Mass Hamburg. Die monatliche Radtour für eine bessere Infrastruktur startet um 19:00 Uhr (Ort wird kurzfristig bekannt gegeben).

* Samstag, 25. April: Konzert-Highlight auf der Reeperbahn: Die Metal-Legenden Kreator spielen im Docks.

* Sonntag, 26. April: Haspa Marathon Hamburg. Das sportliche Großereignis! Über 30.000 Läufer werden erwartet. Die Innenstadt wird zur weiträumigen Sperrzone – plant eure Wege also gut!

Meine Quellen

* Hamburger Abendblatt: Fokus auf Klinikschließung und Olympia-Debatte.

* MOPO: Mahnende Berichterstattung zu den schweren Verkehrsunfällen.

* ZEIT Hamburg: Vertiefung des juristischen Konflikts Fernandes/Ulmen.

* NDR: Aktuelle Polizeimeldungen und Vorbereitung auf den Marathon.

* Hamburger Tagesjournal: Wirtschaftsthemen (Ankerkraut) und politische Analyse zum Referendum.

Hinweis: der Nachrichtenüberblick ist teilweise von einer KI zusammengestellt, also mit Vorsicht zu betrachten; Fehler sind möglich.

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Lost Focus – Hamburg debattiert am Thema vorbei

Moin Hamburg,

(in eigener Sache: heute erscheint dein Hamburg Logbuch bereits am Sonnabend. Ein kleiner Test – lesen und hören kannst Du es natürlich auch erst am gewohnten Sonntag)

Der April meinte es gut mit Hamburg diese Woche. Regenschauer passierten die Stadt in der Nacht, die ungemütlich kalt werden konnte, während am Tag die Sonne schien. So kann das weitergehen …

Als Nachtrag zu letzten Letter: ich schreibe die Dinge, die ich verpasst habe, wie bspw. die Reise zum Osterfeuer in Blankenese in meinen Blog – schau da also auch gerne vorbei …

wir befinden uns auf der Zielgeraden der Osterferien – meidet also wenn es geht den Elbtunnel. Wenn ihr unterwegs wart, habe ich eine beruhigende Nachricht: bestimmte Themen bleiben der Stadt erhalten – allerdings verschiebt sich der Fokus bedenklich.

Ich muss gestehen, ich kann das Thema “Olympiabewerbung” langsam nicht mehr hören. Alle Argumente sind ausgetauscht, das Thema nervt. Am Ende müssen wir Hamburgerinnen entscheiden, ob wir dem Senat glauben (und zutrauen), dass er sich diesmal nicht heillos verkalkuliert?

Inzwischen driftet die ausgelutschte Diskussion ins Surreale ab – ein Merkmal unserer Zeit. Der Senat verspricht, dass die Sicherheitskosten im Rahmen bleiben, ausgerechnet, weil man auf Trumpsche Roboterpolizeihunde setzt, die durch die Straßen Altonas und Barmbeks streifen, um für Ordnung zu sorgen. Dass dieses Szenario für die Stadt, die Olafs (es gab keine Polizeigewalt) G20 überlebt hat, eher als Drohung als Beruhigung aufgefasst wird, kommt Andy Grote nicht eine Sekunde in den Sinn.

Nu entdeckt die AfD Fraktion auch noch das Thema Nachhaltigkeit für sich. Das ist alles so albern, dass wir bitte jetzt abstimmen, ja? Bevor die FDP noch einen Mindestlohn für Robocops fordert.

Im juristischen Streit um digitale Gewalt gegen Collien Fernandes verschiebt sich der Fokus diese Woche auf das Verhältnis von Verteidigung und Medien. Im Fokus steht der Spiegel, der das Thema ins Rollen brachte. Die Anwälte Ulmens wollen per Einstweiliger Verfügung der in ihren Augen vorverurteilenden Verdachtsberichterstattung engere Grenzen setzen. Die Hamburger Gerichte sind in der Vergangenheit nicht als Hüter der Pressefreiheit aufgefallen – eher als Hüter der Individualrechte. Zugegeben, eine spannende Randnotiz, aber der Fokus sollte eher auf dem Thema Gewalt gegen Frauen liegen, meiner bescheidenen Meinung nach.

