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(B)Logbuch

Klar zur Wende – zur Wintersonnenwende

Wintersolistice,
21. Dezember um drei Uhr drei Minuten.

Seit gestern um kurz nach drei wird es wieder heller. Ich verabschiede die Momente des Jahres 2025 und beginne das, was die Azteken die „tote Zeit“ nannten – die Zeit zwischen den Jahren, in der man irgendwann vergisst, welchen Wochentag wir haben.

Den Glücklicheren von uns passiert das früher, die anderen haben noch Spaß mit DPD.

Diese Tage zwischen den Jahren sind magisch, trotz Nebelschwaden nahe dem Gefrierpunkt und immer noch langen klammen Abenden. Denn sie sind so ambivalent wie das Leben. Egal ob in Altona oder Friesland.

Hektisch und besinnlich gleichzeitig wird weniger gebloggt und gepostet – und das ist gut so. (Ich liebe es übrigens, an Heiligabend noch etwas Vergessenes einzukaufen – alle sind entspannt, der Stress der Vorweihnachtszeit fällt sprichwörtlich aus den Gesichtern. Verkäuferinnen lächeln und Kunden grüßen nett)

Nach einer alten Überlieferung ist das Gewebe zwischen den Dimensionen nie so blickdünn wie zur Zeit zwischen dem was geht und dem was kommt. Und auch wenn ich weiß, dass der 1. Januar den 24 Stunden davor zum Verwechseln ähnlich sieht, ist 2026 gefühlt heute noch weit weg.

Zwischen den Jahren soll man loslassen und nix Neues beginnen. Und doch geht es mir regelmäßig so, dass mein Verstand mir 1000 Ideen ins Bewußtsein schmeißt. Als intuitiver Blogger will ich dann gleich beginnen – und tue das meist auch.

Unterbrechen wir aber mal kurz den Flow of Consiousness. Vielen herzlichen Dank an euch alle. An die Lesenden, meine Kritikerinnen (muss ich nicht gendern;), an Christoph für seinen ewigen Support, für die Ebook-Downloader und meine 11 Kaffespender.

Ihr seid toll!

Nehmt euch n Tee oder n Grog und lest n gutes Buch. Kommt zur Ruhe und denkt nicht zuviel nach. Die Zukunft kommt von ganz allein.

Wer mag, kann sich das Iging des kommenden Jahres werfen. (Mir rät das Iging mit dem Hexagramm 45, mich mehr auf meine Community zu verlassen – das ist doch mal n guter Rat 😉

PS Titelfoto: Ich sag doch, schon heute ist es kaum zu unterscheiden, ob 1 Foto echt oder KI-generiert ist. Das Titelfoto ist es – eins davon 😉

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Übers Bloggen

„Deutscher Schriftsteller“

Als ich klein war, wollte ich zwei Dinge werden. Busfahrer und Schriftsteller. Eins davon bin ich inzwischen – wenn man Google glauben will.

Ich erinnere mich noch gut. Meine Omi und ich waren auf einer unserer immergleichen Ausfahrten. Von Neumühlen fuhren wie mit der Hadag-Fähre nach Finkenwerder, aßen eine Kleinigkeit am Kiosk direkt am Anleger (den es übrigens heute noch gibt, und in dem es immer noch lecker-gruselig nach Pommesfett riecht) und nahmen ein wenig später die Fähre nach Teufelsbrück. Dort spielte ich ein wenig im Sand zwischen den beiden mächtigen Stahlbrücken, bevor es mit dem Schnellbus die Elbchaussee wieder rauf ging.

Wir warteten Teufelsbrück auf den Bus als sie mich fragte, was alle Großeltern irgendwann fragen: „Was willst Du eigentlich mal werden, wenn Du groß bist?“.

Ich saß gerne vorne im Bus und beobachtete die Busfahrer beim busfahren. Besonders wie sie die beiden Knöpfe bedienten, die beide Türen zischend auf und zugehen ließen, faszinierte mich. Die meisten drückten beide gleichzeitig; die in meinen Augen cooleren, drückten die Knöpfe kurz hintereinander, sodass sich das Zischen der Hydraulik wie in einem Sample überlagerten.

Kein Wunder also, dass ich „Busfahrer“ antwortete. Warum ich nach kurzem Nachdenken „und Schriftsteller“ hinterher schob, weiß ich nicht mehr.

Einige Jahre später verfestigte sich der etwas merkwürdige Berufswunsch, als ich Adriano Celentano (Ornella Muti! hach, was war ich verschossen) als Barnaba busfahren sah. Ein besseres Role Model war kaum zu finden Anfang der 1980er Jahre. In „Gib dem Affen Zucker“ (auch eine verschwundene Kunst – deutsche Titel für ausländische Filme!) spielte er einen knorrigen Busfahrer, der eine Prinzessin kennenlernte. Das wär was.

Ich erweiterte den Plot ein wenig und stellte mir vor, dass Celentano (also ich später) in den Wartezeiten an der Endhaltestelle an Buchmanuskripten schrieb. Später sollte mir erzählt werden, dass einer meiner großen Helden, Philippe Djian, eben dies gemacht hatte. Nur statt in einem Bus, eher gelangweilt in einer französischen Maut-Station.

„Betty Blue“ hat mich geflasht, wie wohl viele in meiner Generation. Heute noch lese ich seine Bücher gerne und werde mit ihnen und seinen Protas älter.

Übers Bloggen bin ich zum Schreiben gekommen – und darüber älter aber nicht berühmt geworden (das war Anfang der 2010er nicht ganz ausgeschlossen, da waren Blogs zumindest in den USA der neue heiße Schiet und Verleger rollten uns in München rote Teppiche aus).

Wobei ich anders als mein ebenfalls bloggender Freund Christian, noch keine Muße fand, eine Geschichte in Romanform zu gießen – die lange Form ist bisher nicht meine (seinen Roman kann ich euch aber herzlich empfehlen – Das Erbe ist ein queerer Poproman aus HH).

Wenn ihr Lust habt, dann lest meine Ebooks kostenlos+ via Ko-Fi, oder kauft meine Taschenbücher bei amazon und das Hardcover bei Thalia – ich freue mich über Feedback – und wer weiß, vielleicht habe ich ja irgendwann soviel Muße, die Langform anzugehen. Anstatt an einer Endhaltestelle vielleicht in einem Cockpit mit Blick in den Sonnenuntergang 😉

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(B)Logbuch

Erinnerungen an eine Schwüle

Auf die Hitze folgt die Schwüle. Die auch nachts nicht weichen will. Betört mit ihrem steten Druck die Ruhe-suchenden Menschen.

Lustigerweise ist „schwühl“ etymologisch das Gegenteil von „kühl“.

