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Ring2 – Hitzefrei

Moin Moin Hamburg,

ich habe dieses Privileg, das nicht jeder hat: Wenn es heiß wird, verdünnisiere ich mich an die Ostsee und springe in die Fluten der Baltischen See.

Die A7 kann das nicht. Die muss bleiben, wo sie ist. Und ihr Beton wurde damals gemischt in der frohen Annahme, dass wir hier mal ein, zwei, drei, vier Tage über dreißig Grad haben — aber doch keine wochenlange Belastung. So ist die Autobahn, die uns Hamburger mit dem Norden verbindet, das schönste Denkmal für eine Infrastruktur aus der Vorklimakatastrophenzeit. Das Gefühl, dass wir da an einen Wendepunkt kommen, den wir seit den frühen Achtzigern haben kommen sehen und geflissentlich ignoriert haben — ich wahrscheinlich auch — dieses Gefühl erschlägt uns gerade, während wir japsend in unseren Dachgeschosswohnungen sitzen.

Warum gibt es hier eigentlich keine Klimaanlage? Keine in der S1 von Altona nach Wedel, und warum fällt die andauernd aus zwischen Blankenese und Sülldorf? Hätten wir uns nicht ein bisschen früher kümmern können?

Wir sind in Hamburg und Schleswig-Holstein mit knapp sechsunddreißig Grad noch gut dran. Wir kratzen nicht an der Vierzig oder sogar an der 50! wie Brüssel oder Köln, wo diese Hitzewelle dramatischere Ergebnisse hatte. Ich will da gar nicht lange drauf rumreiten — ihr habt das alles längst gelesen, in den Medien, im Logbuch, und euch eure eigene Meinung gemacht. Aber manchmal ist so ein bisschen Wärmedruck auf dem Gehirn auch der Auslöser für die immer wiederkehrende (und ein wening selbstbezogene) Frage.

Was mache ich eigentlich mit diesem Format?

Das Ring2 Hamburg Logbuch war die letzten Monate ein Newsletter, sehr newslastig konzipiert. Es hat mir Spaß gemacht, ehrlich. Aber es fehlte ein bisschen was. Es fehlte ein bisschen von mir.

Und damit stelle ich, wie jeden Sommer (und zuverlässig auch um die Weihnachtszeit), die Sinnfrage. Meine treuesten Leser kennen das schon: Jetzt kommt wieder der Zwei-Quartals-Wahnsinn, jetzt denkt Erik sich was Neues aus. Nach den Logbüchern, die ich aus Mittelaltersprache in moderne Sprache übersetzt habe. Nach den 500 Zeichen, die natürlich auch oft übers Segeln und über Hamburg gingen. Zuletzt war der Ring2 Letter der Versuch zu beschreiben, was im Ring 2 so passiert in Hamburg.

(Eine Anekdote am Rande: Ring 2 heißt das hier, weil ich 2004 mit einem Satiremagazin aus den Neunzigern gestartet bin — Arbeitstitel „Ringfahndung“ — das sich dann in einen Blog verwandelte. Ich fand den Namen wunderschön, weil ich am Ende des Ring 2 wohnte und mir von dort aus vorstellte, wie ich in die Welt gucke. Und das soll wieder Thema sein.)

Ich habe euch gefragt: lieber lassen oder weitermachen? Und sehr nettes Feedback bekommen. Das tiefste kam von meinem Freund Christian, einem begnadeten Schreiber, der Gedanken denkt, die ich selbst beim dritten Lesen kaum nachvollziehen kann — dafür liebe ich seine Texte. Er hat ein klares Profil für sich gefunden. Und Leute mit klarem Profil beneide ich; Buddenbohm zum Beispiel, der seit über zwanzig Jahren über sein Leben bloggt und das durchgezogen hat.

Also: Weg von der schlechten Kopie des von mir mitentwickelten ZEIT Elbvertiefungen-Newsletters. Hin zu Essay, Kolumne, Glosse. Es soll nach wie vor um Hamburg gehen — aber aus meiner Perspektive.

Eine eigene Sicht auf diese Stadt

Diese Perspektive kommt als Melange daher, in Blankenese aufgewachsen ist Altona seit jeher mein Sehnsuchtsort. Seit ich vierzehn war, sind wir mit den Mofas von Freunden da immer hingeöddelt. Ich habe die Entwicklung in Ottensen sehr genau verfolgt, bin selbst Teil der Gentrifizierung geworden, habe alte Läden sterben sehen — die Altonaer Blume, den letzten Schuhmacher, der aus Altersgründen aufgab und erst zum Reisebüro, dann zum Friseur mutierte.

Ich treibe mich seit über dreißig Jahren professionell im Internet herum, meistens bei den Themen Stadt (Berlin, Hamburg), Stadtevents, Musik, Geschichte, Popkultur (VH-1, MTV Home) — und Sport, namentlich dem FC St. Pauli. Lauter Lebensbereiche, die eine besondere Perspektive ermöglichen. Genau die versuche ich jetzt.

Beim nächsten Mal hieße das, wenn es um Hitze geht: wie ich in der Ostsee plansche und sie wahrnehme. Letztes Wochenende war die Ostsee in der Lübecker Bucht sogar wärmer als in der Kieler Bucht. Vor zwei Wochen waren am Strand schon dreißig Grad — und im Wasser vielleicht vierzehn. Ein absoluter Gegensatz: draußen dreißig, drinnen vierzehn. Innerhalb einer einzigen Woche hat sich dieser Gegensatz komplett aufgelöst. Du gehst rein und bist immer noch erfrischt, klar, keine Mittelmeer-Vibes, eher Mittelmeer im Oktober. Aber du merkst am eigenen Leib, wie unnormal warm diese Ostsee ist.