Ring2 * das Hamburg Logbuch ist eine Leserinnen-supportete Publikation. Bei Gefallen, wird doch gerne einen Heiermann in meine Kaffekasse.

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Und was macht der. … HSV?

Der HSV hat sich einen komfortablen Abstand (sechs Punkte) zum Relegationsplatz erarbeitet und kann das Auswärtsspiel in Stuttgart entspannt angehen. Bei einer kleinen Sensation ist man so gute wie gerettet, bei der erwarteten Niederlage nicht aus dem Rennen. Das entspannt.

und der FC St. Pauli?

Am Millerntor empfängt man die Freunde aus München (was ich immer noch ein bisschen lustig finde, dass ausgerechnet Hoeneß’ Ultras sich so gut mit den Kiezultras verstehen) – und hofft, dass den Millionarios der Fokus verrutscht und sie schon in der nächsten Woche weilen, mental. Trainer Blessin hat auch dieses Spiel als “Endspiel” ausgerufen, was sich ein wenig albern anfühlt. Ist eher ein Bonus – und wegen der vier Punkte auf Wolfsburg sogar folgenlos, sollte man wie erwartet verlieren. Andererseits: gegen Bayern gibts alle Jubeljahre mal ein Kultspiel auf dem Kiez – warum nicht heute?

Hamburg ist nicht … London

Während sich Hamburger Anwälte bemühen, Verfahren wegen digitaler Gewalt nach Deutschland zu holen, vermeintlich, weil die Verteidigung hier leichter fällt, macht London gegen eben diese mobil. Wenn es nach den Plänen der Regierung geht, können sich auch die Anbieter von Plattformen bald als – in Deutschland hat man den schönen Begriff – Mitstörer auf der Anklagebank wiederfinden. Ob es Herrn Zuckerberg juckt, dann nicht mehr nach England zu dürfen, war zum Redkationsschluss nicht bekannt.

Eine fokussierte neue Woche wünscht euch euer Host,Erik

PS ich fühle mich diese Woche ein wenig gehauntet, dieselben Themen in anderem Gewand. Der Wal ist immer noch gestrandet, fast tot. Dafür ist der Wolf wieder frei und das auch wieder dort, wo seine Reise begann – im Hamburger Umland.

Die Bahn braucht keine Streiks mehr, um nicht zu fahren (Donnerstag nachts ging in Richtung Pinneberg, Elmshorn nix mehr)

Die Top-Hamburg-Meldungen (KW 15) im Überblick

* Der Fall Fernandes vs. Ulmen: Juristisches Tauziehen. Nach den schweren Vorwürfen von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (Thema: Deepfakes) hat dieser nun beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den Spiegel beantragt. Der Vorwurf: Verletzung der Persönlichkeitsrechte durch die Berichterstattung.

„Es geht um die Frage, wo die Grenze zwischen investigativer Recherche und Vorverurteilung in der digitalen Ära verläuft.“ (Quellen: Zeit Hamburg, Hamburger Tagesjournal, Abendblatt)

* Olympia-Zoff im Rathaus. Die Pläne für eine Hamburger Bewerbung für 2036/2040 spalten die Politik. Die AfD kritisiert den Senat für mangelnde Nachhaltigkeit (was sich lustig liest, ist diese Fraktion bisher nicht als Umweltpartei aufgefalllen), während die CDU mehr Tempo fordert. Der Streit um die „Klimaneutralität“ der Spiele wird zum Zünglein an der Waage. (Quellen: NDR, Hamburger Tagesjournal)

