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Flüchtige Ewigkeit

Heute gab es kein Morgenrot; der Himmel sandte keinen Hinweis gen Erde, dass er sich um was schert. Mit feuchten, grauen Fingern griffen mies gelaunte Wolken nach allem Lebendigen, saugten alle Energie aus mir heraus.

Ich betrat die Bodega gerade in dem Moment, als Du die Spülmaschine einräumtest, stoisch ruhig und mir abgewandt, umgeben von dieser Selbstverständlichkeit, die natürliche Schönheit ausstrahlt, mitten im Raum stehend, nicht aufdringlich aber unübersehbar.

In den Sekunden, die Du benötigst, Dich umzudrehen und mich mit Deinem offenen Blick fragend anzulachen, habe ich einen ganzen Film in mir durchgeschaut, in dem Dein blonder Zopf eine Hauptrolle spielt. Ich lächele schief und bestelle mir einen Café Solo.

Als Du mich nach meiner Meinung zu diesem Sauwetter fragst, legst Du den Kopf schräg  auf Deine Schulter und spielst unbewusst mit der Schleife Deiner Baristaschürze. Sekunden, die in meiner Erinnerung später zu Stunden gerinnen.

Ich trinke viel zu schnell und stelle meine leere Tasse auf den Tresen, lege ein paar Münzen dazu und nehme noch einen tiefen Blick und dieses vertraute Lachen mit auf den Weg.

Die Sonne hat Löcher in die Wolkendecke gerissen, als ich verliebt in den Moment auf die Strasse trete; einem anderen Leben entgegen.

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Freundschaft mit der Fröhlichkeit

Für Julius, zur Konfirmation.

Deine unerschütterliche Fröhlichkeit aus Kindertagen,

In den Frühling des Lebens tragen;

Auch wenn Zweifel und Wehen in Dir wühlen,

Die Seelen Deiner Nächsten zu erfühlen.

Denn mit des Anderen Glück, kommt die Heiterkeit zurück.

Wenn Dir Freundschaft zum Frohsinn gelingt, Dich nichts vom Weg abbringt.

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Urheber aller Länder, vereinigt euch!

Krieg der Verwerter

(Links und Meinungen)

Die Kampagne für und die gegen die neue EU Urheberrechtsreform, über die heute in Brüssel abgestimmt wird, betrifft nicht nur die Generation Instagram, sondern alle, die ins Internet schreiben. Auch mich.

Ich habe mich lange schwer damit getan, mich klar dagegen zu positionieren; die Materie ist einfach zu komplex für einfache Slogans.

Umso glücklicher bin ich über fundierte Meinungen in meiner Tmeline, die mir das Thema näher zisellieren, wie der Tweet-Thread von Enno Park.

Tweet lesen

Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass die EU-Politik unsere Zukunft in Technoligiesilos, wie Google, Amazon, Facebook oder Apple (kurz GAFA genannt) offenbar für eine Gaspipeline verschachert hat.

Spätestens dadurch tritt der Politikbetrieb selbst in den Fokus des Widerstands. Warum nicht Politikverdrossenheit das Problem darstellt, sondern Bürgerverdrossenheit der politischen Kaste, leitet Thomas Knüwer am Beispiel der US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez her.

Der Protest gegen die EU Urheberrechtsreform, die Ignoranz der deutschen Politik gegen ‚Fridayforfuture‘ und der Brexit befeuern die Europawahl im Mai. Es bleibt spannend, bleiben wir widerspenstig.

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Dorothy Holden: „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dieses Buch auch gefunden und gelesen wird, nachdem ich gegangen bin.“

„Sehr viele Leute haben mir geraten, ein Tagebuch zu führen. Sie sagen, dass, wenn man ein Tagebuch führt, es wahrscheinlicher ist, interessante Ereignisse zu finden, die um einen herum passieren. Also werde ich, Dorothy, dieses Tagebuch behalten.

Ich bin 12. Nächsten Monat werde ich dreizehn Jahre alt. Ich bin jetzt in meinem ersten Jahr der High School und hoffe auch den Rest dieses Jahres dort zu sein. Ich habe einen Vater, eine Mutter und einen Bruder.

Auch eine liebe Freundin, ihr Name ist Sara Louise Spear. Ich traf sie am Hampton Beach, wo unsere Familie im Sommer wohnt. Sie ist ein Schatz, und ich liebe sie wirklich.

Meine beste Freundin hier zu Hause ist jetzt Marion Hansome. Ich mag sie wirklich sehr, obwohl unsere Freundschaft jetzt etwas angespannt ist.

Ich habe so viele Bücher über andere Mädchen gelesen, die vor Jahren Tagebücher geführt haben und dann haben Mädchen dieses Jahrhunderts sie wieder gefunden. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass dieses Buch auch gefunden und gelesen wird, nachdem ich gegangen bin. Ich hoffe, dass die Leute, die es finden, es interessant finden.“

Dorothy B. Holden;
13. September 1919.

Via Sally’s Diaries (Text & Photo), Übersetzung: Blogfrei

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„Abschleppen“ – aus dem Alltag eines fiesen Trolls

„Du, Frau Schlägel, kannst Du mal bitte rüberkommen?“, frage ich meine Kollegin ein Büro weiter. „Jaaahaa, Moooment“, flötet es von nebenan.

Wie ich dieses Langziehen von Vokalen hasse. Als sie dann vor meinem Schreibtisch steht, zeige ich aus dem Fenster:

„Sag mal, kannst Du das Kennzeichen da unten lesen?“
„Jahaaaa, HH-V0-9999. – Wiesooo?“

„Nix, Danke. Machst Du die Tür zu, wenn Du rausgehst?“.

Im vierten Stock des „World Cruise and Finance Center“ hat man eine Spitzensicht auf die kleine kurze Eckstraße, die größenwahnsinnig „Lange Straße“ heisst. Hier parken die ganzen „Unmarked Paketboten“ immer, wie ich die schmierigen Subunternehmer der ehemaligen Bundespost immer nenne. Ich notiere mir dann die Kennzeichen, oder lasse sie von Frau Schlägel, also von Marion, notieren und rufe dann die Polizei.

Wenn ich Glück habe, meine Quote liegt bei grandiosen 25% (wenn meine EBITDA-Quote dieses Jahr nur auch so hoch wäre, aber das hat mir ja der Einkauf versemmelt mit diesem Panamadeal). Heute ist ein besonders schönes Exemplar an der Reihe. Übergewicht, beige-blondierte Fisselhaare unter einer HSV-Kappe. „Love the Armory“ steht auf seinem T-Shirt, was wie eine Tätowierung aussieht.

Was auch immer das heissen soll.
Weiss der Spinner bestimmt selber nicht.

Die Polizei erscheint. Hurrah, heute ist mein Glückstag: Zwei „Bulletten“. Eine blonder als die andere.

Der Mann gestikuliert. Herrlich, einer von der Sorte, die denken, sie können sich mit ihrem Charme herausreden. Sind ja Mädchen, die ihm da gegenüber stehen. Hat sich der Typ in den letzten zehn Jahren mal im Spiegel angesehen? Auf Machos, die unsere Auffahrt blockieren und dann auch noch anzüglich werden, können die Polizeimeisterinnen sicher besonders gut.

Das Telefon klingelt, meine Frau ist dran. Was wir denn nun mit dem Elternabend machen heute Abend. „Ich muss noch länger arbeiten, Schatz – ich kann nicht, rufe zurück“, wimmele ich sie ab. Als ich wieder heruntersehe auf die Straße vor meinem Gebäude, sind alle in ihre Fahrzeige gestiegen. Schade, hab ich das Schönste verpasst?

Na, das kann sie, meine saubere Ehefrau; mir den schönsten Moment des Tages versauen.