Ich erinnere mich, dass wir früher beim Segeln in Dyreborg — unserem Lieblingshafen in Dänemark — morgens über den Steg ins Wasser gingen, und dass das Mitte August war, wenn die Ostsee so warm war, wie sie jetzt Ende Juni in Kiel ist. An solchen persönlichen Erlebnissen kann man den Klimawandel ablesen. Diese rasende Geschwindigkeit, in der wir uns anpassen müssen an das, was kommt.

Und um kurz politisch zu werden: Ich würde mich nicht wundern, wenn das so weitergeht im Juli und August, dass die Grünen bei den nächsten Landtagswahlen bei dreißig Prozent liegen. Wünschen würde ich es mir — auch wenn ich nicht weiß, ob sie politisch in der Lage wären, dann auch was durchzusetzen. Aber das wäre doch mal was.

Eine Idee für die Schanze

Apropos durchsetzen. Ich habe ja viel über den Verkehr geschrieben, und neulich, bei einem Bierchen, jemanden kennengelernt, der einen Laden auf der Schanze hat. Der hat vor Jahren mal mit den Grünen gesprochen, was man gegen den Durchgangsverkehr in Schanzenstraße und Schulterblatt machen könnte. Und sein Vorschlag war so einleuchtend, dass selbst Agentur-Fuzzis „No-Brainer“ dazu sagen würden:

Macht doch aus Schulterblatt und Schanzenstraße jeweils Einbahnstraßen. In die eine Richtung die eine, in die andere die andere — es sind ja quasi zwei Parallelstraßen.

So naheliegend, dass ich mich frage, warum das in der Stadt nicht diskutiert wird. Vielleicht liegt es daran, dass das eine in Hamburg-Mitte liegt und das andere in Altona. Vielleicht ist genau das schon das Problem. Aber wieso kommt die Politik auf so einfache Ideen nicht? Das sind die Sachen, die mich umtreiben — und die ich künftig mit einer sehr persönlichen Sichtweise versehen möchte.

Es wird also weniger HSV geben (vielleicht mache ich das aus Lust und Laune trotzdem mal), und ich finde, eine Rubrik „Hamburg ist nicht …“ ist auch ganz schön. Mal sehen.

Ein Blogger und ein Podcaster leben von Feedback. Tut mir also den Gefallen: Sagt mir, was ihr von dem hier haltet, und von den Ideen, die ich habe. Mach ich nach der Sommerpause ein bisschen mehr Altona — aus eigener Sicht, mit eigenem Dialekt? Christian, wenn du okay damit bist, packe ich dein Reply, das ja ein öffentliches war, noch in die Shownotes.

Ich habe mir übrigens ein neues Logo gegönnt. Freut euch drauf. Vielleicht verändert es sich noch tausendmal, ist mir egal, es ist sehr schön geworden.

Und wenn ihr Lust habt, mir ein Bier zu spendieren: Geht einfach zu ko-fi.com/ring2 (ko-fi wie coffee). Da findet ihr nicht nur meine E-Books zum kostenlosen Download, ihr könnt mir auch ein Einzelbier ausgeben — oder jeden Monat eins, oder zwei, je nachdem. Würde mich sehr freuen.

Und was macht … der Fußball?

Dass der HSV gegen den FC Everton spielt, finde ich persönlich wenig spannend. Gegen wen spielt eigentlich der FC St. Pauli? Ach ja — heute Abend, achtzehn Uhr, Altona 93 gegen den FC St. Pauli, es gibt noch ein paar Restkarten. Altona 93 ist gestern 133 Jahre alt geworden, und nun kommen die jungen Spunde aus dem Nachbarstadtteil und werden hoffentlich verhauen. Denn bei Altona 93 gilt die Regel: Wenn es gegen St. Pauli geht, U-A — Altona.

Bis dann. Gebt mir Feedback, Kommentare, weiterleiten, Bier spendierenm abonnieren — ihr wisst schon.

Dein Erik

(post Hitzewelle, mit den Füßen noch in der Ostsee)

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Hamburg und die Hitze

Kalenderwoche 26 · Montag, 22. Juni 2026 Erik POP — die wöchentliche Hamburg-Kolumne aus Altona

Moin.

Die zurückliegende Woche war eine von der schwülen Sorte. Über 30 Grad, Tropennacht, Gewitter im Anflug — Fenster auf oder zu? Hamburg hat in sieben Tagen gleichzeitig demonstriert, gefeiert und geschwitzt. Hol Dir einen heißen Tee und folge mir in die News der letzten Woche … (auch wenn ich den Sonntag total verschwitzt habe 😉

Kurzer Einschub: spendier Erik ein kühles Hellesvia Ko-Fi – oder abonniere hier:

Wer ist hier radikal? Die Bürgerschaft und der Verfassungsschutz-Check

Fangen wir mit dem an, worüber man eigentlich länger reden müsste, als es eine Kolumne hergibt. Am Mittwoch hat die Hamburger Bürgerschaft die sogenannte Regelanfrage beschlossen — künftig prüft der Verfassungsschutz Bewerberinnen und Bewerber für den öffentlichen Dienst ob sich nicht doch radikale Ideen hinter der Fassade verbergen. SPD, Grüne und CDU stimmten dafür, Linke und AfD dagegen. Am Ende: Angenommen mit 85 zu 25 Stimmen.

Ein Zusatzantrag schärft nach: Das Landesamt für Verfassungsschutz soll künftig nicht nur sagen ob, sondern auch was es über jemanden weiß. Nach drei Jahren wird das Gesetz überprüft. In Kraft treten könnte es schon im August.