* Revolution im HVV? Entkriminalisierung des Schwarzfahrens. Hamburg diskutiert aktuell den Vorschlag von Bundesjustizministerin Hubig, „Fahren ohne Fahrschein“ nicht mehr als Straftat, sondern nur noch als Ordnungswidrigkeit zu behandeln. Die Meinungen in der Hansestadt gehen weit auseinander – beim NDR gab es eine Umfrage, und ich verstehe nicht, wieso 50% der Leute ihr armen Mitbürger weiter einknasten wollen. (Quelle: Hinz&Kunzt, MOPO)

* Staatsoper zieht ins Zelt. Kultur-News für die Zukunft: Wegen Sanierungsarbeiten am Orchestergraben wird die Staatsoper in der Saison 2026/27 zeitweise in ein Zirkuszelt („Die Kuppel“) umziehen. (Quelle: NDR, Musik Heute)

Termine: Heute & Nächste Woche

Heute (Sonntag, 12. April 2026)

* Buchdruckmesse (Museum der Arbeit, Barmbek): Start der 21. Auflage. Wer Haptik liebt, ist hier richtig.

Nächste Woche (12. – 19. April 2026)

* 14. – 19. April: Dokumentarfilmwochen Hamburg. Spannende Einblicke in globale Krisen und lokale Helden in diversen Kinos.

* 17. April (Freitag): Pothead im Bahnhof Pauli. Riffrock für alle, die das Wochenende laut einläuten wollen.

* 18. April (Samstag): Lange Nacht der Museen. Über 50 Museen öffnen bis spät in die Nacht ihre Türen. Shuttle-Busse und Barkassen inklusive!

* 18. April (Samstag): Pop Girly Night im Übel & Gefährlich. Chappell Roan und Sabrina Carpenter Vibes im Bunker.

* 18. April (Samstag): Howard Carpendale (Abschiedstour) in der Barclays Arena. Der „Howie“-Wahnsinn für die Schlager-Fraktion.

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Tiere, Feuer, Sensationen

Das Thema dieser Woche war tierisch. Nachdem Hamburg mit dem gestrandeten Wal vor Timmendorf mitfieberte – der inzwischen „unspektakulär“ vor Poel liegt; ob im Sterben oder sich erholend, ist unklar – besuchte unsere Stadt ein weiteres Wildtier und sorgte für Aufregung sowie Jagdszenen. Zurück blieben ein völlig erschöpftes Tier und eine schwer verletzte Altonaerin.

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Wo der überall entlanggewandert ist! Von Rissen kommend über die S1-Strecke nach Altona. Vorbei an der Kiezlegenden-Kneipe in Othmarschen bis in meinen Stadtteil. B. sagte am Abend: „Krass. In der Passage war ich ein paar Stunden vorher auch.“

Der Wolf kam uns nah, ohne dass die meisten von uns ihn gesehen haben. Inzwischen ist das jugendliche Raubtier nach Niedersachsen verbracht worden. Was aus seinem Opfer wurde? Darüber wird nicht weiter berichtet. (Passt irgendwie ins mediale Schema.)

Osterfeuer in Blankenese

Die Osterfeuer in Blankenese werden, wenn ihr diesen Letter lest, schon abgebrannt sein; letzter Feinstaub wabert vielleicht noch durch das enge Treppenviertel. Bei böigem Westwind hat die ganze Stadt etwas davon – hoffentlich habe ich die Fenster zugemacht. Meine Familie trifft sich am Sonnabend vor Ostern am Viereck-Feuer, einem der vier Feuer in Blankenese und Dockenhuden.

Seit Tagen haben die Bewohner des Geesthangs unter dem Süllberg Holz, Paletten und Weihnachtsbaumgerippe gesammelt und aufgetürmt. Es wurde bewacht, mit Bier begossen (auch mit dem, was nach der Digustation entweicht) und das eigentliche Fest schon einen Tag vor dem Einfall von 100.000 Touristen gefeiert. Vor dem Feuer ist das eigentliche Fest in Blankenese.