„Ach, komm, mach Dir nix draus“, denke ich mir und hefte fein säuberlich und mit einem Lächeln auf dem Gesicht meine Fotos vom heutigen Fang in den Tumblr-Blog und drehe zur Entspannung eine Runde bei welt.de , Flüchtlingsartikel kommentieren. …

 

Photo credit: gregorywass on VisualHunt / CC BY-NC-SA

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„Wir haben die schrecklichste Bombe der Weltgeschichte entdeckt.“

„Wir trafen uns heute um 11:00 Uhr. Das heißt, Stalin, Churchill und der US-Präsident. Aber ich hatte vorher eine sehr wichtige Sitzung mit Lord Mountbatten und General Marshall. Wir haben die schrecklichste Bombe der Weltgeschichte entdeckt. Es kann die Feuerzerstörung sein, die in der Euphrat-Tal-Ära nach Noah und seiner fabelhaften Arche prophezeit wurde. Jedenfalls glauben wir, dass wir den Weg gefunden haben, um einen Zerfall des Atoms herbeizuführen. Ein Experiment in der Wüste von New Mexico war ein Startschuss – um es milde auszudrücken. Dreizehn Pfund des Sprengstoffs verursachten einen Krater, sechshundert Fuß tief und zwölfhundert Fuß im Durchmesser, stießen über einen Stahlturm eine halbe Meile entfernt, und schlugen Männer zehntausend Meter entfernt nieder.“

  • Tagebuch von President Harry Truman, am 25. Juli 1945

Genau 12 Tage, bevor die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde, erläuterte der Präsident seine Diskussionen über den Einsatz der Atombombe. Der auffälligste Teil dieser Passage ist Trumans Wunsch, die Bombe nur für Militärangehörige einzusetzen – nicht für Zivilisten. Hiroshima wurde wegen seines Marinehafens und seines großen militärischen Hauptquartiers ausgewählt. Das zweite Ziel sollte ursprünglich Kyoto, die alte Hauptstadt Japans, sein, aber Truman glaubte, dass das Abwerfen der Bombe auf Tokio oder Kyoto zu übermäßigen zivilen Verlusten führen würde.

Tatsächlich wurde nach dem Krieg enthüllt, dass Kyoto von der Bombe verschont blieb, weil der Kriegsminister, General Stimson, in Kyoto Flitterwochen verbracht hatte und die Stadt besonders liebte. Wie wir wissen, war die überwiegende Mehrheit der Opfer Zivilisten, insbesondere ältere Menschen und Kinder. Truman wurde in den Tagen nach der zweiten Atombombenexplosion von Schuldgefühlen geplagt. Der damalige Handelsminister Henry Wallace schrieb, dass Truman einen Stopp für weitere Pläne zur Bombardierung Japans angeordnet habe, indem er erklärte: „Ihm gefiel die Idee nicht, wie er sagte, all diese Kinder zu töten.”

Photo credit: Costa Rica Bill on Visual Hunt / CC BY-NC

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Du hast nicht das Recht zu glauben, was du willst.

 

Haben wir das Recht zu glauben, was wir glauben wollen? Dieses vermeintliche Recht wird oft als das letzte Mittel der absichtlich Unwissenden, der Person, die durch Beweise und wachsende Meinungen in die Enge getrieben wird, behauptet: „Ich glaube, der Klimawandel ist ein Schwindel, was auch immer jemand anderes sagt, und ich habe ein Recht darauf, es zu glauben!“. Aber gibt es ein solches Recht?

Wir erkennen das Recht an, bestimmte Dinge zu erfahren. Ich habe ein Recht darauf, die Bedingungen meiner Anstellung, die Diagnose meiner Erkrankungen durch den Arzt, die Noten, die ich in der Schule erreicht habe, den Namen meines Anklägers und die Art der Anschuldigungen usw. zu erfahren. Aber Glaube ist kein Wissen.

Überzeugungen sind fakultativ: zu glauben ist anzunehmen, dass etwas wahr ist. Es wäre absurd, wie der analytische Philosoph G. E. Moore in den 1940er Jahren sagte: „Es regnet, aber ich glaube nicht, dass es regnet.“ Der Glaube strebt nach Wahrheit – aber er bringt sie nicht mit sich. Überzeugungen können falsch sein, nicht gerechtfertigt durch Beweise oder begründete Überlegungen. Sie können auch moralisch abstoßend sein. Zu den wahrscheinlichsten Anwärtern gehören: Überzeugungen, die sexistisch, rassistisch oder homophob sind; der Glaube, dass die richtige Erziehung eines Kindes „den Willen brechen“ und schwere körperliche Bestrafung erfordert; der Glaube, dass ältere Menschen routinemäßig eingeschläfert werden sollten; der Glaube, dass „ethnische Säuberung“ eine politische Lösung ist, und so weiter. Wenn wir diese moralisch falsch finden, verurteilen wir nicht nur die möglichen Handlungen, die aus solchen Überzeugungen hervorgehen, sondern auch den Inhalt des Glaubens selbst, den Akt des Glaubens und damit den Gläubigen.

Solche Urteile können implizieren, dass der Glaube ein freiwilliger Akt ist. Aber Überzeugungen sind oft eher Geisteszustände oder Einstellungen als entschlossenes Handeln. Einige Überzeugungen, wie z.B. persönliche Werte, werden nicht bewusst gewählt; sie werden von den Eltern „geerbt“ und von Gleichaltrigen „erworben“, versehentlich erworben, von Institutionen und Behörden eingeimpft oder vom Hörensagen übernommen. Aus diesem Grund halte ich es nicht immer für bedenklich, einen Glauben zu haben, sondern es ist vielmehr die Aufrechterhaltung eines solchen Glaubens, die Weigerung, ihn zu bezweifeln oder abzulehnen, die freiwillig und ethisch falsch sein kann.

Wenn der Inhalt eines Glaubens als moralisch falsch beurteilt wird, wird er auch als falsch angesehen. Der Glaube, dass eine Rasse weniger als vollständig menschlich ist, ist nicht nur ein moralisch abstoßender, rassistischer Grundsatz; er wird auch als falsche Behauptung angesehen – wenn auch nicht von den Gläubigen. Die Falschheit eines Glaubens ist eine notwendige, aber nicht ausreichende Bedingung, damit ein Glaube moralisch falsch ist; ebenso wenig ist die Hässlichkeit des Inhalts ausreichend, damit ein Glaube moralisch falsch ist. Leider gibt es in der Tat moralisch abstoßende Wahrheiten, aber es ist nicht der Glaube, der sie so macht. Ihre moralische Hässlichkeit ist eingebettet in die Welt, nicht in den Glauben an die Welt.

Wer bist du, dass du mir sagst, was ich glauben soll“, antwortet der Eiferer. Es ist eine irreführende Herausforderung: Es impliziert, dass die Bestätigung des eigenen Glaubens eine Frage der Autorität ist. Sie ignoriert die Rolle der Realität. Der Glaube hat das, was Philosophen eine „Mind to World“-Richtung der Anpassung nennen. Unsere Überzeugungen sollen die reale Welt widerspiegeln – und in diesem Punkt können die Überzeugungen verrückt werden. Es gibt unverantwortliche Überzeugungen; genauer gesagt, es gibt Überzeugungen, die auf unverantwortliche Weise erworben und beibehalten werden. Man könnte Beweise ignorieren, Klatsch, Gerüchte oder Zeugenaussagen aus zweifelhaften Quellen akzeptieren, Inkohärenz mit anderen Überzeugungen ignorieren, Wunschdenken umarmen oder eine Vorliebe für Verschwörungstheorien zeigen.