Und das ist eben kein Detail aus dem Maschinenraum der Verwaltung. Der SPD-Innenpolitiker Sören Schumacher sagt, man müsse verhindern, dass Verfassungsfeinde staatliche Institutionen unterwandern. Die Linke — Deniz Celik — warnt, dass unter dem Vorwand des Demokratieschutzes auch Menschen eingeschüchtert würden, die sich für Antifaschismus, Klimaschutz oder Frieden engagieren. Schon einen Tag vorher, am Dienstag, gingen Menschen dagegen auf die Straße: Die Polizei zählte 260, die Veranstalter sprechen von rund 500. Für die Wichtigkeit des Themas eigentlich zu wenige.

Verkehr: Hamburg fährt Rad — und die Bahn fährt nicht

Am Sonntag war die Stadt für einen Tag in der Hand der Radfahrenden. Die 31. Fahrradsternfahrt — Veranstalter ADFC und Mobil ohne Auto — zog von über 60 Startpunkten zwischen Itzehoe und Lüneburg in die Innenstadt. Zehn- bis zwölftausend Menschen wurden erwartet. Das Highlight, wie jedes Jahr: einmal mit dem Rad über die Köhlbrandbrücke, der einzige Tag im Jahr, an dem das geht. Treffpunkt war am Jungfernstieg, 15 Uhr, dann der Endspurt über die Lombardsbrücke. Gefordert wurde, was hier seit Jahren gefordert wird: Tempo 30 innerorts und eine autofreie Innenstadt im Ring 1. Bundesweit gab es 13 solcher Sternfahrten, Motto: „Die Zukunft fährt Rad.”

Zänk You. Sommer ist Baustellensaison – auch bei der Bahn

Die Schiene macht weiter Kummer. Seit dem 14. Juni und noch bis zum 10. Juli ist der Abschnitt zwischen Lüneburg und Uelzen dicht, zweiter Teil der Sanierung auf einer der wichtigsten Bahnstrecken des Landes. Züge fahren nur stündlich, Ersatzverkehr mit Bussen. Und am Hauptbahnhof, an den Gleisen 13 und 14, wo die Züge aus Lüneburg und Hannover ankommen, drängt sich wie immer halb Norddeutschland. Wer in diesen Wochen Richtung Süden will: Geduld einpacken – und genug zu trinken, denn ob es genügend an Bord gibt ist nie sicher.

Hitze: Tropennacht über der Hansestadt

Das Wochenende kam mit Wucht. Der Deutsche Wetterdienst meldete über 30 Grad, am Freitag 34, dazu Gewitter mit Starkregen und Böen mit Orkanstärke – ob das die Zelte auf der altonale ausgehalten haben?

DWD-Meteorologe Jens Kieser sprach von einer Tropennacht — wenn die Temperatur nachts nicht mehr unter 20 Grad fällt. Praktisch: Die Stadt hat eine Online-Karte „Kühle Orte” — Grünanlagen, Bademöglichkeiten, Trinkwasserstellen. Ich war an der fünf Grad kühleren Ostsee. Funktioniert auch.

Pride Month: Queere Forschung zum Mittag

Die HAW Hamburg lädt im Pride Month zu drei „Lunchtalks” — queere Forschung, zur Mittagszeit, mit oder ohne Stulle. Den Auftakt machte am 10. Juni die Erziehungswissenschaftlerin Anne Franze mit „Diversität im Kinderbuchregal”. Sie bewertet Kinderbücher mit Herzen und Blitzen — drei Herzen für gelungene Vielfalt, ein Blitz für problematische Inhalte. Die Conni-Reihe? „Leicht problematisch”: alle Hauptfiguren normschön, weiß, heterosexuell.

Am 18. Juni stellte Professorin Sabine Wöhlke eine Studie zur gesundheitlichen Versorgung von trans* Kindern und Jugendlichen vor. Und am 29. Juni — also kommende Woche — geht es um Einsamkeit unter trans* und nicht-binären Studierenden. Hingehen oder online zuschalten, beides geht. Anmeldung übers Gleichstellungsbüro.

Apropos queer und Fußball: Zur Männer-WM gab es im Gängeviertel ein queeres Public Viewing namens „Spielraum” — Motto „Anstößchen! Football is coming Homo”, kommentiert von einem queeren Team, mit Torwandschießen und Kinderschminken für Erwachsene. Nationalflaggen unerwünscht. So lässt sich das FIFA Turnier sogar aushalten.

Die kleine, schräge Geschichte der Woche: Kaffee aus dem Lastenrad

Studierende der HAW haben das „Velobrew” gebaut — ein Lastenrad, das per Solarmodul seinen eigenen Strom macht und damit eine Kaffeemaschine betreibt. Absteigen, Solarplatten ausklappen, Filterkaffee aufsetzen. Bewusst Filter statt Siebträger, weil die Ökobilanz besser ist. Eine volle Batterie reicht für rund 100 Tassen, die Bohnen kommen von einer Kooperative aus Wilhelmsburg. Kostenpunkt: rund 1000 Euro.

Kultur: Die Altonale, mein Nachbarschaftsfest — und seine Zukunftsfrage

Vor der Haustür: Die Altonale lief zehn Tage, vom 12. bis zum 21. Juni, Motto „Festival der kulturellen Vielfalt”. Herzstück der Platz der Republik, das meiste kostenlos oder nach dem Prinzip „Pay what you want”. Das Straßenkunst-Festival STAMP am Abschlusswochenende, die Infomeile „Buntes Altona” zwischen Bahnhof und Rathaus, das gemeinschaftliche Kulturfutter aus geretteten Lebensmitteln. Schön war’s.

Aber — und das gehört dazu — die Altonale kämpft. Gestiegene Kosten, weniger Sponsoren, knappe Förderung. Dass es die Ausgabe 2026 überhaupt gab, lag an einer Spendenkampagne. Ob im nächsten Jahr noch Festival ist, weiß niemand. Für ein Fest, dessen ganze Idee „Kultur für alle, möglichst umsonst” ist, wäre das ein echter Verlust. Ich sage es als Anwohner: Lasst uns das nicht so leicht hergeben.