Auch erotisch, wie es schon 1855 in den „Die drei gerechten Kammacher“ hieß:

»O Thees!« rief sie und drückte sich fester an ihn; es ward ihm schwül

Nach betört kommt unangenehm; so ist das Gesetz des Rock n Roll.

[ frei nach G. Keller “Kammacher” 6, 240]

Des Autors Ideen

Wie einige von euch wissen, habe ich dem Vahraonen, Sven Regener, vor Jahren mal das Bloggen beigebracht. Ich war sofort fasziniert von seiner Interpretation dessen, was wir als fiktives, persönliches Tagebuch zu der VÖ seiner Platte besprochen hatten. Er erfand schnell einen Protagonisten, den er Hamburg-Heiner nannte.

Und wählte als Antagonisten einen Celebrity aus seiner Branche, den damals sehr bekannten Musikmanager Thomas M. Stein.

Ich hatte eben die Idee, ob ich das nicht auch so machen sollte. Einen Co-Prota hätte ich schon: “den Kölner” – anders als seine Landsleute nicht lebensfroh, sondern in tiefen Wesenszügen melancholisch. Er hasst Karneval und ist deswegen nach Norddeutschland geflüchtet.

Als Antagonisten fiel mir sofort Thees Uhlmann ein. Eigentlich ein netter Kerl – vielleicht zu nett – hat er mir gar nix getan. Und es sagte mehr über meine innere Verfassung aus, als über seine, wenn ich ihn in meine Blogposts einbaute 🙂 … was meinste?

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Übers Bloggen

„Der ist verrückt, der hasst seine Möbel Bücher“

„Du bist doch bekloppt, Deine Ebooks zu verschenken“, sagt M. am Telefon.

Sie mag meine Bücher. Und sie kennt mich gut.

Mein erster Chef sagte immer, sagt M., „Was nix kostet, ist nix wert“.

Ja, ja, sage ich, das mag ja sein, er sagte aber auch, dass Prince Michael Jackson nicht das Wasser reichen könne — welch ein Narr!

M. liebt Zitate. Ich liebe M. Also gebe ich ihr eins: „Bücher sind dafür da, gelesen zu werden“. Meine auch. Deswegen verschenke ich Sie, damit sie gelesen werden. Und wer sie gut findet, der gibt was – daher das Plus….

Ich habe nur eine Bitte: lies sie auch, meine Ebooks 😉

PS Und was soll der Titel?, fragt M. bevor wir gehen. Kennst du noch die Radiowerbung aus den 80ern?

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Trutzburg Millerntor

Vor mehr als zehn Jahren erzählte mir mein guter Freund M. von einer Romanidee. Er skizzierte eine schwule Liebesgeschichte in einer fernen Zukunft.

Die bundesstaatliche Ordnung hat sich aufgelöst. Macht wird von multinationalen Verwaltungskonzernen organisiert, die allesamt einer Clique von Milliardären gehören.

Durch ländliche Gebiete marodieren faschistische Banden. Ganz Mecklenburg-Vorpommern ist ein Gefängnis, in dem die Menschen sich selbst und nackter Willkür überlassen werden (ich weiß noch, dass ich mir Snake Pliskens New York City in einer Art Rostocker Version vorstellte). Aus einem dieser Gefängnisse flieht sein Held. In die Freie Stadt Hamburg. Im Centrum gibt es eine Trutzburg, die früher einmal ein Fußballstadion war. Im Millerntor leben die Menschen frei und vielfältig, allerdings unter ständigen Angriffen der corporativen Ordnung.

Wir sprachen über die Liebe in Zeiten der Repression, wie sich die Liebenden verlieren, wiederfinden und wie weit weg uns das vorkommt.

Seit diesem Januar ist aus der fantastischen Romanidee etwas geworden, was bedrohlich reale Formen annimmt.

Ich muss ihn dringend anrufen und fragen, wie es weiter geht.
Ich hoffe, es geht am Ende gut aus.

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Auf Reisen

Grüner Himmel

Plötzlich verfärbte sich der Himmel grün. Meine Frau sprang vom Küchentisch auf und befahl: „Bring die Kinder ins Auto. Sofort!“ „Aber warum? Was ist los?“, stotterte ich. „Ich erklär’s dir später. Los, beweg dich!“ drängte sie, ihre Stimme scharf wie das Tonatenmesser, das sie immer noch in der Hand hielt. Während ich die Kinder in den Kombi scheuchte, rief ich über die Schulter: „Wohin fahren wir? Sollen wir Essen und Wasser mitnehmen?“ „Schon längst im Kofferraum“, erwiderte sie knapp, während sie eine kleine hölzerne Box aus einer Schublade zog. Sie öffnete sie, und ich sah Reisepässe, fremdartige Geldscheine und – zu meinem Entsetzen – etwas, das verdächtig nach einer automatischen Pistole aussah. „Wo, verdammt nochmal, hast du das her?“ stammelte ich. „Du wirst schon sehen“, sagte sie und ihre Stimme klang plötzlich seltsam ruhig. „Aber wir müssen sofort los.“ „Wohin überhaupt?“ beharrte ich. Ihre Lippen verzogen sich zu einem fast amüsierten Lächeln. „Du wolltest doch immer meine Familie kennenlernen“, sagte sie. „Heute ist dein Glückstag.“ Dann küsste sie mich, zog einen Helm über ihren Kopf und ging zur Garage. „Ich nehme die BMW. Du fährst hinterher. Egal, was am Straßenrand passiert, du hältst nicht an. Verstanden?“ Ich nickte, obwohl ich kaum atmen konnte vor lauter Aufregung. „Wir müssen auf 150 beschleunigen“, erklärte sie und ihre Stimme hallte in der Stille des Garagentors nach. „Dann wirst du vor uns einen silbrigen, leuchtenden Kreis sehen. Keine Angst. Nicht bremsen. Nicht zögern — einfach weiterfahren.“ „Aber ich brauche mein Handy, um die Schule anzurufen“, protestierte ich. „Du brauchst es nicht. Funktioniert sowieso nicht, dort wo wir dann sind“, sagte sie mit einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. Ihre Worte hingen in der Luft, schwer wie der erste Donnerschlag eines aufziehenden Sturms. Draußen hatte der Himmel jetzt einen giftigen, unwirklichen Schimmer, und ich spürte, dass wir etwas hinter uns ließen – etwas? Alles!, unser Leben, zu dem wir nie zurückkehren würden. *** Dieser Text ist Teil eines Kreativexperiments aus dem Social Network Mastodon. Der Autor des englischen Originals, @knodel, erlaubte mir eine deutsche Version anzufertigen.
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Dunkerly

In #Dunkerly wird es früh duster zu dieser Zeit des Jahres.

Die Touristen, die im Sommer mit Hausbooten die Schleuse zum See verstopfen, sind längst wieder in den Städten, konsumieren.