Ich will nicht auf den strengen Evidentialismus des mathematischen Philosophen William K. Clifford aus dem 19. Jahrhundert zurückgreifen, der behauptete: „Es ist falsch, immer, überall und für jedermann, irgendetwas zu glauben, wenn die Beweise nicht ausreichen“. Clifford versuchte, einen unverantwortlichen „Überglauben“ zu verhindern, bei dem Wunschdenken, blinder Glaube oder Gefühl (und nicht Beweise) den Glauben stimulieren oder rechtfertigen. Das ist zu restriktiv. In jeder komplexen Gesellschaft muss man sich auf das Zeugnis zuverlässiger Quellen, Expertenurteile und die besten verfügbaren Beweise verlassen können. Darüber hinaus, wie der Psychologe William James 1896 antwortete, müssen einige unserer wichtigsten Überzeugungen über die Welt und die menschliche Perspektive ohne die Möglichkeit ausreichender Beweise gebildet werden. Unter solchen Umständen (die manchmal eng, manchmal breiter in Jakobus‘ Schriften definiert sind), berechtigt uns der’Wille zu glauben‘ dazu, die Alternative zu wählen, die ein besseres Leben projiziert.

Bei der Erforschung der Vielfalt religiöser Erfahrungen erinnert uns James daran, dass das „Recht zu glauben“ ein Klima religiöser Toleranz schaffen kann. Jene Religionen, die sich durch erforderliche Überzeugungen (Glaubensbekenntnisse) definieren, haben Unterdrückung, Folter und unzählige Kriege gegen Ungläubige geführt, die nur mit der Anerkennung eines gegenseitigen „Rechts auf Glauben“ beendet werden können. Doch auch in diesem Zusammenhang können extrem intolerante Überzeugungen nicht toleriert werden. Rechte haben Grenzen und tragen Verantwortung.

Leider scheinen heute viele Menschen eine große Lizenz mit dem Recht zu glauben zu haben, indem sie sich über ihre Verantwortung hinwegsetzen. Die absichtliche Ignoranz und das falsche Wissen, die gemeinhin durch die Behauptung „Ich habe ein Recht auf meinen Glauben“ verteidigt werden, entsprechen nicht den Anforderungen von James. Betrachten wir diejenigen, die glauben, dass die Mondlandungen oder die Schießerei in der Sandy Hook-Schule unwirkliche, von der Regierung geschaffene Dramen waren; dass Barack Obama Muslim ist; dass die Erde flach ist; oder dass der Klimawandel ein Schwindel ist. In solchen Fällen wird das Recht zu glauben als ein negatives Recht proklamiert, d.h. seine Absicht ist es, den Dialog zu unterbinden, alle Herausforderungen abzulenken und anderen zu verbieten, sich in die eigene Glaubensverpflichtung einzumischen. Der Geist ist geschlossen, nicht offen für das Lernen. Sie mögen „wahre Gläubige“ sein, aber sie glauben nicht an die Wahrheit.

Der Glaube, wie der Wille, scheint grundlegend für die Autonomie, den ultimativen Grund der eigenen Freiheit zu sein. Aber, wie Clifford auch bemerkte: „Niemandes Glaube ist auf jeden Fall eine Privatangelegenheit, die sich nur um sich selbst kümmert“. Überzeugungen prägen Einstellungen und Motive, leiten Entscheidungen und Handlungen. Glauben und Wissen bilden sich innerhalb einer erkenntnistheoretischen Gemeinschaft, die auch ihre Wirkung hat. Es gibt eine Ethik des Glaubens, des Erwerbs, der Aufrechterhaltung und des Verzichts auf Glauben – und diese Ethik erzeugt und begrenzt unser Recht zu glauben. Wenn einige Überzeugungen falsch, moralisch abstoßend oder unverantwortlich sind, sind einige Überzeugungen auch gefährlich. Und darauf haben wir kein Recht.


Übersetzt vom Blogautor, Original von AEON, unter CC Lizenz by-na
Daniel DeNicola
ist Professor und Professor für Philosophie am Gettysburg College in Pennsylvania und Autor von „Understanding Ignorance: The Surprising Impact of What We Don’t Know (2017)“, der von der Association of American Publishers mit dem PROSE Award in Philosophy 2018 ausgezeichnet wurde.

Published in association with
The MIT Press
an Aeon Partner

Photo credit: PHOTOGRAPHY Toporowski on VisualHunt / CC BY

Aeon counter – do not remove

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(B)Logbuch

„Es ist alles gut“.

Als ich den Raum betrete, in dem Du seit drei Wochen wohnst, atmest Du einen vorletzten Zug von dieser Welt.

Eine kurze Pause folgt, die ewig erscheint; ich streichle Dir die Wange und sage das, was alle sagen, die beim Abschied zurück bleiben – ein wenig hilflos – mir fällt nichts besseres ein – also sage ich: „Es ist alles gut“.

Einmal wendest Du noch den Kopf, ein letzter Atem verlässt Dein krankes Haus. Ist es vorbei, nun? Ist es aus?

Ja.

Du regst Dich nicht mehr. Das merke ich erst nach einer Weile, als nichts weiter passiert. Deine Hand ist noch ganz heiß. Ab und an, glaube ich zu sehen, hebt sich Dein Brustkorb, doch in Wahrheit tut er das nicht.

Falls jemand fragt, es war halb zwei. Keine Ahnung, ob das wichtig ist.

Ich mache das Fenster auf, lasse frische Luft hinein und Dich hinaus.

Nach einiger Zeit kühlt Deine Hand merklich ab. Die selbstständig und so lange erzeugte Wärme verlässt Deinen Körper. Ich halte sie immer noch.

Es ist still. Beinahe. Nebenan guckt ein anderer Todgeweihter RTL2. Ich höre nur noch meinen eigenen Atem, draußen begrüßt eine Amsel lautstark den Frühling.

Ich bleibe noch eine Weile neben Dir sitzen, singe ein Matrosenlied, das schon lange in unserer Familie ankert; „… rund Kap Hoorn und wedder retour. To my Hooday“.

Es kommt lange niemand zu uns ins Zimmer. Hier herrscht keine Eile mehr, wozu auch. Du hast dich den Zwängen des Notfalls, der Zeit an sich, entzogen. Endgültig.

In Hamburg ist für heute kein weiterer Regen angesagt, es bleibt wohl trocken.

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Resonanzboden

Harmonien brauchen Resonanz. Wie Wellen, die sich an einem hellen Strand 🏝 brechen und ihr Dasein in einem charakteristischen Meeresrauschen vollenden, brechen sich die Töne unseres Wirkens, der Sound dessen, was uns widerfährt oder was wir selbst tun, an all den Kinken und Facetten unseres Lebens.

Vereinen sich zu einem einzigartigen Klang, der mit jedem Jahr voller und runder wird. 😉

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Nu auf See …

Dieses Gefühl, wenn Gischt und Regen sich vereinen und vom Sturm getrieben, wie eiskalte Nadeln in das Gesicht stechen; einem den Atem raubend nur einen Wunsch zulassen: so schnell wie möglich hinein in den sicheren, ach irgendeinen Hafen, das kenne ich auch.

“Jetzt auf See und dann kein Schiff”

Und die Hochachtung ist kaum zu beschreiben, wenn man Geschichten von Männern liest, die freiwillig den anderen Weg gehen; vom sicheren Hafen in das klamme Inferno hinaus steuern, um anderen – vielleicht irgendwann auch mir – zu Hilfe zu eilen.

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Dialoge

„Die beiden Pole eines ausgeprägt modernen Empfindens sind Nostalgie und Utopie“

„Wie wundervoll das alles im Rückblick erscheint. Wie sehr man sich wünschte, dass ein wenig von der Kühnheit, dem Optimismus, der Verachtung für den Kommerz überlebt hätte. Die beiden Pole eines ausgeprägt modernen Empfindens sind Nostalgie und Utopie.