Ausblick: die kommende Woche

* Bis 10. Juli: Streckensperrung Lüneburg–Uelzen, Züge Richtung Hannover nur stündlich, Ersatzverkehr. Wer reist, plant Puffer ein.

* 22. Juni bis 3. Juli: Asphaltarbeiten in der Stadt sorgen für Verkehrseinschränkungen (Quelle: hamburg.de).

* Montag, 29. Juni, 13.30 Uhr: Letzter Pride-Month-Lunchtalk der HAW — Lynn Müller über Einsamkeit unter trans* und nicht-binären Studierenden, hybrid in der Alexanderstraße 1 oder online.

Bleib im Schatten, trink genug, und falls Dir jemand auf einem Solar-Lastenrad einen Filterkaffee anbietet: genieß ihn.

Bis nächste Woche, hakt dich fuchtig,Dein Erik

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Quellen

* FINK.HAMBURG: „Bürgerschaft hat für Verfassungsschutz-Check abgestimmt” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/buergerschaft-hat-fuer-verfassungsschutz-check-abgestimmt/

* FINK.HAMBURG: „Sternfahrt 2026: Hamburg demonstriert auf dem Rad” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/sternfahrt-2026-hamburg-demonstriert-auf-dem-rad/

* FINK.HAMBURG: „Hamburg, der Sommer ist da!” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/hamburg-der-sommer-ist-da/

* FINK.HAMBURG: „Pride Month: Queere Forschung an der HAW Hamburg” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/pride-month-queere-forschung-an-der-haw-hamburg/

* FINK.HAMBURG: „Kaffee aus dem Fahrrad – und das ist erst der Anfang” (18.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/kaffee-aus-dem-fahrrad-und-das-ist-erst-der-anfang/

* FINK.HAMBURG: „Kostenlos Kultur! Die Altonale startet” (09.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/kostenlos-kultur-die-altonale-startet/

* FINK.HAMBURG: „Queeres Public Viewing der WM im Gängeviertel” (11.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/queeres-public-viewing-der-wm-in-hamburgs-gaengeviertel/

* FINK.HAMBURG: „Streckensperrung zwischen Hannover und Hamburg” (11.06.2026) — https://fink.hamburg/2026/06/streckensperrung-zwischen-hannover-und-hamburg/

* hamburg.de — Aktuelles (u. a. Asphaltarbeiten 22.06.–03.07.2026; Positionspapier der norddeutschen Finanzministerinnen und -minister zur Erbschaftsteuer, 19.06.2026) — https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/aktuelles

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Juniwinter

Ein Essay über den Winter im Beinahesommer.

Westliche Ostsee, Wind aus Nordwest, fünf in Böen sechs. 11 Grad Höchsttemperatur, sagt Windy voraus. Und behält seit Tagen recht.

Das Thermometer am Niedergang zeigt diese elf Grad schon um 10:00 Uhr. Wind aus Nordwest, knappe sechs Beaufort (Immerhin, beruhige ich mich, die Regel, dass beim Wetterbericht die Böen das eigentliche „Normal“ sind, gilt immer noch), der Regen klatscht in seinem stetigem Rhythmus auf das Kajütdach. Ich liege unter Deck und lausche der ansteigenden und abnehmenden Intensität des Regens. Beinahe hört er auf, ein Sonnenstrahl kämpft sich bis zu meiner Stellung durch, nur um von einer weiteren Husche verschluckt zu werden.

Ein Blick auf die nackten Wetterdaten verrät: Elf Grad, grau, sehr nass. Exakt dieselbe Zeile stand hier am 14. Januar im Logbuch.
Damals, im Januar, war das ein kleines Fest. Ein milder Wintertag, eine unerwartete Atempause im frostigen Alltag. Wir haben die Kappe in den Nacken geschoben, die Jacken aufgerissen und beim Spaziergang an der Elbe gedacht: *Mensch, der Frühling klopft an.*

Heute ist Juni. Und obwohl die nackte Physik behauptet, es sei exakt derselbe Tag, fühlt er sich komplett anders an. Weil Zahlen eben nur im Kontext Sinn ergeben. Das Wetter im Frühsommer hat seine ganz eigene Textur.

Das Licht, das nicht sterben will

Der größte Unterschied ist die Helligkeit. Im Januar stirbt der Tag um vier Uhr nachmittags einen frühen Tod. Das Grau fadet aus, sackt vorm Abendessen einfach in die Nacht. Jetzt, im Juni, herrscht ein fast trotziger Ausnahmezustand. Selbst hinter der dicksten, tiefhängenden Wolkenfront drückt die Midsommersonne.
Es ist ein helles, fast gleißendes Grau. Die Sonne ist da, sie ist nur hinter einer herbstlichen Tapete verborgen, wie die Mörder Hamlets. Wenn es um zehn Uhr abends immer noch nicht dunkel ist, weiß dein Körper instinktiv: Das hier ist kein Winter. Das ist nur ein Sommer, der sich noch ein bisschen ziert.

Die Magie von Grün

Januarwetter trifft auf nackte, kahle Äste; ziept bis auf die Knochen. Die Natur verschläft das Elend im Koma. Das Juni-Grau dagegen trifft auf eine Welt, die bereits ihr buntestes Kleid angezogen hat. Die Kastanien und Linden stehen in vollem Saft, das Laub ist frisch, ich sehe mich am Grün satt. Und am Lila, Rosa, Rot, Türkis, an tiefem Blau. Farben, die mit ihrem Geruch betören.

