Altonale, Triennale und eine neue Brücke, die wie die alte aussehen soll.
Das Logbuch zur KW 24 in der schönsten Stadt: Altona 😉
Moin. „Was für ein wundervolles Herbstwochenende“, lese ich in meinem Social-Media-Stream und muss lachen. Ja, es ist Juni, und der Westwind schiebt einen Schauer nach dem anderen über die schönste Stadt. Die Kieler hatten vor ein paar Jahren fast aufgegeben und wollten ihre Kieler Woche in den Juli verlegen — wegen des norddeutschen Junis. Ob das in Altona auch mal diskutiert wurde, weiß ich nicht. Was ich weiß: Im Juni ist der Hamburger Sommer vorbei. Der ist nämlich regelmäßig im Mai, sodass man kurz naiv denkt: Wow, wenn das so weitergeht — nur kurze Hosen, bis in den November. Und dann kommt, was kommen muss: das Juniwetter.
Also: Schirm einpacken, wenn ihr auf die Altonale geht. Stundenweise kleine schwüle Zwischenhochs, dann Gewitter bei böigem bis stürmischem Westwind. Zeltstangen ungeeignet — bitte was drunterlegen. Das hat Tradition, genau wie das stoische Ignorieren des Wetters. Man träumt sich zu Reggae und portugiesischen Bratwürstchen weg und feiert den buntesten Stadtteil der Stadt. (Ich wollte eben „Bratwurstrauch“ schreiben, las „Bratwurststrauch“ und habe jetzt das Bild eines Wurstbaums im Kopf. Liebe Grüße an Willi.)
Man stolpert bei mir um die Ecke gerade über frisch verlegte Festivalkabel — während der Hafen sich eine neue Brücke ausmalt, die teurer ist als so mancher Stadtteil. Da könnte man auf die Idee kommen: Wenn das Geld für so eine Brücke da ist, müsste doch eigentlich auch was für die Altonale drin sein. Hm. Aber der Reihe nach.
Die Brücke, die wie sie selbst aussehen will
Mittwoch im Rathaus, große Geste: Der Siegerentwurf für die neue Köhlbrandbrücke wurde vorgestellt. Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard, Oberbaudirektor Franz-Josef Höing und HPA-Chef Jens Meier präsentierten eine Nachfolgerin, die höher, länger, größer, breiter, tiefer, schneller wird — und trotzdem aussehen soll wie die alte. Rund 73 Meter Durchfahrtshöhe, gut zwanzig mehr als bisher, damit auch die ganz großen Pötte durch den Köhlbrand kommen. Knapp fünf Kilometer lang, weil die Rampen für die neue Höhe ausladender werden müssen.
Ingenieurin Maren Wolff nannte den Entwurf eine „Hommage an die alte Brücke“. Heißt: Wir bauen das Wahrzeichen noch mal, nur in groß. Preisschild derzeit 5,3 Milliarden Euro, die Hälfte der Netto-Baukosten übernimmt der Bund. Die alte Dame aus den Siebzigern muss noch rund vierzehn Jahre durchhalten — mit Rente ist nicht, abgerissen wird erst, wenn die neue steht. Die ersten Autos und Lkw sollen Ende der 2030er drüberrollen, früher als die ursprünglich genannten 2042. In Hamburg ist das Turbo — und wäre Olaf Scholz noch Bürgermeister, er würde wohl vom Hamburg-Tempo schwärmen.
Kurzes Vergnügen: der Zug nach Amsterdam ist schon wieder weg
Apropos Tempo. Manche Dinge in dieser Stadt halten vierzehn Jahre, andere keine drei Monate. Der niederländische Anbieter Govolta hat die Direktverbindung Hamburg–Amsterdam wieder eingestellt — gestartet im März, Ende Mai war Schluss. Neuausrichtung, heißt es: Die Züge fahren künftig Amsterdam–Paris und Amsterdam–Berlin. Hamburg ist aus Amsterdamer Sicht wohl keine Weltmetropole mehr. Wer von hier in die Grachtenstadt will, nimmt wieder den ICE mit Umstieg in Osnabrück oder Duisburg, fünfeinhalb bis sechs Stunden. Immerhin: Die Strecke Hamburg–Berlin wird ab 1. Juli auf sechs Fahrten pro Woche ausgeweitet, im Winter sogar sieben. Ein Trost mit Fahrplan.