Das vielleicht interessanteste Merkmal der Zeit, die heute als die Sechziger Jahre etikettiert wird, war die Tatsache, dass es so wenig Nostalgie gab. In diesem Sinne handelte es sich tatsächlich um einen utopischen Moment.“ (Susan Sontag)

An einem Nachmittag im Jahr 1966 begegnen sich Susan Sonntag und der Radiomann Jonathan Cott auf dem Campus von Berkeley zufällig und zum ersten Mal. 1978 treffen sie sich wieder; zu einem Interview, das legendär werden sollte. Erst in Sontags Pariser Wohnung, dann in ihrem Loft in New York.

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Nick Hornby: Warum Vinyl-Platten wichtig sind – und was Wertschätzung damit zu tun hat

Mein erstes Importalbum: Ma Simba Bele – Unknown Cases. Importiert von Rocco Records in Hamburg und liebevoll angehört – immer wieder.

Nick Hornby, elder statesman der britischen Popkultur, hat dem Magazin „Reverb“ ein Interview gegeben, in dem es um Vinyl und das Besondere daran geht.

Interessanterweise beschreibt Nick Hornby am Beispiel des – immer noch nicht ausgestorbenen – Schallplattenalbum, was an der digitalen Welt derzeit im Argen liegt und wieso analoge Produkte uns den Dingen, die wir lieben wieder näher bringen.

Why is vinyl important?
I don’t think it’s important, really.

Nick Hornby: I skip tracks all the time, I listen to things for twenty seconds before deciding whether I like them

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(B)Logbuch

„Meine Lieblingssportarten sind Forellenangeln, Wandern, Schießen, Fußball und Boxen.“

„Mein Name ist Ernest Miller Hemingway. Ich wurde am 21. Juli 1899 geboren. Meine Lieblingsautoren sind Kipling, O. Henry und Steuart Edward White. Meine Lieblingsblume ist Orchideen und Tigerlilien. Meine Lieblingssportarten sind Forellenangeln, Wandern, Schießen, Fußball und Boxen. Meine Lieblingsfächer sind Englisch, Zoologie und Chemie. Ich beabsichtige, zu reisen und zu schreiben.“

Dies ist der erste Tagebucheintrag des neunjährigen Ernest Hemingway.

Schon als Kind können wir die Züge jenes direkten und vereinfachten Schreibstils erkennen, für den Hemingway später bekannt wurde.

Erster Eintrag 1908 – vor 110 Jahren

Viele neunjährige Jungen haben Vorstellungen davon, was sie werden wollen, wenn sie groß sind, aber selten werden solche Visionen auch wahr (sonst gäbe es Tierärzte und Fußballprofis wie Sand am Meer). Im Falle von Hemingway hingegen schon, er schrieb und reiste später im Leben tatsächlich ausgiebig.

Die Unschuld des Tagebucheintrags ist weit entfernt von den Ereignissen, die sich 52 Jahre später ereigneten: nach einer langen Geschichte von Alkoholismus und psychischen Erkrankungen tötete sich Hemingway im Alter von 61 Jahren.

Ich habe meine ersten Schritte als Tagebuchschreiber als Heranwachsender getan, mit dem festen Wunsch, es Philippe Djian in Betty Blue gleich zu tun, und ein Schriftsteller mit einem geschliffenen und unverwechselbaren Stil zu werden. Das viele Biertrinken seiner Protas hat mir auch gefallen.

Bevor das Wort „Blog“ oder „Weblog“ erfunden wurde, bevor alle Welt in Timelines schrieb, vertrauten die Menschen ihre Gedanken und Erlebnisse einem Tagebuch an. Einem „Journal“, wie es damals vornehm französisch hieß.

Ich mag die Vorstellung, dieses Logbuch in diese Tradition zu stellen.

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Podcasting mit Musik: wie tauglich ist die GEMA Podcast Lizenz

Ich podcaste seit einem Vierteljahr nun regelmäßig. Das Intro des St. Pauli Podcast haben wir selbst komponiert und ansonsten die Werke anderer – wie schon beim Bloggen schmerzhaft gelernt – Stichwort Abmahnung – gemieden, wie das Weihwasser.

Dennoch: Musik und Podcast gehört irgendwie zusammen – so wie St. Pauli und Popkultur – und so kam schnell der Tag, an dem wir in unserem Podcast lizenzpflichtige Musik spielen wollten.

Wer in seinem Podcast Musik spielen will, muss Rechte einkaufen. Pauschal geht das bei der GEMA

Die Gema bietet schon seit über zehn Jahren einen speziellen Tarif für Podcaster an: Die Lizenz zur Nutzung des GEMA-Repertoires in Ihrem Podcast.

An diese Lizenz sind einige Bedingungen geknüpft, die ich im folgenden bewerten möchte… (Tim Pritlove hat die erste Version damals „angstgeladene Scheiße“ genannt, ist sie das immer noch?)

Bedingungen der Gema Podcast Lizenz:

  1. Musikstücke müssen an- und abmoderiert werden


    und zwar in der Form, dass man, wie die vielgehassten Radiomoderatoren meiner Jugend, wie Willem, in die Musikstücke hinein spricht. Ich vermute, dass damit vermieden werden soll, dass sich Hörer oder andere aus Podcasts die Musikstücke extrahieren.


    Fazit: Das ist gut machbar und passt zum Flow eines sprachegetriebenen Formates ganz gut. Fühlt sich beinahe, wie im Radio an – nennt mich Willem 😉

  2. Nur 50% des Musikstückes dürfen gespielt werden.


    Fazit: Das ist schon doof und der Ärger beginnt schon bei der Frage, „was ist denn genau die Hälfte eines Songs?“. Trotzdem, auch diese willkürliche Regel ist handlebar.

  3. Der Podcast darf nur unter zwei URLs angeboten werden.


    Fazit: Eine vollkommen unklare Regelung, die völlig außer Acht lässt, dass bspw. der MP3-Feed zwar genau eine URL ist, dieser aber bspw. bei Itunes oder Podcast.de unter anderen URLs abrufbar ist

  4. Fazit: Für kleine Podcasts, die keine signifikanten Einnahmen generieren ist das eine echte Kostenfalle. Einzige Möglichkeit: die Podcast-Folgen nach Ablauf der Lizenz um die Musik bereinigen – so habe ich das gemacht. Ist aber ein Heidenaufwand.

  5. Die einzelnen Podcast-Folgen dürfen (inkl. Musik) nur 30 Minuten lang sein.

    Fazit: Willkürlicher Humbug. Ich kaufe eine Lizenz für fünf oder bis zu 31 Songs und darf die Folgen nicht länger als 30 Minuten lang werden lassen?

Fazit: Podcasten mit Musik macht mehr Spaß, der Benefit rechtfertigt aber den Aufwand nicht, weder den zeitlichen noch den monetären. Danke GEMA 🙁

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Podcast

Podcast Learnings: (1) Die Reichweite entsteht im Long Tail

Nun ist es knapp drei Monate her, dass ich meinen ersten Podcast gestartet habe. Inzwischen sind wir bei Folge (5) und haben noch immer Lust. Während ich selbst das Podcasten also noch lerne, versuche ich so viele Erkenntnisse, wie möglich festzuhalten; Fakten, die mich erstaunen, Erfahrungen, die ich so nicht erwartet habe.