Wenn in diese Szene Regen fällt, klingt er ganz anders. Der Wind rauscht durch die dichten Blätterdächer, statt stumpf durch klamme Masten zu pfeifen. Es riecht nicht nach Dieselheizung, nasser Wolle und Tod. Es riecht nach Sommerregen – nach blühendem Holunder, der liegt schwer in weicher Luft. Der Atem dampft nicht, dafür der Asphalt. Die Welt will schnell wieder trocknen, die Augen jucken wie früher nach dem Baden unterm zu heißen Fön.

Ein Wintertag kriecht dir von unten durch die Schuhsohlen ins Mark. Ein verregneter Junitag legt sich wie ein nasser Mantel übers Land. Schauer sjnd kurze Schauspiele meteorologischer Macht. So schnell über mich hinweg gezogen, wie ein Gitarrenriff.

Der Juni ist noch Frühling, er darf sich ein kurzes Zitat erlauben. Dann zieht man die Regenjacke eben über das T-Shirt, auch wenns schwitzt. Der Juni hat ein helles Versprechen im Gepäck, das die Schauer zu Vorboten macht. Die Daten mögen identisch sein – die Statistik fälschen wir gekonnt auf eigenem Kiel.

Im Juli geht das übrigens nicht mehr. Da ist offiziell Sommer und den erwarten wir dann auch — 25 Grad mindestens, egal, ob Australien Weltmeister wird oder nicht.

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Hamburg tanzt auch bei Schauerwetter

Altonale, Triennale und eine neue Brücke, die wie die alte aussehen soll.

Das Logbuch zur KW 24 in der schönsten Stadt: Altona 😉

Moin. „Was für ein wundervolles Herbstwochenende“, lese ich in meinem Social-Media-Stream und muss lachen. Ja, es ist Juni, und der Westwind schiebt einen Schauer nach dem anderen über die schönste Stadt. Die Kieler hatten vor ein paar Jahren fast aufgegeben und wollten ihre Kieler Woche in den Juli verlegen — wegen des norddeutschen Junis. Ob das in Altona auch mal diskutiert wurde, weiß ich nicht. Was ich weiß: Im Juni ist der Hamburger Sommer vorbei. Der ist nämlich regelmäßig im Mai, sodass man kurz naiv denkt: Wow, wenn das so weitergeht — nur kurze Hosen, bis in den November. Und dann kommt, was kommen muss: das Juniwetter.

Also: Schirm einpacken, wenn ihr auf die Altonale geht. Stundenweise kleine schwüle Zwischenhochs, dann Gewitter bei böigem bis stürmischem Westwind. Zeltstangen ungeeignet — bitte was drunterlegen. Das hat Tradition, genau wie das stoische Ignorieren des Wetters. Man träumt sich zu Reggae und portugiesischen Bratwürstchen weg und feiert den buntesten Stadtteil der Stadt. (Ich wollte eben „Bratwurstrauch“ schreiben, las „Bratwurststrauch“ und habe jetzt das Bild eines Wurstbaums im Kopf. Liebe Grüße an Willi.)

Man stolpert bei mir um die Ecke gerade über frisch verlegte Festivalkabel — während der Hafen sich eine neue Brücke ausmalt, die teurer ist als so mancher Stadtteil. Da könnte man auf die Idee kommen: Wenn das Geld für so eine Brücke da ist, müsste doch eigentlich auch was für die Altonale drin sein. Hm. Aber der Reihe nach.

Die Brücke, die wie sie selbst aussehen will

Mittwoch im Rathaus, große Geste: Der Siegerentwurf für die neue Köhlbrandbrücke wurde vorgestellt. Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard, Oberbaudirektor Franz-Josef Höing und HPA-Chef Jens Meier präsentierten eine Nachfolgerin, die höher, länger, größer, breiter, tiefer, schneller wird — und trotzdem aussehen soll wie die alte. Rund 73 Meter Durchfahrtshöhe, gut zwanzig mehr als bisher, damit auch die ganz großen Pötte durch den Köhlbrand kommen. Knapp fünf Kilometer lang, weil die Rampen für die neue Höhe ausladender werden müssen.

Ingenieurin Maren Wolff nannte den Entwurf eine „Hommage an die alte Brücke“. Heißt: Wir bauen das Wahrzeichen noch mal, nur in groß. Preisschild derzeit 5,3 Milliarden Euro, die Hälfte der Netto-Baukosten übernimmt der Bund. Die alte Dame aus den Siebzigern muss noch rund vierzehn Jahre durchhalten — mit Rente ist nicht, abgerissen wird erst, wenn die neue steht. Die ersten Autos und Lkw sollen Ende der 2030er drüberrollen, früher als die ursprünglich genannten 2042. In Hamburg ist das Turbo — und wäre Olaf Scholz noch Bürgermeister, er würde wohl vom Hamburg-Tempo schwärmen.

Kurzes Vergnügen: der Zug nach Amsterdam ist schon wieder weg

Apropos Tempo. Manche Dinge in dieser Stadt halten vierzehn Jahre, andere keine drei Monate. Der niederländische Anbieter Govolta hat die Direktverbindung Hamburg–Amsterdam wieder eingestellt — gestartet im März, Ende Mai war Schluss. Neuausrichtung, heißt es: Die Züge fahren künftig Amsterdam–Paris und Amsterdam–Berlin. Hamburg ist aus Amsterdamer Sicht wohl keine Weltmetropole mehr. Wer von hier in die Grachtenstadt will, nimmt wieder den ICE mit Umstieg in Osnabrück oder Duisburg, fünfeinhalb bis sechs Stunden. Immerhin: Die Strecke Hamburg–Berlin wird ab 1. Juli auf sechs Fahrten pro Woche ausgeweitet, im Winter sogar sieben. Ein Trost mit Fahrplan.