Altona feiert sich selbst — und kämpft ums Überleben
Seit Freitag ist meine Ecke wieder Festivalgebiet: Die altonale, das Festival der kulturellen Vielfalt, läuft bis zum 21. Juni. Musik, Film, Theater, Kunst, Tanz, Literatur und Straßenkunst, das meiste kostenlos und nach dem schönsten aller Prinzipien — „pay what you want“, zahl, was du kannst. Herzkammer ist der Platz der Republik, ein paar Schritte vom Bahnhof Altona.
Heute, am Sonntag ab 18 Uhr, wird auf der Christianswiese beim Kulturfutter gekocht — aus geretteten Lebensmitteln, von Ehrenamtlichen und Profis, an langen Tischen, für alle. Nächstes Wochenende kommt mit STAMP (19. bis 21. Juni) das internationale Festival der Straßenkünste, dazu Flohmarkt und Kunstmarkt am 20. und 21. Da soll es übrigens warm werden — heiß sogar, und nach der Schwüle wahrscheinlich ein paar Gewitter.
Und doch liegt ein Schatten über der Sause: Der altonale fehlt Geld. Gestiegene Kosten, weniger Sponsoren, aus Sicht der Veranstaltenden zu wenig Förderung der Stadt. Dass es 2026 überhaupt läuft, ist einer Spendenkampagne zu verdanken — die übrigens noch läuft, den Link habe ich in den Artikel gepackt. Ob es nächstes Jahr eine altonale gibt, ist offen. Man tanzt also auf der Wiese vor der Christianskirche und weiß nicht, ob man nächsten Sommer wieder eingeladen ist. Sehr Altona, das. Sehr Hamburg, würde ich sagen.
Die campy Ecke: ein Schwamm namens Bobo
Bei Kampnagel lief von Donnerstag bis Samstag das Live Art Festival unter dem Motto „Hitze.Heat“ — ein begehbarer Parcours über das ganze Gelände, fünf internationale Positionen zwischen Klimakrise, Macht und Performance. Der schillerndste Beitrag: Das Kollektiv God’s Entertainment baute mit „it’s getting hot in bikini bottom“ eine begehbare, surreale Unterwasserwelt. In acht Episoden rund um „SpongeBobo Šwammgods“ (ich hoffe, ich spreche das richtig aus) trifft Popkultur auf Ökokollaps. Auf einem Foto sitzt jemand im Fischkostüm in einer blau beleuchteten Badewanne — und ehrlich: schöner kann man die Klimakatastrophe kaum durchdeklinieren. Camp als Ernstfall, Glitzer mit Haltung. Nebenbei war es das letzte Festival vor der geplanten Kampnagel-Sanierung ab September.
Hamburgs erste Tanztriennale
Heute ist Übergangstag im Kulturkalender. Während die 9. Triennale der Photographie ausklingt, eröffnet am 14. Juni erstmals die Tanztriennale Hamburg — eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, künstlerische Leitung Gwen Hsin-Yi Chang und Monica Gillette, Leitmotiv „Brave Moves. Courageous Joy“. Und das ist in diesen Zeiten auch nötig. Auftakt ist eine City-Parade durch Barmbek-Nord, vom Museum der Arbeit bis zur Abschlussperformance im Stadtpark. Tanzschulen, Stadtteilinitiativen, die Hiphop Academy, die Lola-Rogge-Schule — und ausdrücklich auch alle, die einfach mittanzen wollen. Bis zum 21. Juni Aufführungen, Audiowalks und offene Tanzklassen über die ganze Stadt verteilt.