Reichweite meiner Podcasts

Obige Grafik zeigt die Reichweite der dritten Folge meines St. Pauli Podcast und soll stellvertretend für eine Erkenntnis stehen, die sich bei allen meine bisherigen Folgen so ähnlich zeigt:

Ein großer Teil der Podcast Reichweite kommt aus dem Long Tail: 43%

In der ersten Woche nach VÖ sind erwartungsgemäß die meisten Zugriffe zu verzeichnen (57%), davon 29% am ersten Tag. Allerdings ergeben die kleckerhaft erscheinenden Zugriffe seitdem, dass

  1. Podcast Folgen auch nach der Veröffentlichung immer mal wieder angehört werden
  2. Der Anteil am Long Tail, also der Zugriffe und Downloads nach der ersten Woche auf inzwischen erkleckliche 43% beträgt (Downloads & Streams)

Fazit: Podcast-Produktion für einen längeren Verwertungszeitraum scheint sich zu lohnen.

 

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Was willst Du wirklich ..? – eine Übung

Wann vergisst Du alles um Dich herum? Und falls Deine Antwort lautet „’Der Bergdoktor‘ schauen, bis ich alle Staffeln auswendig kann“ oder „meinem Goldfisch Morsesprache per Wasserblasen-Furzen beibringen“: Worum geht es Dir dabei wirklich, was ist der Kern, den Du auf eine andere Tätigkeit übertragen könntest? …

so beschreibt Blogger Tim Schlunzig eine von sieben Fragen, deren Beantwortung mich näher an das bringen sollen, was ich im Grunde meines Herzens tun möchte.

Eine interessante Lektüre – und Übung, die man sich nicht durch skeptisches Nachdenken vermiesen lassen sollte.

Ich war auf jeden Fall von der Klarheit des Ergebnisses überrascht. Als ich anfing nachzudenken, was denn der Kern dessen sei, was mich die Zeit vergessen lässt, mich in den berühmten „Flow“ bringt, erschien ein Begriff in meiner inneren Timeline – genau einer: „Geschichten erzählen“

Davon war es nur ein kleiner Weg, eine Art des inneren Zuhören, um folgende Skizze zu entwerfen:

Geschichten:

  • erzählen
  • hören
  • erfahren
  • transformieren

in

Seemannsgarn

… und lustigerweise fühle ich: das stimmt.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Winterbaum

Dein Ast ragt ins Weiß,
Ein Stamm wie ein Mast im Wind.
Still, ohne Segel.

 

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Podcast

Was ich lernte, als ich einen Podcast startete …

Ich bin seit über einem Jahrzehnt Blogger, genauer: ich schreibe seit 2002 in das Internet. In verschiedenen Formen und zu verschieden Themen. Vor gut zehn Jahren sind soziale Netzwerke dazu gekommen, vornehmlich Twitter und Facebook. Bei Youtube bin ich einfach nicht heimisch geworden, was auch daran liegen mag, dass ich nicht besonders telegen bin.

Podcasts habe ich lange gemieden

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Do it like Puff Diddy – literalize yourself

diddy: „I did it again BREAKING NEWS!!!! MY NEW NAME IS LOVE OR BROTHER LOVE!!! Or NOTHIN!
HAPPY BIRTHDAY TO ME!!!“

Warum ich auf Facebook meinen Namen ändere

Die banale Ernsthaftigkeit mit der die meisten von uns ihr digitales Alter Ego pflegen, langweilt mich – ich langweile mich.

Ich blogge nun seit 2003 und bin seit Juli genau zehn Jahre bei Facebook. Ich habe die sozialen Medien kommen gesehen und habe mich in ihnen niedergelassen. Dabei ist mir schon früh aufgefallen, dass ziemlich schnell alles Interessante aus meinem Leben und meinem Wahrnhemen erzählt ist. Bereits 2006 habe ich mich – damals noch bezogen auf das Phänomen Blog – mit einem Grimme-Preis-bewehrten Freund darüber unterhalten, wie man der Falle der Profanität entkommen kann.

Mehr Fantasie, mehr Stil, mehr Prosa

Er sagte mir damals, „dass sich die Blogosphäre weiter literarisieren müsste. Weniger bierernste Recherche (das kriegt man als Blogger sowieso selten hin), Nachgeplapper und Befindlichkeit. Mehr Fantasie, mehr Stil, mehr Prosa.“

Als ich heute im ZEIT Magazin Online einen Text über Puff Diddy, aka Daddy, aka Brother Love las, erkannte ich einen Ausweg.

„Das Prinzip, sich auch mal einen neuen Namen zu gönnen, wenn man spürt, dass man nicht mehr derselbe ist, der man gestern noch war, überzeugt uns total.“ – Peter Dausend im ZEIT Magazin

Ich habe es Brother Love gleich getan und meinen Namen auf Facebook geändert. Ich heiße dort nun „Erik Ilih“, Ili ist hawaiianisch und heißt auf deutsch „Haut“. Das „h“ habe ich, wie bei meinem Taufnamen dran gehängt.

Warum?

Ich erhoffe mir dadurch zweierlei:

  1. Innere Freiheit: ich habe mir – privat und beruflich – einen Ruf erworben. Grundsätzlich halte ich es zwar mit meiner Großmutter, die mir oft auf Platt riet: „Mok wat de wülls, die Lüt snack doch“; trotzdem will ich doch vermeiden, dass Menschen irritiert werden durch das, was ich schreibe. Dies unter einem Pseudonym zu tun macht freier und den Absender klarer – eine Kunstfigur.
  2. Äußere Freiheit: ich pflege meine beruflichen Kontakte über XING und Linked.in. Letzteres ist Drehpunkt meiner beruflichen Postings. Dies will ich stärken. Also gerne dort vorbei schauen.

Mein Mittel der Wahl: Camp

Um mein digitales Ego zu literarisieren, wähle ich die Form des „Camp“. Susan Sontag, amerikanische Publizistin, schreibt dazu: „(Im Camp) muss eine gewisse Theatralik, Leidenschaftlichkeit und Verspieltheit sichtbar werden; Camp-Ironie ist auch überwiegend auf sentimentale und liebevolle Weise ironisch, will die erwählten Gegenstände, Personen und Kunstwerke nie nur vorführen oder der Lächerlichkeit preisgeben. Ferner entsteht gute campy Kunst eher naiv und unfreiwillig“.

Das klingt nach viel Freiheit und weniger Langeweile. So kann ich ganze Winter auf Mallorca verbringen, mit Wolle Kubicki über Weißwein streiten oder einfach theatralisches Pathos spinnen – ohne dass ihr euch allzu sehr wundern müsst. 🙂

I did it again BREAKING NEWS!!!! MY NEW NAME IS TRIK OR Tricky RIK!!! Or NOTHIN!
HAPPY BIRTHDAY TO ME!!!

 

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Gefällig 1.500 Stück gute abgelagerte Cigarren

Herrn Paul Koegel. Magdeburg !
Remscheid, 11. Mai 1869

Senden Sie mir gefl. (gefällig) wieder sobald als möglich:
1500 Stück gute abgelagerte Cigarren „Flor de Ynes“
wie erhalten á Thr (Taler) 22 pro mille (lat.: je Tausend)
500 Stück do (dito, ebenso) Rio Sella á Thr 18 ײ ײ
Ihrer gefl. Versandtsanzeige entgegensehend,

Zeichnet in aller Achtung
A Mannesmann

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Adam: „OMG it’s Friday“

Freitag

Ich kann nichts daran ändern, die Namensgebung geht unaufhörlich weiter. Ich hatte einen so schönen Namen für dieses Gelände; er war hübsch und melodisch – Der Garten Eden.

Insgeheim nenne ich es noch weiter so, sage es aber nicht mehr laut. Das neue Geschöpf sagt, daß es hier nur Wald, Felsen und Landschaft gibt, und daß es deshalb keine Ähnlichkeit mit einem Garten hat. Es sagt, daß es wie ein Park aussieht und daher ein Park ist.