Altona feiert sich selbst — und kämpft ums Überleben

Seit Freitag ist meine Ecke wieder Festivalgebiet: Die altonale, das Festival der kulturellen Vielfalt, läuft bis zum 21. Juni. Musik, Film, Theater, Kunst, Tanz, Literatur und Straßenkunst, das meiste kostenlos und nach dem schönsten aller Prinzipien — „pay what you want“, zahl, was du kannst. Herzkammer ist der Platz der Republik, ein paar Schritte vom Bahnhof Altona.

Heute, am Sonntag ab 18 Uhr, wird auf der Christianswiese beim Kulturfutter gekocht — aus geretteten Lebensmitteln, von Ehrenamtlichen und Profis, an langen Tischen, für alle. Nächstes Wochenende kommt mit STAMP (19. bis 21. Juni) das internationale Festival der Straßenkünste, dazu Flohmarkt und Kunstmarkt am 20. und 21. Da soll es übrigens warm werden — heiß sogar, und nach der Schwüle wahrscheinlich ein paar Gewitter.

Und doch liegt ein Schatten über der Sause: Der altonale fehlt Geld. Gestiegene Kosten, weniger Sponsoren, aus Sicht der Veranstaltenden zu wenig Förderung der Stadt. Dass es 2026 überhaupt läuft, ist einer Spendenkampagne zu verdanken — die übrigens noch läuft, den Link habe ich in den Artikel gepackt. Ob es nächstes Jahr eine altonale gibt, ist offen. Man tanzt also auf der Wiese vor der Christianskirche und weiß nicht, ob man nächsten Sommer wieder eingeladen ist. Sehr Altona, das. Sehr Hamburg, würde ich sagen.

Die campy Ecke: ein Schwamm namens Bobo

Bei Kampnagel lief von Donnerstag bis Samstag das Live Art Festival unter dem Motto „Hitze.Heat“ — ein begehbarer Parcours über das ganze Gelände, fünf internationale Positionen zwischen Klimakrise, Macht und Performance. Der schillerndste Beitrag: Das Kollektiv God’s Entertainment baute mit „it’s getting hot in bikini bottom“ eine begehbare, surreale Unterwasserwelt. In acht Episoden rund um „SpongeBobo Šwammgods“ (ich hoffe, ich spreche das richtig aus) trifft Popkultur auf Ökokollaps. Auf einem Foto sitzt jemand im Fischkostüm in einer blau beleuchteten Badewanne — und ehrlich: schöner kann man die Klimakatastrophe kaum durchdeklinieren. Camp als Ernstfall, Glitzer mit Haltung. Nebenbei war es das letzte Festival vor der geplanten Kampnagel-Sanierung ab September.

Hamburgs erste Tanztriennale

Heute ist Übergangstag im Kulturkalender. Während die 9. Triennale der Photographie ausklingt, eröffnet am 14. Juni erstmals die Tanztriennale Hamburg — eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, künstlerische Leitung Gwen Hsin-Yi Chang und Monica Gillette, Leitmotiv „Brave Moves. Courageous Joy“. Und das ist in diesen Zeiten auch nötig. Auftakt ist eine City-Parade durch Barmbek-Nord, vom Museum der Arbeit bis zur Abschlussperformance im Stadtpark. Tanzschulen, Stadtteilinitiativen, die Hiphop Academy, die Lola-Rogge-Schule — und ausdrücklich auch alle, die einfach mittanzen wollen. Bis zum 21. Juni Aufführungen, Audiowalks und offene Tanzklassen über die ganze Stadt verteilt.

Von der Elbinsel und vom Rest der Woche

Auf den Elbinseln lief das 48h Wilhelmsburg, 17. Ausgabe, von Freitag bis heute: 196 Bands und Acts an 60 Orten, dort, wo Menschen wohnen, essen, arbeiten. In diesem Jahr mit Nachhaltigkeitsfokus — Anreise am liebsten per Rad oder zu Fuß durch den alten Elbtunnel. Dezentral, leise organisiert, riesig im Effekt.

Sportlich gab’s Grund zur Freude für alle, die den Jungen aus Hamburg noch vom Rothenbaum kennen: Alexander Zverev hat nach elf Jahren endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt — und zwar in Paris, wenn ich das richtig verstanden habe.


Ausblick: die kommende Woche (14.–21. Juni)

(Kleine Selbstkritik vorweg: Ein paar Dinge standen letzte Woche nicht im Ausblick und sind jetzt schon vorbei. Da bessere ich mich noch.)

  • Heute, Sonntag, 14. Juni: Eröffnung der Tanztriennale mit City-Parade durch Barmbek-Nord (Museum der Arbeit → Stadtpark). Und ab heute ist die Bahnstrecke Hamburg–Berlin nach der Sperrung wieder frei — gute Nachrichten für alle Pendlerinnen Richtung Hauptstadt, pünktlich zur Sommerpause im Bundestag.
  • Die ganze Woche: altonale in Altona und Tanztriennale stadtweit laufen parallel. Doppelte Kulturdosis, vieles davon kostenlos oder gegen Spende.
  • Freitag bis Sonntag, 19.–21. Juni: STAMP, das Straßenkunst-Festival der altonale, verwandelt ganz Altona in eine Bühne. Dazu Flohmarkt und Kunstmarkt am 20./21. rund um den Platz der Republik. Kurze Hose, T-Shirt und Regencape — Gewittergefahr.
  • Sonntag, 21. Juni: Hamburger Fahrradsternfahrt — Großdemo für bessere Radwege. Auf der grünen Route ist wieder eine Fahrt über die Köhlbrandbrücke geplant, die man im Alltag ja nicht beradeln darf. Einmal noch drüber, bevor sie zum Auslaufmodell wird.
  • Am Horizont: Ab 22. Juni starten in Ottensen die Bauarbeiten an der „Westschleife“ im Projekt freiRaum. Zum 30. Juni legt die Stadt die erste Schätzbilanz zum Klimaschutzgesetz vor — die erste Härteprüfung nach dem erfolgreichen Zukunftsentscheid. Und ab 1. Juli fährt Govolta öfter nach Berlin.

