Mein 2. Wohnzimmer.
Man zieht irgendwo hin, richtet sich ein, hat ein Dach über dem Kopf, einen Herd, schließt seine Delonghi Kaffeemaschine an und hat ein Bett zu beziehen. Das ist das erste Wohnzimmer – der eigene Unterschlupf. Aber seien wir ehrlich: Das reicht doch nicht.
Mir passiert es fast von ganz alleine: Ich komme irgendwo neu an, schlendere durch die neue Hood und beinahe magisch, zeigt sich dir ganz beiläufig eine Art zweites Wohnzimmer. Ein Ort, an dem man sich über die Zeit öfter rumtreibt (als in der Bar gegenüber), wo man dich irgendwann kennt, dich mit Namen anspricht und wo du dich am Ende mindestens genauso wohlfühlst wie in den eigenen vier Wänden. Wenn nicht manchmal sogar noch ein bisschen wohler.
Bei mir in Ottensen war das ziemlich schnell das *Ribatejo*, eine portugiesische Bodega gleich die Bahrenfelder Straße runter. (Die genaue Geschichte dazu gibt es dann im Haupttext.) Aber als ich gestern so darüber nachdachte, fiel mir auf: Das ist längst nicht das einzige zweite Wohnzimmer.
Da ist zum Beispiel auch dieser kleine Laden im Heimathafen meines Segelbootes. Direkt an der Mole, schön im skandinavischen Stil. Hieß früher *Alexy*, heißt heute *Lönneberga* – und ist nach einem Tag auf dem Wasser genau so ein Ort.
Und dann gibt es da natürlich – fußballtechnisch – das eine, unvermeidliche Zuhause: Das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli. Wobei das noch mal ganz andere Qualitäten hat als eine gemütliche Bodega; das ist eher ein Wohnzimmer für die Seele und das politisch kulturelle Kollektiv.
Das Spannendste an der Sache ist aber vielleicht, dass solche Orte nicht nur durch Gemäuer und Tresen entstehen, sondern vor allem durch die Menschen, die da sind.
Gestern Abend im *Mojo Club* war so ein Moment. Normalerweise würde ich das Mojo nicht direkt als mein zweites Wohnzimmer bezeichnen. Aber einmal im Jahr kommt die *Stone Foundation* rüber aus UK. Eine fantastische Achter-Kombo – acht Musiker auf der Bühne (inklusive Sänger, der ja nun mal auch Musiker ist) – und die spielen diesen unglaublich tollen Rhythm & Blues, UK-Pop im feinsten Mod-Style.
Und genau in dem Moment, wo die Leute da sind, die man mag, denen man zuhören will und mit denen man durch den Abend groovt, wird selbst ein Konzertkeller unter dem Pflaster der Reeperbahn temporär zum zweiten Wohnzimmer.
Das sind die Gedanken, die mir gerade durch den Kopf gehen. Der fertige Beitrag zum neuen **Ring 2 Hamburg Logbuch** kommt im Laufe der Woche.
Bis dahin: Macht es euch irgendwo gemütlich. Wo ist Dein 2. Wohnzimmer?
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