Hier ist man jetzt unter sich. Als der Korrektor der Grundschule ziemlich dun vor die Tür des Pubs trat, hatte es gerade aufgehört zu regnen.

Als er in den kalten Himmel schaute, stoben weiße Wolken auseinander, als gäbe es im Norden was umsonst. Er schlug den Kragen hoch und steckte die klammen Finger in die Manteltasche. Hej, freute er sich: da war ja der Rest vom Schokonikolaus.


Ich hab seit langer, langer Zeit mal wieder von meinem Blog aus auf einen anderen reagiert. Den vom famosen Herrn Buddenbohm, der das schon ewig macht, jeden Tag.

Und der zusamnen mit Word, Dunkerly erfunden hat.

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Auf ein Jahr des Träumens

Die Natur strebt nach stabilen Zuständen — so auch wir als Teil von ihr.

Wenn dann mal kein Land in Sicht ist, ärgern uns absurde Ideen, denen wir versuchen aus dem Weg zu gehen. Was aber, wenn wir Klabauters Stiimme zulassen; uns einlassen?

Im Nebel ist jede Richtung gleich richtig. Verstand und Augen nutzlos. Lass ihn herankommen, den Traum. Schemenhaft kannst Du die Neonreklame schon sehen: „Äntschis Hundeparadies“.

(Für Andrea, am Beginn des Jahres der Träume)

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Überall Halodris

Heute bin ich von M.s Anruf aufgewacht. Er will sicher über Trump reden, denn er hat es wie immer vorher gewusst.

Eigentlich, sagt M., müssten wir den US-Präsidenten wählen, denn in den USA hat er gar nicht so viel Macht. Ins Außen wirkt er viel mehr.

Können wir aber nicht. Also, sagt er noch, kümmern wir uns doch um uns selbst.

OK: CDU fordert mehr Parkraum am HSV-Stadion. Ein Halodri-Politiker aus Sylt stirbt beim Sex in Hamburg.

Hmm, muss nun doch an Trump denken.

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20 Books: „Erogene Zone“

Ich liebe Memes – und springe da wie ein Teenager drauf. Heute also 20 books in 20 days.

1/20: Philippe Djian – „Erogene Zone“ (Zone Erogene)

So wollte ich lange Zeit werden, wie der Held in Djians Roman. So herrlich hoffnungslos verloren in Leidenschaften. 😉

Djian hat wohl eine ganze Jungengeneration der #GenX in den 80ern aufs Mannsein vorbereitet (manche sagen, er sei dort stehen geblieben).

Die Mysterien Leben und Liebe meistert man nicht – man scheitert mit Stil.

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1 Jahr 500 Zeichen

Ein Jahr #500Zeichen im Fediverse und im Blog.

Was als kleines Formatexperiment begann, ist immer noch eines, nur dass mehr als 250 Menschen den mehrtäglichen Posts per Newsletter oder bei Mastodon folgen. Fünf von euch haben mich bei SteadyHQ oder Ko-Fi sogar mit nem Kaffeegeld versorgt. Dazke dafür.

Ich überlege, ob ich das Format überarbeiten soll? Euer/ Dein Feedback ist mir dafür sehr wertvoll. Also bitte: teile und schick mir 1 Reply mit Deinen Ideen.

Ahoi.
Erik.

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Einhand um die Welt

Einhand um die Welt – Kapitel 1

Index: „Einhand um die Welt“ von Joshua Slocum


In dem schönen Land Nova Scotia, einer Meeresprovinz, erhebt sich ein Gebirgszug namens North Mountain, der einerseits auf die Bay of Fundy und andererseits auf das fruchtbare Annapolis-Tal blickt. Auf dem Nordhang des Gebirges wächst robuste Fichte, perfekt für den Schiffsbau, aus der schon so viele Schiffe aller Klassen und Formen entstanden sind. Die Menschen entlang dieser Küste sind hart, robust und stark und neigen dazu, mit der ganzen Welt zu konkurrieren. Es spricht immer für einen Seemann, wenn seine Geburtsstadt Nova Scotia ist. Ich wurde an diesem kalten Ort, am kältesten North Mountain, an einem kalten 20. Februar geboren, obwohl ich Bürger der Vereinigten Staaten bin – ein eingebürgerter Yankee, würde ich sagen, dass Nova Scotians nicht im wahrsten Sinne Yankees sind. Alle in meiner Familie waren Seefahrer; und wenn ein Slocum auftaucht, der nicht zur See gefahren ist, wird er zumindest die Neigung haben, Modelle von Booten zu schnitzen und Seereisen zu planen. Mein Vater war ein Mann, der, wenn er auf einer einsamen Insel gestrandet wäre, nur mit einem Taschenmesser und einem Baum den Weg nach Hause gefunden hätte. Er war ein guter Kenner von Booten, aber der alte Lehmhof, den ihn irgend ein Unglück einbrachte, war sein Anker. Er fürchtete sich nicht vor einer Prise Wind und er nahm nie seinen Platz in der Kirche ein.

Mich haben die Wunder des Meeres von klein an fasziniert. Im Alter von acht Jahren war ich bereits mit anderen Jungs in der Bucht unterwegs, mit erheblichen Chancen zu ertrinken. Noch als Junge hatte ich dann den wichtigen Posten des Kochs auf einem Fischereischiff inne; aber ich war nicht lange in der Kombüse, denn die Besatzung meuterte beim Anblick meines ersten Duffs und „warf mich raus“, bevor ich die Chance hatte, als kulinarischer Künstler zu glänzen. Der nächste Schritt auf dem Weg zum feuchten Glück führte mich als Matrose auf einem vollgetakelten Schiff auf eine Auslandsreise. So kam ich „über die Bugspitze“ und nicht durch die Kabinenfenster zum Kommando über ein Schiff.

Mein bestes Kommando war das der prächtigen Northern Light, von der ich Teilbesitzer war. Ich hatte allen Grund, stolz auf sie zu sein, denn zu dieser Zeit – in den Achtzigern – war sie das beste amerikanische Segelschiff, das es gab. Danach besaß und segelte ich die Aquidneck, eine kleine Bark, die mir von allen am nächsten an die Vollkommenheit der Schönheit heran kam und die, wenn der Wind wehte, keine Angst vor Dampfern hatte. Ich war fast zwanzig Jahre lang Schiffskapitän, als ich ihr Deck an der Küste von Brasilien verließ, wo sie Schiffbruch erlitt. Unsere Heimreise nach New York mit meiner Familie unternahmen wir im Kanu Liberdade, diesmal ohne Unfall.