Das Viereck Osterfeuer in Blankenese vor ein paar Jahren, Foto: Philip Hauth

Am besten ohne Auto in Hamburg

Wer nicht muss, der fährt nicht mit dem Auto – weder zum Osterfeuer nach Blankenese (keine Parkplätze) noch zu Oma nach Bergedorf (weil die Spritpreise auch einmal am Tag erhöht, zu hoch sind). Dafür ist – danke, Donald – das Benzin einfach zu teuer. 2,22 Euro „schnapszahlt“ der Durchschnittspreis am 4. April. In der Spitze waren es über 2,40 Euro. Allerdings ist die Alternative, das Fahrrad oder der ÖPNV, oft keine. Okay, wir hatten diese Woche keinen Streik, allerdings flickt die Bahn dauernd an überalteter Infrastruktur herum, sodass Bahnfahren in Hamburg immer weniger Spaß macht. Gibt es eigentlich einen ÖPNV-Index für unsere Stadt? Wie hoch ist der Zugewinn an Umweltschutz, Geschwindigkeit (gegenüber Staustehern bspw.), Monetärem oder Bequemlichkeit, wenn ich das Auto stehen lasse? Das würde mich interessieren. (Ja, ich bin Verfechter des 9-Euro-Tickets – am besten sollte der öffentliche Nahverkehr sogar kostenlos sein.)

Für Fahrradfreundlichkeit gibt es ihn: den Copenhagenize Index. Was haben Städte wie Bonn, Utrecht oder Münster Hamburg voraus? Nachdem Hamburg schon 2019 nur Platz 20 einnahm (Tendenz sinkend) – zu langsam und willenlos erschien der Fortschritt zur Fahrradstadt –, flog die Hansestadt in diesem Jahr sogar komplett aus der Betrachtung. Und das in einer Stadt, in der die Grünen seit Jahrzehnten mitregieren.

Schlimm.

Ich habe das Gefühl, wir müssen uns die lebenswerte Stadt immer mehr gegen den Senat erkämpfen. Das gilt für den Verkehrskollaps wie für die fossile Liebe der Stadtkämmerer zu Schiffsdiesel und Kreuzfahrtschiffen – ja, AIDA timet sein Auslaufen nicht nur nach der Flut, sondern auch nach dem Anzünden der Osterfeuer. Fehlt nicht mehr viel, und die Stadt gibt auch das noch vor. (Von Olympia fange ich diese Woche gar nicht erst an. 😉

Gute Nachrichten gab es auch

Die ausgebüxte junge Frau aus Bergedorf ist von allein (und trotz Öffentlichkeitsfahndung) ohne Polizeieskorte am Karfreitag nach Hause zurückgekehrt. Ob sie Stubenarrest hat und nicht zum Osterfeuer darf, ist nicht bekannt. Die Schilleroper in St. Pauli, von der nur noch das rostende Gerippe steht, muss erhalten werden. Das hat – mal wieder – ein Gericht geurteilt. Passieren tut trotzdem seit Jahrzehnten nichts. Wenn es ein kleines widerständiges Symbol für Spekulantengier in unserer Stadt gibt, dann dieses.

Und was macht … der HSV? Der HSV spielt wieder Fußball und startet den Saisonendspurt mit einem Heimspiel gegen Augsburg. Ist Vuskovic, Hamburgs 80-Millionen-Mann, in Torlaune? Hat Ransford Energie tanken können gegen Deutschland? Alles ist angerichtet für ein Fußballfest gegen die formschwachen Fuggerer.

Und der FC St. Pauli? Die Boys in Brown besuchen ihre vermeintlichen Blutsbrüder in Berlin-Köpenick. Wieder startet verletzungsbedingt eine Notdefensive. Viel kann man also nicht erwarten im sechsten Endspiel der 2. Bundesliga-Saison – und vielleicht geht gerade deswegen was?