Halt dich fuchtig und geh raus — trotz Schauerwetter, es lohnt sich.

Liebe Grüße aus Altona, dein Erik


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Quellen

Diese Woche viel über: FINK.HAMBURG, stadtkultur-hh.de, heuteinhamburg.de, altonale.de, hamburg.de, hamburg-pride.de, climate-data.org.

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Quo vadis Altonale?

Moin Moin Hamburg,

Es ist Juni, die Festivalsaison naht. Das bedeutet, der Vorsommer aus dem Mai wird abgelöst durch Schauertiefs und Gewitterfronten. Regen, Blitz und dazwischen schwül. So wird das Wetter zur altonale; fast immer.

Die Nachbarn rumpeln schon seit Tagen im Keller herum, um den Flohmarkt zu bestücken. Ein halbes Viertel steht halbsechs auf, nur um dieselben Menschen beim Aufbau zu treffen, die man am Wochenende normalerweise nicht vor 11 auf der Straße sieht. Die andere Hälfte kommt ebendann vorbeigeschlendert, man klönt, feilscht ein bisschen oder passt für eine Stunde auf den Stand und die Kasse der Nachbarn auf.

Ich liebe und fürchte die Altonale gleichermaßen: Altona ist noch voller als sonst, aber eben auch noch künstlerischer, noch internationaler, als sonst schon.

Die Freunde aus Portugal an der Bahrenfelder Straße organisieren ein Festival im Festival, die Sambagruppen trommeln sich durch den Stadtteil als wäre das hier nicht der kühle Norden. Künstler präsentieren ihre Werke, die Moschee hat Süßes für alle. Es regnet und trotzdem haben alle Spaß.

Auf der altonale feiern wir uns selbst, ein wenig punkig, alles wirkt ein bisschen zusammengestöpselt, kein Hochglanzmarketing, dafür viel Herz.

Wie und was das kostet, habe ich mich nie gefragt — erst jetzt, wo diese Woche die Nachricht der drohenden Insolvenz die Runde machte …

🎪 altonale 2026: Sorgen, Crowdfunding & Programm-Highlights

Die wichtigste Nachricht vorweg: Die altonale findet statt!

Vom **12. bis 21. Juni 2026** verwandelt sich der Westen Hamburgs wieder in ein riesiges Kulturareal. Allerdings steht das Festival unter erheblichem finanziellem Druck.

Das *Hamburger Tagesjournal* berichtete von “Sorgen um die altonale”. Wegen eines massiven Budgetlochs läuft seit März eine Crowdfunding-Kampagne, um die nötigen 90.000 Euro zur langfristigen Sicherung des Festivals zusammenzubekommen. Da diese Summe noch nicht erreicht ist, wurde die Kampagne jetzt **bis Ende Juni verlängert**. Der Eintritt bleibt zwar nach dem “Pay what you want”-Prinzip frei, aber Spenden vor Ort sind in diesem Jahr überlebenswichtig.

Das Programm-Motto & Die Highlights: “Vor aller Augen”

Das diesjährige Motto lautet **”Vor aller Augen”** und setzt sich künstlerisch mit Demokratie, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Sichtbarkeit auseinander.

| Datum | Event / Programmpunkt | Ort / Details |

| **Fr, 12.06.** (Eröffnung) | **FINNA & Friends** (Konzert)
*Danach:* DJ Schmeisser | **Platz der Republik** (Festivalzentrum)
Start um 19:30 Uhr, freier Eintritt. |

| **Sa, 13.06. & So, 14.06.** | **Infomeile „Buntes Altona“** | Vom Altonaer Bahnhof bis zum Rathaus. Präsentation der Hamburger Kultur- & Freizeitlandschaft. |

| **Wochenende 13./14.06.** | **Parkour für eine bessere Welt** | **Christianswiese**. Interaktives Angebot der *jungen altonale* für Kinder & Jugendliche zum Thema gerechte Zukunft. |

| **Täglich (12.–21.06.)** | **Kulturfutter** | **Christianswiese**. “Rette, schnibbel und koche mit uns” – kreative Aktion gegen Lebensmittelverschwendung. |

| **Fr, 19.06. bis So, 21.06.** | **STAMP Festival** | Ganz Altona wird zur Open-Air-Bühne für internationale Straßenkünste, zeitgenössischen Zirkus und bildstarke Walkacts. |

| **Sa, 20.06. & So, 21.06.** | **altonale Flohmarkt & Kunstmarkt** | Flohmarkt rund um den Platz der Republik; Kunstmarkt auf der Wiese vor der Christianskirche. |

**Quellen-Check:** *altonale.de* (Offizielles Programm), *Stadtkultur Hamburg* (Meldung vom 02.06. zur Crowdfunding-Verlängerung) & *Szene Hamburg*.

Nolympia und die Woche danach:

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) betonte umgehend nachdem der Pulverdampf des Nein verflogen war, dass der rot-grüne Senat dadurch nicht beschädigt sei und man die Stadtentwicklung nun eben ohne die Spiele vorantreiben werde. In der Bürgerschaft entbrennt derweil eine hitzige Debatte über direkte Demokratie und die Frage, warum das Thema vor allem in den wohlhabenderen Stadtteilen zog, während der Rest der Stadt abwinkte. **Quellen-Check:** *Hamburger Tagesjournal* (Leitartikel und Analyse vom 01.–04. Juni) & *Abendblatt*.