Meine Reisen waren alle ins Ausland. Ich segelte hauptsächlich als Frachterkapitän und Händler nach China, Australien und Japan und runter zu den Spice Islands. Mein Leben sollte seine Tauenden nie an Land aufwickeln, dessen Bräuche und Sitten vergaß ich schließlich fast. Und so, als die Zeiten für Frachter schlecht wurden, wie sie es schließlich taten, und ich versuchte, das Meer zu verlassen, was blieb einem alten Seemann da zu tun? Ich wurde in die Brisen hinein geboren und hatte das Meer studiert, wie vielleicht nur wenige Männer, alles andere vernachlässigend. Als nächstattraktives kam nach der Seefahrt der Schiffbau. Ich sehnte mich danach, Meister in beiden Berufen zu sein, und mit der Zeit, gelang es mir, meinen Wunsch zu erfüllen. Von den Decks starker Schiffe aus hatte ich in den schlimmsten Stürmen Berechnungen angestellt, um die Größe und Art des sichersten Schiffes für jedes Wetter und jede See zu bestimmen. So war die Reise, von der ich jetzt erzählen werde, ein natürliche Konsequenz nicht nur meiner Abenteuerlust, sondern meiner lebenslangen Erfahrung.

An einem Wintermittag des Jahres 1892, in Boston, wo ich vor einem Jahr oder zwei vom alten Ozean angespült worden war, überlegte ich, ob ich mich um ein Kommando bewerben und wieder mein täglich Brot auf See verdienen oder ob ich in der Schiffswerft arbeiten sollte, als ich einen alten Bekannten traf, einen Walfänger-Kapitän, der sagte: „Komm nach Fairhaven und ich werde dir ein Schiff geben. Aber“, fügte er hinzu, „sie braucht einige Reparaturen.“ Die Bedingungen des Kapitäns waren für mich mehr als akzeptabel. Sie beinhalteten all die Unterstützung, die ich benötigen würde, um das Schiff seetüchtig zu machen. Ich war nur zu froh, sein Angebot anzunehmen, denn ich hatte bereits festgestellt, dass ich keine Arbeit in der Werft bekommen konnte, ohne zuerst fünfzig Dollar an eine Gesellschaft zu zahlen, und was ein Schiff zu befehlen angeht – es gab nicht genug Schiffe für alle. Fast alle unsere hochbordigen Schiffe waren zu Kohlenkähnen umgebaut worden und wurden schamhaft von einem Hafen zum anderen geschleppt, während sich viele würdige Kapitäne in den Seemannsheimen am Müßiggang versuchten.

Am nächsten Tag landete ich in Fairhaven, gegenüber von New Bedford, und fand heraus, dass sich mein Freund einen Scherz mit mir erlaubt hatte. Das „Schiff“ entpuppte sich als veraltete Slup namens Spray, von der die Nachbarn behaupteten, sie sei im Jahr 1 gebaut worden. Sie wurde liebevoll auf einem Feld in einiger Entfernungen zum Salzwasser abgepallt und war mit grober Leinwand bedeckt. Die Leute von Fairhaven sind fleißig und aufmerksam. Sie hatten sieben Jahre lang gefragt: „Ich frage mich, was Kapitän Eben Pierce mit der alten Spray machen wird?“ Als ich auftauchte, gab es ein Summen an der Klatschbörse: Endlich war jemand gekommen und arbeitete tatsächlich an der alten Spray. „Du wrackst sie ab, nehme ich an?“ „Nein; werde sie wieder aufbauen.“ Die Verblüffung war groß. „Wird sich das lohnen?“ war die Frage, auf die ich ein Jahr oder mehr lang antwortete, indem ich erklärte, dass ich es lohnend machen würde.

Meine Axt fällte einen kräftigen Eichenbaum in der Nähe für einen Kiel, und Bauer Howard brachte für einen kleinen Geldbetrag diesen und genug Balken für den Rahmen des Schiffes ein. Die Balken für die Rippen, gerade Stangen, wurden gedreht und bedampft, bis sie geschmeidig waren, und dann über einem Balken gebogen, wo sie befestigt wurden, bis sie gesetzt waren. Jeden Tag zeigte sich etwas Greifbares als Ergebnis meiner Arbeit, und die Nachbarn machten die Arbeit gesellig. Es war ein großartiger Tag in der Spray-Werft, als ihr neuer Steven aufgerichtet und am neuen Kiel befestigt wurde. Walfänger kamen von weit her, um ihn zu begutachten. Mit einer Stimme erklärten sie ihn für „A 1“ und in ihrer Meinung „geeignet, Eis zu zerschlagen.“ Der älteste Kapitän schüttelte mir herzlich die Hand, als die Brusthaken eingesetzt wurden, und er erklärte, dass er keinen Grund sah, warum die Spray nicht noch vor der Küste Grönlands „Bartenwale zerschneiden“ sollte. Das sehr geschätzte Steven-Stück stammte aus dem Kern des härtesten Eichenbaumes auf der Weide. Es spaltete später einen Korallenfleck in zwei Teile auf den Keeling-Inseln und erhielt keinen eigenen Kratzer. Besseres Holz für ein Schiff als Weideneiche wuchs nie. Die Brusthaken sowie alle Rippen waren aus diesem Holz und wurden wie erforderlich gedämpft und gebogen. Es war hart im März, als ich ernsthaft mit der Arbeit begann; das Wetter war kalt; dennoch gab es genügend Inspektoren, die mir mit Rat beisprangen. Wenn ein Walfänger in Sicht kam, ruhte ich einfach eine Weile auf meinem Stechbeitel und „schwätzte“ mit ihm.

New Bedford, die Heimat der Walfänger, ist durch eine Brücke mit Fairhaven verbunden. Sie „arbeiteten sich“ nie oft genug zum Werftgelände für mich hinauf. Es waren die charmanten Geschichten über den arktischen Walfang, die mich dazu inspirierten, der Spray einen doppelten Satz Brusthaken zu verpassen, damit sie Eis ausweichen konnte.

Die Jahreszeiten vergingen schnell, während ich arbeitete. Kaum waren die Rippen der Slup fertiggestellt, als die Apfelbäume blühten. Dann kamen die Gänseblümchen und die Kirschen bald danach. In der Nähe des Ortes, an dem die alte Spray nun aufgebockt war, ruhten die Asche von John Cook, einem verehrten Pilger-Vater. So erhob sich meine Spray von heiligem Boden. Vom Deck des neuen Schiffes aus konnte ich meine Hand ausstrecken und Kirschen pflücken, die über dem kleinen Grab wuchsen. Die Planken für das neue Schiff, die ich bald aufzusetzen begann, waren aus Georgia-Kiefernholz, anderthalb Zoll dick. Sie aufzusetzen, war mühsam, aber wenn sie einmal drauf waren, war das Abdichten einfach. Die äußeren Kanten standen leicht offen, um das Abdichten zu ermöglichen, aber die inneren Kanten waren so dicht, dass ich kein Tageslicht zwischen ihnen sehen konnte. Alle Nähte waren mit Durchbolzen befestigt, die mit Schraubenmuttern an den Balken befestigt waren, damit es keine Beschwerden gab. Viele Bolzen mit Schraubenmuttern wurden an anderen Stellen der Konstruktion verwendet, insgesamt etwa tausend. Mein Ziel war es, mein Schiff kräftig und stark zu machen.