Hamburg ist nicht … Jamaika

Der Irrsinn der Woche kommt aus Kifferkreisen. Der NDR berichtet über eine Behördenposse, nachdem ein Cannabis-Anbauklub in Wilhelmsburg für ein Industriegebiet „zu leise und zu abgasarm produziert“. Deswegen wurde eine Betriebsgenehmigung nicht erteilt. Vielleicht sollten die Klubs daraus eine Tradition und Touristenattraktion machen – die werden in HH immer hofiert und geduldet. Lärm und Gestank sind da egal.

Wenn dir die Sterne nicht auf den Geist gehen …

Die Hamburger Schule hat mein Erwachsenwerden begleitet. Jetzt, nach 30 Jahren vergessen oder kurze „Ach ja“-Momente auf Geburtstagen, tingeln einige Vertreter dieser zwischen Kommerz und Subkultur verfassten Musikrichtung wieder durch die Gegend. Am Ostersonntag (also heute Abend!) spielen „Die Sterne“ im Übel & Gefährlich. Sogar der Eintritt ist mit gut 30 EUR einigermaßen angenehm für ein Revival.

… und wie wird das Wetter, Seemann?

Zunächst regiert weiter der Westwind. Teilweise böig. Gut ist an dieser Wetterlage, dass auch Schauer schnell weiterziehen. Mitte der Woche dreht der Wind auf Südost; es wird heiter bis wolkig, alles in allem „aprillig“. Die Temperaturen bleiben zweistellig. Immerhin.

Feiert ein frohes Ostern. Jetzt geht’s bergauf – allem Wahnsinn zum Trotz. Euer Erik

PS: Während wir Wölfe jagen und in Feuer starren, streiten sich Peterle Tschentscher und das CDU-Plößchen (Ploß) in Berlin weiter darüber, wer den Hamburger Hafen am liebsten hat. Das tun sie trotz der vielen Themen, die man in HH wirksam angehen könnte. Werdet mal erwachsen, ihr beiden!

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(B)Logbuch

Osterfeuer und der HSV

Eigentlich schade. Da ich meinen Hamburg Newsletter 》Ring2, das Hamburg Logbuch 《 früh am Sonntag morgen verschicke, habe ich quasi einen selbstverschuldeten Redaktionsschluss, denn: Emails kann man nicht updaten, auch bei Podcasts ist das eher unüblich.

Dabei passiert zwischen Fertigstellung am Sonnabend Mittag und dem Lesen am Sonntag noch ne Menge, manchmal lustiges, manchmal ärgerliches … so wie gestern.

„Stau im Tunnel, HSV“

Auf dem Weg nach Blankenese fuhren wir an mehreren S-Bahn Stationen vorbei, wo Bahnsherriffs die Massen HSV-Fans versuchten, einigermaßen geordnet in unseren Waggon zu verfrachten.

Da waren nette dabei, wie der neben mir Platznehmende, aber auch Leute, die mir den HSV immer wieder vergällen. Saufende Schreihälse, denen nix anderes einfällt, als mit sich überschlagender Stimme St. Pauli zur Hölle zu schicken.

Der Zug fuhr — vollgepackt mit Fußballfans — statt nach Altona, nach Holstenstraße: es sei Stau im Tunnel, meldete der Zugführer.

Sofort krakeelte der Besoffki: „STAU IM TUNNEL, HSV, STAU IM TUNNEL, SCHEISS ST PAULI“.

Diese Episode hätte es eigentlich in meinen Letter geschafft. Schade.

Unsere Bahnfahrt nach Blankenese war übrigens in Klein-Flottbek zuende. Stromschaden in Blankenese. Nix fuhr mehr. Hunderte feierwütige Hamburger drehten missmutig um oder schulterten ihre Biervorräte für einen längeren Fußmarsch an den Blankeneser Strandweg.

OSTERFEUER

In Blankenese angekommen, verdrängte das entspannte Osterfeuer die Strapazen der Anreise völlig. Es war nicht überfüllt wie befürchtet, nee, eher so wie früher, als weniger Touris und mehr Einheimische den Frühling begrüßten.

Toll war das. Und ein wenig schade, dass das nicht im Letter steht. Egal, nu steht es ja hier …