Deshalb muß es – natürlich ohne meine Zustimmung – in Niagara Wasserfall Park umbenannt werden. Das erscheint mir ganz schön willkürlich. Und schon steht da ein Schild:

Betreten des Rasens
verboten

Ich fühle mich nicht mehr so glücklich wie früher.

 

 

 


Aus:

Auszüge aus Adams Tagebuch
Mark Twain

Aus dem Originalmanuskript übersetzt 2003 von Arno Niemer
Quelle: Gutenberg SPIEGEL

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Miss Briefwahl

Heute morgen habe ich erfahren, dass ich gegebenenfalls am Wochenende der Bundestagswahl unterwegs bin. Das Familienritual, dass wir alle um die Ecke ins Wahllokal in der Berufsschule gehen, gleich neben dem Altonaer Theater, fällt vielleicht aus. Das ist traurig, aber nicht schlimm: denn es gibt ja die Briefwahl.

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Auf Reisen

Sonne und Südwind

In Strande geht das Licht des Tages aus;
Die vom Südwind schwer gewordenen Wolken schicken Sprühregen hinab.
Und doch glimmt der Rest des Sonnenlichts eine goldene Verheißung an den Himmel:

‚Abendrot ward Wedder got‘

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Rotorblätter in der Nacht

Bekenntnis eines G20-Feiglings

Der Hubschrauber, der letze Nacht über mein Haus flog, hat mich erschreckt, hat mir die Tage vor und an G20 wieder ins Gedächtnis rotiert. Eine Minute nur stand er über unserem Dach, so wie die drei Polizeihubschrauber Anfang Juli die ganze Nacht. Dann – nach einer kleinen Ewigkeit – flog er weiter; vermutlich, um einen Schwerverletzten ins nahe Altonaer Krankenhaus zu fliegen.

Eine gute Sache also, dieser Hubschrauber. Eigentlich; aber seit dem Scholzschen „Fest der Demokratie“, als sich die Kanzlerin in Tateinheit mit dem Hamburger Bürgermeister einen Haufen von Chaoten und Despoten in die Stadt ein- und sich von der Polizei unbehelligt eine organisierte und spontane Wut entlud, führen alltägliche urbane Geräusche zu einer anderen biochemischen Reaktion, als vorher.

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Auf Reisen

Old Owls Nest schlafen im echten Tipi in Florida

Wir haben auf unserer Florida Rundreise überall übernachtet: in einem 4-Sterne Hotel, einem Beach Resort an der Golfküste und in einem Super-Luxus-Sport Resort in Key West. In einem Designerhotel in Miami und in einem schlimmen Motel. Aber nirgendwo haben wir besser geschlafen, war die Übernachtung ein größeres Erlebnis, als im Tipi des Old Owl’s Nest.

Nach unserem Beachtag in Fort Meyers Beach hatten wir uns etwas ganz besonderes vorgenommen: Eine Übernachtung in einem echten Indianer-Tipi. Ich hatte diese exotische Location schon von Deutschland aus gebucht, weil wir auf unserer Florida Rundreise etwas spezielles erleben wollten – wir wurden nicht enttäuscht.

Schlafen in einem echten Indianerzelt – der Natur näher geht nicht.

Floral City, FL.: – zunächst fährt man vom Interstate Highway eine Weile ins Landesinnere. Die Straßen werden immer schmaler, die Häuser kleiner. An vielen hängt die Südstaaten-Flagge. Wir merken, wir sind auf dem Land. An der angegebenen Adresse weist nicht viel auf ein „Indianer-Dorf“, ein kleiner Pfeil zeigt auf ein Movable Home, das so ausschaut, wie viele andere hier auch. Darüber ragen die Spitzen der Zeltstangen von zwei Tipis in den inzwischen blau-weißen Himmel. Uns kommt ein schmächtiger Mann entgegen und winkt uns hinein. Er heißt Oleg – er und seine Frau Aleks betreiben seit Januar diese zwei Tipis, die sie nach Original-Vorlagen haben bauen und von einem Schamanen mit einer Rauchzeremonie haben weihen lassen.

Es ist in diesem Juni am Nachmittag noch sehr heiß und schwül. Gerade hat es noch wie aus Eimern gegossen. Wir sind gespannt, wie das Tipi von innen aussieht.

Aleks und Oleh kommen beide aus New York, ursprünglich aus dem russischen Teil der Ukraine, was man ihnen auch nach 20 Jahren in den USA noch anhört. Aleks ist Künstlerin und hat die Tipis selbst bemalt und verziert. Innen finden sich haufenweise Naturmotive; „alles Tiere, die man hier sehen kann und die einen nachts besuchen kommen“, erklärt uns Oleg. „Wir haben hier eine große Eule, ein uralter Vogel, den hört man nachts jagen“.

Fischen, relaxen, Feuer machen. Eine Insel der Entspannung

Hinter den beiden Tipis – unseres heißt Sitting Bull, nach dem großen Häuptling benannt und von einem seiner Nachfahren geweiht – liegt ein Fluss, an dem man gut fischen kann. Es gibt dort Aal-ähnliche Fische, die scharfe Zähne haben und eher an einen Alligatoren erinnern. Ihr Fleisch schmeckt wie Hühnchen, sagt Oleg.

Heute Abend gibt es aber veganes Essen – Aleks kocht und immer vegan. Leider hat sich heute alles ein wenig verschoben, sodass wir eine Weile werden warten müssen. Das macht uns nichts aus, wir machen ersteinmal Feuer und trinken auf unsere gute Wahl ein amerikanisches Guiness. Das habe ich in einem Super Target gefunden und war sofort neugierig geworden: Eine kleine Brauerei in Pensilvania  braut dieses helle Bier mit der Lizenz der berühmten irischen Brauerei. Es ist sehr lecker, frisch und vollmundig. Meine Empfehlung, wenn gerade kein Craft-Bier-Laden zur Verfügung steht.

Als die Sonne über den Wipfeln untergeht, hören wir die alte Eule rufen und wie auf Signal, kommt Aleks mit einem veganen Chili, das seines Gleichen sucht.

Als wir uns satt schlafen legen, hören wir, wie um uns herum Floridas Tierwelt erwacht. „Die Traumfänger funktionieren sehr gut“, hatte Oleg uns noch eine gute Nacht prophezeit, „hier hat noch nie jemand schlecht geträumt“. Und in der Tat, langsam rutsche ich in einen tiefen Schlaf und wache am nächsten Morgen erfrischt auf.

Ruhiger Schlaf dank Traumfänger

Wir machen uns mit der kleinen Kaffeemaschine unseren lieb gewonnenen Starbucks Verona Kaffee und schnacken noch eine Weile mit Oleg. Sie wollen dieses Haus verkaufen und sich noch mehr Zelte anschaffen, das Geschäft läuft gut an. Sie haben vornehmlich Gäste aus Europa und aus der Nähe. Für die meisten Amerikaner ist das Übernachten in einem Tipi einfach schwer vorstellbar, sagt er. Europäer sind da neugieriger und weniger verwöhnt.

Dabei hatte das Tipi alles, was man in den USA als Standard ansieht:

  • Einen guten Insektenschutz
  • Eine Klimaanlage
  • Gemütliche und gute Betten (Queen Size)

Wir versprechen wiederzukommen und in unserem Bekanntenkreis ein wenig zu trommeln. Oleg winkt uns zu, als wir mit unserem Ford Expedition vom Hof fahren. Der Name unseres Autos stimmt sprichwörtlich, das erste Mal in diesem Florida-Urlaub. 😉

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Dialoge

Jedes Mal, wenn es wärmer wird, vergessen meine Nachbarn über mir die Grundlagen der Physik.

tl; dr Balkonpflanzen gießen ohne Rücksicht ist asozial!