Jetzt ist es ein Gesetz in Lloyd’s, dass die Jane, die ganz aus dem Alten repariert wurde, bis sie völlig neu ist, immer noch die Jane ist. Die Spray änderte ihre Existenz so allmählich, dass es schwer zu sagen war, an welchem Punkt das Alte starb oder das Neue geboren wurde, und das war egal. Die Schanzkleider baute ich aus Weißeichenständern, vierzehn Zoll hoch, und bedeckte sie mit siebenachtel Zoll dickem Weißkiefernholz. Diese Ständer, die durch eine zweizollige Decksplanke geführt wurden, habe ich mit dünnen Zedernkeilen abgedichtet. Sie sind seitdem perfekt dicht geblieben. Das Deck bestand aus eineinhalb mal drei Zoll dickem Weißkiefernholz, das auf sechs mal sechs Zoll großen Balken aus Gelbkiefer oder Georgia-Kiefer gespießt wurde, die drei Fuß voneinander entfernt waren. Die Deckseinschlüsse waren eine über der Öffnung des Hauptlukens, sechs mal sechs Fuß groß, für eine Kochgalerie, und ein weiterer Trichter weiter achtern, etwa zehn Fuß mal zwölf Fuß groß, für eine Kabine. Beide ragten etwa drei Fuß über das Deck hinaus und waren ausreichend in den Raum eingelassen, um Stehhöhe zu bieten. In den Zwischenräumen entlang der Seiten der Kabine, unter dem Deck, richtete ich eine Schlafkoje und Regale für kleine Aufbewahrungsmöglichkeiten ein, wobei ich auch einen Platz für die Arzneimittelkiste nicht vergaß. Im mittschiffs liegenden Laderaum, das heißt, der Raum zwischen Kabine und Galerie, unter dem Deck, war Platz für Vorräte an Wasser, gesalzenem Rindfleisch usw., ausreichend für viele Monate.

Der Rumpf meines Schiffes war nun so fest und stark zusammengesetzt, wie es Holz und Eisen konnten, und die verschiedenen Räume waren abgetrennt. Ich machte mich ans „Abdichten des Schiffs“. Einige hatten ernsthafte Bedenken, dass ich an diesem Punkt scheitern würde. Ich selbst dachte über die Zweckmäßigkeit eines „professionellen Kalfaters“ nach. Der allererste Schlag, den ich mit dem Kalfatereisen auf die Baumwolle setzte, den ich für richtig hielt, hielten viele andere für falsch. „Es wird kriechen!“ rief ein Mann aus Marion, der mit einem Korb voller Muscheln auf dem Rücken vorbeiging. „Es wird kriechen!“ rief ein anderer von West Island, als er sah, wie ich Baumwolle in die Fugen trieb. Bruno wedelte einfach mit dem Schwanz. Selbst Mr. Ben J——, eine bekannte Autorität auf Walfangschiffen, dessen Verstand jedoch als wankend bezeichnet wurde, fragte eher zuversichtlich, ob ich nicht glaube, „es würde kriechen.“ „Wie schnell wird es kriechen?“ rief mein alter Kapitänsfreund, der von vielen lebhaften Pottwalen gezogen worden war. „Sag uns, wie schnell“, rief er, „damit wir rechtzeitig im Hafen ankommen können.“

Wie auch immer, ich trieb einen Faden Eichenmoos über die Baumwolle, wie ich es von Anfang an vorhatte. Und Bruno wedelte wieder mit dem Schwanz. Die Baumwolle „kroch“ nie. Als das Kalfatern beendet war, wurden zwei Schichten Kupferfarbe auf den Boden geklatscht, zwei Schichten Bleiweiß auf die Bordwände und die Schanzkleider. Das Ruder wurde dann montiert und gestrichen, und am nächsten Tag wurde die Spray zu Wasser gelassen. Als sie an ihrem alten, rostigen Anker hing, saß sie wie ein Schwan auf dem Wasser.

Die Abmessungen der Spray betrugen bei Fertigstellung zweiunddreißig Fuß neun Zoll Länge, über alles, vierzehn Fuß zwei Zoll Breite und vier Fuß zwei Zoll Tiefe im Laderaum, ihre Tonnage betrug neun Tonnen netto und zwölf Tonnen und einundsiebzig Hundertstel Brutto.

Dann wurde der Mast, eine schlaue New Hampshire-Fichte, angebracht, und ebenso alle kleinen Hilfsmittel, die für einen kurzen Kreuzfahrt notwendig waren. Segel wurden angeschlagen, und weg flogen wir, mein Freund Kapitän Pierce und ich, über Buzzard’s Bay auf einer Probefahrt – alles in Ordnung. Das einzige, was meine Freunde entlang des Strandes jetzt beunruhigte, war: „Wird es sich auszahlen?“ Die Kosten für mein neues Schiff betrugen 553,62 Dollar für Materialien und dreizehn Monate meiner eigenen Arbeit. Ich war noch einige Monate länger in Fairhaven, denn hin und wieder fand ich Arbeit auf einem gelegentlichen Walfangschiff, das weiter unten im Hafen passte, und das hielt mich in der Überstunde.

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Einhand um die Welt

Einhand um die Welt

von Joshua Slocum
Originaltitel: „Sailing Alone Around the World“
Übersetzung von Erik Hauth (blog.ring2.de); tlw. unterstützt von AI
Illustrationen: Thomas Fogarty, George Varian

Kapitel 1: Abstammung Neuengland mit Hang zum Yankee-Doodle – Jugendliebe Meer – Kapitän der Northern Light – Verlust der Aquidneck – Rückkehr aus Brasilien im Kanu Liberdade – Das Geschenk eines „Schiffes“ – Der Wiederaufbau der Spray – Rätsel aus Finanzen und Dichtung – Die Taufe der Spray.

Der einsame Mann und das Meer: Die Abenteuer des Joshua Slocum

Als ich die Geschichte von Joshua Slocum hörte, erinnerte sie mich an die wagemutigen Seefahrer aus vergangenen Zeiten. Sein Leben und seine Reisen, von denen er in seinem Buch „Sailing Alone Around the World“ berichtete, faszinierten mich. Hier war ein Mann, der sich in den endlosen Weiten des Ozeans verlor, um die Welt mit nichts als seinem Boot und seinem Mut zu umrunden.