Und was macht der HSV?

Das fiel diese Woche gar nicht weiter auf, denn es zählte auf dem HHer Boulevard nur …

Trainer-Beben auf dem Kiez: Blessin muss gehen, Rapp übernimmt

Drei Wochen nach dem bitteren Abstieg aus der Bundesliga und einer kleinen Ewigkeit an Rumeierei hat der FC St. Pauli die Reißleine gezogen. Am Donnerstag (04. Juni) wurde Cheftrainer Alexander Blessin offiziell freigestellt. Sportchef Andreas Bornemann dankte ihm zwar für die Arbeit, doch intern hieß es schnell: “Es passt nicht mehr”. Long story short: Nur einen Tag später, am Freitag, wurde **Marcel Rapp** (ehemals Holstein Kiel) als neuer Coach präsentiert. Er brennt darauf, das Projekt “Wiederaufstieg” sofort anzugehen. Aufstieg kann Rapp, absteigen dummerweise auch 😉 **Quellen-Check:** *MillernTon* (Lagebericht vom 04./05. Juni), St. Pauli POP, *SAT.1 Regional* / *dpa*.

Ohren zuhalten: Tornado-Alarm am Hamburger Flughafen

Nein, kein meteorologischer Wirbelsturm zieht über Fuhlsbüttel (auch wenn im Westen Deutschlands gerade einer wütete), sondern die Bundeswehr. Vom **08. bis 12. Juni** stationiert die Luftwaffe im Rahmen der Übung „Dispersed Operations 2026 – Panther Shield“ sechs Tornado-Kampfflugzeuge am Hamburg Airport.Hintergrund: Es wird trainiert, wie zivile Flughäfen im Ernstfall militärisch für Starts und Landungen genutzt werden können. Geflogen wird werktags zwischen 09:00 und 18:00 Uhr. Anwohner müssen sich auf eine ordentliche Geräuschkulisse einstellen. Der zivile Flugverkehr soll aber normal weiterlaufen. **Quellen-Check:** *Hamburger Tagesjournal* & *Offizielle Mitteilung Hamburg Airport*.

Kurioses aus dem Polizeireport (Abwegig, aber wahr)

Kopfhörer-Großeinsatz: Ein Mann setzte in seiner Wohnung die Kopfhörer so laut auf, dass er das Piepen seines Rauchmelders nicht hörte – die Nachbarn alarmierten die Feuerwehr, die am Ende die Tür aufbrach, während er seelenruhig Musik hörte. * **Quellen-Check:** *MOPO.de* (Blaulicht-Ticker der Woche)

PS – ich habe eine tolle Leserin, G. – eine Schulfreundin meiner Schwiegermutter. Sie hat mir auf meinen letzten Letter geantwortet, dass sie sehr traurig ist, dass Olympia nicht die Chance bekam, Hamburg anzuzünden. Das bringt vielleicht die Gefühlslage der meisten von uns gut auf den Punkt: die einen finden es schade, dass mit Nein gestimmt wurde, die anderen, dass sie mit Nein stimmen mussten …

Vielleicht sehen wir uns ja zum Ausgleich auf der altonale, die passt als organisch gewachsenes Festival sowieso viel besser zu uns …

Haltet euch fuchtig, euer Erik

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(B)Logbuch

Olympiaschock für Tschentscher — ein heilsamer?

Mein Freund Markus und ich diskutieren gerne. Über die große und kleine Politik, über die Stadt, unsere Stadtteile, über Fußball und den FC St. Pauli. Selten sind wir einer Meinung.

(Markus meint sogar, wir sind wie Hauser und Kienzle, wenn die noch jemand kennt)

„Peter Tschentscher hat fertig“, startet er unseren beinahe täglichen Podcast ohne Aufnahme. Und in den nächsten zehn Minuten komme ich kaum zu Wort, nicke nur und sage ab und an – „genau“.

Die Hamburgerinnen haben der SPD G20 nicht verziehen, das Scholz nach der letzten gescheiterten Olympiabewerbung über die Stadt hat hereinbrechen lassen.

Die Hamburgerinnen stöhnen jetzt schon unter marodem Nahverkehr, Dauerbaustellen und einer manipulierten Mietpreisbremse.

Jedes, aber auch jedes Bauvorhaben in HH wird bis zu 10x teurer als geplant. Und am schlimmsten: statt das zuzugeben, wird mit Vermietung an städtische Museen getrickst.

Die Verbandelung von SPD und Bauwirtschaft in Hamburg ist legendär. Der Fokus auf Touristik Senatsräson seit 20 Jahren.

Die Fegebank lächelt derweil alles weg, was mal grüne Politik war.

Und dann die Plakate, DIE PLAKATE! Uninspiriert, pseudo-bunt und mit handfesten Drohungen drauf. Wenn du Rollifahrer n Aufzug an der Station willst, stimme gefälligst für Olympia, oder lerne wieder zu gehen. Neubauten an Wohnungen? Nur mit 10.000 Athletinnen zu machen.

Was für ein Offenbarungseid.

Dressel schaut mit seinen Hundeaugen auf die Scherben einer Kampagne, die die Losgelöstheit der Hamburger SPD von ihren Bürgerinnen schonungslos offen legte (und dazu brauchte man kaum die gut gemachte Grassroot-Gegenkampagne #Nolympia und ihre validen Argumente)

Peter Tschentscher hat fertig, wenn er nicht erkennt, dass seine Arroganz diese Bewerbung gekillt hat.

(Und Udo Lindenberg kann sich auch gehackt legen, uncool!)

Titelfoto: Hamburg.de, Gewonnene Stadtteile, dunkel Nein, hell Ja.