Es sind die ersten schönen Tage des Jahres, auch zum Feierabend ist es noch warm. Da beschleicht den Homo Metropolis eine Panik, die ihn alle Regeln der Höflichkeit und auch die der elementaren Physik (6. Klasse) vergessen lässt: Die Balkonpflanzen könnten sterben, wenn ich sie nicht sofort gieße, ach was übergieße, die armen Dinger; und mit dem groben Ausflussstück werden literweise Liebe und Zuneigung ausgeschüttet.

Die landet dann bei mir auf dem Schoß, auf der Schulter oder dem Abendbrot und ganz ehrlich?, ich finde das nicht mehr witzig, nicht tolerabel und echt asozial. Da wird auf Hinweis noch nicht einmal runtergeschaut, um sich zu entschuldigen. Geschweige denn vorher!

Ich habe meinen Nachbarn ganz oben (für die drunter gilt: je weiter oben desto rücksichtsloser; als wäre das eine Art Naturgesetz?) und den anderen Balkonpflanzenretter heute einen Brief geschrieben.

 

Im Wortlaut:

Liebe Nachbarn,

vielen Dank, aber ich hatte schon geduscht.

Ich weiß, es fällt jedes Jahr von Neuem schwer, sich an den Physikunterricht zu erinnern – Wasser fällt von oben nach unten – und da wohne ich.

Gießen ohne Rücksicht ist asozial!

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Jugendfrische ist eine Geisteshaltung

„Youth is a state of mind“, Kōnosuke Matsushita,
Founder of Panasonic.

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Schuld an alldem ist:

Bambi. Foto: cc by Visualhunt.com

Wenn Du lange genug nachdenkst, kommst Du unweigerlich zu dem Schluss:

„Schuld an alldem ist Bambi“

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Dialoge

„Sie da, junger Mann …“

Ich bin heute etwas früher dran und weil mein Arbeitsweg bündig kurz ist, mache ich einen Schlenker zum Altonaer Balkon, um den Kränen Hallo zu sagen und kurz in die Sonne zu blinzeln.

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Links, ein Baum

Er war groß, hatte dunkle Haare und war ein schöner Junge. Ein außergewöhnlich schöner Junge. Als er gegen die Eiche krachte, blieb dem Baum eine Wunde, die mir noch jahrelang ins Auge fiel, wenn ich die Elbchaussee in Richtung ‚Stadt‘ fuhr.

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Der Sinn.

‪“Vielleicht ist ja am Ende nichts anderes zu tun, als sich einigermaßen gerade zu halten, Kindern beim Großwerden zu helfen und Kunst.“‬

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Dialoge

Elbtower: Wie Ideen geboren werden

tldr; Wie Nierensteine

Wie das wohl abläuft? Wie wird so ein Megaprojekt, wie der Hamburger Elbtower geboren?

Ich stelle mir das so vor:
 
Herr Hoch und Herr Tief treffen ihren Kumpel Olaf auf dem Matthau-Mahl zu Ehren des großen Hamburger Schauspielers. Beim gemeinsamen Schnack auf der Herrentoilette stehen Heinrich Hoch und Olaf – nur von einem verschämten Sichtschutz getrennt – nebeneinander. Herr Hoch schaut hinunter auf seinen … Schuh … und raunt zu Olaf hinüber: „Nu, da die Elfi steht, braucht mein Kollege Tief was zu tun, sonst kommt der auf komische Ideen.“. Dabei grinst er die Kacheln an und diese werfen ein kehliges Lachen zurück.
 
Nun schaut auch Olaf auf seinen … Schuh … und sagt nach einer Weile:
„Ich hab da eine Idee.“
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Vergeben und vergessen

Vergesse nicht, zu vergeben.
Aber vergesse nicht, was Du vergibst,
Sonst musst Du den Kelch ein weiteres Mal heben.

Vergeben heilt,
Vergessen verliert.

Gesund bist Du, wenn Du wieder liebst.

  • Paul Coehl
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Auf Reisen

Mooring-Winter in Palma

Die Sonne geht früh unter, es ist Ende November und auch Palma de Mallorca kann sich den Gesetzen des Universums nicht entziehen – obwohl, wenn es einen Ort gäbe, der das vermöge, es wäre wohl Mallorca.

Ich bin gerade angekommen und werde bis zum Frühjahr bleiben. Das habe ich mir zumindest vorgenommen.

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Auf Reisen

Immerich

All die Zeit mit Dir, mit euch, die ist wichtig für mich. Es ist mein Leben.

Nun aber sitze ich hier allein, schaue in den dunkelblauen Himmel – es ist kalt, wie auf der Ostsee im September, wenn die Sonne der fallenden Kühle Platz macht – ich fühle mich unvollständig, ja, ich habe sogar ein schlechtes Gewissen.

Ein silberner Wagen kommt die Straße hinauf gefahren als wollte der Fahrer zur mir, ein Windhauch schlägt kühle Luft in meinen Nacken. Der Südstern strahlt mir entgegen, fordert mich auf, ihm zu folgen.

All das passiert ohne dich. Es passiert nur mir. Und als wäre es eine zu enge Jacke, streife ich das Gefühl ab, die Schuld, dass ich das alles alleine erlebe.

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Auf Reisen

Danke Teju

Lieber Teju Cole,

danke für Dein Buch „Open City“… nicht nur für die Spaziergänge  durch NYC, das könnten auch andere Amerikaner erzählen, nicht so kontrastreich und auch nicht mit Deiner Perspektive. Was mich aber besonders beeindruckt, ist Dein scharfer Blick auf das winterliche Brüssel, der den Schrecken von Paris vorausahnend, den Rassismus europäischer Form so lebendig beschreibt.

Das hätte ich von einem amerikanischen Autor nicht erwartet.

Wie schaffst Du diesen tiefen Blick ins Jetzt dieser Welt? Ich bin beeindruckt, wenn ich Dich lese. Tief.

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Auf Reisen

Eben im Fahrstuhl

Ich komme heute morgen sehr zeitig ins Großraumbüro in dem verlassenen Gebäude in München, das so wirkt, als hätten Unternehmensberater es instantbesetzt. Der Steuerbord-Fahrstuhl am Mitarbeitereingang funktioniert schon seit einem halben Jahr nicht mehr. Das Schild, das eine „routinemäßige Wartung“ anzeigt, beginnt an den Seiten schon Wellen zu schlagen. Heute ist dann noch der backbord ausgefallen: wenn man ihn betritt, schließt er – beinahe – und ruckelt dann wieder auf. Immerhin, ich kam noch hinaus.

Es kursieren Gerüchte über verhexte Fahrstühle, die vornehmlich externe Mitarbeiter anfallen und manche für Stunden gefangen halten. Ob ungewartete Fahrstühle ein Eigenleben entwickeln und sich gegen die Menschen wenden, die sie Trägern gleich hochschleppen müssen?

Ich glaube es beinahe.

Der Fahrstuhl am anderen Ende des sehr langen Ganges mit den obskuren Flecken auf dem Boden funktionierte dann.

Mit mir stieg ein weiterer Mann ein, kürzer als ich, dunkle Haare, in der einen Hand einen Cappuccino Togo und in der anderen ein DELL Notebooktasche – es ist Dienstag, da bleibt der Rollkoffer im Ibis Budget Motel (die beliebte Version von Hölle für Handlungsreisende).

Wie es sich in Fahrstühlen gehört, schauen wir in verschiedene Richtungen. Da die Fahrstühle hier aber verspiegelt sind, ist das nicht immer ganz einfach. Nachdem sich unsere Blicke aus Versehen zweimal begegnen, steigt er im Vierten aus; ich fahre in den Fünften – und überlege kurz, den Rest zu laufen, will es mir aber mit dem Fahrstuhl nicht verscherzen.