Eine Neuübersetzung des Segelklassikers „Sailing around the world“ mithilfe von AI und eigenem Redigieren

Erik Hauth, Blogger und Übersetzer

Slocum war kein Mann vieler Worte, aber seine Taten sprachen Bände. Sein Leben war ein ständiger Kampf gegen die Elemente, ein Tanz mit dem Wind und den Wellen, der ihn durch die unendlichen Weiten des Meeres führte. Als ich mir seine Reisen vorstellte, konnte ich nicht umhin, an die Geschichten von Ernest Hemingway zu denken, an die Männer, die mutig genug waren, das Unbekannte zu erforschen und ihre Grenzen zu überschreiten.

Seine Reise begann in Fairhaven, Massachusetts, wo er seine kleine Segelyacht, die Spray, für die lange Reise vorbereitete. Es war ein bescheidenes Boot, aber für Slocum war es alles, was er brauchte. Mit nur einem Handgriff und dem Wunsch, die Welt zu sehen, stach er in See.

Die Reise war nicht einfach, und Slocum traf auf zahlreiche Herausforderungen. Stürme peitschten über das Meer, und die Einsamkeit der endlosen Weiten des Ozeans war manchmal überwältigend. Doch Slocum zeigte eine unerschütterliche Entschlossenheit, die ihn über alle Hindernisse hinwegtrieb.

Er segelte durch die raue See des Atlantiks, passierte das Kap Hoorn und durchquerte den stillen Ozean. Seine Begegnungen mit den Menschen und Kulturen entlang seines Weges waren von großer Bedeutung, und er hielt sie in seinen Erzählungen fest, die die Essenz seiner Reise einfingen.

Es war nicht nur die physische Reise, die Slocum durchmachte, sondern auch eine Reise zu sich selbst. In der Stille des Ozeans fand er Frieden und Klarheit, und seine Worte reflektierten die tiefe Verbundenheit, die er mit dem Meer empfand.

Als er schließlich nach drei Jahren auf See nach Hause zurückkehrte, war er ein anderer Mann. Seine Reise hatte ihn verändert, und seine Geschichte inspirierte Generationen von Abenteurern und Träumern.

Joshua Slocum mag nicht die gleiche literarische Berühmtheit wie Ernest Hemingway erlangt haben, aber seine Abenteuer sind ebenso fesselnd und inspirierend. In seinen Erzählungen finden wir die Essenz des menschlichen Geistes, der sich gegen die Widrigkeiten der Natur stellt und dabei seine eigene Stärke entdeckt.

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Einhand-Seemannsgarn

Gegen Mitternacht zog der Nebel wieder zu, dichter als je zuvor. Man konnte fast „darauf stehen“. So ging es einige Tage lang weiter, und der Wind nahm zu, bis auf Orkanstärke.

Die Wellen schlugen hoch, doch ich hatte ein gutes Schiff. Dennoch fühlte ich mich in dem düsteren Nebel einsam, wie ein Insekt auf einem Strohhalm inmitten der Elemente.

Ich hielt das Ruder fest, und mein Schiff hielt ihren Kurs, und während sie segelte, schlief ich.

Joshua Slocum. 1935.


Title: Sailing Alone Around the World

Author: Joshua Slocum

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Hemingway meets St. Pauli

Was macht ein AI-Modell mit der Anweisung, einen jungen Amerikaner statt nach Paris nach Hamburg St. Pauli verschlagen zu lassen?

Tl;dr: AI kann keinen Hemingway schreiben; einzelne Passagen, leicht reduziert, sind aber brauchbare Vorlagen.


Hemingway besucht St. Pauli:

„Die Überreste der durchzechten Nacht klebten wie Schatten an ihm, die Erinnerungen an die Reeperbahn, die in seinen müden Augen flackerten, waren, ein frisches Gemälde vergangener Ausschweifungen, noch feucht.

Das Millerntor erhebt sich vor ihm: ein Tempel des Fußballs, dessen Tore Geschichten von Siegen und Niederlagen flüstern.

Der Rhythmus der Fangesänge dröhnt in seinen Ohren wie der Herzschlag dieser aufgewühlten Stadt.“

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Gölj

Es war früh. Das Watt und der Himmel gingen ohne Horizont ineinander über. Von dunklem in helles Grau.

Noch war niemand unterwegs, er hatte die Stille vor Sonnenaufgang für sich allein, als sein Stiefel im Schlick stecken blieb. So sehr er sich anstrengte, er bekam ihn nicht frei.

Hinter ihm legte etwas seine warme Hand auf seinen Rücken und begann zu singen: „Än göljn as dåt häär foon min Anemaleen, wat san we duch rik heer foon gölj“.

Panik umfasste ihn, denn die Flut war schon nah.

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Henry in Berlin

Henry Müller könnte ein amerikanischer Mittzwanziger sein, der aus Paris kommend auf seiner Europatour 1998 das Nachwende-Berlin entdeckt und sein schillernd-schäbiges Nachtleben:

„Der KitKat Club war mehr als nur ein Ort des Vergnügens – er war ein Spiegelbild der menschlichen Natur, ein Ort, an dem die Dunkelheit und das Licht, die Lust und der Schmerz aufeinandertreffen und eine einzigartige Erfahrung schaffen, die mich für immer verändert hat.“

Henry Müller

Ist er nicht; Henry ist ein LLM-generierter Autor, den ich mir ausgedacht habe. Er bloggt unter Berlin-Berlin.de.

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Spam-Poesie

Die Geschichte mit dem blinden Huhn und dem Korn passt auch auf Spamtexte, die von russischen, philippinischen oder kigerianischen Botfarmen millionenfach und schlecht übersetzt zu uns geschickt werden.

Manchmal ergibt die hanebüchende Übersetzung beim zweiten Hinsehen etwas geradezu poetisches, lassen wir diesen 2. Blick zu. Resigniert selbst das digitale Böse an unserer Menschenwelt, wenn der Bot resümiert:

„Die Erhöhung ist nicht Vertrauen, sondern Bargeld“

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Kalter Kaffee in Kolumbien

So ungefähr einmal im Jahr überlege ich, mir eine Kaffeemühle anzuschaffen. Eine, die Bohnen in Espressopulver verwandelt und die Luft um sich herum gleich mit.

Und beinahe jedes Jahr verwerfe ich die Idee wieder. Zu umständlich.

Gestern traf ich G. zum Kaffee. Sie ist gerade aus Kolumbien zurück. Dort sei der Kaffee schrecklich, weil alle guten Bohnen nach Europa reisen. Für Kolumbianer blieben nur die schrumpeligen. Und gemahlener Kaffee sei die Pest.

Nu überlege ich wieder.