Von der Elbinsel und vom Rest der Woche
Auf den Elbinseln lief das 48h Wilhelmsburg, 17. Ausgabe, von Freitag bis heute: 196 Bands und Acts an 60 Orten, dort, wo Menschen wohnen, essen, arbeiten. In diesem Jahr mit Nachhaltigkeitsfokus — Anreise am liebsten per Rad oder zu Fuß durch den alten Elbtunnel. Dezentral, leise organisiert, riesig im Effekt.
Sportlich gab’s Grund zur Freude für alle, die den Jungen aus Hamburg noch vom Rothenbaum kennen: Alexander Zverev hat nach elf Jahren endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt — und zwar in Paris, wenn ich das richtig verstanden habe.
Ausblick: die kommende Woche (14.–21. Juni)
(Kleine Selbstkritik vorweg: Ein paar Dinge standen letzte Woche nicht im Ausblick und sind jetzt schon vorbei. Da bessere ich mich noch.)
- Heute, Sonntag, 14. Juni: Eröffnung der Tanztriennale mit City-Parade durch Barmbek-Nord (Museum der Arbeit → Stadtpark). Und ab heute ist die Bahnstrecke Hamburg–Berlin nach der Sperrung wieder frei — gute Nachrichten für alle Pendlerinnen Richtung Hauptstadt, pünktlich zur Sommerpause im Bundestag.
- Die ganze Woche: altonale in Altona und Tanztriennale stadtweit laufen parallel. Doppelte Kulturdosis, vieles davon kostenlos oder gegen Spende.
- Freitag bis Sonntag, 19.–21. Juni: STAMP, das Straßenkunst-Festival der altonale, verwandelt ganz Altona in eine Bühne. Dazu Flohmarkt und Kunstmarkt am 20./21. rund um den Platz der Republik. Kurze Hose, T-Shirt und Regencape — Gewittergefahr.
- Sonntag, 21. Juni: Hamburger Fahrradsternfahrt — Großdemo für bessere Radwege. Auf der grünen Route ist wieder eine Fahrt über die Köhlbrandbrücke geplant, die man im Alltag ja nicht beradeln darf. Einmal noch drüber, bevor sie zum Auslaufmodell wird.
- Am Horizont: Ab 22. Juni starten in Ottensen die Bauarbeiten an der „Westschleife“ im Projekt freiRaum. Zum 30. Juni legt die Stadt die erste Schätzbilanz zum Klimaschutzgesetz vor — die erste Härteprüfung nach dem erfolgreichen Zukunftsentscheid. Und ab 1. Juli fährt Govolta öfter nach Berlin.
Halt dich fuchtig und geh raus — trotz Schauerwetter, es lohnt sich.
Liebe Grüße aus Altona, dein Erik
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Quellen
Diese Woche viel über: FINK.HAMBURG, stadtkultur-hh.de, heuteinhamburg.de, altonale.de, hamburg.de, hamburg-pride.de, climate-data.org.
- Kostenlos Kultur! Die Altonale startet — FINK.HAMBURG, 9.6.2026
- So soll die neue Köhlbrandbrücke aussehen — FINK.HAMBURG, 12.6.2026
- Govolta: Direktzug Hamburg–Amsterdam eingestellt — FINK.HAMBURG, 9.6.2026
- Kampnagel startet Live Art Festival — FINK.HAMBURG, 10.6.2026
- Erste Tanztriennale in Hamburg — FINK.HAMBURG, 12.6.2026
- Bahnstrecke Hamburg–Berlin ab 14. Juni wieder frei — FINK.HAMBURG
- Save-the-Date: 48h Wilhelmsburg vom 12. bis 14. Juni 2026 — stadtkultur-hh.de
- Termin der altonale 2026 — altonale.de
- Großevents und Veranstaltungen in Hamburg 2026 — heuteinhamburg.de
- Volksentscheid „Hamburger Zukunftsentscheid“ — hamburg.de
- Hamburg Pride 2026 — hamburg-pride.de
- Wetter Hamburg Juni 2026 — climate-data.org

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