Nachher nimmt er es mir übel, dass ich ihn dann sinnlos in das nächste Stockwerk beordert habe und nimmt mich nächstes Mal doch gefangen.

„Routinemäßige Wartung“

Der aussteigende Mann grüßt kurz, ich grüße mit einem „Moin“ zurück, hänge noch spontan ein „hab einen schönen Tag“ dran. Der Mann, beinahe schon durch die Tür, dreht sich um und schaut entgeistert, so als hätte ich etwas Ungehöriges gesagt.

Ein paar Stunden später treffen wir uns im Vierten kurz wieder – auf Klo (da gehe ich immer in den Vierten, denn auf der fünften Etage sind alle WCs defekt oder werden seit einem halben Jahr „routinemäßig gewartet“) – da lächelt er kurz und murmelt: „dir auch einen schönen Tag“.

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Dialoge

Französisch

„Weißt Du, was ich besonders sexy finde?“, fragt Peter in die mittägliche Stille hinein.

‚Nein‘, antworte ich, ‚was denn?‘

„Französinnen, die ‚Eckernförde‘ sagen.“

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Heute Morgen am Hamburger Flughafen

Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: „Folgen Sie einfach der Masse da“

Heute Morgen am Hamburger Flughafen: eine ältere Dame fragt die Frau am Boardingcardcheck, wo sie hin muss. Die Gefragte schaut die Dame gelangweilt an (offenbar keine Viefliegerin, sie hat nur ein Stück Handgepäck) und entgegnet, ohne das rhythmische Kaugummikauen zu unterbrechen: "Folgen Sie einfach der Masse da

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Von der Scham überwältigt

Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: ‚Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und …‘ – warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen.

Von der Scham überwältigt, bricht beinahe die Stimme. Nun schauen sie alle zu mir. Zu spät; jetzt muss es raus. Wieder und wieder: 'Entschuldigen Sie die Störung, ich lebe derzeit auf der Straße und ...' - warum nur spüre ich keine Routine? Die meisten Menschen im Waggon scheinen eine zu spüren, routiniert lassen sie meinen Hilferuf über sich hinwegziehen

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Photo taken at: Hamburg-Altona station

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Zurückbleiben bitte

„Zurückbleiben heißt Zurückbleiben“, bellt der Fahrer der U1 durch seine altersschwachen Lautsprecher. Ich bleibe vor Schreck stehen und verpasse so den Zug.

Traurig blicke ich den Waggons hinterher, als sie im Tunnel verschwinden. Ein unachtsam weggeworfenes Einwickelpapier wird gegen seinen Willen hinterhergesogen.

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Immerhin, den Zurückgebliebenen gehört nun für ein paar Minuten der ganze Bahnsteig. #ecriture #ecritureautomatique #munich #prosa

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Jeder Atemzug, So einzigartig wie ein Flügelschlag. Und der Himmel schweigt

Jeder Atemzug,
So einzigartig wie ein Flügelschlag.
Und der Himmel schweigt

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Auf Reisen

Coesfeld, hier ist #Schland noch in Ordnung

Schland_Coesfeld

… und parken gibts nur für Mieter!

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Hundert Jahre küssen (#LoveisLove Edition)

Dich zu küssen ist so schön,
Als würde die Zeit nicht vergehen.

Lass Deine Lippen bitte noch auf meinen liegen.
Lass uns zu den Sternen fliegen.

Ein Jahr lang, oder hundert.
Bis sich niemand mehr über die Küssenden wundert.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Soziale Hilfewelle #hollerkaputt

Ich habe eben das erste Mal einem mir Unbekannten Geld geschickt. Nun, so richtig unbekannt ist er mir nicht: wir haben viele gemeinsame Freunde, Menschen, die auch seine sind und die seinen Hilferuf geteilt haben. Menschen, denen ich vertraue.

Das macht es dann auch einem skeptischen Zeitgenossen, wie mir,  einfach, aktiv zu werden. Nebenbei zeigt es die ungeheure Macht loser digitaler Verbindungen, etwas, was Forscher ‚weak ties‘ nennen und was bisher meist durch Hasskommentarwellen offenbar wird.

Nun zeigt das Netz via Facebook und Twitter seine solidarische Seite:

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Aufstehverbot

Es ist ein nasskalter Tag, die Wolken hängen tief über den glänzenden Dächern der Stadt, als ich mich gegen Mittag aus dem Bett schäle. Das Herunterwerfen meiner Decke war schon eine Überwindung, das Heraussteigen aus der Mulde, in der ich die letzten 12 Stunden verbracht habe, ist eine Quälerei. Statt Tanzverbot sollte es am Karfreitag ein Aufstehverbot geben – ich würde mich daran halten.

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Auf Reisen

Aux Armes, Töchter von Elysion

Ich wundere mich. Darüber, dass nach der Attacke der Terroristen nun wieder Flaggen gepostet werden, Nationalflaggen. Gestern die französische, heute die belgische.Man verstehe mich nicht falsch, ich liebe die Marseillaise, die Version von der Piaf besonders, und Struppi kann ich auch gut leiden. Aber waren das nicht Angriffe auf uns alle?, ob Deutscher, Brite, Türke oder Bulgare?

Ich zögere, einzustimmen in den Chor derer, die fragen, wo unsere Batches waren, als in Istanbul Bomben explodierten, genauso nebenan, wie Tel Aviv. Auch wenn die Frage berechtigt ist.

Ich suche das Verbindende und finde es. In der Vergangenheit, in der Europäer im Terror zuversichtlicher wurden, bei jedem Abwurf deutscher Bomben trotziger. Ich nehme mir ein Beispiel, an mutigen Israelis, die Tag für Tag Tram fahren. An syrischen Neudeutschen, die NPD-Kader bergen, an den Carsi Ultras, die gegen Erdogan aufbegehrten.

Ich verachte De Maizière. Und bleibe ein Grundrechtspatriot. Aux Armes, Töchter von Elysion: Lasst unsere Solidarität unsere Hymne und Umarmungen unsere wirksamste Waffe sein.

Mehr solche Flashmobs!

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Hundert Jahre

Dich zu küssen ist so schön,
Als würde die Zeit nicht vergehen.

Lass Deine Lippen bitte noch auf meinen liegen.
Lass uns zu den Sternen fliegen.

Ein Jahr lang, oder hundert.
Bis sich niemand mehr über die Küssenden wundert,
Die unter der Laterne stehen.
Oder liegen.

Bleib mit mir verbunden,
Das heilt alte Wunden.
Wenn wir nur keinen Strafzettel kriegen.

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Alte Zöpfe

Kehraus, alles muss raus.

Das globalisierte Schweden wirft Bäume aus dem Fenster. Nadeln verkletten mein Haar, wie Konfetti bei der Einlaufparade. Alt ist das nun, was gestern noch lila strahlte. Raus damit; aus Herzen und Köpfen.

Nur meine Gärtnerin mahnt, ‚lass die alten Blütenstände stehen, sonst wissen die Neuen nicht, wie sie sich entfalten sollen‘ – stoisch streben sie immer noch gen Himmel; halten liebevoll die Stellung, während der kalte Ostwind an ihnen zerrt.

Einsame Vorbilder, tapfere Platzhalter.

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Photo taken at: Wintergarten St. Pauli

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Marzipanmond

Mandelsplitter bohren sich durch sein Herz. Süß und schwer. ### Links von ihm flüstert eine vertraute Stimme die Wettervorhersage. Ich kann nichts mehr essen, nichts Süßes mehr sehen. Bedauern überfällt ihn – so plötzlich, dass er anfängt laut zu lachen. Zuviele. Sie waren zuviele.