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Bummswach

Vier Uhr ist mein neues sieben. Bummswach drehe ich mich um. Aus dem Schlafland vertrieben lausche ich nach draußen. Eine Taube im Stimmbruch gurrt ausdauernd. Mehrere kleinere Vögel antworten, ihren hohen Stimmen nach klein – ich weiss nicht viel über sie, kann ihre Sprachen nicht erkennen.

Es ist der Tag vor Mittsommer. Die ewige Nummer zwei unter den längsten Tagen. Als ich aufstehe, sehe ich über dem Hafen die Sonne aufgehen.

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(B)Logbuch

Liveaboard Logbuch; Staffel 2 — „Wieder Wasser unterm Kiel“

Moin und willkommen zur 2. Staffel meines Logbuch-Newsletters über die fiktiven Abenteuers von Pit an Bord seiner Segelyacht.

Zwei Neuerungen wird es geben:

1. Ich schreibe in der schriftstellenden dritten Person, kombiniert mit Logbucheinträgen in der 1. Person; vor allem, um Zusammenhänge und Ereignisse nicht immer nur aus einer Perspektive erzählen zu können.

2. Echte Häfen. Ich will mehr über die Häfen erzählen, in denen Pit liegt, strandet oder vorbei segelt. Strande ist also nu auch Strande 😉

Ich verblogge das Logbuch hier auf blog.ring2.de, dadurch auch im Fediverse abonnierbar: @erik@www.blog.ring2.de.

Ausserdem per E-Mail via #Substack:

https://logbuch.substack.com/p/wieder-wasser-unterm-kiel?sd=pf

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Dialoge

Erst mal n Kaffe

Guten Morgen,

Ich hoffe du bist gut hochgekommen heute. „Erstmal n Kaffe“, twittert ein Bekannter von mir immer als erstes. Ohne das zweite E, so wie man ihn in Hamburg spricht. Ein wenig weiter nördlich, so lernte ich gestern von einem alten Bloggerkumpel, trinkt man Espresso mit Kardamom. Man mag es offenbar exotisch in Schleswig-Holstein.

Das, was Du zum Start in den Tag trinkst, hat ja auch was zu sagen, sagt meine Oma.

Sie schwört auf Filterkaffee, aufgegossen mit „springend kochend Wasser“. Wie modern sie schon vor 40 Jahren war, kann jeder sehen, der sich im Hain, dem Blatt oder in Frankfurter Edelröstereien umschaut.

„Springend kochend Wasser“, wenn ich das schreibe, dann höre ich sie wieder. Stolpernd über den spitzen Stein. Wenn ich sie in diesem Text sprechen lassen möchte, dann setze ich ihre Rede in Anführungszeichen — die hat sie immer „Gänsefüßchen“ genannt.

Ich lese gerade ein neues Buch, da haben sie die Gänsefüßchen vergessen. Mit Absicht womöglich… das liest sich dann in etwa so:

Sie lassen dich also raus, Wollie. Sieht so aus.

Was willst du jetzt tun?

Tanzen.

Ist gewöhnungsbedürftig.

Was, Wollie?

Die Freiheit, Sir, die Freiheit.

//: komm gut in deinen Tag, jetzt erstmal n 2. Espresso. 😉

Erik

PS Dir gefallen meine Morgenseiten?

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Osten Wind

Nein, sagte Ostwind, ich kann mit niemandem befreundet sein, der mich ‘Brise’ nennt.

Nun, dachte sich der Westwind, dann will ich das nun nicht mehr. Und schickte tiefen Druck als Sturm.

Denn Winde können keine Freunde sein. Nach dem darauf folgenden Gewitter legte sich über sechs Wochen ein arktischer Wind über das Land.

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Dialoge

Elbtower: Wie Ideen geboren werden

tldr; Wie Nierensteine

Wie das wohl abläuft? Wie wird so ein Megaprojekt, wie der Hamburger Elbtower geboren?

Ich stelle mir das so vor:
 
Herr Hoch und Herr Tief treffen ihren Kumpel Olaf auf dem Matthau-Mahl zu Ehren des großen Hamburger Schauspielers. Beim gemeinsamen Schnack auf der Herrentoilette stehen Heinrich Hoch und Olaf – nur von einem verschämten Sichtschutz getrennt – nebeneinander. Herr Hoch schaut hinunter auf seinen … Schuh … und raunt zu Olaf hinüber: „Nu, da die Elfi steht, braucht mein Kollege Tief was zu tun, sonst kommt der auf komische Ideen.“. Dabei grinst er die Kacheln an und diese werfen ein kehliges Lachen zurück.
 
Nun schaut auch Olaf auf seinen … Schuh … und sagt nach einer Weile:
„Ich hab da eine Idee.“
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Auf Reisen

Mooring-Winter in Palma

Die Sonne geht früh unter, es ist Ende November und auch Palma de Mallorca kann sich den Gesetzen des Universums nicht entziehen – obwohl, wenn es einen Ort gäbe, der das vermöge, es wäre wohl Mallorca.

Ich bin gerade angekommen und werde bis zum Frühjahr bleiben. Das habe ich mir zumindest vorgenommen.

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Bruno

Sarah ist loyal,
Sie trägt tapfer ihre weiße Schirmmütze,
Unter der ihre brünetten, langen Haare widerspenstig hervor luken,
Sie verteidigt Mangel und Verlassen sein. ‚Bruno‘ steht auf ihrem Rücken. Der Name eines alten Mannes.

Sie lächelt, und ihre Beine schmerzen;
Setzen?, nicht dran zu denken,
Denken, nicht dran zu denken.
Manchmal erzeugt der Moment eine persönliche Situation,
Ansonsten ist sie das Persönchen für den Sonntagabend.
Auch eine Erfahrung.

Der Mond ist fast voll,
Erzählt ihr ein Gast,
Nicht mehr ganz nüchtern.
Das hätte sie fast verpasst.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Camp

Camp, so hat mir einmal jemand erklärt, ist das, was Du siehst, wenn Du haarscharf an dem Objekt vorbei schaust, das Du betrachten willst. Der Fokus ist anders, weiter, und man kann manchmal mit der Peripherie Dinge sehen, die unbemerkbar sind, schaut man direkt darauf.

Sie ist sehr persönlich, diese ‚campyness‘, deswegen lässt sich famos darüber streiten, aber ein vereinender Faktor ist das Herausnehmen aus Gelerntem, vor allem Machtbeziehungen. Deswegen kann Mainstream fast nie Camp sein, Vicky Leandros in einem Stadion sehr wohl, am Ballermann nie, im Olympiastadion?, schwierig – ihr versteht?

Schräg‚, ist eine häufige, aber schlechte Übersetzung, ‚Queer‚ dagegen steckt oft im Camp, auch weil eine marginalisierte Sicht auf die Welt immer von einem anderen Standpunkt aus geblickt wird. Und um den geht es: den Winkel, den Blick, der aus Höhöhö erstaunte Sprachlosigkeit macht, und warm ums Herz. 😉

Erhöhen ist dabei genauso erlaubt, wie herzliches, aber unpassendes Pathos; St. Pauli lieben geht also, ein aus nationalistischer Vaterlandsliebe geborene Erhöhung dagegen nicht als campy durch. Wikipedia weiß dazu:

„Ein inzwischen als überholt, lächerlich oder misslungen geltender Stil ist dabei nicht automatisch Camp. Nach Susan Sontag muss eine gewisse Theatralik, Leidenschaftlichkeit und Verspieltheit sichtbar werden; Camp-Ironie ist auch überwiegend auf sentimentale und liebevolle Weise ironisch, will die erwählten Gegenstände, Personen und Kunstwerke nie nur vorführen oder der Lächerlichkeit preisgeben. Ferner entsteht gute campy Kunst eher naiv und unfreiwillig; halbherzig gewollte Adaption der Camp-Optik nannte Sontag verächtlich „Camping“.“

Dabei hängt es stark von der persönlichen Prägung ab, was als Camp wahrgenommen wird, selbst im deutschen Schlager wollen manche (eher unfreiwillige) Camp-Aspekte entdecken, etwa in der Musik Howard Carpendales. Madonnas Verwendung von Camp-Ästhetik, oft direkt den Trends schwuler queerer Subkultur abgeschaut, bezeichnet dann bereits ein zentrales Problem des Camp: Ist das noch freundliches Zitat oder bereits exploitative Aneignung durch die etablierte Kulturindustrie?

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Leichtes Gepäck

Wenn ich reise, nehme ich mich mit – leichtes Gepäck also.

Wenn ich ankomme und mich umsehe, wird alles mehr, aufgefüllt mit Düften, die von Land herüber wehen, von Gesichtern, die lachen, forschen, verlangen. Fremdartige Boote, weisse Möwen, grelle und wunderschöne Seelichter – und Gesichter: Von berühmten Städten, verwunschenen Stränden und vergessenen Plätzen.

Aber schwerer wird es nicht.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Prosa User

Ich mag Prosa und ich mag Privatheit. Um beides zusammen zu bekommen und um Herrn Facebook es nicht allzu leicht zu machen, meine ganzen Daten zu lesen, auszuwerten und sie mir wieder zurückzuschicken in Form von Werbung, werde ich meine Postings hier ein wenig prosaischer machen.

Das klingt dann ein wenig übertrieben, unglaubwürdig, albern-doof, skurril verliebt, hoffentlich an Stellen einfach und zu komplex zugleich; und es ist ganz bestimmt nicht echt.

Es wird mir hier sonst zu langweilig zwischen Postern, Fotos, Statements, Zitaten, und Mittagessen.

Danke.

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Mad Max in Bordesholm

Ich fahre diese Strecke regelmäßig und wenn man eine Regel aufstellen kann, dann die, dass es rund um Neumünster immer Ärger gibt. Entweder fängt hier der Stau in Richtung Norden an, weil irgendwelche Ruhrpottler in Scharen ihre Kinder und Trekking-Räder nach Dänemark kutschieren oder irgendein Investitionspaket verfrühstückt wird: „Wir bauen für Sie bis Sommer 2014“.

Ich bin eine besonnene Autofahrerin, das Autobahndreieck Bordesholm ist für mich der Alptraum und wenn ich könnte und eine Waffe hätte, dann wären am Straßenrand schon etliche weiße Kreuze, die ich initiiert hätte: LKW-Fahrer, Audi TT Hobbymachos und eben die Radtransporter aus Nordrhein-Westfalen, das wären meine Opfer gewesen. Ich zwinge mich dann immer zur Ruhe, schaue auf die alten und schönen Bäume am Straßenrand, und versuche mich über das Grün zu freuen, das es ja in Schleswig-Holstein sehr viel gibt. Meistens hilft das, und wenn Neumünster und Bordesholm passiert sind, dann beruhige ich mich meist.

Heute auch. Und regelmäßig, wenn ich die drei Windräder sehe, die so schön synchron sich drehen, freue ich mich fast. Irgendwie ist mir entgangen, dass ich sie heute nicht gesehen habe. Dabei war gar kein Nebel oder einer der häufigen Starkregen-Schauer, die dann über die Kieler Bucht ziehen. Es ist warm und hell. Fast blauer Himmel und wenn ich darüber nachdenke, wird es auch immer wärmer in meinem Wagen.

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Rote Momente

Das Rot,
es sieht von jeder Seite anders aus.

Mal machtvoll, mal zaghaft bahnt es sich durch den dicken Stoff. Aber ich kann es sehen, und fühlen.
Es ist warm.

Mein Gesicht glänzt, wie die Wand, beschienen von rotem Schein.
Wirst Du es sein, die sich erinnert?

Doch auf ein Mal,
es ist nur ein Moment der Ablenkung und der Zauber ist gegangen.

Tom Buhrow liest es vor: Übernahme der Regierung durch das emotionale Establishment. Laut klopfen dann die mahnenden Finger auf der Seele.

Das Rot ist verschwunden, hat sich eingewunden, versteckt das Gesicht. Du lächelst nicht mehr. Wieviel Zeit ist vergangen seit wir noch glühten? Keine Minuten, kaum wahrzunehmen.

Ich trete einen Schritt zurück, verschaffe mir einen Überblick. Und entferne mich widerspenstig in den Morgen.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Pochen

Das Leben pocht energisch an meinen Schläfen.
Mein Herz springt fast aus seinem Korb.

Ich schmiege mich in Gedanken an Deinen warmen Schoß.

Im Leben darf man nur selten einfach zurücksetzen. Und eine andere Abfahrt nehmen.

Solange Du bei mir bist, nehme ich den Fuß vom Gas und stelle mir vor, wie es ist, 100 Jahre alt zu sein und dem neuen Tag doch entgegen zu lachen.

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Haikus, Gedichte und andere kurze Gedanken

Wassertreten

Merkwürdig”, dachte er. “Das ist mir nie aufgefallen, wie unsinnig das ist, einhand durch die flüssige Wüste zu segeln, mit Rettungsringen und Life Sling am Heckkorb.”
Noch war er ganz ruhig. Aber fühlen konnte er ihr Herannahen. Noch konnte er sich vorstellen, dass er hinter ihr her kam. Der letzte Spurt, für den er wie eine ausgehungerte Gepardenmutter alle Reserven würde mobilisieren müssen.

Der orange-rote Rettungsring am Heck wogte leicht hin und her, als Wilfried seine aufkommende Panik herunterschluckte und ihm hinterher ruderte. Vier Züge, dann atmen.